Code und Kodex: Tagung an der HSU/UniBw diskutiert KI und Ethik in der Verteidigung

HSU

7. April 2026

Hamburg. Welche Rolle soll Künstliche Intelligenz künftig in der Verteidigung spielen – und wo verlaufen ihre ethischen, rechtlichen und institutionellen Grenzen? Dieser Frage widmeten sich Dr. Sylvia Kühne, Dr. Benedikt Bussmann und Prof. Dr. Gerhard Schreiber gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Militär. Mit der zweitägigen Tagung „Code und Kodex – KI und Ethik im Gefecht“ am 19. und 20. März 2026 initiierte der AI Ethics Research Hub der Helmut‑Schmidt‑Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw H) einen interdisziplinären Dialog zum verantwortungsvollen Einsatz von KI in militärischen Kontexten.

Universitätspräsident Prof.Dr. Klaus Beckmann eröffnet die Tagung „Code und Kodex – KI und Ethik im Gefecht“ an der HSU/UniBw H.
Ein Mann spricht vor einem Rednerpult
Ministerialdirigent Alexander Schott hält eine Eröffnungsrede bei der Tagung „Code und Kodex – KI und Ethik im Gefecht“.

Interdisziplinärer Austausch zu KI in der Bundeswehr

Eröffnet wurde die Tagung durch Grußworte von HSU-Präsident Prof. Dr. Klaus Beckmann sowie von Ministerialdirigent Alexander Schott, Direktor Forschung und Innovation GB BMVg und Chief AI Officer der Bundeswehr. Bereits zu Beginn wurde deutlich, dass der Einsatz von KI in der Verteidigung nicht allein eine technische Frage ist, sondern ethische, rechtliche, politische und institutionelle Dimensionen berührt.

Der erste Veranstaltungstag widmete sich der Frage, welches Wissen über KI gegenwärtig verfügbar ist – und wie dieses Wissen den sicherheitspolitischen Diskurs prägt. Eine Keynote von Prof. Dr. Oliver Niggemann (HSU/UniBw H), die den aktuellen Stand der technischen Entwicklung in den Blick nahm, bildete den Ausgangspunkt für die anschließenden Diskussionen. In den Panels sprachen unter anderem Dr. Thomas Bächle (Bonn), Prof. Dr. Jessica Heesen (Tübingen), Prof. Dr. Paula Helm (Frankfurt) und Prof. Dr. Rainer Mühlhoff (Osnabrück) über Imaginationen, Erwartungshaltungen und normative Annahmen, die den Umgang mit KI in der Verteidigung beeinflussen.

Den Abschluss des ersten Tages bildete eine ebenfalls hochrangig besetzte Podiumsdiskussion zu den gegenseitigen Erwartungen von Militär und Wissenschaft. Prof. Dr. Petra Gehring (Darmstadt), Generalmajor Klaus Frauenhoff (Amt für Heeresentwicklung), Prof. Dr. Monika Daseking (HSU/UniBw H), Prof. Dr. Christian Katzenbach (Bremen), Flottillenadmiral Dirk Gärtner (Marinekommando) und Ministerialdirigent Alexander Schott (BMVg) diskutierten, wie Verantwortung, Entscheidungsprozesse und wissenschaftliche Expertise im militärischen Kontext sinnvoll zusammengeführt werden können.

Menschen nehmen an einer Podiumsdiksussion teil
Podiumsdiskussion v.l.n.r.: Prof. Dr. Gerhard Schreiber (HSU/UniBw H), Prof. Dr. Monika Daseking (HSU/UniBw H), FltlAdm Dirk Gärtner (Marinekommando), MDg Alexander Schott (BMVg), Prof. Dr. Petra Gehring (Darmstadt), Prof. Dr. Christian Katzenbach (Bremen), GM Klaus Frauenhoff (Amt für Heeresentwicklung)

KI in Aus- und Weiterbildung der Bundeswehr

Am zweiten Tag rückte die Vermittlung von Wissen über KI in Aus‑ und Weiterbildung in den Fokus. Generalmajor Ansgar Meyer (Zentrum Innere Führung) eröffnete den Tag mit einer Keynote unter dem Titel „Kämpfen mit KI – Entscheiden ohne Gewissen?“. In den folgenden Panels diskutierten unter anderem Dr. Jascha Bareis (Fribourg), Dr. Simon Egbert (HSU/UniBw H), Oberstleutnant Dr. Andreas Wolfrum (Führungsakademie der Bundeswehr) und Kathrin Bruder (HSU/UniBw H), welche Herausforderungen der Einsatz von KI für Ausbildung, Führung und Entscheidungsfindung mit sich bringt und wie entsprechendes Wissen künftig vermittelt werden kann.

Dr. Sylvia Kühne: Unsere zentrale Erkenntnis: KI in der Verteidigung ist keine rein technische Frage. Verantwortung, institutionelle Praxis und ethische Reflexion müssen von Beginn an mitgedacht werden. Verantwortung entsteht dabei nicht erst bei autonomen Waffensystemen, sondern bereits dort, wo KI Wahrnehmung, Entscheidungsprozesse, Wissensordnungen und Ausbildung verändert – und wo „Wissen über KI“ untrennbar mit „Wissen mit KI“ verbunden ist.

Den Abschluss der Tagung bildete eine weitere Podiumsdiskussion zur Zukunft der Aus‑ und Weiterbildung in der Bundeswehr. Prof. Dr. Maria Maleshkova (HSU/UniBw H), Brigadegeneral Holger Draber (Logistikschule der Bundeswehr), PD Dr. Dagmar Schulze Heuling (HSU/UniBw H), Oberst i.G. Prof. Dr. Manuel Schulz HSU/UniBw H), Konteradmiral Ralf Kuchler (Führungsakademie der Bundeswehr) und Prof. Dr. Gerhard Schreiber (HSU/UniBw H) diskutierten die Anforderungen an eine interdisziplinär fundierte Qualifizierung im Umgang mit KI.

Verantwortungsvoller KI‑Einsatz

„Die Tagung zeigte, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Verteidigung nur dann verantwortungsvoll gestaltet werden kann, wenn technologische Expertise, militärische Praxis und ethische Reflexion von Beginn an zusammengedacht werden. Entscheidend ist dabei nicht, jede technisch mögliche Option auszuschöpfen, sondern KI so einzusetzen, dass sie verantwortbares Handeln unterstützt und fundierte Entscheidungen in kritischen Situationen ermöglicht“, fasst Dr. Benedikt Bussmann zusammen.

Zugleich wurde deutlich, dass es weiterer Formate bedarf, in denen Begriffe präzisiert, Problemstellungen gemeinsam bearbeitet und Perspektiven aus Wissenschaft, Ethik und militärischer Praxis systematisch zusammengeführt werden. Dies entspricht dem Selbstverständnis des AI Ethics Research Hub, Projekte zu entwickeln und Ideen in konkrete Formate und Wirkung zu überführen. „Mit dem AI Ethics Research Hub an der HSU/UniBw H schaffen wir eine interdisziplinäre Plattform für Forschung, Austausch und Transfer. Wir wollen ethische, soziale und organisationale Fragen der Künstlichen Intelligenz zusammenführen und zugleich den Dialog zwischen Wissenschaft, militärischer Praxis und Öffentlichkeit stärken“, sagt Prof. Dr. Gerhard Schreiber, Leiter des Ende 2024 gegründeten Forschungshubs.

Menschen in Uniformen stehen im vor einem Gebäude und Unterhalten sich.
Zeit, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die Tagung bildete den Auftakt für die gleichnamige Veranstaltungsreihe „Code und Kodex“, die künftig jährlich an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg stattfinden soll. Ergänzend sind thematische Workshops, Werkstattgespräche und Publikationen vorgesehen, um einzelne Fragestellungen weiter zu vertiefen und die Ergebnisse auch öffentlich zugänglich zu machen. Die Gespräche und Diskussionen hätten deutlich gemacht, dass sowohl in der Wissenschaft als auch im Militär ein großer Bedarf an solchen Anschlussformaten besteht, erklärten die Veranstaltenden des AI Ethics Research Hubs.