Neujahrsansprache des Präsidenten HSU/UniBw H

HSU

7. Januar 2022

Ausblick, Augenblick, Rückblick – in seiner Neujahrsrede spricht Universitätspräsident Prof. Dr. Klaus Beckmann über die bevorstehende Rückkehr zur Präsenzlehre, die aktuellen Grundlagen dieser Entscheidung und den Forschungsoutput, den die HSU/UniBw H 2021 hervorgebracht hat.

Liebe Universitätsmitglieder,
liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,

zunächst möchte ich Ihnen und Ihren Angehörigen ein glückliches neues Jahr wünschen. Mögen sich Ihre Wünsche erfüllen!

Einer meiner Wünsche war, bei dieser Ansprache zum neuen Jahr ohne das „C-Wort“ auskommen zu können. Zumindest dieser ist leider nicht in Erfüllung gegangen.

2021 war für viele von uns ein Jahr der Hoffnung: Wie auf einen trägen Ladebalken stierten wir seit dem Frühjahr auf den Fortschritt der nationalen Impfkampagne, in der Hoffnung, spätestens bei 90 Prozent endlich unser altes Leben, unsere Freiheiten wiederzuerlangen.

Für die HSU hatte das SanVersZ Hamburg-Mitte bereits Ende April die ersten 220 Dosen der damals noch knappen Corona-Schutzimpfung verteilt, im Sommer waren 400 Personen vollständig geschützt und im August hatten wir die kritische Durchimpfungsrate von 90 Prozent auf unserem Campus erreicht.

Doch wie das Licht zum Jahresanfang ist auch unsere Zuversicht, diese Pandemie schnell zu überwinden, aktuell noch gedämpft. Dies aus zwei Gründen: Derzeit sind nur etwas mehr als 70 Prozent der Bürger und Bürgerinnen in Deutschland zweifach geimpft oder haben die Einmalimpfung von Johnson & Johnson erhalten. Manche zaudern aus verschiedenen Gründen, hinter denen oft subjektive Ängste und der Vertrauensverlust in Politik wie Wissenschaft liegen.

Dieser Skepsis gilt es immer wieder mit Argumenten und ohne Vorverurteilung entgegenzutreten, denn künftig wird sie auch andere Mammutaufgaben unserer Gesellschaft begleiten. Und für uns als Universität wird damit eine Aufgabe im Rahmen der „Third Mission“ Wissenstransfer angesprochen. Darauf hat der Wissenschaftsrat in seiner jüngsten Stellungnahme zur Wissenschaftskommunikation klar hingewiesen.

Denn eines darf man nicht vergessen: Nur durch neue Methoden zur Impfstoffherstellung wie der mRNA-Technologie schaffen wir es, der Wandlungsfähigkeit des Virus rechtzeitig etwas entgegenzusetzen.

Doch wir als Universität haben uns Omikron gestellt: Durch die noch bis 20. Jänner 2022 bei uns laufende Boosterkampagne haben wir unseren Teil dazu beigetragen, die Welle zu verzögern, unsere Leute zu schützen und einem normalen Universitätsbetrieb näher zu kommen.

Eng geknüpft an das Maßnahmenkonzept der Bundesregierung und den lokalen Fortschritt unserer Impfkampagne gestalteten wir auch den Lehrbetrieb des Jahres 2021.

In den vergangenen Winter- und Frühjahrstrimestern, noch während des ewigen „Wellenbrecher-Lockdowns“, stand die Planbarkeit und die Vermeidung von Doppelklausurphasen im Vordergrund. Wir hatten die digitale Lehre und unsere Möglichkeiten, im Homeoffice zu forschen und zu arbeiten, soweit verbessert, dass die Auftragserfüllung auch abseits des Campus bewältigt werden konnte. Allerdings mit erheblichen Abstrichen.

Im Herbsttrimester 2021 kam es in Abstimmung mit dem Ressort und der ÖRA zu einer Hybridisierung der Lehre. Im Rahmen eines Stufenplans führten wir die Anwesenheitspflicht für Studierende wieder ein, wobei digitale Lehranteile aus dem so genannten Campus Office zu bestreiten waren. Ein Ansatz, der im Nachgang als ambivalent einzustufen ist: Die tatsächliche Ausgestaltung des Lehrangebots und die damit einhergehende Verteilung der Präsenzanteile führte zu erheblichen Unterschieden zwischen Studiengängen und Studienjahrgängen. Einigen Studierenden wurde überhaupt kein Präsenzangebot gemacht, obwohl sie auf dem Campus ausharren mussten. 

Das ist ein Umstand, den wir so nicht mehr wollen: Im Wintertrimester bekennen wir uns ab dem 24.1.2022 zu einer vollumfänglichen Präsenzlehre mit den gewohnten E-Learning- Anteilen, die unter den entsprechenden Vorkehrungen sichergestellt werden soll.

Das einstimmige und deutliche Bekenntnis des Akademischen Senats zur Präsenzlehre – ein Beschluss vom letzten Dezember – erteilt uns dafür das Mandat.

Wir beginnen in vier Tagen, also am kommenden Montag den 10. Jänner, mit digitalen Veranstaltungen. Diese finden gemäß dem für die Präsenzlehre festgelegten Plan statt. Nur der Ort ändert sich: vom Seminarraum auf MS Teams.

Am 17.01. lebt die Anwesenheitspflicht der Studierenden am Dienstort Hamburg wieder auf. Eine Woche später, am 24.01., werden alle Lehrveranstaltungen auf Präsenz umgestellt – bis auf das bereits erwähnte didaktisch sinnvolle E-Learning.

Warum diese zwei digitalen Wochen? Die Zeit benötigen wir, um unsere Universitätsbürger:innen durchzuboostern und eine 95-prozentige Boosterquote zu erreichen. Erst dann halten wir Veranstaltungen in den großen Hörsälen für vertretbar im Sinne des Infektionsschutzes.

Und wenn es zum Schlimmsten kommt? Dann „switchen“ wir komplett zurück auf die digitale Version, wieder unter Nutzung des bestehenden Veranstaltungsplans. Nur begeben wir uns dann wieder aus dem Seminarraum in MS Teams – verbunden mit all den Einschränkungen, die dieser Schritt für Seminare, Labore, Übungen und unseren wissenschaftlichen Austausch mit sich bringt.

Die Weisung Nr. 9 aus dem Oktober 2021 gilt vorläufig als Rechtsgrundlage für den übergangsweisen Verbleib in der Fernlehre fort, und zwar in angepasster Form. Einen Kommentar hierzu werde ich Ihnen in Form einer Dienstanweisung via Bulletin übermitteln. Ausnahmen von der digitalen Fernlehre wird es in dieser Übergangszeit nur mehr für Prüfungen, Übungen und Labore in Kleingruppen geben. Ende Januar 2022 tritt dann die Weisung Nr. 10 in Kraft, die wir derzeit vorbereiten.

Wie Sie sehen, vereinnahmt uns das Pandemiemanagement weiterhin ganz schön, doch möchte ich in diesem Jahresrückblick einige besondere akademische Erfolge und Einzelleistungen an unserer Universität hervorheben, die wir, der Pandemie zum Trotz, im Jahr 2021 vermelden konnten. Sie alle tragen zu unserem erklärten Ziel bei, die Helmut-Schmidt-Universität zu einer Universität des Bundes mit internationaler Sichtbarkeit weiterzuentwickeln.

Für unseren Erfolg bei einer Antragstellung auf DFG-Mitgliedschaft haben wir 2021 gemeinsam wichtige Grundlagen geschaffen. Das bleibt eine wichtige Aufgabe, zumal wir auch noch die Implementierung des DFG-Kodex für Gutes Wissenschaftliches Arbeiten bei uns dokumentieren müssen. Dies läuft unter der Federführung unserer neuen Vizepräsidentin für Forschung, Frau Kollegin Prof. Dr. Schuler-Harms.

Um die internationale Sichtbarkeit der HSU voranzutreiben, entschieden wir uns im Akademischen Senat zur Teilnahme an einem HRK-Audit, einer 10-monatigen Prüfung mit dem Ziel, unsere Bemühungen auf dem Gebiet der Internationalisierung von außen zu objektivieren. Die Federführung hat unsere Vizepräsidentin für Internationales, Frau Kollegin Prof. Dr. Zeuner. Im Anschluss an dieses HRK-Audit werden wir uns in unserer Eigenschaft als familienfreundliche Hochschule auditieren lassen.

Wir haben zu Beginn meiner Amtszeit ein neues Leitbild und Leitlinien für die gemeinsame Arbeit diskutiert, formuliert und im Akademischen Senat beschlossen. Darin findet sich unser Anspruch, die Wissenschaftspartnerin des Bundes zu werden.

Diesem Ziel kamen wir mit der Einführung des Studienganges Rechtswissenschaft für die Öffentliche Verwaltung für zivile Beamte der Bundeswehr ein Stück weit näher. Die Kapazität des Studienganges konnten wir 2021 erweitern und werden künftig auch Studienplätze für andere Bundesressorts anbieten. Mit dem Start unseres Logistikstudienganges zur Vermittlung eines breit angelegten Grundlagenwissens aus den Wirtschaftswissenschaften und den Ingenieurwissenschaften, konnte unsere Universität ihre Stärke in der Interdisziplinarität weiter ausbauen.

Was die Einwerbung von Ressourcen betrifft, errangen und administrierten wir gemeinsam den wohl bislang größten Erfolg für unsere Universität: Mit insgesamt 44 positiv begutachteten dtec.bw-Projekten aus 93 Einreichungen lukrierte die Universität ein Auftragsvolumen von rd. 250 Mio € durch das BMVg. Schwerpunkte setzten dabei unsere Forschungen zu „KI und intelligenten physischen Systemen“, „Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Energie“ sowie „Organisation-Personal-Arbeit-Leadership“. Dafür danke ich allen vier dtec-Dachprojektleitern sowie allen professoralen Kolleg:innen, die das inhaltliche Fleisch für die Anträge geliefert haben. Namentlich Herrn Prof. Manuel Schulz für KoDiA, Herrn Professor Alexander Fay für KIIPS, Herrn Professor Detlef Schulz für Energie und Digitalisierung und Herrn Professor Wenzel Matiaske für OPAL.

Mir ist bewusst, dass dtec.bw unter starkem zeitlichen Druck umgesetzt werden musste. Ich möchte hier meinem ehemaligen Vize Forschung Rolf Lammering sowie Kanzler Axel Puckhaber für die Steuerung dieser Aufgabe danken. Mein Dank gilt allen Mitarbeiter:innen, die mit unermüdlichem Einsatz an der Implementierung von dtec.bw gearbeitet haben.

Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,

wie Sie wissen, referiere ich nicht mehr im Berichtsteil des Akademischen Senats über die Erfolge unserer Kolleginnen und Kollegen. Stattdessen bitte ich um eine kurze schriftliche Meldung an das Senatssekretariat, die dann zum einen dem Akademischen Senat digital zur Kenntnis gegeben wird, zum anderen in unser Reporting eingeht.

Erlauben Sie mir, eine kleine Auswahl dieser Meldungen herauszugreifen. Sie illustrieren ganz wunderbar wie erfolgreich unsere Fakultäten unter Corona-Bedingungen agieren. Um den Rahmen nicht zu sehr zu strapazieren, muss ich mich leider auf ein Highlight pro Fakultät beschränken

Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Univ.-Prof. Dr. Florian Jaehn und Univ.-Prof. Dr. Dominik Kreß, gleich zwei HSU-Professoren aus dem Fachbereich Betriebswirtschaftslehre, reihten sich im Jänner im Forscher-Ranking der WirtschaftsWoche unter die Top 100 Betriebswirte des gesamten DACH-Raums ein. Alljährlich bewertet die etablierte Wirtschaftszeitschrift bis zu 3.000 Forscher*innen in drei Kategorien nach ihrem wissenschaftlichen Output.

Geistes- und Sozialwissenschaften

Univ.-Prof.‘in Dr. Yvonne Nestoriuc erlangte im Rahmen einer von der DFG bewilligten Forschungsgruppe für ihr Projekt „Modifizierbare Einflussfaktoren für persistierende Körperbeschwerden bei Somatischer Belastungsstörung“ eine Förderzusage von 525.020 €.

Elektrotechnik

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Prof. Detlef Schulz und sein Forschungsteam haben im Rahmen des Ideenwettbewerbs der „Reallabore für die Energiewende“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit ihrem Forschungsvorhaben „NDRL – Norddeutsches Reallabor; Teilvorhaben: Integrierte Netzplanung für die drei Energieträger Strom, Gas und Wärme“ im April 837.000 Euro für die HSU eingeworben.

Maschinenbau und Bauingenieurwesen

Herrn Univ.-Prof. Dr. Oliver Niggemann und seinem Team sind u.a. für das BMBF Verbundprojekt „KIAAA“ Fördermittel von rund 300.000 Euro bewilligt worden. In diesem Forschungsprojekt soll eine Schulungs- und Ausbildungssoftware erstellt werden, die Automationsexperten beim Lernen unterstützt.

Meine Damen und Herren, das war eine ganz kleine Auswahl aus einem reichen Strauß. Ich gratuliere natürlich allen, die Drittmittel eingeworben und weitere Erfolge für unsere Universität erzielt haben.

Zum Schluss des Rückblicks: Besonderen Dank richte ich an jene zehn Professuren, die eine erfolgreiche Teilnahme unseres Hauses auf dem ITS World Congress 2021 im Oktober ermöglichten. Mit Ihren Inhalten und Ihrem Auftritt konnte sich die HSU erfolgreich auf dem internationalen Parkett der vernetzen Mobilität präsentieren. Der ITS ist sicherlich ein weiteres Erfolgsprojekt des Jahres 2021. Dafür danke ich unserem Federführer, Herrn Köfler. Und ich danke meinem Vorgänger im Amte, Herrn Kollegen Seidel, dafür, dass er den ITS unter seine Fittiche genommen hat.

Lassen Sie uns nun kurz in die Glaskugel schauen.

(1) Die Covid-Pandemie wird sich entweder in einen endemischen Zustand wandeln, oder es wird zu einem sozialen Ende der Pandemie kommen. Die ökonomischen und sozialen Kosten von Covid-Maßnahmen waren immer schon hoch, aber jetzt steigen auch die politischen Kosten. Das lässt mich auf mehr Spielräume für uns alle hoffen.

(2) Wir werden dtec.bw unter den Fuß bekommen. Der schnelle Start ging mit einer erheblichen Belastung die Verwaltung einher, die aufgrund der transitorischen Natur des Projekts nicht aufgestockt werden konnte und schnell auch nicht aufzustocken wäre. Diese „Bugwelle“ wird demnächst weitgehend abgearbeitet sein.

(3) Wir werden im Jahr 2022 die wesentlichen Weichen stellen müssen, um unsere mittelfristigen Ziele aus den im Jahr 2019 beschlossenen Leitlinien zu erfüllen. Das betrifft den angesprochenen Antrag auf DFG-Mitgliedschaft, das HRK-Audit Internationalisierung, die Qualitätssicherung in den Studiengängen einschließlich der Einführung des DiGA und der Weiterentwicklung beim RöV, beim VVR und bei ET.

(4) Wir werden im kommenden Jahr unser 50. Jubiläumsjahr beginnen. Planungen hierzu laufen bereits.

Und dann geht es noch weiter in die Zukunft.

Wir arbeiten unter anderem an der Einführung von HISinOne. Unser Forschungsinformationssystem OpenHSU wurde 2021 zu einem zentralen Bestandteil unserer Kommunikations- und Transparenzoffensive und bildet den Output all dessen ab. Es muss langfristig weiterentwickelt werden. Die Digitalisierung unserer Universität bleibt ein Thema bis hin zur Digitalisierung (der Bundeswehr) durch unsere Universität.

Die Bundeswehr und ihre Bedarfe werden sich wandeln. Darüber hinaus müssen wir als Universität des Bundes mit internationalem Anspruch auch andere Stakeholder adressieren.

Wie soll das gehen? Und was gibt es noch? Dazu habe ich einen kollaborativen Prozess angestoßen, der im ersten Quartal dieses Jahres mit strategischen Workshops beginnen wird.

Ich freue mich auf diese Aufgaben!

Und jetzt wünsche ich Ihnen ein frohes, erfolgreiches und gesundes Jahr 2022.

Ihr Klaus Beckmann