Neuberufen: Sylvia Veit

HSU

17. Mai 2024

Ihr Schwerpunkt liegt auf Verwaltungsreformen und Karriereforschung im öffentlichen Dienst: Seit dem 01.04.2024 hat Prof. Dr. Sylvia Veit die Professur „Verwaltungswissenschaft, insbesondere Digital Government“ an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw H) inne. Prof. Veit wirkt maßgeblich an dem neuen Master-Studiengang „Digital Governance and Administration (DiGA)“ an der HSU/UniBw H mit.

Prof. Dr. Sylvia Veit ist seit April 2024 Professorin für Verwaltungswissenschaft, insbesondere Digital Government an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg

Eine effiziente und transparente Verwaltung für eine starke Demokratie: Prof. Dr. Sylvia Veit forscht zu Verwaltungsreformen und Karrieremustern in der öffentlichen Verwaltung. In dem neuen Masterstudiengang Digital Governance and Administration (DiGA) an der HSU/UniBw H sieht sie die Chance, die Rolle von Staat und Verwaltung im Zuge der digitalen Transformation zu reflektieren.

Willkommen an der Helmut-Schmidt-Universität, Frau Veit. Können Sie uns etwas über Ihren akademischen Werdegang erzählen?

Natürlich. Mein Weg in die Welt der Verwaltungswissenschaften begann mit meinem Studium der Politikwissenschaften an der Universität Potsdam. Bereits während meines Studiums habe ich in verschiedenen Bereichen der Politik- und Verwaltungsberatung gearbeitet und dabei ein starkes Interesse an der praktischen Relevanz wissenschaftlicher Arbeit entwickelt.

Der Kontakt zur öffentlichen Verwaltung hat dann meine Neugierde für den Verwaltungsbereich geweckt. Meine Diplomarbeit und später auch meine Promotion wurden von dem renommierten Verwaltungswissenschaftler Werner Jann betreut, was meinen Weg in diesem Bereich weiter beeinflusste.

Nach meiner Promotion arbeitete ich parallel zu meiner Postdoc-Stelle an der Universität Potsdam an der FU Berlin in der Forschungsstelle Umweltpolitik und erhielt schließlich eine erste Vertretungsprofessur an der Universität Bamberg. Hier ist mir klar geworden, dass ich mich auf die akademische Karriere konzentrieren möchte. Von dort aus führte mich mein Weg weiter nach Kassel, wo ich als Professorin für Public Management den größten berufsbegleitenden Masterstudiengang Deutschlands im Bereich Public Administration leitete.

Was hat Sie an die Helmut-Schmidt-Universität geführt?

Ich hatte Lust auf eine neue Herausforderung. In Kassel war meine Professur in der Betriebswirtschaftslehre angesiedelt und ich war die einzige Verwaltungswissenschaftlerin im Haus. An der HSU reizt mich die mit renommierten Forschenden besetzte Politikwissenschaft und die eigene Fachgruppe Verwaltungswissenschaft. Damit sind wir hier im bundesweiten Vergleich sehr gut aufgestellt, die HSU ist in dem Bereich ein herausragender Standort in Deutschland. Ich freue mich über dieses tolle fachliche Umfeld an der eigenen Universität.

Könnten Sie Ihre Forschungsschwerpunkte kurz vorstellen?


Meine Forschung konzentriert sich derzeit auf zwei Hauptbereiche. Zum einen beschäftige ich mich intensiv mit Fragen der Verwaltungsreform, insbesondere im Kontext der Digitalisierung, des Bürokratieabbaus und der Rechtssetzung. Dabei untersuche ich verschiedene Instrumente und Maßnahmen zur Modernisierung der Verwaltung, mit denen die gewünschte Wirkung erzielt werden kann.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Karriereforschung im öffentlichen Sektor. Hier interessieren mich insbesondere Karrieremuster, also wie Karrieren im Laufe der Zeit verlaufen und welche Faktoren den Aufstieg in hohe Positionen beeinflussen. Diese Forschung hat sowohl theoretische als auch praktische Anwendungsbezüge und liefert wertvolle Erkenntnisse für die Gestaltung effektiver und resilienter Verwaltungsstrukturen.

Ihre Forschung hat also auch einen engen Bezug zum gesellschaftlichen Geschehen?

Ja, der empirische Gegenstand meiner Forschung ist ja die öffentliche Verwaltung. Wenn man sich wissenschaftlich mit Digitalisierung und Verwaltungsreformen auseinandersetzt, können davon natürlich auch praktische Handlungsempfehlungen abgeleitet werden. Die Gestaltung effizienter und transparenter Verwaltungsstrukturen trägt insgesamt dazu bei, die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit zu stärken.

Das gleiche gilt auch für die Karriereforschung. Durch die Untersuchung von Karrieremustern lässt sich auch etwas darüber sagen, warum manche Karrieren gelingen und andere stagnieren und wie man einen Motivationsverlust bei zunehmender Dienstzeit verhindern kann.

Durch meine Forschung möchte ich einen Beitrag zu einer modernen und effektiven Verwaltung leisten, die den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger gerecht wird und attraktive Rahmenbedingungen für moderne Führung bietet.

Was haben Sie nun an der HSU vor?

Ich freue mich darauf, den den im Januar 2025 startenden Master-Studiengang Digital Governance and Administration (DiGA) aufzubauen. In der Forschung blicke ich mit Spannung auf zukünftige Kooperationen, sowohl innerhalb der Verwaltungswissenschaft als auch interdiszplinär mit dem DiGA-Team, mit Kolleginnen und Kollegen aus der Politikwissenschaft und der Betriebswirtschaftslehre, und darüber hinaus.

Meine langfristige Vision ist es, die Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg als wichtigen verwaltungswissenschaftlichen Standort in Deutschland zu etablieren und die Sichtbarkeit des Standorts in Deutschland und im Ausland weiter zu steigern..

Der Master-Studiengang Digital Governance and Administration (DiGA) startet im Januar 2025. Welche Besonderheiten sehen Sie in dem neuen Studienangebot?

Durch die relativ kleinen Studierendengruppen ist das Betreuungsverhältnis an der HSU sehr gut. So kann man die Studierenden persönlich auf ihrem Weg begleiten und Kompetenzen für den Beruf vermitteln. Neben der fachlichen und inhaltlichen Qualifikation ist hier das analytische Denken, dass man durch die Wissenschaft lernt, das A und O. Auch die interdisziplinäre Ausrichtung ist eine wichtige Besonderheit des Studienangebotes. Durch viele Wahlmöglichkeiten können die Studierenden ein eigenes Profil entwickeln und sich auf Tätigkeitsfelder vorbereiten, die im Zuge der Digitalisierung im öffentlichen Sektor und in angrenzenden Bereichen neu entstanden sind.

Die DiGA-Studierenden reflektieren zudem ganz intensiv unsere demokratischen Grundlagen. In der Politik- und Verwaltungswissenschaft geht es ja viel darum, welche Rolle Staat und Verwaltung in einem demokratischen System spielen und was grundlegende Werte sind. Sich damit auseinanderzusetzen ist wichtig für Tätigkeiten in der Bundeswehr und anderen Bereichen der öffentlichen Verwaltung.

Welche Schwerpunkte möchten Sie in Ihrer Lehre setzen?

Mir ist Interaktivität sehr wichtig. Ich setze auf interaktive Formate, sowohl im Präsenzstudium als auch in der Online-Lehre. Dadurch erhalten die Studierenden ein breites Methoden-Repertoire.

Gibt es neben dem neuen Studiengang und Ihrer Vision für die HSU als verwaltungswissenschaftlichen Standort Deutschlands weitere Projekte, die bei Ihnen anstehen?

Allerdings, im kommenden Jahr sind Bundestagswahlen und parallel dazu führen wir federführend eine große Befragungsstudie mit politisch-administrativen Eliten durch – dazu gehören Führungsgruppen in allen Bundesministerien und Bundesbehörden. Ein Schwerpunkt soll diesmal auf dem Thema Digitalisierung liegen.

Außerdem startet bald ein DFG Projekt zur Elitenzirkulation in Autokratien am Beispiel der DDR. Auch dieses Projekt ist sehr aktuell, da sich daraus Anzeichen für den Rückbau demokratischer Staaten ablesen lassen.

Im Mai erscheint außerdem ein Buch von mir über Berufs- und Sozialprofile von Politik- und Verwaltungseliten vom Kaiserreich bis heute.

Das klingt nach vielen spannenden Projekten, Frau Veit. Vielen Dank für das Interview!

Die Fragen stellte Melanie Hagenau