Neuberufen: Maximilian Heimstädt

HSU

17. Mai 2024

Sein Schwerpunkt liegt auf dem Verhältnis von digitalen Technologien und wissensintensiver Arbeit: Seit dem 01.04.2024 hat Prof. Dr. Maximilian Heimstädt die Professur „Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Digital Governance & Service Design“ an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw H) inne. Prof. Heimstädt wirkt maßgeblich am neuen Master-Studiengang „Digital Governance and Administration (DiGA)“ an der HSU/UniBw H mit.

Prof. Dr. Maximilian Heimstädt hat seit April 2024 die Professur „Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Digital Governance & Service Design“ an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg inne

Die Digitalisierung der Arbeitswelt ist ein gesellschaftliches Großprojekt. Prof. Dr. Maximilian Heimstädt beschäftigt sich seit seiner Promotion mit unterschiedlichen Facetten von Digitalisierung und wissensintensiver Arbeit. Im neuen Masterstudiengang „Digital Governance and Administration“ (DiGA) an der HSU/UniBw H sieht Heimstädt eine große Chance für die Digitalisierung des öffentlichen Sektors.

Herr Heimstädt, willkommen an der Helmut-Schmidt-Universität. Können Sie uns Ihren akademischen Weg hierher skizzieren?

Gerne. Vor meinem Ruf nach Hamburg, wurde ich 2023 an der Universität Witten/Herdecke habilitiert. Die letzten Jahre hatte ich außerdem Positionen am Weizenbaum-Institut in Berlin und an der Universität Bielefeld inne. Angefangen hat mein akademischer Weg mit einem betriebswirtschaftlichen Bachelor-Studium in Köln. Meinen Master in Wirtschaftsinformatik habe ich an der University of St. Andrews in Schottland gemacht gefolgt von einer Promotion am Lehrstuhl für Organisationstheorie an der Freien Universität Berlin.

Könnten Sie Ihren Forschungsschwerpunkt kurz vorstellen?


Ich interessiere mich für das Verhältnis von digitalen Technologien und wissensintensiver Arbeit in Organisationen. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit liegt dabei auf Organisationen des öffentlichen Sektors. In den letzten Jahren habe ich beispielsweise intensiv zu algorithmischen Vorhersagen bei der Polizei geforscht. Ich habe dafür viel Zeit in verschiedenen Bereichen der Polizei verbracht und beobachtet wie Kriminalitätsvorhersagen erstellt, verteilt und eingesetzt werden. Ich halte diese Art der Forschung für ausgesprochen wichtig, da es oft einen großen Unterschied zwischen den vermuteten und tatsächlichen Auswirkungen digitaler Technologien in Organisationen gibt.

Welche Erfahrungen haben Ihre akademische Reise beeinflusst oder geprägt?

Während meines Bachelorstudiums habe ich verschiedene Praktika in Konzernen und Startups gemacht. Damals habe ich damit begonnen in Pausen und nach Feierabend meine Beobachtungen – kurioses und alltägliches – in einem Tagebuch festzuhalten. Rückblickend war das vermutlich ein unbewusster Einstieg in die ethnographische Organisationsforschung.

Ihre Forschung dreht sich um die Digitalisierung von öffentlichen Organisationen. Wie sind Sie zu diesem Gebiet gekommen?

Während meines Master-Studiums wurde Open Government Data ein wichtiges politisches Thema. Das war die Zeit der Piratenpartei, manche werden sich erinnern. Es wurden da auf einmal sehr nachdrückliche Transparenzforderungen an die Verwaltung gerichtet. Mich hat interessiert, wie diese Forderungen an die Verwaltung herangetragen werden und wie die Verwaltung dann damit umgeht. In meiner Masterarbeit und Promotion habe ich daher Open Data Initiativen in Berlin, London und New York untersucht. In jeder Stadt habe ich mehrere Monate vor Ort geforscht, die Öffnung von Daten in der Verwaltung beobachtet und mit Aktivisten, Politikern und Wirtschaftsvertretern gesprochen.

Das klingt, als hätte Ihre Forschung einen engen Bezug zum gesellschaftlichen Geschehen?

Die Betriebswirtschaftslehre ist eine sehr heterogene Disziplin. Ich verorte mich dabei klar im sozialwissenschaftlichen „Camp“. Das bedeutet, dass ich beispielsweise nicht nach universellen Regeln und Gesetzen der besten Organisationsgestaltung suche, sondern versuche zu verstehen wie die gesellschaftlichen Umstände die Gestalt von Organisationen beeinflussen. Und wie Organisationen auf diese Umstände einwirken können.

Was haben Sie nun an der HSU vor?

Mein Fokus liegt nun erstmal darauf, den neuen Master-Studiengang Digital Governance and Administration aufzubauen. Das mache ich nicht alleine sondern gemeinsam mit zwei weiteren neuen Professuren, eine aus der Verwaltungswissenschaft und eine aus der Informatik. Gemeinsam mit den neuen Kollegen und Kolleginnen möchte ich den Masterstudiengang schaffen, den ich selbst vor einigen Jahren gerne studiert hätte: interdisziplinär, praxisnah und mit der Möglichkeit ein individuelles Profil auszubilden.

Für die Praxis des Studiengangs spielt natürlich auch die Lehre eine große Rolle. Gibt es bestimmte Ansätze oder Methoden, die Sie betonen möchten?

Die Gruppengrößten an der HSU ermöglichen eine dialogorientierte Lehre, worüber ich mich sehr freue. Die kleinen Gruppen erlauben es auch mit etwas unkonventionellen Lehrmethoden zu experimentieren. Beispielsweise werden wir die Wikipedia editieren oder uns auf einen algorithmischen Spaziergang begeben. Darüber hinaus möchte ich gerne Lehrforschungsprojekte durchführen und gemeinsam mit Studierenden einen Sammelband veröffentlichen. Dabei lernen Studierende Fähigkeiten, die auch in nicht-wissenschaftlichen Tätigkeiten sehr hilfreich sind, zum Beispiel Beobachtung und Interview-Führung.

Welche Besonderheiten sehen Sie in dem neuen Master-Studiengang Digital Governance and Administration (DiGA)?

Der Studiengang eröffnet sehr viele Optionen für die Zeit nach dem Studium. Egal ob in der Zivilgesellschaft, in der Verwaltung oder auch bei der Bundeswehr: Personal mit Kompetenzen im Bereich Digitalisierung wird überall händeringend gesucht. Der DiGA-Studiengang bereitet Studierende noch stärker als bisherige Studiengänge auf Tätigkeiten im staatlichen Organisationsgeflecht vor. Sie werden für die Herausforderungen der Digitalisierung sensibilisiert und reflektieren die Folgen aus unterschiedlichen Perspektiven. Absolventinnen und Absolventen haben die Chance, die Arbeitswelt von Morgen in den nächsten Jahren aktiv mitzugestalten.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft, welche langfristigen Pläne haben Sie für Ihre Professur?

Langfristig möchte ich die Professur intensiv mit anderen Orten der Digitalisierungsforschung im Großraum Hamburg vernetzen. Die Region ist in diesem Bereich bereits sehr vielversprechend aufgestellt. Aus solchen Kooperation könnte dann zum Beispiel eine DFG-Forschungsgruppe oder sogar einen Sonderforschungsbereich entstehen. Die vernetzte Gesellschaft lässt sich nur im Netzwerk wirklich verstehen und gestalten.

Vielen Dank, Professor Heimstädt, das klingt nach spannenden Vorhaben!

Die Fragen stellte Melanie Hagenau