Wargaming auf höchstem Niveau: Xenia Schröder erfolgreich am U.S. Army War College zertifiziert

HSU

28. August 2026

Carlisle/Hamburg. Wargaming macht komplexe Entscheidungsprozesse in modellierten Situationen erlebbar. Die Methode wird insbesondere im militärischen und sicherheitspolitischen Kontext eingesetzt, gewinnt aber auch in anderen Bereichen an Bedeutung. Xenia Schröder, Projektmanagerin am German Wargaming Center (GWC) der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw H), hat nun eine Zertifizierung im Bereich Wargaming am U.S. Army War College (USAWC) absolviert. Als erste deutsche Frau im „Wargame Designer Course“ gehörte sie mit 23 Jahren zu den jüngsten internationalen Teilnehmenden.

Xenia Schröder, Projektmanagerin am German Wargaming Center der HSU/UniBw H, absolvierte erfolgreich die Wargame-Designer-Zertifizierung des U.S. Army War College.

Entscheidungen treffen und ihre Folgen erleben

Für Wargaming gibt es unterschiedliche Definitionen. Im Kern handelt es sich um eine Methode, bei der Menschen in einer modellierten Situation Entscheidungen treffen und erleben, wie sich diese auf den weiteren Verlauf auswirken. Wargames bilden komplexe Zusammenhänge vereinfacht ab, ohne dabei vorzugeben, dass sich Entwicklungen eindeutig vorhersagen lassen.

Im Mittelpunkt stehen die Entscheidungen der Beteiligten. Sie handeln mit begrenzten Informationen, verfolgen zum Teil unterschiedliche Ziele und müssen auf Entwicklungen reagieren, deren Folgen nicht immer absehbar sind. Auf diese Weise lassen sich Entscheidungs- und Koordinationsprozesse untersuchen und gemeinsam auswerten.

Vom ersten Planspiel zum German Wargaming Center

Zum Wargaming kam Xenia Schröder, Jahrgang 2003, während ihres ehrenamtlichen Engagements bei der Jungen Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Bei einem Planspiel in Potsdam lernte sie Dr. Joseph Verbovszky kennen, er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Politikwissenschaft, insbesondere Politische Theorie sowie Co-Direktor des GWCs. Er bat die heute 23-Jährige, ihn bei der Durchführung weiterer Wargames am GWC zu unterstützen. Mit gerade einmal 20 Jahren hat sie gemeinsam mit Dr. Verbovszky erste Spielleitungen durchgeführt.

Auf diese ersten Erfahrungen folgten unterschiedliche Durchführungen und mehrere Zertifizierungen, die Schröder zur eigenständigen Leitung entsprechender Spiele befähigten. Heute arbeitet sie am German Wargaming Center der HSU/UniBw H und entwickelt dort auch eigene Formate. Xenia Schröder hat einen Abschluss in Philosophy Politics and Economics (PPE) der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und studiert derzeit Jura an der Universität Hamburg.

Zertifizierung am U.S. Army War College

Die Teilnahme am Programm „Wargame Designer Course“ des U.S. Army War College war für Schröder fachlich und persönlich von besonderer Bedeutung. „Allein die Möglichkeit der Teilnahme an einem solch hochkarätigen Kurs war mir eine große Ehre. Zudem war es spannend zu sehen, welchen Stellenwert Wargaming in den USA einnimmt“, sagt Xenia Schröder. Besonders beeindruckt habe sie die Intensität, mit der Wargaming dort genutzt und erforscht werde. Die Erfahrungen aus dem Kurs fließen nun auch in ihre Arbeit am German Wargaming Center ein.

Dass sie als erste deutsche Frau und jüngste Teilnehmerin das Programm absolvierte, ist für sie ein besonderer Erfolg. „Darauf bin ich sehr stolz. Ich hoffe auch, dass ich so mehr Frauen dazu inspirieren kann, eine Laufbahn in der Sicherheitspolitik einzuschlagen“, sagt Schröder.

Politische Entscheidungsprozesse im Modell

Im Rahmen des Programms am USAWC entwickelte Schröder das Wargame „Cabinet Crisis“. Das Spiel beschäftigt sich mit strukturellen Herausforderungen politischer Entscheidungsprozesse in einer Koalitionsregierung.

Die Spielenden übernehmen unterschiedliche politische und journalistische Rollen in einem fiktiven Staat. Gemeinsam müssen sie auf Ereignisse reagieren und die Stabilität der Regierung sichern. Gleichzeitig verfolgen sie individuelle, zunächst nicht offengelegte Ziele.

Ereignis- und Aktionskarten bilden politische Entwicklungen und Reaktionsmöglichkeiten ab. Die Entscheidungen werden verdeckt getroffen und anschließend in einer festgelegten Reihenfolge ausgewertet. Dadurch können sich auch zuvor abgestimmte Maßnahmen anders auswirken als erwartet.

„Cabinet Crisis“ macht so sichtbar, wie unterschiedliche Interessen, unvollständige Informationen, öffentliche Wahrnehmung und mediale Berichterstattung politische Entscheidungen beeinflussen können. Eine zentrale Frage lautet: Wie lässt sich die Handlungsfähigkeit einer Regierung erhalten, wenn die Beteiligten neben gemeinsamen auch eigene Ziele verfolgen?

Personen spielen ein Wargame.
In „Cabinet Crisis“ übernehmen die Spielenden politische und journalistische Rollen und bewältigen die Herausforderungen einer Koalitionsregierung.
Mit „Cabinet Crisis“ macht Wargame-Designerin Xenia Schröder Entscheidungsprozesse, Zielkonflikte und Medienwirkungen in Koalitionsregierungen erlebbar.

Komplexität erfahrbar machen

Wargames können komplexe Prozesse auf wesentliche Zusammenhänge reduzieren und dadurch zugänglicher machen. Ihr Erkenntniswert liegt jedoch nicht allein in der vereinfachten Darstellung. Die Teilnehmenden erleben, wie sich ihre eigenen Entscheidungen auf den weiteren Verlauf auswirken. Gerade darin sieht Schröder einen besonderen Mehrwert von Wargames:

„Ein Spiel bietet die Möglichkeit, hochkomplexe Prozesse vereinfacht darzustellen und so ein besseres Verständnis für sie zu entwickeln. Gleichzeitig erlebt man die Auswirkungen von Entscheidungen selbst mit.“

Dieses Erleben gehe über die reine Wissensvermittlung hinaus und ermögliche auch einen emotionalen Zugang zu komplexen Zusammenhängen.

Welche Erkenntnisse entstehen, hängt vom jeweiligen Spiel und seinem Erkenntnisinteresse ab. Bei „Cabinet Crisis“ stehen unter anderem der Einfluss von Medien sowie die unbeabsichtigten Folgen politischer Entscheidungen im Mittelpunkt.

Spielbestandteile eines Wargames liegen auf einem Tisch.
Jede Entscheidung zählt: In „Cabinet Crisis“ kann sie die Stabilität einer fiktiven Koalitionsregierung gefährden.

Vom Thema zur Spielmechanik

Wargames können auf unterschiedlichen Wegen entwickelt werden. Schröder arbeitete bei „Cabinet Crisis“ mit einem Bottom-up-Ansatz. Nachdem das Thema feststand, entwickelte sie zunächst eine passende Spielmechanik und stimmte anschließend die weiteren Elemente darauf ab.

Für die erste Version stand nur eine begrenzte Entwicklungszeit zur Verfügung. Der Schwerpunkt lag deshalb zunächst auf einer funktionierenden Grundmechanik. Im nächsten Schritt möchte Schröder das Spiel ausbauen und stärker an die politische Realität in Deutschland anpassen.

Potenzial für Forschung und Lehre

Für Schröder liegt eines der größten Potenziale von Wargaming in der Sensibilisierung für komplexe Themen und Akteurskonstellationen.

„Spielerinnen und Spieler müssen mit den Folgen ihrer Entscheidungen leben. Dadurch entsteht ein anderer Zugang zu den behandelten Fragestellungen als durch reine Theorie“, erklärt sie.

Für Schröder steht als Nächstes die Weiterentwicklung von „Cabinet Crisis“ an. Parallel setzt sie ihre Arbeit am GWC fort und beschäftigt sich weiter mit der Frage, wie Wargaming für Forschung, Lehre und sicherheitspolitische Praxis genutzt werden kann.