Soft-Gripping: Smarte Robo-Greifer aus der technischen Logistik

Sie sind weich, leicht, ebenso wandelbar wie fehlertolerant und kostengünstig: die Silikon-Greifer des Soft-Gripping-Teams der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg. Die Industrie ist interessiert.

Die Erfinder des modularen Soft-Grippings: Christopher Klitsch, Erik Kaben, Stephan Ulrich, Christoph Buhrdorf. (Foto: Reinhard Scheiblich)
Die Erfinder des modularen Soft-Grippings: Christopher Klitsch, Erik Kaben, Stephan Ulrich, Christoph Buhrdorf. (Foto: Reinhard Scheiblich)

„Mit Beginn der Automatisierung hat sich das Hauptaugenmerk auf die Entwicklung einer hochpräzisen Robotertechnik für die Produktion konzentriert“, sagt Soft-Gripping-Leiter Dr. Stephan Ulrich, Oberingenieur an der Professur für Maschinenelemente und Technische Logistik. Universell einsetzbare, fehlertolerante und weiche Greifer hingegen, wie sie in der technischen Logistik nötig sind, hatte kaum jemand im Blick. „Wir wurden anfangs schon ein wenig belächelt.“

Heute steht das vierköpfige Team nach sechs Jahren Entwicklungsarbeit vor seiner Ausgründung als Startup. Zwei Patente sind angemeldet. Die Industrie ist an dem flexiblen, kostengünstigen Baukastensystem interessiert. Soft-Gripping ist so weltweit einmalig. „Es gibt nur einen Mitbewerber in Boston, der ebenfalls elastische Greifer vertreibt, allerdings arbeiten sie dort nicht nach einem Baukastenprinzip.“

In großen Warenlagern werden täglich Millionen Produkte per Hand kommissioniert, „da es bisher keine Logistikgreifer gibt, die unterschiedliche Produkte in wechselnden Umgebungen sicher und zuverlässig bewegen können“. Das Soft-Gripping-Team setzte bei der Entwicklung auf weiche, adaptierende Oberflächen, die auch bei ungenauen Positionierungen einen sanften, sicheren Griff ermöglichen. Um auch im Lebensmittelbereich einsetzbar zu sein, bestehen die Greifer aus speziellen, leicht zu reinigenden Silikonen. Sie sind frei von klassischen Gelenken und Schmiermitteln.

2-Finger-Greifer. (Foto: smart-gripping.com)
2-Finger-Greifer. (Foto: smart-gripping.com)

In Form und Beweglichkeit erinnern sie jedoch an die menschliche Hand. Innen leicht verstärkt fassen sie luftdruckgesteuert selbst reife Himbeeren, ohne Druckstellen zu hinterlassen. Bisher lassen sich mittels Soft-Gripping bis zu fünf Kilogramm schwere Produkte in variierenden Größen bewegen. „Wir verfügen über unterschiedliche Aktoren und Zusätze sowie Greiffinger von lang bis kurz, die sich beliebig oft zu verschiedenen Multi-Aktoren-Systemen kombinieren lassen“, sagt Labor-Ingenieur Christopher Klitsch. Das Herstellungsverfahren mittels 3-D-Druck hält die Kosten gering.

Das Team um Stephan Ulrich blickt zuversichtlich in die Zukunft. „Die Kommissionierung ist derzeit ein hochaktuelles Thema, da wird viel Geld investiert.“ Soft-Gripping bietet erste Lösungen und führt die Entwicklung fort. „Im klassischen Versandhandel bewegt der Mensch maximal 15 bis 20 Kilogramm. Wenn wir das erreichen, decken wir das gesamte Spektrum ab. Mit unserem System dürfte das zu schaffen sein.“

Weitere Informationen: www.soft-gripping.com

Text: Susanne Hansen