Studie zur KI-Souveränität: Wie Europa seine technologische Handlungsfähigkeit sichern kann

HSU

6. Juli 2026

Hamburg/München. Forschende der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg haben gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Universität der Bundeswehr München und weiteren Partnern untersucht, wie Deutschland seine technologische Handlungsfähigkeit im Bereich der Künstlichen Intelligenz stärken kann. Die gemeinsame Studie beleuchtet zentrale Herausforderungen, bestehende Abhängigkeiten und mögliche Wege zu mehr KI-Souveränität in Deutschland und Europa.

Die Untersuchung zeigt: Wer Künstliche Intelligenz langfristig sicher und verlässlich nutzen will, muss nicht nur KI-Anwendungen einsetzen können. Ebenso wichtig ist es, die zugrunde liegenden Technologien selbst zu verstehen, weiterzuentwickeln und bei Bedarf unabhängig betreiben zu können.

Für Prof. Dr. Oliver Niggemann von der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg hat das Thema deshalb auch eine sicherheitspolitische Bedeutung: „KI ist ein Teil der Kriegsfähigkeit und Kriegsfähigkeit heißt natürlich auch ein zu bestimmender Level an Souveränität.“

Die Studie sei zugleich ein Beispiel für die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Bundeswehr. Das Projekt sei ohne großen Vorlauf, auf kurzem Dienstweg und in enger Teamarbeit realisiert worden, erklärte Niggemann.

Wo Deutschland und Europa abhängig sind

Die Forschenden haben untersucht, in welchen Bereichen Deutschland und Europa auf Technologien, Rohstoffe oder Unternehmen aus anderen Teilen der Welt angewiesen sind. Dazu gehören beispielsweise moderne Computerchips, spezielle Software für deren Entwicklung, wichtige Rohstoffe und leistungsfähige Rechner für KI-Anwendungen. Viele dieser Komponenten werden derzeit außerhalb Europas entwickelt oder hergestellt.

Die Studie macht jedoch deutlich: Ziel ist nicht die vollständige Unabhängigkeit von internationalen Partnern. Vielmehr geht es darum, auch in Krisen oder Konflikten handlungsfähig zu bleiben und kritische Abhängigkeiten zu verringern.

Nicht nur Technik ist entscheidend

Ein weiteres Ergebnis der Studie: KI-Souveränität entsteht nicht allein durch leistungsfähige Technik. Genauso wichtig sind gut ausgebildete Fachkräfte, ein sicherer Umgang mit Daten und die Fähigkeit, eigene KI-Systeme transparent und zuverlässig zu betreiben. Deshalb empfehlen die Autorinnen und Autoren Investitionen in allen wichtigen Bereichen – von Rechenzentren und Software bis hin zu Ausbildung und Forschung.

Prof. Dr. Wolfgang Koch vom Fraunhofer FKIE betont insbesondere die Bedeutung wissenschaftlicher Kompetenz: „KI-Souveränität umfasst Souveränität in Forschung und Methodenentwicklung. Denn es geht nicht nur um ‚immer mehr Daten‘, sondern um ihre vertrauenswürdige Interpretation.“

Europa als Schlüssel

Viele der identifizierten Herausforderungen kann Deutschland nicht allein bewältigen. Das gilt insbesondere für die Entwicklung moderner Computerchips und großer Rechenkapazitäten für KI-Anwendungen. Hier sei eine enge Zusammenarbeit innerhalb Europas entscheidend.

Prof. Dr. Oliver Rose von der Universität der Bundeswehr München wirbt deshalb für einen gemeinsamen europäischen Ansatz: „Die Deutschen alleine werden es nicht reißen, aber 450 Millionen Europäer schaffen das. Wir brauchen jetzt einen Airbus-Moment bei der KI.“

Europa müsse seine Stärken künftig vor allem bei Innovation und technologischer Entwicklung bündeln.

Forschung für fundierte Entscheidungen

Die Studie gibt einen Überblick darüber, welche Fähigkeiten Deutschland im Bereich der Künstlichen Intelligenz bereits besitzt, wo Herausforderungen bestehen und welche Handlungsmöglichkeiten sich daraus ergeben. Sie zeigt, dass technische Unabhängigkeit nicht von einzelnen Produkten abhängt, sondern vom Zusammenspiel von Forschung, Industrie, Bildung und internationaler Zusammenarbeit.

Gerade bei einer Schlüsseltechnologie wie der Künstlichen Intelligenz sind wissenschaftlich fundierte Analysen wichtig, um Entwicklungen einordnen und Entscheidungen auf einer belastbaren Grundlage treffen zu können. Die gemeinsame Studie der Universitäten der Bundeswehr und ihrer Partner leistet dazu einen Beitrag.