16 Lehrkräfte zu Gast an der HSU/UniBw H: Einblicke in militärische Forschung und Dual-Use

HSU

27. Februar 2026

Wie lassen sich komplexe sicherheitspolitische Entscheidungen besser verstehen? Welche Verantwortung trägt Forschung, wenn Technologien sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können? Und wie kann der Dialog zwischen Wissenschaft, Schule und Gesellschaft gelingen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Besuchs Hamburger Lehrkräfte an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw H).

Im Rahmen der Bildungsinitiative NAT öffnete die HSU/UniBw H ihre Forschungseinrichtungen und bot Einblicke in aktuelle Projekte der militärischen und sogenannten Dual-Use-Forschung. Ziel war es, nicht nur Studien- und Berufsfelder sichtbar zu machen, sondern vor allem den fachlichen Austausch zu fördern und zur sachlichen Auseinandersetzung mit sicherheitsrelevanten Technologien beizutragen.

Dual-Use: Forschung zwischen ziviler Anwendung und militärischer Verantwortung

Hochschulpräsident Prof. Dr. Klaus Beckmann begrüßte die Teilnehmenden und hob die wachsende Bedeutung von Dual-Use-Fragestellungen in Forschung und Lehre hervor. Er verwies darauf, dass sich die Lehre zunehmend in diese Richtung entwickle und eine differenzierte Betrachtung technologischer Innovationen immer wichtiger werde – auch vor dem Hintergrund aktueller sicherheitspolitischer Debatten. Positiv bewertete er zudem den Rückenwind durch Bundesmittel für entsprechende Forschungsprojekte.

Auch für die Bildungsinitiative NAT steht der Dialog im Mittelpunkt. Ziel ist es, Jugendliche bei der Studien- und Berufsorientierung zu unterstützen und ihnen eine fundierte Auseinandersetzung mit MINT-Fächern sowie ethischen und gesellschaftlichen Fragestellungen zu ermöglichen. Lehrkräfte spielen dabei eine zentrale Rolle als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.

Entscheiden unter Druck: Wargaming als Analyseinstrument

Einen besonderen Zugang zu Entscheidungsprozessen bietet das German Wargaming Center der HSU/UniBw H. Co-Director Dr. Philip Schäfer stellte im Rahmen der Veranstaltung vor, wie Wargaming genutzt wird, um Entscheidungen unter Stressbedingungen zu analysieren. Mithilfe spielerischer und zugleich systemischer Modelle lassen sich Muster, Annahmen und blinde Flecken in Entscheidungsprozessen sichtbar machen – nicht nur im militärischen, sondern auch im politischen oder wirtschaftlichen Kontext. Anhand anschaulicher Beispiele wurde deutlich, wie stark Darstellungsformen und Rahmenbedingungen Entscheidungen beeinflussen.

Informatik im Maschinenbau: Komplexe Systeme verstehen

An einer weiteren Station erhielten die Lehrkräfte Einblicke in die Informatik im Maschinenbau. Daniel Vranješ, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Informatik im Maschinenbau stellte Forschungsansätze zur Überwachung und Analyse komplexer technischer Systeme vor. Mithilfe datenbasierter und hybrider Algorithmen lassen sich Anomalien erkennen, Diagnosen unterstützen sowie Planung und Entwicklung automatisieren. Die interdisziplinäre Ausrichtung der Forschung verdeutlichte, wie eng Informatik, Ingenieurwissenschaften und mathematische Methoden miteinander verknüpft sind.

Drohnenabwehr und Netztechnik

Großes Interesse weckte auch die Forschung im Bereich Sensorik und Kommunikationstechnik. Das Team um Prof. Dr. Gerd Scholl stellte ein Drohnenabfangsystem vor, bei dem nicht autorisierte Drohnen abgefangen werden können. Dabei erkennt eine Bodensensorik fremde Drohnen am Himmel und steuert eine Abfangdrohne gezielt an diese heran. Mithilfe eines Netzes wird die Drohne schließlich gestoppt. Der Forschungsbereich zeigte, wie Sensorik, Kommunikationstechnik und automatisierte Abläufe in komplexen technischen Systemen zusammenspielen.

Materialforschung für Schutzsysteme

Die Grundlagenforschung konkret zum Schutz von Menschen beitragen kann, zeigte die Materialforschung an der HSU/UniBw H, die von Sergej Grednev aus dem Team von Prof. Dr. Anne Jung, Professorin für Schutzsysteme, vorgestellt wurde. Im Fokus standen unter anderem offenporige Metallschäume und beschichtete Polymere, die Energie absorbieren und so Personen, Fahrzeuge oder Gebäude schützen können. Die Forschung reicht von grundlegenden materialwissenschaftlichen Fragestellungen bis zur Zusammenarbeit mit Bundeswehr, Industrie und weiteren Partnern.

Ein Mann stellt ein Drohnenabwehrsystem mit Netztechnik im Rahmen eines Forschungsprojekts zu Sensorik und Kommunikation vor.
Teilnehmende diskutieren an einem Tisch mit Karten und bunten Markersteinen im Rahmen einer Wargaming‑Übung zu Entscheidungs-prozessen.
Demonstration einer technischen Versuchsanlage zur Analyse und Überwachung komplexer Systeme im Bereich Informatik im Maschinenbau.

Neue Perspektiven für Unterricht und Austausch

Über die einzelnen Stationen hinweg eröffnete sich für viele der teilnehmenden Lehrkräfte eine neue Perspektive auf strategisches Denken, das Elemente aus internationaler Politik, Psychologie, Mathematik und Informatik miteinander verbindet. Die Veranstaltung zeigte, wie militärische Forschung an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg transparent vermittelt und in einen breiteren gesellschaftlichen Kontext eingeordnet werden kann. Weitere Formate zum Austausch zwischen Schule und Hochschule sind geplant.