Wissenschaftspreis 2019 für Esteban Arroyo

HSU

11. September 2019

Mit seiner Dissertation über die Digitalisierung und objektbezogene Modellierung bisher nur analog vorliegender Informationen für Anlagen der Prozessindustrie hat Dr.-Ing. Esteban Arroyo Esquivel eine Forschungslücke geschlossen. Die international vielbeachtete Arbeit wurde am 26. März 2019 mit dem Wissenschaftspreis der Freunde und Förderer der Helmut-Schmidt-Universität ausgezeichnet.

Ein bärtiger junger Mann im blauen Zweireiher mit Nadelstreifen vor einer Tafel mit der Aufschrift Wissenschaftspreis
Dr.-Ing. Esteban Arroyo Esquivel, Preisträger des Wissenschaftspreises 2019

„Ich fühle mich geehrt“, sagt Esteban Arroyo. „Der Award ist für mich Motivation für die Zukunft.“ Die Arbeit an der Helmut-Schmidt-Universität habe ihm gezeigt, dass sich mit Disziplin, Fokussierung und Engagement selbst schwierigste Situationen meistern ließen. „Es hat mich positiv geprägt.“

Nach seinem Bachelorstudium in Electrical Engineering in seiner Heimat Costa Rica wechselte Arroyo 2010 mit einem Erasmusstipendium zum Masterstudium an das Instituto Politécnico de Bragança in Portugal. Als Master of Science kam er im Oktober 2012 aufgrund einer Empfehlung aus der Industrie und seines Professors als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Professur für Automatisierungstechnik von Univ.-Prof. Dr.-Ing. Alexander Fay. „Ich kannte weder das Land, noch die Sprache, noch die Kultur, dennoch habe ich mich vertraglich verpflichtet, Vorlesungen auf Deutsch zu halten und auf Deutsch verfasste Klausuren zu korrigieren“, erinnert er sich. Die Herausforderung meisterte  Arroyo innerhalb eines Jahres. „Im Rückblick war es eine sehr gute Erfahrung. Ich bewundere Professor Fay bis heute für seinen Mut, mir diese Stelle anzubieten.“

In der Dissertation „Capturing and exploiting plant topology and process information as a basis to support engineering and operational activities in process plants“ beschäftigte sich Arroyo am Beispiel der Chemieindustrie mit der Frage, in welchem Maße es möglich ist, die in Papier- oder PDF-Dokumenten vorliegenden Informationen einer Industrieanlage in ein objektorientiertes Modell zu überführen und sie einer automatisierten Auswertung zugänglich zu machen. Dabei spannt er den Bogen von der Digitalisierung von Papier-basierten Dokumenten über die Strukturierung und Anreicherung der transformierten Informationen bis zur Nutzung in Engineering und Betrieb. Die Arbeit habe eine signifikante Forschungslücke geschlossen, lobte die Zweitgutachterin, Prof. Dr. Nina Thornhill, vom Imperial College London. Andere Experten, so die Professorin, hätten diese Form der digitalen Transformation bisher für unmöglich gehalten.

„Ursprünglich hatte ich geplant, nur bis zum Abschluss meiner Dissertation 2017 in Deutschland zu bleiben.“ Inzwischen leitet Dr. Esteban Arroyo seit drei Jahren Zukunftsprojekte der Covestro AG Leverkusen, einer Ausgründung der früheren Bayer Materials Science. „Es ist eine moderne, dynamische Firma der Chemiebranche, in der ich mich mit Digitalisierung und Data Analytics beschäftige. Wir bekommen Raum, neue digitale Ansätze für die Modellierung und Monitoring unserer Produktionsanlagen zu entwickeln. Das ist eine großartige Aufgabe, die auf Erkenntnissen meiner bisherigen Arbeit aufbaut.“

Der Wissenschaftspreis der Freunde und Förderer der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg e. V. wird jährlich für eine mit mindestens „magna cum laude“ („sehr gut“) im vorangegangenen Jahr an der HSU abgeschlossene Dissertation verliehen. Er ist mit einem Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro verbunden.

Die Förderergesellschaft der HSU hat sich die Unterstützung der wissenschaftlichen Arbeit der Hochschule, vor allem des wissenschaftlichen Nachwuchses, zum Ziel gesetzt. Mehrere hundert Mitglieder, darunter eine Reihe von Firmen und Institutionen, setzen sich dafür ein, dieses Ziel zu erreichen und der ökonomischen und gesellschaftlichen Funktion der Universität zu dienen.

Die Hälfte des Preisgeldes hat in diesem Jahr die Dr. Friedrich Jungheinrich-Stiftung gestiftet.

Die Dr. Friedrich Jungheinrich-Stiftung wurde am 17. Mai 2004 von den Töchtern des Unternehmensgründers und deren Familien, den Gesellschafterfamilien Lange und Wolf, sowie der Jungheinrich AG ins Leben gerufen. Die Dr. Friedrich Jungheinrich-Stiftung fördert Wissenschaft, Forschung und Bildung auf den Gebieten Elektrotechnik, Maschinenbau und Logistik und vergibt unter anderem Stipendien an technisch oder wissenschaftlich besonders qualifizierte junge Menschen – von Bachelorstudenten über Masterstudenten bis hin zu Promovenden. Das Augenmerk der Dr. Friedrich Jungheinrich-Stiftung liegt auf den sogenannten MINT-Fächern: „Mathematik“, „Informatik“, „Naturwissenschaft“ und „Technik“ werden in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen qualitativ gestärkt.“

Text: Susanne Hansen

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