Prof. Dr. Julia Hoffmann-Salz: Was die Antike über unsere Gegenwart verrät

HSU

14. September 2026

Hamburg. Wie entstehen Feindbilder? Wie legitimieren Herrschende ihre Macht? Und was erfahren wir aus antiken Quellen über Gewalt, gesellschaftliche Teilhabe und das Zusammenleben in politischen Gemeinschaften? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Prof. Dr. Julia Hoffmann-Salz. Seit September 2026 hat sie die Professur für Alte Geschichte an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg inne.

Prof. Dr. Julia Hoffmann-Salz: „In Forschung und Lehre ist es mir wichtig, die Relevanz der Antike auch für aktuelle Fragestellungen zu zeigen. Von der Erforschung von Kodierung und Instrumentalisierung von Feindbildern bis hin zur Diskussion von imperialer Herrschaft oder antiker Demokratie – die Beschäftigung mit der Antike hält viele wichtige Denkanstöße für unsere heutige Welt bereit.“

Porträt von Prof. Dr. Julia Hoffmann-Salz in einem Gebäude der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg.
Prof. Dr. Julia Hoffmann-Salz ist seit September 2026 Professorin für Alte Geschichte an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg.

Wissenschaftlicher Werdegang

Ihr wissenschaftlicher Weg begann an der Universität Bonn, wo sie Alte Geschichte studierte und 2011 promoviert wurde. Anschließend wechselte sie an die Universität zu Köln. Dort arbeitete sie zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin und später als Akademische Rätin auf Zeit in der Alten Geschichte. In Köln habilitierte sie sich 2019/20 im Fach Alte Geschichte.

Es folgten Vertretungen von Professuren an der Freien Universität Berlin, der Universität Mannheim und der Universität Freiburg sowie ein Lehrauftrag an ihrer Heimatuniversität Bonn. Im akademischen Jahr 2025/26 war sie als Teaching and Research Fellow an der School of History, Classics and Archaeology der University of Edinburgh tätig.

Seit April 2026 vertrat sie bereits die Professur für Alte Geschichte an der HSU/UniBw H, die sie nun dauerhaft übernommen hat.

Forschung zwischen Homer, Herrschaft und dem antiken Nahen Osten

Die Forschung von Prof. Dr. Julia Hoffmann-Salz umfasst die griechische und römische Antike in ihrer gesamten Breite. Zu ihren Schwerpunkten zählen die griechische Geschichte, insbesondere Homer sowie die Geschichte der Seleukiden und die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der hellenistischen Welt. Darüber hinaus forscht sie zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Römischen Reiches sowie zur Geschichte des antiken Nahen Ostens von der hellenistischen Zeit bis in die Spätantike.

Dabei interessiert sie besonders, wie Menschen und Gesellschaften mit Konflikten umgingen, wie Herrschaft legitimiert wurde und welche Rolle politische Erzählungen für den Zusammenhalt von Gemeinschaften spielten.

Methodisch arbeitet Hoffmann-Salz eng an den antiken Quellen. Literarische Texte, Inschriften, Münzen, Papyri und archäologische Funde bilden die Grundlage ihrer Arbeit. Gerade diese Vielfalt der Quellen ermöglicht neue Perspektiven auf Gesellschaften, die unsere Vorstellung von Politik, Herrschaft und Gemeinschaft bis heute prägen.

„Diese Quellenorientierung prägt auch meine Lehre. Für die Lehrveranstaltungen stehen die antiken Quellen überwiegend in guten Übersetzungen zur Verfügung und bilden die Grundlage für die gemeinsame Analyse historischer Fragestellungen“, erklärt Prof. Dr. Hoffmann-Salz.

Aktuelle Forschungsvorhaben

Im Mittelpunkt ihrer aktuellen Forschung stehen Fragen zu Gewalt, Feindbildern und Herrschaft in der griechischen und hellenistischen Welt. Untersucht werden diese Themen anhand unterschiedlicher Quellen und historischer Kontexte.

Gewalt, Geschlecht und die Welt Homers

Was bedeutet es, in den homerischen Epen Opfer von Gewalt zu werden? Und warum werden Männer und Frauen dabei unterschiedlich dargestellt?

Diesen Fragen widmet sich Hoffmann-Salz in ihrem Forschungsprojekt „Booty, Spoil and Prey – Objects of Violence in Iliad and Odyssey“. Im Mittelpunkt stehen die Ilias und die Odyssee, in denen Konflikte und Gewalterfahrungen die Handlung entscheidend prägen:

„Konflikt- und Gewalterfahrungen sind ein wesentlicher Teil der Handlung in den homerischen Epen. Diese Erfahrungen werden jedoch stark geschlechtskodiert erzählt.“

Das Projekt untersucht, wie das Erfahren von Gewalt sprachlich und erzählerisch unterschiedlichen Figuren zugeschrieben wird und welche Vorstellungen von Geschlecht, Macht und Verletzlichkeit sich darin spiegeln.

Herrschaft und Strafe in der hellenistischen Welt

Ein weiteres Forschungsvorhaben führt in die Zeit nach Alexander dem Großen. Gemeinsam mit Forschenden der University of Edinburgh plant Hoffmann-Salz für 2027 den internationalen Workshop „The Hellenistic King as Punisher“.

Im Zentrum steht eine grundlegende Frage politischer Herrschaft: Welche Rolle spielte das Strafen für das Selbstverständnis hellenistischer Könige?

Dabei geht es um den Umgang mit Gegnern, aufständischen Städten, Amtsträgern und ehemaligen Verbündeten sowie um die Bedeutung von Strafmaßnahmen für die Legitimation königlicher Herrschaft.

Feindbilder in den hellenistischen Reichen

Wie lassen sich militärische Erfolge darstellen, wenn die Gegner kaum benannt werden?

Mit dieser Frage beschäftigt sich Hoffmann‑Salz in ihrem Projekt „Die, deren Namen nicht genannt werden dürfen? Hellenistische Reiche und ihre Feinde (323 bis 30 v. Chr.)“.

Nach den Eroberungen Alexanders des Großen standen die hellenistischen Reiche vor einem besonderen Spannungsfeld: Sie herrschten in Regionen, die zuvor als fremd oder „barbarisch“ galten, kämpften aber zugleich häufig gegen andere griechische Herrscher. Diese Gegner werden in den erhaltenen Selbstzeugnissen jedoch nur selten ausdrücklich genannt.

Das Projekt untersucht, wie Herrschaft unter diesen Bedingungen legitimiert und wie Feindbilder überhaupt kommuniziert werden konnten.

Antike als Denkanstoß für die Gegenwart

Für Prof. Dr. Julia Hoffmann‑Salz liegt die besondere Stärke der Alten Geschichte darin, aktuelle Fragen aus einer größeren historischen Distanz betrachten zu können. Die Antike liefert keine einfachen Antworten auf moderne Herausforderungen. Sie eröffnet jedoch neue Perspektiven auf Themen wie Macht, Gewalt, Demokratie und Teilhabe, aber auch Schaffung und Instrumentalisierung von Feindbildern im innen- wie außenpolitischen Diskurs.

Gerade darin sieht sie die Relevanz ihres Fachs für Forschung und Lehre an der HSU/UniBw H.

Zwei Personen stehen vor einem Roll-up der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg und halten gemeinsam eine Ernennungsurkunde.
Universitätspräsident Prof. Dr. Klaus Beckmann überreicht Prof. Dr. Julia Hoffmann-Salz die Ernennungsurkunde zur Übernahme der Professur für Alte Geschichte an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg.

Die Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg gratuliert Prof. Dr. Julia Hoffmann-Salz herzlich zur Übernahme der Professur für Alte Geschichte und freut sich auf die weitere Zusammenarbeit in Forschung und Lehre.