Endometriose besser behandeln: HSU/UniBw H erhält rund 810.000 Euro Forschungsförderung

HSU

14. Oktober 2026

Hamburg. Menschen mit Endometriose warten Studien zufolge teilweise bis zu zehn Jahre auf eine Diagnose. Um die Versorgung Betroffener zu verbessern, startet zum 1. Januar 2027 an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw H) das Forschungsprojekt ENDO-EXPECT. Das Bundesministerium für Gesundheit fördert die neue Nachwuchsgruppe unter Leitung von Dr. Ann-Katrin Meyrose, M.Sc. Psych., Professur für Klinische Psychologie und Psychotherapie, mit rund 810.000 Euro. Untersucht wird, wie Behandlungserwartungen den Erfolg einer Therapie  beeinflussen und gezielt für die Versorgung genutzt werden können.

„Wissenschaft muss dort ansetzen, wo offene Fragen von hoher gesellschaftlicher Relevanz bestehen. ENDO-EXPECT verbindet genau diesen Anspruch mit der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und stärkt zugleich das Forschungsprofil unserer Universität. Die Förderung durch das Bundesministerium für Gesundheit ist deshalb nicht nur ein großer Erfolg für das beteiligte Team, sondern auch ein starkes Signal für die wissenschaftliche Entwicklung unserer Universität“, sagt Universitätspräsident Prof. Dr. Klaus Beckmann.

Erwartungen als bislang wenig erforschter Faktor

Endometriose ist eine häufige chronische Erkrankung, die überwiegend Frauen, aber auch transgeschlechtliche und nicht-binäre Menschen betrifft. Die Lebensqualität der Betroffenen ist meist erheblich beeinträchtigt. Trotz des hohen Leidensdrucks werden die bestehenden Behandlungsmöglichkeiten vielfach als unzureichend erlebt. Das Projekt „Erwartungen nutzen zur Verbesserung der Behandlung von Endometriose“, kurz ENDO-EXPECT, nimmt deshalb einen Faktor in den Blick, der in der Endometrioseforschung bislang wenig untersucht wurde: die individuellen Erwartungen an eine Behandlung.

Aus anderen Bereichen der medizinischen Forschung ist bekannt, dass Behandlungserwartungen über Placebo- und Nocebo-Effekte Einfluss auf Behandlungsergebnisse nehmen können, etwa bei chronischen Schmerzen, Depressionen oder operativen Eingriffen. Erste Hinweise für die Endometriose liefert eine bereits abgeschlossene Mixed-Methods-Kohortenstudie des Forschungsteams, die initial durch die interne Forschungsförderung der HSU/UniBw H unterstützt wurde. Demnach könnten Erwartungen im Zusammenhang mit einer Bauchspiegelung, der sogenannten Laparoskopie, ein veränderbarer Faktor sein, der das Behandlungsergebnis beeinflusst.

Endometriose-Forschende der HSU/UniBw H.
Dr. Ann-Katrin Meyrose, M.Sc. Psych., leitet das Forschungsprojekt ENDO-EXPECT.

„Frauen mit Endometriose gehören zu einer Patientinnengruppe, die trotz eines enormen Leidensdrucks noch immer zu wenig Aufmerksamkeit in Forschung und Versorgung erhält“, sagt Dr. Ann-Katrin Meyrose. „Mit ENDO-EXPECT wollen wir zeigen, dass sich Behandlungserwartungen gezielt verändern lassen, um den Erfolg einer Operation zu verbessern und damit ein bislang ungenutztes Potenzial für die Versorgung von Betroffenen zu erschließen.“

Betroffene werden in die Forschung einbezogen

Die Forschenden wollen zunächst gemeinsam mit Betroffenen mit Erfahrungsexpertise sowie klinischen und wissenschaftlichen Fachleuten eine bereits bestehende Intervention zur gezielten Veränderung von Behandlungserwartungen an die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Endometriose anpassen. Dieser partizipative Ansatz soll sicherstellen, dass die Perspektiven und Erfahrungen der Betroffenen unmittelbar in die Entwicklung einfließen.

Anschließend wird die Intervention in einer Machbarkeitsstudie mit quantitativen und qualitativen Methoden erprobt. Darauf aufbauend untersucht das Forschungsteam in einer randomisierten kontrollierten Studie mit 250 Teilnehmenden, ob sich Behandlungserwartungen gezielt verändern lassen und welchen Einfluss dies auf endometriosebedingte Beeinträchtigungen hat. Die Erkenntnisse sollen anschließend gemeinsam mit beteiligten Akteurinnen und Akteuren für Betroffene, Angehörige, Behandelnde und die wissenschaftliche Fachöffentlichkeit aufbereitet werden.

Neuer Forschungsschwerpunkt an der HSU/UniBw H

Mit dem Projekt wird zum 1. Januar 2027 an der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften eine Nachwuchsgruppe Versorgungsforschung Frauengesundheit eingerichtet. Sie ist an der Professur für Klinische Psychologie und Psychotherapie von Univ.-Prof. Dr. Dipl.-Psych. Yvonne Nestoriuc angesiedelt und wird von Dr. Ann-Katrin Meyrose geleitet. Im Fall einer positiven Zwischenevaluation beträgt die Laufzeit von ENDO-EXPECT voraussichtlich fünf Jahre und reicht bis zum 31. Dezember 2031. Das Gesamtvolumen liegt bei 981.884 Euro. Davon fördert das Bundesministerium für Gesundheit bis zu 809.993 Euro, weitere 171.891 Euro bringt die HSU/UniBw H als Eigenmittel und Eigenleistungen ein.

„Die Ansiedlung von ENDO-EXPECT als eine von vier Nachwuchsgruppen des Bundesministeriums für Gesundheit an der Arbeitsgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie ist ein besonderer Erfolg für unsere Universität“, sagt Univ.-Prof. Yvonne Nestoriuc. „Mit dem Schwerpunkt Frauengesundheit setzt die Nachwuchsgruppe einen wichtigen neuen Akzent im Forschungsprofil der Universität und verbindet klinisch relevante Forschung mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Die Einbindung in das Forschungsumfeld des DFG-Sonderforschungsbereichs Treatment Expectation (SFB 289) bietet darüber hinaus exzellente Voraussetzungen für interdisziplinäre Kooperationen und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.“

An der Professur für Klinische Psychologie und Psychotherapie von Univ.-Prof. Dr. Dipl.-Psych. Yvonne Nestoriuc an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg ist das Forschungsprojekt ENDO-EXPECT angesiedelt.

Deutschlandweit fördert das Bundesministerium für Gesundheit vier Nachwuchsgruppen im Bereich Versorgungsforschung Frauengesundheit, drei davon beschäftigen sich mit Endometriose. Zu den Kooperationspartnern von ENDO-EXPECT gehören die Frauenklinik an der Elbe als zertifiziertes Endometriosezentrum unter Leitung von PD Dr. Olaf Buchweitz sowie Prof. Dr. Johannes Laferton von der HMU Potsdam. Auch Menschen mit Endometriose werden beratend in das Projekt eingebunden.


Wissenschaftliche Ansprechperson

Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg:
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Internet: Professur für Klinische Psychologie und Psychotherapie


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