Was bleibt vom Hindukusch? Ausstellung und Vorträge zum Afghanistan-Einsatz

HSU

4. Oktober 2026

Ein Soldat sichert den Bereich, in dem ein Kampfhubschrauber landet.
Staublandung in Mazar-e Sharif: Ein Soldat der Force Protection sichert die Landezone für einen Transporthubschrauber CH-53 während der Mission Resolute Support am 30. Oktober 2020.

Hamburg. Fünf Jahre nach der erneuten Machtübernahme der Taliban in Afghanistan widmet sich die Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg den Erfahrungen und Folgen des internationalen Militäreinsatzes. Ab dem 6. Oktober 2026 ist die Plakatausstellung „Was bleibt vom Hindukusch? Die Bundeswehr in Afghanistan 2001 bis 2021“ im unteren Bereich der Mensa zu sehen. Ein Begleitprogramm mit drei öffentlichen Vorträgen vertieft politische, militärhistorische und gesellschaftliche Aspekte.

Fast 20 Jahre lang war die Bundeswehr in Afghanistan eingesetzt. Für viele Absolventinnen und Absolventen der HSU/UniBw H gehörte ein möglicher Einsatz am Hindukusch über lange Zeit zur beruflichen Realität. Auch nach dem Abzug im Jahr 2021 wirken die Erfahrungen aus Afghanistan in der militärischen Ausbildung, in der deutschen Sicherheitspolitik und in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Auslandseinsätzen fort.

Die Ausstellung bietet Gelegenheit, die Voraussetzungen, den Verlauf und die Folgen des Einsatzes erneut in den Blick zu nehmen. Sie fragt nach den damaligen Zielen und Hoffnungen, nach erreichten Fortschritten und nach den Ursachen des Scheiterns. Dabei berücksichtigt sie politische und rechtliche Rahmenbedingungen ebenso wie die Erfahrungen der eingesetzten Soldatinnen und Soldaten.

21 Plakate erschließen zwei Jahrzehnte Einsatzgeschichte

Entwickelt wurde die Ausstellung im Jahr 2024 durch das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr. Auf 21 Plakaten zeichnet sie die Entwicklung des deutschen Afghanistan-Einsatzes von 2001 bis 2021 nach. QR-Codes führen zu ergänzenden Bildungsangeboten, Podcasts und Filmen.

Die Bundeswehr gehörte seit 2002 zur International Security Assistance Force, kurz ISAF. Der Einsatz konzentrierte sich zunächst auf die Stabilisierung Kabuls und wurde später auf die nördlichen Landesteile ausgeweitet. Mit der Verschärfung der Sicherheitslage nahmen die bewaffneten Auseinandersetzungen zu. Ab 2015 sollte die Mission „Resolute Support“ dazu beitragen, die Sicherheitsverantwortung schrittweise an afghanische Kräfte zu übergeben. Nach dem Abzug der internationalen Truppen im Jahr 2021 übernahmen die Taliban erneut die Kontrolle über das Land.

Der Ausgang des Einsatzes wirft bis heute grundlegende Fragen auf: Was können Politik, Bundeswehr und Gesellschaft aus Afghanistan lernen? Wie müssen Ziele, Mittel und Erfolgskriterien internationaler Einsätze bestimmt werden? Und wie lassen sich politische, militärische und zivile Maßnahmen besser miteinander verbinden?

Was lässt sich aus dem Afghanistan-Einsatz lernen?

Das Begleitprogramm haben Prof. Dr. Anna Geis, Professur für Internationale Sicherheitspolitik und Konfliktforschung , Prof. Dr. Jörn Happel, Professur für Geschichte Osteuropas und Ostmitteleuropas, Univ.-Prof. Dr. Marcus Payk, Professor für Neuere und Neueste Geschichte, und Christian Preetz, Leiter Zentrale Aufgaben und ständiger Vertreter Leiter Präsidialabteilung, organisiert. Die Auftaktveranstaltung findet am Dienstag, 6. Oktober 2026, um 17.30 Uhr im Thomas-Ellwein-Saal statt.

Oberst a.D. Dr. Uwe Hartmann, der die Entwicklung der Ausstellung als Projektleiter begleitet hat, erläutert ihre Entstehung, ihren Aufbau und ihre Zielsetzung. Anschließend berichtet Prof. Anna Geis über die Lehren aus dem Afghanistan-Einsatz, mit denen sich die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages von 2022 bis 2025 befasst hat. Die Moderation übernimmt Prof. Jörn Happel.

Die Enquete-Kommission hat ihre Ergebnisse im Januar 2025 in 72 Empfehlungen zusammengefasst. Dazu gehören eine bessere Koordination zwischen Ministerien und Behörden, verlässlichere gemeinsame Lagebilder und eine stärkere parlamentarische Begleitung internationaler Einsätze. Die Empfehlungen sind auch für die Frage relevant, welche Rolle internationales Krisenmanagement neben der Landes- und Bündnisverteidigung künftig spielen soll.

Die Ausstellung und das Begleitprogramm laden dazu ein, die Erfahrungen des Afghanistan-Einsatzes aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und ihre Bedeutung für gegenwärtige sicherheitspolitische Debatten zu diskutieren.

Weitere Veranstaltungen

Eskalation des Afghanistan-Einsatzes

Dienstag, 10. November 2026, 17.30 bis 19 Uhr
Thomas-Ellwein-Saal

Dr. Philipp Münch vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr spricht unter dem Titel „Bundeswehr im Kampf. Die Eskalation des Afghanistan-Einsatzes und das Management der Gewalt, 2006–2010“. Im Mittelpunkt stehen die zunehmende Gewalt und die damit verbundenen Herausforderungen für die Bundeswehr. Die Moderation übernimmt Univ.-Prof. Marcus Payk.


Sowjetische Spezialeinheiten im Afghanistankrieg

Dienstag, 24. November 2026, 17.30 bis 19 Uhr
Hörsaal 6

Dr. Matthias Uhl vom Max Weber Netzwerk Osteuropa in Helsinki beleuchtet in seinem Vortrag „Zu Tode gesiegt? Zum Einsatz sowjetischer Spezialeinheiten im Afghanistankrieg“ die sowjetische Vergangenheit des Konflikts. Die Moderation übernimmt Jörn Happel.