Hamburg. Wie lassen sich Lkw‑Mautkontrollen künftig flexibler und effizienter gestalten? Ein Forschungsprojekt an der Helmut‑Schmidt‑Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw H) hat untersucht, wie drohnenbasierte Systeme bestehende Kontrollverfahren ergänzen könnten.
Drohnen als Ergänzung bestehender Kontrollsysteme
Im an der Helmut‑Schmidt‑Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg durchgeführten Konzeptvorhaben „Optimierung von Lkw‑Mautkontrollen mit smarter Drohnen‑Technologie“ wurde untersucht, wie moderne unbemannte Luftfahrtsysteme bestehende stationäre und mobile Kontrollverfahren sinnvoll ergänzen können. Unterstützt und betreut wurde das Projekt von Toll Collect GmbH sowie dem Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM).
Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass stationäre Kontrollbrücken und ‑säulen zwar sehr leistungsfähig sind, jedoch ortsgebunden bleiben. Mobile bodengebundene Kontrollen erweitern diese Infrastruktur bereits heute. Drohnen können darüber hinaus neue Einsatzmöglichkeiten eröffnen, etwa durch ihre schnelle Verlegbarkeit und flexible Einsatzfähigkeit.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit an der HSU/UniBw H
Das Projekt verfolgte einen konsequent interdisziplinären Ansatz und bündelte unterschiedliche Fachperspektiven der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg. Beteiligt waren die Professuren für Regelungstechnik, Stahlbau und Stahlwasserbau, Hybrid Intelligence sowie Öffentliches Recht.
Prof. Dr.–Ing. Max Gündel, Professor für Stahlbau und Stahlwasserbau an der HSU/UniBw H: „Unser Ziel war es, nicht nur einzelne technische Lösungen zu betrachten, sondern ein realistisch umsetzbares Gesamtkonzept zu entwickeln. Die Drohne ist dabei Teil eines Systems, das technische Leistungsfähigkeit, rechtliche Anforderungen und praktische Einsatzbedingungen gleichermaßen berücksichtigt.“
Im Ergebnis entstand ein Konzept für ein automatisiertes, drohnenbasiertes Mautkontrollsystem. Dieses umfasst unter anderem ein Betriebskonzept mit mehreren sich ablösenden Drohnen, eine anwendungsoptimierte Kamerasensorik sowie eine lokal auf der Drohne arbeitende, KI‑gestützte Bildauswertung.
Leopold Fischer-Brandies, M.Sc., wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Hybrid Intelligence: „Ein zentraler Aspekt war die KI‑gestützte Bildauswertung direkt auf der Drohne. Durch die lokale Verarbeitung konnten Fahrzeuge zuverlässig erkannt und klassifiziert werden, ohne unnötige Daten zu speichern oder weiterzugeben.“
Praxistest unter realistischen Bedingungen
Neben der konzeptionellen Arbeit wurde die grundsätzliche technische Machbarkeit in einer praxisnahen Abschlussdemonstration überprüft. Diese fand auf dem Truppenübungsplatz Seedorf mit Unterstützung der 6. Kompanie des Feldjägerregiments 1 statt. Fahrzeuge wurden aus der Luft erfasst, klassifiziert und mautrelevante Merkmale automatisiert ausgewertet.
Dr.–Ing. Mirco Alpen, Laborleitung an der Professur für Regelungstechnik: „Drohnen bieten dort Vorteile, wo bestehende Kontrollinfrastruktur an ihre räumlichen Grenzen stößt. Sie sind schnell verlegbar und können gezielt in speziellen Kontrollszenarien eingesetzt werden.“
Rechtliche Bewertung und Ausblick
Auch aus rechtlicher Sicht fiel die Bewertung positiv aus. Sowohl luftverkehrsrechtliche als auch datenschutzrechtliche Anforderungen lassen sich bei geeigneter Ausgestaltung erfüllen.
Prof. Dr. jur. Margarete Schuler-Harms, Professorin für Öffentliches Recht: „Aus rechtlicher Sicht war entscheidend, dass der Einsatz drohnenbasierter Systeme rechtskonform und datensparsam erfolgen kann. Bilddaten nicht mautpflichtiger Fahrzeuge werden unmittelbar verworfen, sämtliche Verarbeitungsschritte erfolgen lokal.“
Das Projekt liefert damit eine belastbare Grundlage für den möglichen zukünftigen Einsatz drohnenbasierter Systeme in der Lkw‑Mautkontrolle und weiteren Anwendungen der Verkehrskontrolle.