Friedrichshafen/Hamburg. Das Formula-Student-Team Eleven-O-Six (EOS) Racing der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw H) ist beim deutschlandweiten Wettbewerb des Vereins Deutscher Ingenieure e. V. (VDI) „Mobility/Medical goes Additive“ mit dem Special Prize für die höchste praktische Umsetzbarkeit additiver Fertigung ausgezeichnet worden. Zudem erreichte das Team einen hervorragenden 2. Platz und verbesserte damit seine Platzierung im Vergleich zum Vorjahr deutlich.

Innovationsprojekt mit klarem Praxisfokus: Modularer Motorradsitz mit 3D-Druck
Im Zentrum des Beitrags steht ein mikrovibrationsdämpfender Motorradsitz auf Basis 3D-gedruckter QZS-Strukturen (Quasi-Zero-Stiffness). Diese Strukturen zeichnen sich dadurch aus, dass sie bei statischer Belastung stabil bleiben, gleichzeitig jedoch auftretende Vibrationen gezielt dämpfen.
Gefertigt wurde der Sitz mithilfe additiver Fertigung – also einem schichtweisen 3D-Druckverfahren, bei dem Bauteile direkt aus digitalen Modellen aufgebaut werden. Dieses Verfahren ermöglicht komplexe Geometrien und eine individuelle Anpassung, die mit klassischen Fertigungsmethoden nur eingeschränkt realisierbar wäre.
Damit verbindet der Ansatz präzise Rückmeldung beim Fahren mit deutlich reduziertem Vibrationsniveau und verbessert den Komfort ohne funktionale Einschränkungen.
Ausschlaggebend für die Auszeichnung war insbesondere die unmittelbare Anwendbarkeit des Konzepts. Ziel sei es gewesen, „eine Lösung zu entwickeln, die nicht nur technisch überzeugt, sondern auch ohne zusätzliche Komplexität direkt einsetzbar ist“, ordnet der technische Leiter des EOS Raing-Teams, Leutnant Leander, den Ansatz ein.

Wettbewerbsrahmen und besondere Bedingungen
Der Wettbewerb forderte die Teilnehmenden auf, innerhalb von drei Tagen ein innovatives Produkt inklusive Geschäftsmodell zu entwickeln, prototypisch umzusetzen und vor einer Fachjury zu präsentieren.
Gerade im Vergleich zu klassischen Formula-Student-Formaten sieht Leutnant Leander die Rahmenbedingungen als wichtigen Erfolgsfaktor: Teams wie das der HSU/UniBw H könnten aufgrund des intensiven Studienmodells strukturell nicht in gleicher Weise Ressourcen bündeln wie andere Hochschulen. „Kompakte Formate mit klaren Zeitgrenzen kommen uns entgegen, weil wir hier unsere Stärken gezielter einsetzen können“, so Leutnant Leander.
Interdisziplinäre Entwicklung im Team
In den vergangenen Jahren habe sich das Team zudem deutlich weiterentwickelt. Während der Fokus ursprünglich stark im Maschinenbau lag, sei heute eine breitere Aufstellung gelungen. Man arbeite inzwischen interdisziplinär und verbinde ingenieurwissenschaftliche, elektrotechnische und betriebswirtschaftliche Kompetenzen, erklärt Leutnant Leander. Diese Entwicklung habe maßgeblich zum aktuellen Erfolg beigetragen.
Zum Team gehören Leutnant Julian, Leutnant Leander, Oberfähnrich zur See Thore sowie die Fähnriche Benedict und Christopher, ergänzt durch Constantin Schulz.

Intensivstudium als prägender Faktor
Das Intensivstudium an der HSU/UniBw H stellt besondere Anforderungen an die Studierenden. Gleichzeitig fördert es Fähigkeiten, die sich im Wettbewerb als Vorteil erweisen. Die Kombination aus hoher Arbeitsdichte, Zeitdruck und klaren Strukturen stärkt Effizienz, Belastbarkeit und eine lösungsorientierte Zusammenarbeit.
Erfolge wie beim VDI-Wettbewerb seien daher nicht nur eine Auszeichnung für das konkrete Projekt, sondern auch ein Beleg für die Leistungsfähigkeit des Teams unter anspruchsvollen Rahmenbedingungen, so Leutnant Leander.
Ausblick: Weiterentwicklung des Konzepts
Im nächsten Schritt soll das entwickelte Konzept prototypisch umgesetzt und unter realistischen Bedingungen getestet werden. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für die weitere technische Ausarbeitung und eine mögliche industrielle Anwendung.