Reproduktive Gerechtigkeit: Interdisziplinäre Perspektiven auf Schwangerschaftsabbrüche, Körper und Autonomie

HSU

22. Juli 2026

Hamburg. Schwangerschaftsabbrüche sind Teil der gesellschaftlichen Realität. Dennoch sind sie häufig mit rechtlichen Hürden, Versorgungslücken und gesellschaftlicher Stigmatisierung verbunden. Wie diese Faktoren zusammenwirken und welche Perspektiven das Konzept der reproduktiven Gerechtigkeit auf Fragen körperlicher Selbstbestimmung eröffnet, stand im Mittelpunkt der Tagung „Gewollt, geregelt, gerecht? Interdisziplinäre Perspektiven auf Schwangerschaftsabbrüche, Körper und Autonomie“, die Ende Juni an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw H) und der Bucerius Law School stattfand.

Drei Personen stehen vor einem orangefarbenen Banner des Netzwerks ReproGerecht mit den Logos der HSU/UniBw H, der Bucerius Law School und der Universität Rostock. In der Mitte steht Prof. Dr. Henrike von Scheliha, rechts Prof. Dr. Dana-Sophia Valentiner.
Die Organisatorinnen Prof. Dr. Anne-Kristin Kuhnt, Prof. Dr. Henrike von Scheliha und Prof. Dr. Dana-Sophia Valentiner (v.l.n.r.) der Tagung „Gewollt, geregelt, gerecht? Interdisziplinäre Perspektiven auf Schwangerschaftsabbrüche, Körper und Autonomie“ vor dem Banner des Netzwerks ReproGerecht.

Reproduktive Rechte zwischen Gesetzgebung, Versorgung und gesellschaftlicher Realität

Die Debatte über Schwangerschaftsabbrüche wird in Deutschland häufig auf die Regelungen des § 218 Strafgesetzbuch (StGB) reduziert. Der Paragraph regelt die rechtlichen Rahmenbedingungen für Schwangerschaftsabbrüche und zählt seit Jahrzehnten zu den umstrittensten Bestimmungen des deutschen Strafrechts.

Nach der derzeitigen Rechtslage gelten Schwangerschaftsabbrüche grundsätzlich als rechtswidrig. Unter bestimmten Voraussetzungen bleiben sie jedoch straffrei, etwa wenn die schwangere Person zuvor eine Schwangerschaftskonfliktberatung in Anspruch genommen hat und der Abbruch innerhalb der gesetzlich vorgesehenen Frist erfolgt. Weitere Ausnahmen bestehen beispielsweise bei medizinischer oder kriminologischer Indikation.

Die Diskussionen auf der Tagung machten deutlich, dass sich die Lebensrealität von Betroffenen jedoch nicht allein über die Rechtslage erklären lässt. Neben den gesetzlichen Rahmenbedingungen spielen auch die Verfügbarkeit medizinischer Angebote, regionale Unterschiede in der Versorgung, der Zugang zu Informationen sowie gesellschaftliche Vorstellungen von Körper, Autonomie und Elternschaft eine wichtige Rolle.

Interdisziplinärer Austausch zu reproduktiver Gerechtigkeit

Diesen Zusammenhängen widmet sich das Netzwerk ReproGerecht. Dem Netzwerk gehören unter anderem Prof. Dr. Henrike von Scheliha (Bucerius Law School), Prof. Dr. Dana-Sophia Valentiner (HSU/UniBw H) und Prof. Dr. Anne-Kristin Kuhnt (Universität Rostock) an. Im Rahmen der Tagung brachten sie Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft zusammen, um über reproduktive Gerechtigkeit aus unterschiedlichen Perspektiven zu diskutieren.

In Keynotes, Panels und Repro Labs standen unter anderem die Regelungen des § 218 StGB, medikamentöse Schwangerschaftsabbrüche, bestehende Zugangsbarrieren, die aktuelle Versorgungslage sowie gesellschaftliche und politische Dimensionen reproduktiver Rechte im Mittelpunkt. Die Beiträge aus Rechts-, Sozial- und Gesundheitswissenschaften verdeutlichten, wie eng rechtliche, medizinische und gesellschaftliche Aspekte miteinander verknüpft sind.

Dabei wurde immer wieder die Frage diskutiert, unter welchen Bedingungen Menschen tatsächlich selbstbestimmte Entscheidungen über ihren Körper treffen können. Das Konzept der reproduktiven Gerechtigkeit erweitert die Perspektive auf reproduktive Rechte, indem es neben rechtlichen Ansprüchen auch soziale, gesundheitliche und strukturelle Rahmenbedingungen berücksichtigt.

Wissenschaftliche und persönliche Perspektiven

Ergänzt wurden die wissenschaftlichen Beiträge durch Perspektiven aus Journalismus und Zivilgesellschaft. Ein besonderer Programmpunkt war die Lesung der Autorin und feministischen Journalistin Sibel Schick an der Bucerius Law School. Aus ihrem Buch „Mein Körper – wessen Entscheidung? Warum wir reproduktive Gerechtigkeit brauchen“ heraus thematisierte sie gesellschaftliche Erwartungen, Erfahrungen von Betroffenen und die Bedeutung körperlicher Selbstbestimmung.

Raum für wissenschaftlich fundierte Debatten

Die Tagung machte deutlich, dass Schwangerschaftsabbrüche weiterhin ein gesellschaftlich sensibles Thema sind. Personen, die einen Schwangerschaftsabbruch in Anspruch nehmen möchten, begegnen vielerorts noch immer rechtlichen Hürden, Versorgungslücken und sozialer Stigmatisierung.

Umso wichtiger sind Räume, in denen Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft miteinander ins Gespräch kommen. Der interdisziplinäre Austausch zeigte, dass Fragen reproduktiver Rechte nicht ausschließlich als juristische oder gesundheitspolitische Herausforderungen verstanden werden können, sondern zugleich Fragen gesellschaftlicher Teilhabe und Gerechtigkeit berühren.

Wenn Daten Leben retten können: Mit DiaData zu besseren Vorhersagen bei Typ‑1‑Diabetes

HSU

17. Juli 2026

Hamburg. Blutzucker messen, Insulin berechnen, Risiken abwägen – für Menschen mit Typ‑1‑Diabetes ist das Alltag und zugleich eine permanente Herausforderung. In Deutschland leben derzeit ungefähr 375.000 Menschen mit Typ‑1‑Diabetes. Schon kleine Schwankungen können schwerwiegende Folgen haben. Sinkt der Blutzucker zu stark, spricht man von einer Hypoglykämie, also einer Unterzuckerung, die im Extremfall zu Bewusstlosigkeit oder Koma führen kann. Steigt er dagegen an, drohen ebenfalls langfristige gesundheitliche Schäden.

Genau an dieser Herausforderung arbeitet die Professur für Data Engineering an der Helmut‑Schmidt‑Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg. Prof. Dr. Maria Maleshkova,  Beyza Cinar (M.Sc.) sowie Vaibhav Gupta (M.Sc.) haben mit DiaData einen Datensatz entwickelt, der die Grundlage für verlässlichere Vorhersagen bei Typ‑1‑Diabetes schafft.

Typ‑1‑Diabetes und die Herausforderung der Therapie

Typ‑1‑Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse angreift und zerstört. Dadurch kann der Körper kein Insulin mehr selbst herstellen und den Blutzucker nicht eigenständig regulieren.

„Für Betroffene bedeutet das, den Blutzuckerspiegel kontinuierlich selbst steuern zu müssen. Diese Behandlung erfordert eine präzise Steuerung: Insulin senkt erhöhte Blutzuckerwerte, gleichzeitig ist die richtige Dosierung anspruchsvoll. Eine zu hohe Menge kann zu Unterzuckerungen führen, während zu wenig Insulin erhöhte Werte und damit eine Hyperglykämie, also eine Überzuckerung, zur Folge hat. Für Menschen mit Typ‑1‑Diabetes besteht die Herausforderung darin, diese beiden Extreme möglichst zu vermeiden“, erklärt Beyza Cinar.

Besonders kritisch sind Situationen, in denen Betroffene nicht rechtzeitig reagieren können, etwa im Schlaf. Hinzu kommt, dass körperliche Aktivität, Ernährung oder Tagesabläufe den Blutzuckerverlauf zusätzlich beeinflussen. Eine verlässliche Vorhersage der Blutzuckerentwicklung könnte hier entscheidend helfen. Sie würde es ermöglichen, frühzeitig gegenzusteuern – etwa durch die Aufnahme von Kohlenhydraten, die Anpassung der Insulindosierung oder Veränderungen der körperlichen Aktivität und damit Risiken zu senken sowie die Lebensqualität zu verbessern.

Die Rolle von Daten in der Diabetesversorgung

Viele Menschen mit Typ‑1‑Diabetes nutzen heute kleine Sensorsysteme, die am Körper getragen und den Blutzucker kontinuierlich erfassen. Diese sogenannten Continuous Glucose Monitoring-Systeme (CGM) messen den Glukosewert in der Gewebeflüssigkeit in kurzen Abständen rund um die Uhr und senden die Daten an ein Smartphone, um rechtzeitig vor Über- oder Unterzuckerungen zu warnen. Dabei entstehen große Mengen an Zeitreihendaten, also Daten, die den Verlauf eines Wertes über die Zeit darstellen.

Gerade diese Messreihen sind für die Forschung besonders wertvoll. Sie zeigen, wie sich der Blutzucker im Alltag entwickelt und wie sich etwa Mahlzeiten, Bewegung oder Schlaf auf den Blutzuckerwert auswirken. Damit bilden sie die Grundlage für neue Ansätze, um Risiken nicht erst im Nachhinein zu erkennen, sondern möglichst früh vorherzusagen.

Herkömmliche Studien nutzen kleine und fragmentierte Datensätze

Trotz dieser Datenfülle bleibt ihre wissenschaftliche Nutzung bislang begrenzt. Viele Studien beruhen nur auf kleinen Datensätzen mit wenigen Teilnehmenden und beziehen sich oft auf einzelne Altersgruppen. Dadurch ist häufig unklar, ob die Ergebnisse tatsächlich verallgemeinerbar sind oder nur für eine begrenzte Gruppe gelten.

„Hinzu kommt, dass vorhandene Datensätze oft nicht miteinander kompatibel sind. Sie unterscheiden sich in ihrer Struktur, in den verwendeten Formaten und in den Messintervallen. Eine gemeinsame Auswertung ist dadurch aufwendig und wurde bislang nur selten systematisch umgesetzt. Genau diese Kombination aus geringer Größe und fehlender Vergleichbarkeit erschwert die Entwicklung robuster Modelle erheblich“, erläutert Prof. Dr. Maleshkova.

DiaData: eine integrierte Datenbasis für die Forschung

Hier setzt DiaData an: Der integrierte Datensatz führt vorhandene CGM‑Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammen, vereinheitlicht sie und macht sie in einem größeren Umfang vergleichbar. Auf diese Weise entsteht eine Grundlage, mit der sich Blutzuckerverläufe systematischer untersuchen und Modelle verlässlicher entwickeln lassen.

Insgesamt umfasst DiaData Daten von über 2.500 Menschen mit Typ‑1‑Diabetes aus verschiedenen Altersgruppen und Lebenssituationen. Die Informationen stammen aus unterschiedlichen Studien und wurden strukturell vereinheitlicht, bereinigt und hinsichtlich ihrer Qualität aufbereitet. Fehlende Werte, etwa durch Messlücken, wurden mithilfe datenbasierter Verfahren ergänzt. Darüber hinaus enthält der Datensatz zusätzliche physiologische Informationen wie Herzfrequenz, die gemeinsam mit den Glukosedaten ausgewertet werden können.

„Im Vergleich zu vielen bislang genutzten Datensätzen ist das ein entscheidender Schritt. Während in der Forschung häufig nur Daten von sehr wenigen Personen zur Verfügung stehen, erlaubt DiaData erstmals Analysen auf einer deutlich breiteren und vielfältigeren Grundlage. Entscheidend sind dabei nicht nur die Größe des Datensatzes, sondern auch seine Heterogenität und Qualität“, sagt Beyza Cinar.

Warum die Datenbasis so wichtig ist

Für die Entwicklung von Vorhersagemodellen ist nicht nur die Wahl des Verfahrens entscheidend, sondern vor allem die Qualität der zugrunde liegenden Daten. Künstliche Intelligenz lernt Muster aus vorhandenen Datensätzen. Sind diese zu klein oder zu einseitig, besteht die Gefahr, dass Modelle nur auf genau diese Daten gut passen, bei neuen Fällen aber unzuverlässig werden. In der Forschung wird dieses Problem als Overfitting bezeichnet.

Ein großer und heterogener Datensatz wie DiaData kann dieses Risiko verringern. Er ermöglicht es, stabilere Muster zu erkennen und Modelle zu entwickeln, die besser auf unterschiedliche Personengruppen übertragbar sind. Besonders wichtig ist das bei Hypoglykämien, die in kleineren Datensätzen oft unterrepräsentiert sind und deshalb schwerer zuverlässig vorhergesagt werden können.

Zwischen allgemeinen und individuellen Modellen

Eine zentrale Erkenntnis des Datensatzes zeigt, dass es keine einheitlichen Blutzuckerverläufe gibt, der für alle Menschen mit Typ‑1‑Diabetes gleichermaßen gilt. Während bei der Erkennung von Hypoglykämien keine deutlichen Unterschiede zwischen Frauen und Männern festgestellt wurden, zeigen sich sehr wohl Unterschiede zwischen den Altersgruppen.

 „Gerade bei Kindern sehen wir, dass sich Glukoseverläufe teilweise anders entwickeln als bei Erwachsenen. Das ist wichtig, wenn Modelle später wirklich im Alltag helfen sollen“, erklärt Beyza Cinar.

Genau hier wird die Unterscheidung zwischen generalisierbaren und personalisierten Modellen wichtig. Generalisierbare Modelle werden auf einem breiten Datensatz trainiert und sollen bei möglichst vielen Menschen zuverlässig funktionieren. Personalisierte Modelle dagegen werden gezielt auf einzelne Personen oder bestimmte Gruppen angepasst, um individuelle Muster besser abzubilden.

DiaData ermöglicht beide Ansätze. Einerseits ist der Datensatz groß und vielfältig genug, um robuste, übertragbare Muster zu erkennen. Andererseits liegen für einzelne Personen längere Zeiträume an Daten vor, die eine stärkere Personalisierung erlauben. Die Ergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass bei sehr großen Datensätzen nicht allein die Wahl des Modells entscheidend ist. Sowohl klassische Machine‑Learning‑Verfahren als auch Deep‑Learning‑Ansätze können ähnlich gute Ergebnisse liefern, wenn die Datenbasis ausreichend groß und qualitativ hochwertig ist.

Von der Datenbasis zur Anwendung

„Für die kurzfristige Erkennung von Hypoglykämien sind die Ergebnisse bereits vielversprechend. Unterzuckerungen lassen sich fünf bis fünfzehn Minuten im Voraus mit hoher Genauigkeit erkennen. Auch auf Datensätzen, die nicht Teil von DiaData waren, bleiben die Resultate relevant“, sagt Prof. Dr. Maleshkova.

Darauf aufbauend wurde bereits eine App entwickelt, in der ein solches Modell im Hintergrund laufen kann. Die technische Umsetzung sowie die zugrunde liegende Infrastruktur wurden maßgeblich von Florian Grensing (M.Sc.) entwickelt. Je nach vorhergesagtem Zeitfenster gibt sie konkrete Empfehlungen, um eine Unterzuckerung möglichst zu vermeiden. Die technische Grundlage ist damit geschaffen. Bis zu einer breiten Anwendung in der Versorgung sind jedoch noch weitere Schritte notwendig. Der Fokus liegt derzeit darauf, die Datenqualität weiter zu verbessern, zusätzliche Kontextdaten einzubeziehen und die Vorhersageleistung insbesondere für längere Zeitfenster weiter zu steigern. Hinzu kommt die klinische Evaluation, bevor solche Systeme im Versorgungsalltag eingesetzt werden können.

Ein Schritt in Richtung datenbasierte Versorgung

Bis zur breiten Anwendung in der medizinischen Versorgung sind jedoch noch weitere Schritte notwendig. Dazu gehören insbesondere die technische Weiterentwicklung und die klinische Überprüfung der Systeme im Alltag.

Zugleich wird deutlich, dass Fortschritte nicht allein von Algorithmen abhängen, sondern maßgeblich von der Qualität der zugrunde liegenden Daten.

Mit DiaData entsteht damit eine wichtige Grundlage, um Forschung vergleichbarer zu machen und verlässlichere Modelle zu entwickeln. Langfristig kann dies dazu beitragen, die Behandlung von Typ‑1‑Diabetes sicherer und individueller zu gestalten.

Zur Publikation und zum Datensatz

Publikation: https://www.bio-conferences.org/articles/bioconf/abs/2025/46/bioconf_icbeb2025_03001/bioconf_icbeb2025_03001.html

Datensatz (DiaData): https://zenodo.org/records/1728563

NATO-Medaille für Studentin der HSU/UniBw H

HSU

10. Juli 2026

Hamburg. Für ihren Einsatz im Rahmen einer NATO-Mission ist Lea K., Studentin der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg, mit der NATO-Non-Article-5-Medaille ausgezeichnet worden. Ihr Weg führt vom Dienst bei der Marine ins Studium.

Eine Person erhält bei einem Antreten eine Urkunde und eine Medaille.
Lea K. erhält im Studierendenbereich der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg Urkunde und NATO-Non-Article-5-Medaille.

Im Rahmen eines Antretens des Studierendenbereichs der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg ist Lea K. Ende Juni mit der NATO-Non-Article-5-Medaille ausgezeichnet worden. Oberstleutnant Thomas Waterholter, Chef des Stabes des Studierendenbereichs, überreichte Urkunde und Medaille.

Die Auszeichnung würdigt ihren Einsatz im Rahmen der Very High Readiness Joint Task Force Maritime. Die damalige maritime Einsatzkomponente gehörte zur schnellen Eingreiftruppe der NATO. Für Lea K. ist die Medaille zugleich Anerkennung für einen Abschnitt, der ihren weiteren Weg geprägt hat.

„Meine Zeit bei der Marine und die Zusammenarbeit mit Soldatinnen und Soldaten anderer Nationen waren für mich eine ganz besondere Erfahrung. Dass dieser Abschnitt nun durch die Verleihung der NATO-Medaille noch einmal gewürdigt wird, freut mich sehr. Die Auszeichnung ist für mich eine schöne Anerkennung für eine Zeit, die mich bis heute geprägt hat“, sagt Lea K. nach der Verleihung.

Anerkennung für einen NATO-Einsatz

Die NATO-Non-Article-5-Medaille wird an militärisches und ziviles Personal verliehen, das an bestimmten NATO-geführten Missionen außerhalb der kollektiven Verteidigung nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrags teilgenommen hat. Sie würdigt den persönlichen Beitrag zu multinationalen Einsätzen der Allianz.

Lea K. war von Januar bis März 2023 im Rahmen ihres damaligen Dienstes als Soldatin an der Very High Readiness Joint Task Force Maritime beteiligt. Diese Kräfte galten als besonders schnell verfügbar und konnten bei Krisen oder zur Unterstützung von Bündnispartnern kurzfristig eingesetzt werden.

Mit dem seit 2025 geltenden NATO Force Model hat die Allianz ihre Streitkräftestruktur weiterentwickelt. Dessen schnelle Eingreifkomponente bildet heute die Allied Reaction Force (ARF).

Von der Marine an die Universität

Von 2021 bis 2025 leistete Lea K. zunächst Freiwilligen Wehrdienst und diente anschließend als Soldatin auf Zeit bei der Marine. Seit Oktober 2025 studiert sie an der HSU/UniBw H den Studiengang Rechtswissenschaft für die öffentliche Verwaltung (RÖV).

Der Studiengang vermittelt fundierte rechtswissenschaftliche Kenntnisse mit besonderem Bezug zur öffentlichen Verwaltung. Im Mittelpunkt stehen die rechtlichen Grundlagen staatlichen Handelns, Verwaltungsrecht sowie die Anwendung von Recht in der Praxis. Die Studierenden werden auf verantwortungsvolle Aufgaben in Verwaltung und öffentlichem Dienst vorbereitet.

Erfahrungen verbinden

In seiner Ansprache betonte Oberstleutnant Thomas Waterholter die Bedeutung unterschiedlicher Erfahrungen innerhalb der Bundeswehr. Kenntnisse aus militärischen und zivilen Verwendungen könnten dazu beitragen, Verständnis füreinander zu fördern und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Bereichen der Bundeswehr zu stärken.

Die Auszeichnung von Lea K. zeigt damit nicht nur persönliches Engagement in einem multinationalen Einsatz. Sie steht auch für einen Werdegang, der militärische Erfahrung und akademische Ausbildung miteinander verbindet.

Die HSU/UniBw H gratuliert Lea K. herzlich zu dieser besonderen Auszeichnung.

Universitätspräsident Prof. Dr. Klaus Bertram Beckmann zur Zukunft der Offizierausbildung

HSU

10. Juli 2026

Hamburg. Der Präsident der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg, Prof. Dr. Klaus Bertram Beckmann, hat im internationalen The Defence Horizon Journal einen Fachbeitrag zur Zukunft der Offizierausbildung veröffentlicht. Unter dem Titel „Academic Education For Officers’ Training In A New Age Of Warfare“ beleuchtet er die Bedeutung akademischer Bildung für die Ausbildung militärischer Führungskräfte in einer zunehmend komplexen sicherheitspolitischen Umgebung.

Mehrere Personen in Flecktarnuniform stehen auf einem Exerzier- oder Sportplatz und blicken von hinten in dieselbe Richtung. Einige tragen verschiedenfarbige Baretts, darunter rote, grüne und dunkelblaue. Im Hintergrund ist ein modernes Gebäude mit Glasfassade und Stahlkonstruktion zu sehen.
Offizieranwärterinnen und Offizieranwärter auf dem Campus der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg.

Wissenschaftliche Bildung für eine komplexe Welt

In seinem Beitrag beschäftigt sich Beckmann mit der Frage, welche Kompetenzen Offizierinnen und Offiziere künftig benötigen, um den Herausforderungen moderner Konflikte begegnen zu können. Dabei argumentiert er, dass militärische Führung heute mehr denn je die Fähigkeit voraussetzt, komplexe Zusammenhänge zu analysieren, Informationen kritisch zu bewerten und auch unter Unsicherheit verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.

„Moderne Streitkräfte brauchen nicht nur gut ausgebildete Soldatinnen und Soldaten, sondern Menschen, die komplexe Zusammenhänge verstehen, Informationen kritisch hinterfragen und auch unter Unsicherheit verantwortungsvolle Entscheidungen treffen können. Genau dazu leistet universitäre Bildung einen entscheidenden Beitrag“, sagt Prof. Dr. Klaus Bertram Beckmann, Präsident der HSU/UniBw H.

Die Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg verbindet wissenschaftliche Ausbildung und Forschung mit der Qualifizierung zukünftiger militärischer Führungskräfte. Der Beitrag des Universitätspräsidenten unterstreicht die Bedeutung dieser Verbindung in einer Zeit, die von technologischen Entwicklungen, hybriden Bedrohungen und einem sich wandelnden sicherheitspolitischen Umfeld geprägt ist.

Militärische Ausbildung und Studium gehören zusammen

Einen Gegensatz zwischen militärischer Ausbildung und akademischem Studium weist Beckmann zurück. Beide Bereiche ergänzten sich: Militärische Verfahren und Routinen müssten sicher beherrscht werden, gleichzeitig seien wissenschaftliche Methoden, kritisches Denken und die Fähigkeit zur eigenständigen Urteilsbildung unverzichtbar.

Nach Prof. Beckmann leistet akademische Bildung insbesondere einen Beitrag zur Entwicklung analytischer Fähigkeiten, zum Umgang mit Unsicherheit sowie zur kritischen Bewertung von Informationen. Gerade vor dem Hintergrund hybrider Konflikte und gezielter Desinformation gewinne dies weiter an Bedeutung.

Impulse für die Debatte um die Offizierausbildung der Zukunft

Mit seinem Beitrag beteiligt sich der Universitätspräsident an der aktuellen Debatte über die Weiterentwicklung der Offizierausbildung im Kontext der Zeitenwende. Zugleich greift er einen zentralen Gedanken auf, der die Universitäten der Bundeswehr seit ihrer Gründung prägt: die Verbindung wissenschaftlicher Bildung mit der Ausbildung verantwortungsvoller militärischer Führungspersönlichkeiten.

Der vollständige Beitrag erschien am 9. Juli 2026 im The Defence Horizon Journal.

Triathlon-AG der HSU/UniBw H gewinnt Deutsche Hochschulmeisterschaft

HSU

9. Juli 2026

Hamburg/Trebgast. Die Triathlon-AG der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg hat am 28. Juni 2026 bei der Deutschen Hochschulmeisterschaft im Triathlon in Trebgast (Oberfranken) die Männer-Teamwertung gewonnen.

Teilnehmende stehen bei der Siegerehrung einer Triathlonmeisterschaft auf dem Siegerpodest.
Bei der Siegerehrung werden die erfolgreichen Teams und Einzelstarter der Deutschen Hochschulmeisterschaft im Triathlon ausgezeichnet.

Insgesamt gingen 25 Athletinnen und Athleten von elf Hochschulen an den Start. Für die HSU/UniBw H traten Leutnant zur See Maurice, Florian Z., Leutnant Max und Fähnrich Veith an.

In der Einzelwertung erreichten sie folgende Platzierungen:

  • Leutnant zur See Maurice: 9. Platz
  • Florian Z.: 10. Platz
  • Leutnant Max: 18. Platz
  • Fähnrich Veith: 22. Platz

Starke Leistungen bei extremer Hitze

Die Wettkampfbedingungen waren außergewöhnlich anspruchsvoll. Aufgrund extremer Hitze mit Temperaturen von rund 40 °C auf der Laufstrecke wurde die Laufdistanz aus Sicherheitsgründen verkürzt. Für zwei Athleten war zudem der Massenstart im Schwimmen eine Premiere.

„Durch die Hitze war es ein super hartes Rennen, aber dafür war es top organisiert“, sagt Florian Z.

Nach Einschätzung des Teams waren konsequente Kühlung, Ausdauer und die Fähigkeit, lange an der Belastungsgrenze zu bleiben, entscheidend für den Erfolg. Der Titel sei zugleich ein Zeichen dafür, dass die AG mit ihrem Trainingskonzept auf dem richtigen Weg ist.

Die Triathlon-AG am Sportzentrum der HSU/UniBw H nahm ihren Trainingsbetrieb nach der Pandemie im Jahr 2022 wieder auf. Geleitet wird sie von Profi-Triathlet Marcel Bolbat sowie Leutnant zur See Maurice. Trainiert wird dreimal pro Woche im Rahmen gemeinsamer Lauf- und Schwimmeinheiten; viele Athletinnen und Athleten absolvieren darüber hinaus ein individuelles Trainingsprogramm.

Der nächste sportliche Höhepunkt steht bereits bevor: Am 11./12. Juli startet ein Teil des Teams bei der World Triathlon Championship Series (WTCS) Hamburg über die Sprintdistanz.

Mitmachen in der Triathlon-AG

Die Triathlon-AG freut sich über neue Mitglieder. Interessierte Studierende können jederzeit vorbeikommen und das Training kennenlernen. Das gemeinsame Lauftraining findet mittwochs um 17:30 Uhr auf der Tartanbahn statt. Darüber hinaus treffen sich die Athletinnen und Athleten montags und donnerstags ab 18:30 Uhr in der Schwimmhalle zu Stabilisations- und Schwimmtraining.

Für Schwimmanfängerinnen und Schwimmanfänger empfiehlt das Team zunächst die Teilnahme an der Schwimm-AG. Ansprechpartner und weitere Informationen sind auf der Seite des Sportzentrums zu finden.

Betonkanuregatta 2026: HSU-Studierende beweisen Ingenieurskunst und Teamgeist

HSU

15. Juli 2026

Hamburg/Brandenburg a. d. Havel. 22 Studierende des Bauingenieurwesens der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg haben vom 18. bis 20. Juni 2026 an der 20. Betonkanuregatta in Brandenburg an der Havel teilgenommen.

Studierende des Bauingenieurwesens der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg mit ihrem Betonkanu „Timmy“ bei der 20. Betonkanuregatta in Brandenburg an der Havel.

Bei dem traditionsreichen Wettbewerb treten Studierende mit selbst geplanten, berechneten und gebauten Kanus aus Beton gegeneinander an. Rund 1.000 Teilnehmende von Hochschulen aus acht europäischen Ländern kamen in diesem Jahr zusammen, um sich in Regatten zu messen und fachlich auszutauschen.

Für die HSU/UniBw H entstand das Betonkanu „Timmy“ in der Versuchshalle für Massivbau und Stahlbau. Unter der Leitung von Daniela Axer-Müller arbeiteten Studierende aller vier Studienjahrgänge an Planung, Konstruktion und Bau des Kanus. Unterstützt wurde das Projekt von der Professur für Stahlbau und Stahlwasserbau, der Professur für Massivbau sowie der Professur für Konstruktionswerkstoffe und Bauwerkserhaltung.

Mit „Timmy“ waren jeweils ein Damen-, Herren- und Mixed-Team gemeldet. Auf dem Beetzsee mussten die Teams eine Strecke mit Gerade, Wende und Slalom absolvieren.

Erfolg auf dem Beetzsee

Besonders erfolgreich verlief die Regatta für das Herren-Team. Mit einer Zeit von 2:21,12 Minuten setzte es sich deutlich gegen die Mannschaften der Universität der Bundeswehr München und der HafenCity Universität Hamburg durch. Auch die Damenmannschaft erreichte mit ihrer Leistung eine Platzierung im Mittelfeld des Teilnehmerfeldes.

Betonboot „Timmy“ wird für den Start vorbereitet.
Mit vollem Einsatz auf dem Wasser: Das Betonkanu „Timmy“ der HSU/UniBw H im Wettkampf auf dem Beetzsee.

Nach dem Vorlauf des Damen-Teams wurde das Kanu jedoch schwer beschädigt, brach auseinander und sank. Das Mixed-Team konnte deshalb nicht mehr starten.

Trotz des unglücklichen Endes war die Teilnahme für die Studierenden ein besonderes Erlebnis. Die Betonkanuregatta verbindet ingenieurwissenschaftliches Know-how, Teamarbeit und sportlichen Ehrgeiz – und bietet die Möglichkeit, im Studium erworbene Kenntnisse praktisch anzuwenden. So konnten die Teilnehmenden insbesondere Erfahrungen in den Bereichen Projektmanagement, Statik und Werkstoffkunde sammeln und ihr Wissen unter realen Bedingungen erproben. Auch künftig soll das Projekt Studierenden diese besondere Lernerfahrung ermöglichen. Die nächste Betonkanuregatta ist planmäßig für 2028 vorgesehen. Interessierte können sich ab Oktober 2027 bei Prof. Dr.Ing. Max Gündel, Professur für Stahlbau und Stahlwasserbau, melden.

Von Sprachverarbeitung bis Medizintechnik: KI im Gesundheitswesen beim 3. KI-Forum der HSU/UniBw H

HSU

7. Juli 2026

Hamburg. Am 02. Juli 2026 versammelten sich KI-Interessierte aus Wissenschaft und Industrie in der Speicherstadt zum 3. KI-Forum des KI-Instituts der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg. Unter der inhaltlichen Leitung von Prof. Dr. Nilesh Madhu, Professur für Signalverarbeitung für medizinische Anwendungen, kam ein internationales Speaker- und Gästepanel zusammen, um sich zu aktuellen Themen rund um „AI in Healthcare“ auszutauschen.

Prof. Dr. Madhu eröffnet vor internationalem Publikum das 3. KI-Forum.

Den Auftakt machte Prof. Dr. ir. Kris Demuynck von der Universität Gent mit einem Vortrag über „Voice and Speech Processing for Health“, in dem er über die Physiologie von Sprachproduktion sowie über die Verarbeitung von verbalen und non-verbalen Aspekten von Sprache mithilfe von KI-Lösungen berichtete. Anwendungen seiner Forschung sind beispielsweise das Erstellen von Patientenprofilen, Stresserkennung in der Sprache, sowie die Analyse der Sprachfähigkeiten von Kindern für die Unterstützung von Sprachtherapeuten und Sprachtherapeutinnen.

Anschließend stellte PD Dr. habil. Michael Grass, Principal Scientist bei der Firma Philips, seine Forschungsarbeit im Bereich „AI in Medical Imaging“ vor. Er ging dabei insbesondere auf die klinischen und technischen Ziele bei der Bildgebung in der Medizintechnik ein. Anwendungen von AI in diesem Bereich beziehungsweise die Forschung daran sind unter anderem die Rauschunterdrückung bei CT-Aufnahmen und die Vorhersage von Diagnosen mithilfe von Röntgenaufnahmen.

Nachwuchsforschende präsentieren aktuelle KI-Projekte

Neben den beiden Hauptvorträgen, hatten drei Doktoranden die Möglichkeit, den Gästen ihre aktuelle Forschung vorzustellen. Simon Dahl Jepsen, Doktorand an der Aalborg Universität in Dänemark, sprach über robuste Sprachverarbeitung für die automatische Transkription. Rathi Adarshi Ramohan, Doktorandin von der Universität Bremen, präsentierte ihre Forschung zur automatischen Erkennung von Hate Speech. Den Abschluss machte Paul Schreiber, M.Sc., wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur für Data Engineering der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg, mit seinem Vortrag zu automatisierte Stresserkennung.

Nach fünf spannenden Vorträgen kamen Gäste und Vortragende bei Getränken und Snacks während der Networking-Session ins Gespräch. Wir bedanken uns bei allen Vortragenden und Gästen für einen interessanten Abend und tolle Gespräche.

Das nächste KI-Forum wird im Herbst zum Thema „AI im Dual Use“ stattfinden.

Studie zur KI-Souveränität: Wie Europa seine technologische Handlungsfähigkeit sichern kann

HSU

10. Juli 2026

Hamburg/München. Forschende der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg haben gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Universität der Bundeswehr München und weiteren Partnern untersucht, wie Deutschland seine technologische Handlungsfähigkeit im Bereich der Künstlichen Intelligenz stärken kann. Die gemeinsame Studie beleuchtet zentrale Herausforderungen, bestehende Abhängigkeiten und mögliche Wege zu mehr KI-Souveränität in Deutschland und Europa.

Die Untersuchung zeigt: Wer Künstliche Intelligenz langfristig sicher und verlässlich nutzen will, muss nicht nur KI-Anwendungen einsetzen können. Ebenso wichtig ist es, die zugrunde liegenden Technologien selbst zu verstehen, weiterzuentwickeln und bei Bedarf unabhängig betreiben zu können.

Für Prof. Dr. Oliver Niggemann von der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg hat das Thema deshalb auch eine sicherheitspolitische Bedeutung: „KI ist ein Teil der Kriegsfähigkeit und Kriegsfähigkeit heißt natürlich auch ein zu bestimmender Level an Souveränität.“

Die Studie sei zugleich ein Beispiel für die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Bundeswehr. Das Projekt sei ohne großen Vorlauf, auf kurzem Dienstweg und in enger Teamarbeit realisiert worden, erklärte Niggemann.

Wo Deutschland und Europa abhängig sind

Die Forschenden haben untersucht, in welchen Bereichen Deutschland und Europa auf Technologien, Rohstoffe oder Unternehmen aus anderen Teilen der Welt angewiesen sind. Dazu gehören beispielsweise moderne Computerchips, spezielle Software für deren Entwicklung, wichtige Rohstoffe und leistungsfähige Rechner für KI-Anwendungen. Viele dieser Komponenten werden derzeit außerhalb Europas entwickelt oder hergestellt.

Die Studie macht jedoch deutlich: Ziel ist nicht die vollständige Unabhängigkeit von internationalen Partnern. Vielmehr geht es darum, auch in Krisen oder Konflikten handlungsfähig zu bleiben und kritische Abhängigkeiten zu verringern.

Nicht nur Technik ist entscheidend

Ein weiteres Ergebnis der Studie: KI-Souveränität entsteht nicht allein durch leistungsfähige Technik. Genauso wichtig sind gut ausgebildete Fachkräfte, ein sicherer Umgang mit Daten und die Fähigkeit, eigene KI-Systeme transparent und zuverlässig zu betreiben. Deshalb empfehlen die Autorinnen und Autoren Investitionen in allen wichtigen Bereichen – von Rechenzentren und Software bis hin zu Ausbildung und Forschung.

Prof. Dr. Wolfgang Koch vom Fraunhofer FKIE betont insbesondere die Bedeutung wissenschaftlicher Kompetenz: „KI-Souveränität umfasst Souveränität in Forschung und Methodenentwicklung. Denn es geht nicht nur um ‚immer mehr Daten‘, sondern um ihre vertrauenswürdige Interpretation.“

Europa als Schlüssel

Viele der identifizierten Herausforderungen kann Deutschland nicht allein bewältigen. Das gilt insbesondere für die Entwicklung moderner Computerchips und großer Rechenkapazitäten für KI-Anwendungen. Hier sei eine enge Zusammenarbeit innerhalb Europas entscheidend.

Prof. Dr. Oliver Rose von der Universität der Bundeswehr München wirbt deshalb für einen gemeinsamen europäischen Ansatz: „Die Deutschen alleine werden es nicht reißen, aber 450 Millionen Europäer schaffen das. Wir brauchen jetzt einen Airbus-Moment bei der KI.“

Europa müsse seine Stärken künftig vor allem bei Innovation und technologischer Entwicklung bündeln.

Forschung für fundierte Entscheidungen

Die Studie gibt einen Überblick darüber, welche Fähigkeiten Deutschland im Bereich der Künstlichen Intelligenz bereits besitzt, wo Herausforderungen bestehen und welche Handlungsmöglichkeiten sich daraus ergeben. Sie zeigt, dass technische Unabhängigkeit nicht von einzelnen Produkten abhängt, sondern vom Zusammenspiel von Forschung, Industrie, Bildung und internationaler Zusammenarbeit.

Gerade bei einer Schlüsseltechnologie wie der Künstlichen Intelligenz sind wissenschaftlich fundierte Analysen wichtig, um Entwicklungen einordnen und Entscheidungen auf einer belastbaren Grundlage treffen zu können. Die gemeinsame Studie der Universitäten der Bundeswehr und ihrer Partner leistet dazu einen Beitrag.

Lesen Sie hier die Studie

https://openhsu.ub.hsu-hh.de/server/api/core/bitstreams/a67167b5-5d25-44eb-9f8a-b4bf89419a37/content

Mautkontrolle aus der Luft: Interdisziplinäres Projekt untersucht smarte Drohnentechnologie

HSU

3. Juli 2026


Hamburg. Wie lassen sich Lkw‑Mautkontrollen künftig flexibler und effizienter gestalten? Ein Forschungsprojekt an der Helmut‑Schmidt‑Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw H) hat untersucht, wie drohnenbasierte Systeme bestehende Kontrollverfahren ergänzen könnten.

Drohnen als Ergänzung bestehender Kontrollsysteme

Im an der Helmut‑Schmidt‑Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg durchgeführten Konzeptvorhaben „Optimierung von Lkw‑Mautkontrollen mit smarter Drohnen‑Technologie“ wurde untersucht, wie moderne unbemannte Luftfahrtsysteme bestehende stationäre und mobile Kontrollverfahren sinnvoll ergänzen können. Unterstützt und betreut wurde das Projekt von Toll Collect GmbH sowie dem Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM).

Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass stationäre Kontrollbrücken und ‑säulen zwar sehr leistungsfähig sind, jedoch ortsgebunden bleiben. Mobile bodengebundene Kontrollen erweitern diese Infrastruktur bereits heute. Drohnen können darüber hinaus neue Einsatzmöglichkeiten eröffnen, etwa durch ihre schnelle Verlegbarkeit und flexible Einsatzfähigkeit.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit an der HSU/UniBw H

Das Projekt verfolgte einen konsequent interdisziplinären Ansatz und bündelte unterschiedliche Fachperspektiven der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg. Beteiligt waren die Professuren für Regelungstechnik, Stahlbau und Stahlwasserbau, Hybrid Intelligence sowie Öffentliches Recht.

Prof. Dr.Ing. Max Gündel, Professor für Stahlbau und Stahlwasserbau an der HSU/UniBw H: „Unser Ziel war es, nicht nur einzelne technische Lösungen zu betrachten, sondern ein realistisch umsetzbares Gesamtkonzept zu entwickeln. Die Drohne ist dabei Teil eines Systems, das technische Leistungsfähigkeit, rechtliche Anforderungen und praktische Einsatzbedingungen gleichermaßen berücksichtigt.“

Im Ergebnis entstand ein Konzept für ein automatisiertes, drohnenbasiertes Mautkontrollsystem. Dieses umfasst unter anderem ein Betriebskonzept mit mehreren sich ablösenden Drohnen, eine anwendungsoptimierte Kamerasensorik sowie eine lokal auf der Drohne arbeitende, KI‑gestützte Bildauswertung.

Leopold Fischer-Brandies, M.Sc., wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Hybrid Intelligence: „Ein zentraler Aspekt war die KI‑gestützte Bildauswertung direkt auf der Drohne. Durch die lokale Verarbeitung konnten Fahrzeuge zuverlässig erkannt und klassifiziert werden, ohne unnötige Daten zu speichern oder weiterzugeben.“

Praxistest unter realistischen Bedingungen

Neben der konzeptionellen Arbeit wurde die grundsätzliche technische Machbarkeit in einer praxisnahen Abschlussdemonstration überprüft. Diese fand auf dem Truppenübungsplatz Seedorf mit Unterstützung der 6. Kompanie des Feldjägerregiments 1 statt. Fahrzeuge wurden aus der Luft erfasst, klassifiziert und mautrelevante Merkmale automatisiert ausgewertet.

Dr.Ing. Mirco Alpen, Laborleitung an der Professur für Regelungstechnik: „Drohnen bieten dort Vorteile, wo bestehende Kontrollinfrastruktur an ihre räumlichen Grenzen stößt. Sie sind schnell verlegbar und können gezielt in speziellen Kontrollszenarien eingesetzt werden.“

Rechtliche Bewertung und Ausblick

Auch aus rechtlicher Sicht fiel die Bewertung positiv aus. Sowohl luftverkehrsrechtliche als auch datenschutzrechtliche Anforderungen lassen sich bei geeigneter Ausgestaltung erfüllen.

Prof. Dr. jur. Margarete Schuler-Harms, Professorin für Öffentliches Recht: „Aus rechtlicher Sicht war entscheidend, dass der Einsatz drohnenbasierter Systeme rechtskonform und datensparsam erfolgen kann. Bilddaten nicht mautpflichtiger Fahrzeuge werden unmittelbar verworfen, sämtliche Verarbeitungsschritte erfolgen lokal.“

Das Projekt liefert damit eine belastbare Grundlage für den möglichen zukünftigen Einsatz drohnenbasierter Systeme in der Lkw‑Mautkontrolle und weiteren Anwendungen der Verkehrskontrolle.

TandEM-Projekt begleitet MINT-Studierende erfolgreich durch die Studieneingangsphase

HSU

1. Juli 2026

Hamburg. Am 4. Juni 2026 fand in der Offizierheim-Gesellschaft die Abschlussfeier des TandEM-Projekts an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg statt. Die Veranstaltung bildete den Abschluss des aktuellen Projektdurchgangs und bot Gelegenheit, das Engagement der beteiligten Tutorinnen und Tutoren zu würdigen.

Das TandEM-Projekt (Technical and Educational Mentors) ist ein interdisziplinäres Förderprogramm der Professur für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie. Seit seiner Einführung im Jahr 2021 unterstützt es Studierende der MINT-Fächer – also der Studienbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – beim erfolgreichen Einstieg ins Studium.

Unterstützung auf fachlicher und persönlicher Ebene

Der Beginn eines Studiums bringt zahlreiche neue Herausforderungen mit sich. Neben anspruchsvollen Lehrveranstaltungen müssen Studierende ihren Lernalltag eigenständig organisieren, Prüfungen vorbereiten und persönliche Belastungen bewältigen. Hier setzt das TandEM -Projekt an: Es verbindet fachliche Unterstützung mit methodischer Begleitung.

Das Programm basiert auf einem Tandem aus zwei Mentorengruppen. Fachliche Tutorinnen und Tutoren aus höheren Trimestern der MINT-Studiengänge unterstützen bei fachlichen Fragestellungen, Übungen und der Klausurvorbereitung. Ergänzt wird dieses Angebot durch methodische Tutorinnen und Tutoren aus den Studiengängen Psychologie sowie Bildungs- und Erziehungswissenschaften. Sie begleiten die Teilnehmenden unter anderem bei Themen wie Lernstrategien, Zeitmanagement, Selbstorganisation, Motivation und Stressbewältigung und bieten zusätzlich individuelle Coachings an.

Begleitung über drei Trimester

Eine Projektiteration erstreckt sich über drei Trimester und beginnt jeweils mit einer Ausbildungswoche im September. Anschließend begleiten die Tutorinnen und Tutoren einen MINT-Studierendenjahrgang bis zum Ende des Frühjahrstrimesters des Folgejahres. Die regelmäßigen TandEM-Sitzungen schaffen einen kontinuierlichen Raum für fachlichen Austausch, persönliche Entwicklung und gegenseitige Unterstützung.

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass insbesondere die Kombination aus fachlicher Hilfestellung und methodischer Begleitung von den Teilnehmenden als wertvoll wahrgenommen wird. Viele Studierende profitieren von klareren Lernstrukturen, einer besseren Studienorganisation und der Möglichkeit, Herausforderungen frühzeitig anzusprechen.

Lernen über Fachgrenzen hinweg

Ein besonderes Merkmal des TandEM -Projekts ist sein interdisziplinärer Ansatz. Studierende aus Psychologie und Bildungswissenschaften arbeiten gemeinsam mit Studierenden technischer Studiengänge daran, jüngere Kommilitoninnen und Kommilitonen zu unterstützen. Dadurch entstehen fachübergreifende Lern- und Unterstützungsstrukturen, die nicht nur den Studienerfolg fördern, sondern auch wichtige Kompetenzen in den Bereichen Kommunikation, Beratung, Verantwortung und Führung stärken.

Engagement gewürdigt

Bei der Abschlussveranstaltung wurden die Tutorinnen und Tutoren für ihren Einsatz ausgezeichnet und erhielten ihre Teilnahmezertifikate. Neben den Projektbeteiligten nahmen auch Vertreterinnen und Vertreter der Universität teil. Die Feier bot Gelegenheit, auf die vergangenen Monate zurückzublicken und die Bedeutung des Engagements für den Studienerfolg der Teilnehmenden hervorzuheben.

Mehr zum TandEM-Projekt

Das TandEM -Projekt wird jährlich durchgeführt und soll auch künftig fester Bestandteil der Unterstützungsangebote für Studierende an der HSU/UniBw H bleiben.

Weitere Informationen erhalten Interessierte bei der Projektleitung. Ansprechpartner ist Lukas Paulun Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie): lukas.paulun[at]hsu.hamburg.