Prof. Dr. Christiane Fröhlich: Wie Klima, Migration und Konflikte zusammenhängen

HSU

2. November 2026

Hamburg. Wie verändert der Klimawandel gesellschaftliche und politische Konflikte? Welche Rolle spielen Umweltkrisen für Flucht und Migration? Und unter welchen Bedingungen können Umweltfragen auch neue Möglichkeiten für Zusammenarbeit eröffnen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Prof. Dr. Christiane Fröhlich seit mehr als 20 Jahren. Mit ihrer Professur für Politikwissenschaft, insbesondere Transnationale Politik, bringt sie diese Forschung an die Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw H) ein.

„Mich interessiert, wie Umweltveränderungen, politische Konflikte und Migration zusammenwirken und welche Folgen diese Wechselwirkungen für Menschen und Gesellschaften haben.“

Prof. Dr. Christiane Fröhlich hat seit November 2026 die Professur für Politikwissenschaften, insbesondere Transnationale Politik an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg inne.

Forschung zwischen Klimawandel, Migration und Konflikt

Ein großer Teil ihrer Forschung führt Fröhlich in den Mashriq. Dort untersucht sie unter anderem, wie Umweltkrisen politisch instrumentalisiert werden, insbesondere in autokratisch regierten Staaten. Dabei interessiert sie, ob solche Krisen genutzt werden, um politische Kontrolle zu verstärken oder gesellschaftliche Handlungsspielräume einzuschränken, und welche Folgen dies für den politischen Umgang mit Klima- und Umweltfragen hat.

Migration betrachtet Fröhlich nicht allein als Folge politischer und ökologischer Krisen. Sie untersucht auch, wie grenzüberschreitende Migration politische und gesellschaftliche Ordnungen verändert. Im Mittelpunkt steht dabei unter anderem die Frage, welche Rolle Migration bei der Herausbildung von Staaten und nationalen Gemeinschaften spielt, etwa während und nach Bürgerkriegen. Viele dieser Zusammenhänge erforscht sie in Israel/Palästina, Syrien, Libanon und Jordanien. Zugleich richtet sie ihren Blick nach Europa und Deutschland, wo sie sich mit politischen Debatten über Flucht und Migration beschäftigt.

Prof. Dr. Christiane Fröhlich analysiert jedoch nicht nur die Entstehung und Verschärfung von Konflikten. Im Bereich des Environmental Peacebuilding untersucht sie, ob der gemeinsame Umgang mit Umweltproblemen und natürlichen Ressourcen auch Möglichkeiten für Zusammenarbeit und Friedensförderung eröffnen kann.

Damit verbunden sind Fragen der Klima- und Mobilitätsgerechtigkeit: Wer trägt die Folgen von Klimawandel, Umweltkrisen und politischer Gewalt? Wer hat die Möglichkeit, einen gefährdeten Ort zu verlassen, und wer nicht? Und wie können politische Antworten darauf gerechter gestaltet werden?

Feldforschung und Zusammenarbeit mit den Forschungsregionen

Um diese Zusammenhänge zu untersuchen, arbeitet Fröhlich eng mit den Regionen und den Menschen vor Ort zusammen. Ihre langjährige Feldforschung im Mashriq und angrenzenden Staaten verbindet sie mit Vergleichen zwischen unterschiedlichen Ländern und Regionen.

Dabei geht es ihr nicht nur darum, vor Ort Daten zu erheben. In transdisziplinären Forschungsprojekten entwickelt sie Themen und Fragestellungen gemeinsam mit Akteuren aus den jeweiligen Forschungsregionen. So fließen unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und Wissensbestände bereits in die Konzeption der Forschung ein.

„Für meine Forschung ist es wichtig, Fragestellungen gemeinsam mit Menschen und Institutionen aus den jeweiligen Forschungsregionen zu entwickeln. So können unterschiedliche Erfahrungen und Wissensbestände von Anfang an in den Forschungsprozess einfließen.“

Wie diese Form der Zusammenarbeit konkret aussieht, zeigen Fröhlichs aktuelle Forschungsprojekte. Ein Teil davon führt direkt in die Regionen, die ihre wissenschaftliche Arbeit seit vielen Jahren prägen.

SAGE: Globale Veränderungen und gesellschaftliche Anpassung im Nahen Osten

Im DAAD-geförderten Forschungszentrum Sustainable Adaptation to Global Change in the Middle East (SAGE) richtet sich der Blick auf den Nahen Osten: Wie gehen Gesellschaften mit globalen Veränderungen um und welche politischen und ethischen Fragen entstehen dabei?

Fröhlich ist Co-Principal Investigator des Forschungsteams „Governance and Ethics“. Das vom Deutschen Akademischen Austauschdienst und vom Auswärtigen Amt geförderte Zentrum mit Sitz an der An-Najah Universität in Nablus wird von der Universität Tübingen geleitet.

SAGE verbindet die Frage nach gesellschaftlicher Anpassung an globale (Umwelt-)Veränderungen mit Fragen politischer Gestaltung und ethischer Verantwortung. Damit treffen mehrere Linien von Prof. Fröhlichs Forschung aufeinander: die Beschäftigung mit Umweltveränderungen und gesellschaftlichen Transformationsprozessen ebenso wie ihre langjährige wissenschaftliche Arbeit im Mashriq.

PGSB-strong: Deutsch-palästinensische Wissenschaftskooperation stärken

An die langjährige Zusammenarbeit in der Region knüpft auch das Projekt Strengthening Palestinian German Science Bridge (PGSB-strong) an. Während bei SAGE gesellschaftliche Anpassungsprozesse im Mittelpunkt stehen, richtet sich der Blick hier auf die wissenschaftliche Zusammenarbeit selbst. Fröhlich verantwortet das Teilvorhaben „Nachhaltigkeit und Wirksamkeit“.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert und in Kooperation mit dem German Institute for Global and Area Studies sowie dem Forschungszentrum Jülich durchgeführt.

Beide Vorhaben spiegeln damit einen wichtigen Teil ihres Forschungsverständnisses wider: Wissenschaftliche Fragen werden nicht losgelöst von den jeweiligen Regionen bearbeitet, sondern im internationalen Austausch und in langfristigen Kooperationen.

Flucht und Migration im politischen Diskurs in Deutschland

Von den internationalen Forschungskooperationen führt ein weiteres Projekt zurück nach Deutschland. Hier richtet Fröhlich den Blick darauf, wie über Flucht und Migration gesprochen wird und wie sich politische Argumentationsmuster über die Zeit verändern.

Als Principal Investigator des von der Gerda Henkel Stiftung geförderten Projekts Justifications for Anti-Refugee Views in German Political Discourse Over Time: Parallel, Changing, and Expanding Boundaries of the ‘Sayable’ untersucht sie, wie flüchtlingsfeindliche Positionen in der deutschen politischen Debatte begründet werden.

Dabei geht es auch um die Frage, wie sich die Grenzen dessen verändern, was in politischen Debatten über Geflüchtete öffentlich geäußert werden kann. Das Projekt erweitert damit ihre langjährige Forschung zu transnationaler Migration und Flucht um eine gesellschaftliche und politische Perspektive auf Migrationsdiskurse in Deutschland.

Wissenstransfer zwischen Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft

Die unterschiedlichen Forschungsfelder verbindet ein gemeinsames Anliegen: Wissenschaft soll für Fröhlich nicht ausschließlich innerhalb der Forschung stattfinden, sondern auch den Austausch mit Politik und Zivilgesellschaft suchen.

Dafür bringt sie langjährige Erfahrung in internationalen Forschungskooperationen, wissenschaftlicher Lehre und Politikberatung mit. Von 2022 bis 2026 war sie Sprecherin des Deutschen Netzwerks Fluchtforschung e. V.. Darüber hinaus engagiert sie sich in wissenschaftlichen Fachverbänden, internationalen Forschungsnetzwerken und bei der Herausgabe wissenschaftlicher Publikationen, z.B. der Zeitschrift für Flucht- und Flüchtlingsforschung (Z’Flucht).

Universitätspräsident Prof. Dr. Klaus Beckmann überreicht Prof. Dr. Christiane Fröhlich die Ernennungsurkunde zur Übernahme der Professur für Politikwissenschaften, insbesondere Transnationale Politik an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg.

Für ihre Arbeit an der HSU/UniBw H formuliert sie ein klares Ziel:

„Mit der Professur möchte ich die wissenschaftlich wie gesellschaftspolitisch höchst relevanten Bereiche Klima, Migration und Konflikt als international sichtbare Forschungsschwerpunkte der Helmut-Schmidt-Universität etablieren.“

Die HSU/UniBw H gratuliert Prof. Dr. Christiane Fröhlich herzlich zur Übernahme ihrer Professur.

Open Source als digitale Infrastruktur: René Lührsen über Wartung, Finanzierung und Verantwortung

HSU

27. Oktober 2026

Hamburg. Eine Website aufrufen, online einkaufen oder ein digitales Verwaltungsportal nutzen: Was im Alltag selbstverständlich erscheint, beruht im Hintergrund auf zahlreichen Softwarekomponenten. Viele davon sind Open Source, das bedeutet, dass ihr Quellcode offen zugänglich ist und die Software genutzt, verändert und weitergegeben werden darf. So können Entwicklerinnen und Entwickler auf vorhandenen Lösungen aufbauen, statt grundlegende Funktionen immer wieder neu zu entwickeln. Doch wer kümmert sich langfristig um diese gemeinsam genutzten Bausteine?

Eine Person sitzt an einem Tisch vor mehreren kleinen Stapeln aus runden, grauen Spielsteinen und hält einen weiteren Stein über die Stapel. Im Hintergrund sind Tische und Stühle eines hellen Innenraums zu sehen.
René Lührsen veranschaulicht mit den gestapelten Steinen die Abhängigkeiten digitaler Infrastruktur: Viele Anwendungen bauen auf gemeinsam genutzten Softwarekomponenten auf. Gerät ein zentraler Baustein ins Wanken, kann das Auswirkungen auf das gesamte System haben.

PHP-Sicherheitslücke macht digitale Abhängigkeiten sichtbar

Wie relevant diese Frage ist, zeigte sich erst vergangene Woche. In der weit verbreiteten Programmiersprache PHP waren zwei kritische Schwachstellen bekannt geworden. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) veröffentlichte eine Cybersicherheitswarnung und riet zu Sicherheitsupdates. Zahlreiche Online-Angebote, darunter Webseiten von Universitäten, Stadtverwaltungen und Kliniken, wurden vorsorglich vom Netz genommen.

Für Nutzerinnen und Nutzer bedeutete das zunächst vor allem: Manche Seiten waren vorübergehend nicht erreichbar. Der Vorfall legt jedoch eine tiefere Abhängigkeit offen. Wenn viele verschiedene Anwendungen auf denselben Softwarekomponenten aufbauen, kann eine Schwachstelle an einer Stelle weitreichende Folgen haben.

René Lührsen erforscht die Strukturen hinter Open-Source-Software

Was diese Abhängigkeiten organisatorisch bedeuten, untersucht René Lührsen. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Dr. Maximilian Heimstädt, Inhaber der Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Digital Governance und Service Design, an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw H) und promoviert an der Leuphana Universität Lüneburg am Institut für Management und Organisation bei Prof. Dr. Matthias Wenzel.

Sein Blick richtet sich dabei weniger auf einzelne technische Schwachstellen als auf die Strukturen dahinter:

„Digitale Infrastruktur baut häufig auf Open-Source-Software auf. Entwickler bauen somit auf diese offen verfügbaren Infrastrukturbausteine auf, statt jedes Mal bei null anzufangen. Das ist vorteilhaft für alle Beteiligten, und daher stecken viele dieser Bausteine in Webseiten, Apps und Behördenportalen, oft tief in anderer Software verbaut. Hat ein solcher Baustein eine Schwachstelle, sind deshalb viele Anwendungen betroffen.“

Dass solche weitreichenden Abhängigkeiten kein neues Phänomen sind, zeigen zwei frühere Sicherheitslücken, auf die René Lührsen verweist: Heartbleed im Jahr 2014 und Log4Shell 2021. Bei Heartbleed konnten durch eine Schwachstelle Informationen aus Systemen ausgelesen werden, die eigentlich geschützt sein sollten. Log4Shell betraf einen Softwarebaustein, den zahlreiche andere Programme verwendeten. Unter bestimmten Bedingungen konnten Angreifer darüber fremden Code ausführen.

Heartbleed, Log4Shell und aktuell PHP zeigen damit dasselbe strukturelle Problem: Eine wenig sichtbare Softwarekomponente kann für zahlreiche Anwendungen relevant sein. Doch solche Komponenten entstehen und pflegen sich nicht von selbst. Hinter ihnen stehen Menschen, die den Code weiterentwickeln, aktualisieren und Sicherheitslücken schließen.

Wer entwickelt und pflegt Open-Source-Software?

Diese Arbeit übernehmen sehr unterschiedlich organisierte Communities. Je nach Projekt arbeiten dort nur eine Handvoll Freiwilliger oder mehrere Hundert Menschen. Hinzu kommen Mitarbeitende von Unternehmen, für deren Produkte die jeweilige Infrastruktur unmittelbar relevant ist. Über Ländergrenzen hinweg arbeiten sie gemeinsam am Code, schlagen Verbesserungen vor und prüfen gegenseitig ihre Beiträge.

„Die Offenheit macht es leicht, Software zu nutzen und Wissen zu teilen, aber schwer, die Arbeit daran zu finanzieren. Am fehlenden Geld leidet vor allem die Wartung, etwa das Schließen von Sicherheitslücken oder das Aktualisieren des Codes. Firmen zahlen häufig nur für Komponenten, die direkt für ihre Produkte relevant sind“, erklärt René Lührsen.

Damit verschiebt sich der Blick von der einzelnen Sicherheitslücke auf die Bedingungen, unter denen Open-Source-Software langfristig gepflegt wird.

Sovereign Tech Agency: Wie staatliche Open-Source-Förderung funktioniert

Die Finanzierungslücke bildet den Ausgangspunkt für Lührsens Dissertation. Im Mittelpunkt seiner Untersuchung steht die Sovereign Tech Agency. Sie ist aus einer Initiative von Menschen aus Open-Source-Communities und digitalpolitischen Akteuren entstanden, wird seit 2022 vom Bund finanziert und ist heute eine Tochtergesellschaft der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND). Sie unterstützt Wartung und Sicherheit grundlegender Open-Source-Technologien. Auch PHP wird seit 2023 gefördert.

René Lührsen interessierte dabei vor allem, was passiert, wenn öffentliche Förderung auf weltweit verteilte und weitgehend selbstorganisierte Communities trifft:

„Hier treffen zwei sehr unterschiedliche Welten aufeinander. Eine staatliche Einrichtung, die an administrative Regeln und die sorgfältige Verwendung von Steuergeld gebunden ist und weltweit verteilte Communities, die sich weitgehend selbst organisieren. In meiner Forschung hat mich dabei vor allem interessiert, wie die Zusammenarbeit zwischen der Agentur und den geförderten Projekten funktioniert.“

Um diese Zusammenarbeit zu untersuchen, begleitete er die Sovereign Tech Agency anderthalb Jahre lang. Er führte 38 Interviews mit Mitarbeitenden der Agentur, geförderten Projekten und Fachleuten, nahm an Veranstaltungen teil und war für seine Untersuchung im Berliner Büro vor Ort. Wissenschaftlich unterstützt wurde er dabei von Prof. Dr. Maximilian Heimstädt.

Wie staatliche Förderung und Open-Source-Communities zusammenfinden

Aus dieser Untersuchung ergibt sich für René Lührsen ein zentraler Befund: Entscheidend ist nicht allein, dass öffentliche Mittel zur Verfügung stehen. Ebenso wichtig ist, wie die Förderung organisiert wird.

„Die Sovereign Tech Agency fungiert als Brücke zwischen Staat und Communities, und das gelingt ihr, weil sie beide Seiten versteht. Ihre Gründungsmitglieder kennen die Communities aus eigener Erfahrung, und das Team weiß dank seiner technischen Expertise, was es fördert und wie die Communities arbeiten. Zugleich kennt die Agentur die bürokratischen Rahmenbedingungen, die an Steuergeld geknüpft sind, und filtert sie so, dass die ohnehin schon stark belasteten Projekte nur liefern müssen, was wirklich nötig ist“, erklärt Lührsen.

Diese Übersetzungsleistung funktioniert auch in die andere Richtung. Gegenüber Politik und Öffentlichkeit vermittelt die Agentur, warum wenig sichtbare Technologien wie PHP für die digitale Infrastruktur relevant sind.

Wie diese Arbeitsweise bei den geförderten Projekten ankommt, zeigt eine Aussage aus einem der Interviews: „Die verstehen, was wir tun. Man merkt, dass sie Erfahrung mit Technologien haben.“

Open Source und digitale Souveränität

Die Frage nach Wartung und Finanzierung reicht für Lührsen über einzelne Softwareprojekte hinaus. Sie berührt auch die digitale Souveränität Deutschlands.

Digitale Souveränität versteht er dabei als die Fähigkeit, selbstbestimmt über die Technologie entscheiden zu können, die man nutzt. Der offene Quellcode von Open-Source-Software schafft dafür Möglichkeiten: Er kann überprüft und verändert werden, Schwachstellen können unabhängig gefunden und behoben werden und man ist nicht auf einen einzelnen Hersteller angewiesen.

Vollständige Unabhängigkeit entsteht dadurch allerdings nicht:

„Der große Vorteil von Open-Source-Software ist also die Möglichkeit zur Selbstbestimmung. Damit diese Möglichkeit Wirklichkeit wird, müssen die Communities befähigt und mit Ressourcen unterstützt werden, um die Infrastruktur so gut und resilient wie möglich zu machen. Denn sie ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Auch Open-Source-Software schafft also Abhängigkeiten, oft von einigen wenigen, unterfinanzierten Projekten.“

Für René Lührsen folgt daraus ein Verständnis digitaler Souveränität, das nicht darauf zielt, Abhängigkeiten vollständig zu vermeiden. Vielmehr geht es darum, sie bewusst mitzugestalten und Verantwortung für gemeinsam genutzte Technologien zu übernehmen.

Welche Verantwortung trägt der Staat für Open-Source-Software?

Eine solche Mitverantwortung sieht Lührsen auch beim Staat. Staatliche Einrichtungen, Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger nutzen Open-Source-Software direkt oder indirekt. Öffentliche Unterstützung kann deshalb einen Beitrag zu deren Erhalt leisten.

Sie bringt allerdings einen Zielkonflikt mit sich. Wer Geld bereitstellt, nimmt bereits durch die Entscheidung Einfluss, welche Projekte und welche Arbeiten finanziert werden. Bei der Sovereign Tech Agency werden die zu fördernden Arbeiten gemeinsam mit den Projekten festgelegt. Wie sie umgesetzt werden, bleibt anschließend den Fachleuten überlassen.

Die Möglichkeiten staatlicher Förderung sind nach Lührsens Einschätzung dennoch begrenzt:

„Mit Geld im Rahmen öffentlicher Förderung kann man zwar Anreize für Arbeit setzen, aber es braucht mehr als das. Es braucht kollektives Handeln vieler Akteure, um die Organisationen hinter den Open-Source-Technologien mit Fähigkeiten, Ressourcen und gemeinschaftlicher Governance auszustatten. Zweitens kann und soll ein Staat die Kosten nicht allein tragen.“

Bis November 2025 hatte die Sovereign Tech Agency nach seinen Angaben rund 33,6 Millionen Euro in 96 Technologien investiert. PHP erhielt für 2025 und 2026 rund 223.000 Euro. Die Förderung schafft damit zusätzliche Ressourcen, bleibt aber zeitlich begrenzt und ersetzt keine langfristig tragfähige Organisations- und Finanzierungsstruktur.

Gerade die zeitliche Begrenzung zeigt das Spannungsverhältnis zwischen öffentlicher Unterstützung und der Autonomie der Communities besonders deutlich. Diese Autonomie ist für Lührsen eine Kerneigenschaft digitaler Gemeingüter: Sie trägt dazu bei, dass Entscheidungen gemeinschaftlich getroffen werden, Beitragende motiviert bleiben und die Software langfristig offenbleibt.

Wie schwierig diese Balance ist, zeigt die Dauer der Förderung: „Bei der Sovereign Tech Agency läuft eine Förderung meist sechs Monate bis zwei Jahre. Das hält die Projekte zwar langfristig unabhängiger von der Sovereign Tech Agency, dafür müssen sie aber bald wieder neues Geld suchen. Eine längere Förderung brächte mehr Stabilität, aber auch mehr Abhängigkeit vom Staat und damit von politischen Entscheidungsstrukturen im Hintergrund. Auflösen lässt sich dieser Konflikt nicht, nur ausbalancieren.“

Die Sovereign Tech Agency hat für Lührsen dabei einen umsichtigen Ansatz gewählt. Er sieht darin eine mögliche Blaupause dafür, öffentliche Unterstützung mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen zu erproben und aus diesen fortlaufend zu lernen.

Wie Open-Source-Infrastruktur langfristig finanziert werden kann

Wie aber lässt sich verhindern, dass grundlegende Software immer erst dann Aufmerksamkeit bekommt, wenn eine Sicherheitslücke bekannt wird?

René Lührsen sieht dafür erste Entwicklungen auf europäischer Ebene. Seit 2025 gibt es das Digital Commons EDIC, ein Konsortium mehrerer EU-Staaten, das offene Alternativen gemeinsam koordinieren und ihren Einsatz, etwa in Verwaltungen, voranbringen soll. Unter seinem Dach wird zudem ein europäischer Sovereign Tech Fund nach dem Vorbild der deutschen Sovereign Tech Agency erprobt.

Langfristig setzt er jedoch gerade nicht auf einen einzigen Geldgeber: „Im Idealfall entstehen zukünftig viele unterschiedliche Programme nebeneinander, öffentliche wie private. Dann hängt die Pflege nicht an einem einzigen Geldgeber, und wenn einer wegfällt oder seine Prioritäten ändert, bricht nicht gleich alles zusammen. Erst dann wird Wartung zum festen Bestandteil der öffentlichen digitalen Daseinsvorsorge und nicht zur Reaktion auf die nächste Krise.“

Damit wird aus der Frage nach der Finanzierung eine Frage geteilter Verantwortung. Wie resilient digitale Infrastruktur ist, entscheidet sich nicht nur am Code, sondern auch daran, wie die Software dahinter organisiert, finanziert und dauerhaft gepflegt wird.

Weiterführende Informationen zur Forschung von René Lührsen finden Sie auch im Working Paper „Organizing Public Support for Open Digital Infrastructure“:

https://www.boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-009212

European Conference on Critical Edtech Studies (ECCES) an der HSU/UniBw H: Gemeinsames Arbeiten an gerechteren digitalen Bildungszukünften

HSU

23. Oktober 2026

Hamburg. Wie können digitale Bildungstechnologien so gestaltet und eingesetzt werden, dass sie zu mehr Gerechtigkeit, Teilhabe, Nachhaltigkeit und Fürsorge beitragen? Diese Frage prägte die European Conference on Critical Edtech Studies (ECCES), die als sogenanntes Futuring Studio vom 16. bis 18. September an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw H) stattfand. Unter dem Leitthema „Shaping (Better) Educational and Societal Futures through and with Critical Edtech Research“ lud die Konferenz dazu ein, kritische Forschung nicht beim Aufdecken problematischer Entwicklungen enden zu lassen, sondern gemeinsam an konkreten Ansatzpunkten für Veränderung zu arbeiten. Besonders angesprochen waren hierbei Nachwuchswissenschaftlerinnen. Zugleich ermutigte die Ausschreibung ausdrücklich dazu, Lehrkräfte, Personen aus Politik, Technologieentwicklung sowie weitere Personen aus der Praxis aktiv einzubeziehen. Neben dem Zusammenbringen unterschiedlicher Perspektiven über Fach- und Berufsgrenzen hinweg ging es hierbei insbesondere auch darum Gruppen einzubeziehen, die in Entscheidungsprozessen bislang weniger Gehör finden.

Das andere Foto zeigt das Organisationskommittee (von links: Ben Williamson, Jeremy Knox, Sigrid Hartong, Mathias Decuypere).
Das Organisationskomitee der European Conference on Critical Edtech Studies (ECCES) (von links): Prof. Ben Williamson, Prof. Jeremy Knox, Prof. Sigrid Hartong und Prof. Mathias Decuypere.

Gemeinsamer Austausch über Fachgrenzen hinweg

Das Programm griff diese Ausrichtung in einer Vielfalt paralleler Workshops und Formate auf. Diskutiert wurden unter anderem digitale Souveränität und gerechtere Infrastrukturen, Nachhaltigkeitsdilemmata, Datenschutz, digitale Spuren im Zeitalter künstlicher Intelligenz sowie die Rechte von Kindern in datengetriebenen Gesellschaften. Weitere Beiträge beschäftigten sich mit Edtech aus Perspektiven des Globalen Südens oder mit der Frage, wie kritische Datenkompetenz noch besser pädagogisch vermittelt werden kann. Ko-kreative und spekulative Methoden, gemeinsames Gestalten und der Austausch zwischen Forschung und Praxis zogen sich durch viele Sessions. Auch Lehrkräfte aus Hamburg nahmen an ausgewählten Workshops teil.

Zwei Plenarvorträge, sogenannte Enlightenment Talks, gehalten von Prof. Oliver Koenig und Prof. Keri Facer, rahmten das Konferenzprogramm und gaben den Teilnehmenden Gelegenheit, zentrale Fragen der Workshops im Plenum aufzugreifen. Eine gemeinsame Session am Freitagvormittag gab Raum, konkretere Strategien für die Zukunft der Critical Edtech Studies zu entwickeln.

Teilnehmende der European Conference on Critical Edtech Studies (ECCES) an der HSU/UniBw H. Die Konferenz brachte Forschende mit Vertreterinnen und Vertretern aus Bildungspraxis, Politik und Technologieentwicklung zusammen.
Teilnehmende der European Conference on Critical Edtech Studies (ECCES) an der HSU/UniBw H. Die Konferenz brachte Forschende mit Vertreterinnen und Vertretern aus Bildungspraxis, Politik und Technologieentwicklung zusammen.

Auch das Begleitprogramm bot weitere Gelegenheiten zum Austausch. Ein Chor begrüßte die Teilnehmenden; das „Data Hero“-Kartenspiel, Critical Knitting und Speed Poetry eröffneten weitere Zugänge zu den Konferenzthemen. Musik, eine offene Bühne, gemeinsame Abendessen und ruhigere Pausen schufen Gelegenheiten für Begegnungen jenseits der Workshops.

Die ECCES-Konferenz in Hamburg war die zweite ihrer Art. Das Format wurde von Prof. Mathias Decuypere (PH Zürich), Prof. Sigrid Hartong (HSU/UniBw H), Prof. Jeremy Knox (Universität Oxford) sowie Prof. Ben Williamson (Universität Edinburgh) als europäisches Kollaborationsprojekt initiiert. Die nächste ECCES-Konferenz wird vom 22. bis 24.06.2027 in Oxford stattfinden.

Volkswirtschaftslehre neu ausgerichtet: Konflikte, Krisen und Ökonomie im Fokus

HSU

21. Oktober 2026

Hamburg. Wie wirken sich Kriege und geopolitische Spannungen auf Volkswirtschaften aus? Welche ökonomischen Folgen haben Klimawandel, Migration oder internationale Handelskonflikte? Und wie lassen sich komplexe Krisen mit wissenschaftlichen Methoden analysieren? Mit der Neuausrichtung ihres VWL-Studiums rückt die Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg diese Fragen stärker in den Mittelpunkt.

Die Reform betrifft Bachelor und Master. Der neue Bachelorstudiengang soll zum Herbsttrimester 2027 starten, der neue Masterstudiengang zum Wintertrimester 2028. Der Master trägt künftig den Titel „Volkswirtschaftslehre: Konflikte, Krisen und Ökonomie“. Mit der Neuausrichtung verbindet die HSU/UniBw H die volkswirtschaftliche Ausbildung stärker mit aktuellen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen. Zugleich knüpft sie damit an ihre strategischen Schwerpunkte „Human Security“ und „gesellschaftliche Resilienz“ an.

Ökonomische Perspektiven auf Konflikte und Krisen

Im Masterstudium kommt mit „Konflikte und Krisen“ ein eigener Wahlpflichtbereich hinzu. Das Angebot reicht von Konflikt- und Militärökonomik über Migration und die Ökonomik des Klimawandels bis zu Geoökonomik und Geopolitik. Damit erhalten Fragestellungen an der Schnittstelle von Wirtschaft, Sicherheit und internationaler Politik mehr Raum im Studium.

Dabei geht es nicht allein darum, gegenwärtige Krisen zu beschreiben. Die Studierenden lernen, wirtschaftliche Zusammenhänge mit theoretischen und empirischen Methoden systematisch zu untersuchen. Pflichtmodule in Zeitreihenökonometrie sowie Panel- und räumlicher Ökonometrie bilden dafür einen methodischen Kern.

Wie breit das Spektrum ist, zeigt beispielsweise das Modul „Geoeconomics & Geopolitics“. Anhand aktueller Konflikte untersuchen Studierende ökonomische Mechanismen und Anreize, analysieren die Strategien verschiedener Akteure und entwickeln mögliche Lösungsansätze aus politökonomischer Perspektive.

Auch der Bachelor verändert sich

Die Reform setzt bereits in der volkswirtschaftlichen Grundausbildung an. Im Bachelor werden unter anderem die großen Theorieveranstaltungen in Mikro- und Makroökonomik neu strukturiert. Zudem sind künftig zwei Seminare vorgesehen, die die Studierenden intensiver auf das wissenschaftliche Arbeiten vorbereiten. Die mathematisch-quantitative Ausrichtung der Grundausbildung wird angepasst, um die Studierbarkeit zu verbessern und einzelne Module leichter für andere Studiengänge zu öffnen.

Forschung und Praxis zusammendenken

Ein weiteres Element der Neuausrichtung ist das verpflichtende Forschungsseminar. Dort beschäftigen sich die Studierenden mit aktuellen Forschungsfragen und diskutieren wissenschaftliche Arbeiten. Vorgesehen ist dabei auch die Einbindung externer Fachleute aus Wissenschaft, Ministerien und internationalen Organisationen.

Damit verbindet der Master eine fundierte volkswirtschaftliche Methodenausbildung mit Fragestellungen, die für Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Bundeswehr gleichermaßen relevant sind. Ziel ist es, komplexe wirtschaftliche Prozesse und politische Maßnahmen wissenschaftlich fundiert beurteilen zu können.

Wissen schafft Orientierung in einer komplexen Welt

Die Neuausrichtung greift eine Entwicklung auf, die weit über einzelne Krisen hinausreicht: Wirtschaftliche Verflechtungen, Sicherheit, gesellschaftliche Stabilität und internationale Politik lassen sich immer weniger getrennt voneinander betrachten. Volkswirtschaftliche Modelle und empirische Daten können helfen, diese Wechselwirkungen sichtbar und Entscheidungen nachvollziehbarer zu machen.

Für angehende Offizierinnen und Offiziere, die ein Studium an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg anstreben, läuft das Bewerbungsverfahren für die Offizierlaufbahn bereits. Die Bewerbung erfolgt dabei nicht nicht direkt an der Universität, sondern über Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw).

Erster DAAD-Preisträger an der HSU/UniBw H: Hauptmann Pierre K. für herausragende Leistungen geehrt

HSU

15. Oktober 2026

Hamburg. Im Rahmen der Immatrikulationsfeier 2026 wurde an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg erstmals der DAAD-Preis für herausragende internationale Studierende verliehen. Die Auszeichnung erhielt Hauptmann Pierre K., der seit Oktober 2024 Digital Engineering an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr (HSU/UniBw H) studiert. Gewürdigt werden damit seine hervorragenden Studienleistungen ebenso wie sein Engagement für Mitstudierende sowie sein Einsatz für Bildungs- und Sozialprojekte.

Pierre K. ist Hauptmann der togolesischen Streitkräfte und kam im April 2023 im Rahmen der Militärischen Ausbildungshilfe nach Deutschland. Bevor er sein Studium an der HSU/UniBw H aufnahm, absolvierte er zunächst eine Sprachausbildung am Bundessprachenamt in Hürth und besuchte anschließend das Studienkolleg an der Bundeswehrfachschule in Berlin. Seit dem Herbsttrimester 2024 studiert er Digital Engineering an der HSU/UniBw H. Bereits früh fiel er seinen Lehrenden durch seine Leistungen auf. Im Studium überzeugt er nicht nur durch einen hervorragenden Notendurchschnitt, sondern brachte sich auch im Rahmen eines Fachpraktikums aktiv in Forschungsarbeiten an seiner Professur ein.

„Dass ich als erster Studierender der HSU/UniBw H diesen DAAD-Preis erhalten darf, bedeutet mir sehr viel. Ich empfinde die Auszeichnung als große Anerkennung und freue mich sehr darüber. Zugleich bin ich stolz, mit dem Preis auch mein Heimatland Togo repräsentieren zu können.“

Eine Person in Uniform nimmt vor Publikum eine Urkunde von einer weiteren Person entgegen. Eine dritte Person steht daneben.
Bei der Preisverleihung: Hauptmann Pierre K. nimmt die Urkunde zum DAAD-Preis 2026 entgegen.

Erfolg bedeutet für ihn auch, andere zu unterstützen

Der DAAD-Preis zeichnet internationale Studierende aus, die akademische Leistungen mit gesellschaftlichem Engagement verbinden. Genau diese Verbindung hebt auch Prof. Dr. Stefan Dickmann, Professor für Grundlagen der Elektrotechnik und Studiendekan, hervor, der den Hauptmann für den DAAD-Preis vorgeschlagen hat.

Was für viele selbstverständlich klingt, ist für Hauptmann Pierre K. Ausdruck einer tiefen persönlichen Überzeugung. Sein Handeln sei stark von seinem christlichen Glauben geprägt. Er empfinde vieles von dem, was er erreicht habe, nicht als selbstverständlich und sehe darin die Verantwortung, auch andere zu unterstützen:

„Ich habe selbst viel Unterstützung erfahren. Deshalb ist es mir wichtig, etwas zurückzugeben und andere auf ihrem Weg zu unterstützen. Wenn ich dazu beitragen kann, Menschen neue Chancen zu eröffnen, dann tue ich das gerne.“

Faszination für die Logik hinter der Technik

Die Begeisterung für sein Studienfach ist dabei unübersehbar. Besonders fasziniert ihn die Verbindung von Mathematik, Physik und Ingenieurwissenschaften.

„Mich fasziniert die Logik, die hinter den physikalischen Phänomenen der Elektrotechnik steckt. Probleme Schritt für Schritt zu lösen und Zusammenhänge zu verstehen, macht für mich den Reiz des Fachs aus.“

Dabei gehe es nicht nur um Formeln oder technische Systeme. Besonders schätzt Hauptmann Pierre K. Lehrveranstaltungen, in denen komplexe Zusammenhänge verständlich vermittelt werden. Wenn aus etwas zunächst Rätselhaftem ein echtes Verständnis entstehe, sei das für ihn einer der schönsten Momente des Lernens.

Engagement weit über den Campus hinaus

Sein Einsatz für andere Menschen endet jedoch nicht an den Grenzen der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg. Über seine Kirchengemeinde engagiert er sich für Bildungsprojekte in Afrika und unterstützt Initiativen, die Kindern Zugang zu Bildung ermöglichen.

Darüber hinaus engagiert er sich gemeinsam mit seiner Partnerin für soziale Projekte in Burkina Faso und Lomé. Im Mittelpunkt steht dabei die Förderung von Frauen und Mädchen. Anlass dafür war die Beobachtung, dass viele junge Frauen aufgrund früher Schwangerschaften ihre schulische Laufbahn abbrechen müssen und dadurch wichtige Zukunftsperspektiven verlieren.

Um diesen Frauen neue Chancen zu eröffnen, gründete seine Partnerin den Verein Femmes d’impact. Hauptmann Pierre K. unterstützt die Arbeit der Initiative finanziell und ehrenamtlich.

„Bildung eröffnet Möglichkeiten und verändert Lebenswege. Deshalb ist es mir wichtig, dort zu helfen, wo Menschen diese Chancen sonst nicht hätten.“

Entwicklung als bewusste Entscheidung

Auf die Frage, worauf er in seinem bisherigen Leben besonders stolz ist, nennt Pierre K.  weder seine Noten noch die Auszeichnung mit dem DAAD-Preis.

Viel wichtiger sei für ihn eine Entscheidung, die seinen gesamten Lebensweg geprägt habe:

„Für mich bedeutet Entwicklung, sich bewusst dafür zu entscheiden, jeden Tag dazuzulernen und besser zu werden. Auf diese Entscheidung bin ich bis heute am meisten stolz.“

Diesen Gedanken gibt er auch anderen internationalen Studierenden mit auf den Weg. Sprachliche und kulturelle Herausforderungen gehörten zu einem Studium im Ausland dazu. Gleichzeitig biete Deutschland viele Chancen für diejenigen, die bereit seien, sie zu nutzen.

Offenheit, Begegnung und gegenseitige Unterstützung seien aus seiner Sicht dabei genauso wichtig wie fachliche Leistungen. Oder, wie er es selbst formuliert: „Wenn man neben dem Studium auch Brücken zu anderen Menschen bauen kann, ist das immer gut.“

Mit seinen hervorragenden Studienleistungen, seinem Einsatz für Mitstudierende und seinem langjährigen gesellschaftlichen Engagement verkörpert Hauptmann Pierre K. in besonderer Weise das Anliegen des DAAD-Preises: akademische Exzellenz mit Verantwortung für andere zu verbinden.

Zwei Personen stehen bei der Immatrikulationsfeier 2026 nebeneinander und halten gemeinsam die Urkunde zum DAAD-Preis 2026 in die Kamera. Im Hintergrund ist eine rote Stele der HSU/UniBw H mit der Aufschrift „Immatrikulation 2026“ zu sehen.
DAAD-Preisträger Hauptmann Pierre K. mit Prof. Dr. Christina Schaefer, Vizepräsidentin für Internationales, bei der Preisverleihung im Rahmen der Immatrikulationsfeier 2026.

Internationaler Austausch an der HSU/UniBw H

Internationale Austausch- und Studienprogramme sind ein wichtiger Bestandteil der internationalen Zusammenarbeit an der HSU/UniBw H. Sie ermöglichen Studierenden unterschiedliche akademische Perspektiven und fördern den Austausch über Ländergrenzen hinweg.

Umso mehr freut sich die Universität, mit dem DAAD-Preis nun auch herausragende internationale Studierende für ihre akademischen Leistungen und ihr gesellschaftliches Engagement auszeichnen zu können. Dass der Preis in diesem Jahr erstmals an der HSU/UniBw H vergeben werden konnte, ist maßgeblich dem Engagement des International Office unter der Leitung von Linda Weiß zu verdanken.

Die Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg gratuliert herzlich zu dieser Auszeichnung.

Endometriose besser behandeln: HSU/UniBw H erhält rund 810.000 Euro Forschungsförderung

HSU

14. Oktober 2026

Hamburg. Menschen mit Endometriose warten Studien zufolge teilweise bis zu zehn Jahre auf eine Diagnose. Um die Versorgung Betroffener zu verbessern, startet zum 1. Januar 2027 an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw H) das Forschungsprojekt ENDO-EXPECT. Das Bundesministerium für Gesundheit fördert die neue Nachwuchsgruppe unter Leitung von Dr. Ann-Katrin Meyrose, M.Sc. Psych., Professur für Klinische Psychologie und Psychotherapie, mit rund 810.000 Euro. Untersucht wird, wie Behandlungserwartungen den Erfolg einer Therapie  beeinflussen und gezielt für die Versorgung genutzt werden können.

„Wissenschaft muss dort ansetzen, wo offene Fragen von hoher gesellschaftlicher Relevanz bestehen. ENDO-EXPECT verbindet genau diesen Anspruch mit der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und stärkt zugleich das Forschungsprofil unserer Universität. Die Förderung durch das Bundesministerium für Gesundheit ist deshalb nicht nur ein großer Erfolg für das beteiligte Team, sondern auch ein starkes Signal für die wissenschaftliche Entwicklung unserer Universität“, sagt Universitätspräsident Prof. Dr. Klaus Beckmann.

Erwartungen als bislang wenig erforschter Faktor

Endometriose ist eine häufige chronische Erkrankung, die überwiegend Frauen, aber auch transgeschlechtliche und nicht-binäre Menschen betrifft. Die Lebensqualität der Betroffenen ist meist erheblich beeinträchtigt. Trotz des hohen Leidensdrucks werden die bestehenden Behandlungsmöglichkeiten vielfach als unzureichend erlebt. Das Projekt „Erwartungen nutzen zur Verbesserung der Behandlung von Endometriose“, kurz ENDO-EXPECT, nimmt deshalb einen Faktor in den Blick, der in der Endometrioseforschung bislang wenig untersucht wurde: die individuellen Erwartungen an eine Behandlung.

Aus anderen Bereichen der medizinischen Forschung ist bekannt, dass Behandlungserwartungen über Placebo- und Nocebo-Effekte Einfluss auf Behandlungsergebnisse nehmen können, etwa bei chronischen Schmerzen, Depressionen oder operativen Eingriffen. Erste Hinweise für die Endometriose liefert eine bereits abgeschlossene Mixed-Methods-Kohortenstudie des Forschungsteams, die initial durch die interne Forschungsförderung der HSU/UniBw H unterstützt wurde. Demnach könnten Erwartungen im Zusammenhang mit einer Bauchspiegelung, der sogenannten Laparoskopie, ein veränderbarer Faktor sein, der das Behandlungsergebnis beeinflusst.

Endometriose-Forschende der HSU/UniBw H.
Dr. Ann-Katrin Meyrose, M.Sc. Psych., leitet das Forschungsprojekt ENDO-EXPECT.

„Frauen mit Endometriose gehören zu einer Patientinnengruppe, die trotz eines enormen Leidensdrucks noch immer zu wenig Aufmerksamkeit in Forschung und Versorgung erhält“, sagt Dr. Ann-Katrin Meyrose. „Mit ENDO-EXPECT wollen wir zeigen, dass sich Behandlungserwartungen gezielt verändern lassen, um den Erfolg einer Operation zu verbessern und damit ein bislang ungenutztes Potenzial für die Versorgung von Betroffenen zu erschließen.“

Betroffene werden in die Forschung einbezogen

Die Forschenden wollen zunächst gemeinsam mit Betroffenen mit Erfahrungsexpertise sowie klinischen und wissenschaftlichen Fachleuten eine bereits bestehende Intervention zur gezielten Veränderung von Behandlungserwartungen an die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Endometriose anpassen. Dieser partizipative Ansatz soll sicherstellen, dass die Perspektiven und Erfahrungen der Betroffenen unmittelbar in die Entwicklung einfließen.

Anschließend wird die Intervention in einer Machbarkeitsstudie mit quantitativen und qualitativen Methoden erprobt. Darauf aufbauend untersucht das Forschungsteam in einer randomisierten kontrollierten Studie mit 250 Teilnehmenden, ob sich Behandlungserwartungen gezielt verändern lassen und welchen Einfluss dies auf endometriosebedingte Beeinträchtigungen hat. Die Erkenntnisse sollen anschließend gemeinsam mit beteiligten Akteurinnen und Akteuren für Betroffene, Angehörige, Behandelnde und die wissenschaftliche Fachöffentlichkeit aufbereitet werden.

Neuer Forschungsschwerpunkt an der HSU/UniBw H

Mit dem Projekt wird zum 1. Januar 2027 an der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften eine Nachwuchsgruppe Versorgungsforschung Frauengesundheit eingerichtet. Sie ist an der Professur für Klinische Psychologie und Psychotherapie von Univ.-Prof. Dr. Dipl.-Psych. Yvonne Nestoriuc angesiedelt und wird von Dr. Ann-Katrin Meyrose geleitet. Im Fall einer positiven Zwischenevaluation beträgt die Laufzeit von ENDO-EXPECT voraussichtlich fünf Jahre und reicht bis zum 31. Dezember 2031. Das Gesamtvolumen liegt bei 981.884 Euro. Davon fördert das Bundesministerium für Gesundheit bis zu 809.993 Euro, weitere 171.891 Euro bringt die HSU/UniBw H als Eigenmittel und Eigenleistungen ein.

„Die Ansiedlung von ENDO-EXPECT als eine von vier Nachwuchsgruppen des Bundesministeriums für Gesundheit an der Arbeitsgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie ist ein besonderer Erfolg für unsere Universität“, sagt Univ.-Prof. Yvonne Nestoriuc. „Mit dem Schwerpunkt Frauengesundheit setzt die Nachwuchsgruppe einen wichtigen neuen Akzent im Forschungsprofil der Universität und verbindet klinisch relevante Forschung mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Die Einbindung in das Forschungsumfeld des DFG-Sonderforschungsbereichs Treatment Expectation (SFB 289) bietet darüber hinaus exzellente Voraussetzungen für interdisziplinäre Kooperationen und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.“

An der Professur für Klinische Psychologie und Psychotherapie von Univ.-Prof. Dr. Dipl.-Psych. Yvonne Nestoriuc an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg ist das Forschungsprojekt ENDO-EXPECT angesiedelt.

Deutschlandweit fördert das Bundesministerium für Gesundheit vier Nachwuchsgruppen im Bereich Versorgungsforschung Frauengesundheit, drei davon beschäftigen sich mit Endometriose. Zu den Kooperationspartnern von ENDO-EXPECT gehören die Frauenklinik an der Elbe als zertifiziertes Endometriosezentrum unter Leitung von PD Dr. Olaf Buchweitz sowie Prof. Dr. Johannes Laferton von der HMU Potsdam. Auch Menschen mit Endometriose werden beratend in das Projekt eingebunden.


Wissenschaftliche Ansprechperson

Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg:
Dr. Ann-Katrin Meyrose, M. Sc. Psych.
E-Mail: [email protected]
Internet: Professur für Klinische Psychologie und Psychotherapie


Ansprechperson für die Medien

Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg:
Pressesprecherin
Julia Böhme
Tel. +49 40 6541 3566
E-Mail: [email protected]

Prof. Dr. Dana-Sophia Valentiner in den Vorstand der Akademie der Wissenschaften in Hamburg gewählt

HSU

12. Oktober 2026

Hamburg. Ende September wählte die Akademie der Wissenschaften in Hamburg Prof. Dr. Dana-Sophia Valentiner in ihren Vorstand. Für die Professorin für Öffentliches Recht an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw H) ist dies der nächste Schritt einer langjährigen Verbindung zur Akademie.

Als Ordentliches Mitglied gehört sie dem wissenschaftlichen Netzwerk bereits seit Sommer 2026 an. Künftig wird sie dessen Arbeit auch im Vorstand mitgestalten und ihre Erfahrungen aus Forschung, Wissenschaftskommunikation und fachübergreifender Zusammenarbeit einbringen.

Zwei Personen stehen nebeneinander in einem Innenraum der Akademie der Wissenschaften in Hamburg. Das Foto entstand anlässlich von Valentiners Wahl in den Vorstand der Akademie.
Prof. Dr. Dana-Sophia Valentiner wurde Ende September in den Vorstand der Akademie der Wissenschaften in Hamburg gewählt. Akademiepräsident Prof. Dr. Mojib Latif gratulierte zur Wahl.

Von der Young Academy Fellow ins Leitungsgremium

Die Akademie lernte Dana-Sophia Valentiner zunächst als Nachwuchswissenschaftlerin kennen. Im Young Academy Fellow-Programm arbeitete sie gemeinsam mit Forschenden unterschiedlicher Fachrichtungen, entwickelte Projekte und gewann Einblicke in die fachübergreifende Zusammenarbeit der Akademie. Einige Jahre später gehört sie nicht nur zu deren Ordentlichen Mitgliedern, sondern gestaltet ihre Weiterentwicklung nun auch im Vorstand mit.

„Die Akademie begleitet mich seit meiner Zeit als PostDoc. Als Young Academy Fellow habe ich erlebt, wie bereichernd es ist, mit Forschenden anderer Fächer ins Gespräch zu kommen und gemeinsam an Fragen zu arbeiten, denen wir uns mit unterschiedlichen Zugriffen und Erkenntnisinteressen widmen.“

Die Möglichkeit, wissenschaftliche Themen gemeinsam mit Forschenden anderer Disziplinen zu bearbeiten, bezeichnet Valentiner bis heute als prägende Erfahrung. Das Young Academy Fellow-Programm habe ihr nicht nur neue wissenschaftliche Perspektiven eröffnet, sondern auch Raum gegeben, Projekte umzusetzen und unterschiedliche Formen der Wissenschaftskommunikation auszuprobieren. Diese Erfahrungen möchte sie künftig auch in ihre Arbeit im Vorstand einbringen.

Kontinuierlicher Austausch über Fachgrenzen hinweg

Die Akademie der Wissenschaften in Hamburg bringt Forschende aus Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zusammen. In ihren Arbeitsgruppen beschäftigen sie sich mit gesellschaftlichen Zukunftsfragen, etwa zur Energieversorgung, zu Vorstellungen von Gerechtigkeit oder zu möglichen Zukunftsentwicklungen zwischen Utopie und Dystopie. Daneben begleitet die Akademie langfristige Forschungsvorhaben wie die Entwicklung eines digitalen Wörterbuchs der Deutschen Gebärdensprache.

Für Valentiner liegt eine besondere Stärke der Akademie darin, dass wissenschaftlicher Austausch hier nicht punktuell, sondern dauerhaft stattfindet.

„Besonders schätze ich, dass der Austausch kontinuierlich stattfindet. Man lernt die Denkweisen anderer Fächer kennen und kann gemeinsam Fragen entwickeln, die im eigenen Forschungsalltag vielleicht gar nicht aufgekommen wären.“

Forschung über gesellschaftliche Transformation

Gerade diese Offenheit für unterschiedliche Perspektiven prägt auch Valentiners eigene Forschung. Als Professorin für Öffentliches Recht mit einem Schwerpunkt im öffentlichen Wirtschaftsrecht und Recht der Transformation beschäftigt sie sich unter anderem mit Fragen der sozial-ökologischen Transformation und der Geschlechtergerechtigkeit. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie rechtliche Rahmenbedingungen gesellschaftliche Veränderungen begleiten und gestalten können.

Viele dieser Fragen lassen sich nicht allein aus juristischer Perspektive beantworten. Häufig berühren sie zugleich technische, soziale, politische oder wirtschaftliche Zusammenhänge.

„Welcher Rechtsrahmen für die Verkehrswende sinnvoll ist, lässt sich beispielsweise nur beurteilen, wenn auch die sozialen Bedingungen und technischen Möglichkeiten von Mobilität reflektiert werden“, erklärt sie.

Die fachübergreifende Arbeit der Akademie schafft einen Raum, in dem solche Zusammenhänge gemeinsam betrachtet und bestehende Annahmen aus unterschiedlichen Blickwinkeln hinterfragt werden können. Diese Perspektive möchte Dana-Sophia Valentiner künftig verstärkt in die Arbeit des Vorstands einbringen.

Wissenschaft und Gesellschaft im Dialog

Neben dem wissenschaftlichen Austausch beschäftigt sie die Frage, wie Forschungsergebnisse in gesellschaftliche Debatten eingebracht werden können. Bereits während ihrer Zeit als Young Academy Fellow wirkte sie an Projekten und öffentlichen Veranstaltungsformaten der Wissenschaftskommunikation mit.

Diese Perspektive möchte sie künftig auch im Vorstand der Akademie stärken.

„Mich beschäftigt, wie Recht gesellschaftliche Transformationsprozesse begleitet und steuert und unter welchen Bedingungen Menschen ihre Freiheiten gleichberechtigt ausüben können. Diese Perspektive möchte ich künftig noch stärker in die fachübergreifende Arbeit der Akademie einbringen“, sagt Valentiner.

Zugleich sieht sie die Akademie als Ort, an dem Wissenschaft und Öffentlichkeit miteinander ins Gespräch kommen können. Dazu gehöre auch, transparent zu machen, wie wissenschaftliche Erkenntnisse entstehen, welche Unsicherheiten Forschung mit sich bringt und wie Wissenschaft auf gesellschaftliche Herausforderungen reagiert.

Vernetzung in der norddeutschen Wissenschaftslandschaft

Mit Prof. Dr. Dana-Sophia Valentiner sind nun drei Ordentliche Mitglieder der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg in der Akademie der Wissenschaften in Hamburg vertreten. Neben der Rechtswissenschaftlerin gehören auch Prof. Dr. Detlef Schulz, Inhaber der Professur für Elektrische Energiesysteme, sowie Prof. Dr. Thomas Klassen, Vizepräsident der HSU/UniBw H, der Akademie an.

Welche Möglichkeiten sich daraus für die HSU/UniBw H ergeben, sieht Valentiner vor allem im fachübergreifenden Austausch und der weiteren Vernetzung innerhalb der norddeutschen Wissenschaftslandschaft:

„Über die Akademie können wir Forschung aus der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg in neue fachliche Zusammenhänge einbringen und einem breiteren Publikum vorstellen. Gemeinsame Veranstaltungen bieten dafür ebenso Möglichkeiten wie die Mitarbeit in den Arbeitsgruppen. Ich sehe zudem die Chance, Kontakte für weitere Kooperationen zu knüpfen und Forschende in frühen Karrierephasen auf die Angebote der Akademie aufmerksam zu machen. Unsere Universität ist Teil der norddeutschen Wissenschaftslandschaft. Diese Verbindungen können wir durch die Akademie weiter ausbauen.“

Was bleibt vom Hindukusch? Ausstellung und Vorträge zum Afghanistan-Einsatz

HSU

5. Oktober 2026

Ein Soldat sichert den Bereich, in dem ein Kampfhubschrauber landet.
Staublandung in Mazar-e Sharif: Ein Soldat der Force Protection sichert die Landezone für einen Transporthubschrauber CH-53 während der Mission Resolute Support am 30. Oktober 2020.

Hamburg. Fünf Jahre nach der erneuten Machtübernahme der Taliban in Afghanistan widmet sich die Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg den Erfahrungen und Folgen des internationalen Militäreinsatzes. Ab dem 6. Oktober 2026 ist die Plakatausstellung „Was bleibt vom Hindukusch? Die Bundeswehr in Afghanistan 2001 bis 2021“ im unteren Bereich der Mensa zu sehen. Ein Begleitprogramm mit drei öffentlichen Vorträgen vertieft politische, militärhistorische und gesellschaftliche Aspekte.

Fast 20 Jahre lang war die Bundeswehr in Afghanistan eingesetzt. Für viele Absolventinnen und Absolventen der HSU/UniBw H gehörte ein möglicher Einsatz am Hindukusch über lange Zeit zur beruflichen Realität. Auch nach dem Abzug im Jahr 2021 wirken die Erfahrungen aus Afghanistan in der militärischen Ausbildung, in der deutschen Sicherheitspolitik und in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Auslandseinsätzen fort.

Die Ausstellung bietet Gelegenheit, die Voraussetzungen, den Verlauf und die Folgen des Einsatzes erneut in den Blick zu nehmen. Sie fragt nach den damaligen Zielen und Hoffnungen, nach erreichten Fortschritten und nach den Ursachen des Scheiterns. Dabei berücksichtigt sie politische und rechtliche Rahmenbedingungen ebenso wie die Erfahrungen der eingesetzten Soldatinnen und Soldaten.

21 Plakate erschließen zwei Jahrzehnte Einsatzgeschichte

Entwickelt wurde die Ausstellung im Jahr 2024 durch das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr. Auf 21 Plakaten zeichnet sie die Entwicklung des deutschen Afghanistan-Einsatzes von 2001 bis 2021 nach. QR-Codes führen zu ergänzenden Bildungsangeboten, Podcasts und Filmen.

Die Bundeswehr gehörte seit 2002 zur International Security Assistance Force, kurz ISAF. Der Einsatz konzentrierte sich zunächst auf die Stabilisierung Kabuls und wurde später auf die nördlichen Landesteile ausgeweitet. Mit der Verschärfung der Sicherheitslage nahmen die bewaffneten Auseinandersetzungen zu. Ab 2015 sollte die Mission „Resolute Support“ dazu beitragen, die Sicherheitsverantwortung schrittweise an afghanische Kräfte zu übergeben. Nach dem Abzug der internationalen Truppen im Jahr 2021 übernahmen die Taliban erneut die Kontrolle über das Land.

Der Ausgang des Einsatzes wirft bis heute grundlegende Fragen auf: Was können Politik, Bundeswehr und Gesellschaft aus Afghanistan lernen? Wie müssen Ziele, Mittel und Erfolgskriterien internationaler Einsätze bestimmt werden? Und wie lassen sich politische, militärische und zivile Maßnahmen besser miteinander verbinden?

Was lässt sich aus dem Afghanistan-Einsatz lernen?

Das Begleitprogramm haben Prof. Dr. Anna Geis, Professur für Internationale Sicherheitspolitik und Konfliktforschung , Prof. Dr. Jörn Happel, Professur für Geschichte Osteuropas und Ostmitteleuropas, Univ.-Prof. Dr. Marcus Payk, Professor für Neuere und Neueste Geschichte, und Christian Preetz, Leiter Zentrale Aufgaben und ständiger Vertreter Leiter Präsidialabteilung, organisiert. Die Auftaktveranstaltung findet am Dienstag, 6. Oktober 2026, um 17.30 Uhr im Thomas-Ellwein-Saal statt.

Oberst a.D. Dr. Uwe Hartmann, der die Entwicklung der Ausstellung als Projektleiter begleitet hat, erläutert ihre Entstehung, ihren Aufbau und ihre Zielsetzung. Anschließend berichtet Prof. Anna Geis über die Lehren aus dem Afghanistan-Einsatz, mit denen sich die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages von 2022 bis 2025 befasst hat. Die Moderation übernimmt Prof. Jörn Happel.

Die Enquete-Kommission hat ihre Ergebnisse im Januar 2025 in 72 Empfehlungen zusammengefasst. Dazu gehören eine bessere Koordination zwischen Ministerien und Behörden, verlässlichere gemeinsame Lagebilder und eine stärkere parlamentarische Begleitung internationaler Einsätze. Die Empfehlungen sind auch für die Frage relevant, welche Rolle internationales Krisenmanagement neben der Landes- und Bündnisverteidigung künftig spielen soll.

Die Ausstellung und das Begleitprogramm laden dazu ein, die Erfahrungen des Afghanistan-Einsatzes aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und ihre Bedeutung für gegenwärtige sicherheitspolitische Debatten zu diskutieren.

Weitere Veranstaltungen

Eskalation des Afghanistan-Einsatzes

Dienstag, 10. November 2026, 17.30 bis 19 Uhr
Thomas-Ellwein-Saal

Dr. Philipp Münch vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr spricht unter dem Titel „Bundeswehr im Kampf. Die Eskalation des Afghanistan-Einsatzes und das Management der Gewalt, 2006–2010“. Im Mittelpunkt stehen die zunehmende Gewalt und die damit verbundenen Herausforderungen für die Bundeswehr. Die Moderation übernimmt Univ.-Prof. Marcus Payk.


Sowjetische Spezialeinheiten im Afghanistankrieg

Dienstag, 24. November 2026, 17.30 bis 19 Uhr
Hörsaal 6

Dr. Matthias Uhl vom Max Weber Netzwerk Osteuropa in Helsinki beleuchtet in seinem Vortrag „Zu Tode gesiegt? Zum Einsatz sowjetischer Spezialeinheiten im Afghanistankrieg“ die sowjetische Vergangenheit des Konflikts. Die Moderation übernimmt Prof. Jörn Happel.

Mehr als 35 Jahre deutsche Einheit: Prof. Dr. Jun Nakata erforscht deutsche Zeitgeschichte an der HSU/UniBw H

HSU

5. Oktober 2026

Hamburg. Auch mehr als 35 Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990 beschäftigen die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Ost- und Westdeutschland die Wissenschaft. Wie haben sich Regionen der ehemaligen DDR verändert? Welche Spuren hinterlassen politische Umbrüche über Generationen hinweg? Und warum interessieren diese Fragen Forschende weit über Deutschland hinaus?

Mit diesen Themen beschäftigt sich derzeit Prof. Dr. Jun Nakata, Professor für Europäische Geschichte mit Schwerpunkt Neuzeit an der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Ibaraki in Japan. Für seinen Forschungsaufenthalt kehrt er bereits zum dritten Mal an die Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg zurück. Bis März 2027 forscht er am Center for History, Strategy & International Order (CHIOS) unter der Gastgeberprofessur von Prof. Dr. Michael Jonas.

Porträtaufnahme einer Person in formeller Kleidung vor einer Backstein- und Holzfassade auf dem Campus der HSU/UniBw H.
Prof. Dr. Jun Nakata von der Universität Ibaraki forscht derzeit als Gastwissenschaftler an der HSU/UniBw H.

Ein Historiker mit langjähriger Deutschland-Expertise

Dass sich Prof. Nakata heute mit den Folgen der Wiedervereinigung und der deutschen Nachkriegsgeschichte beschäftigt, fügt sich in eine Forschungslaufbahn ein, die seit Jahrzehnten eng mit Deutschland verbunden ist.

Der Historiker studierte an der Pädagogischen Fakultät der Gakugei-Universität Tokio und absolvierte anschließend ein Masterstudium der Europäischen Geschichte an der dortigen Graduate School of Education. Mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) kam er nach Deutschland und promovierte im Jahr 2000 an der Universität Hamburg im Fach Geschichte zum Dr. phil.

Heute ist er Professor für Europäische Geschichte mit Schwerpunkt Neuzeit an der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Ibaraki. Dort übernimmt er neben seiner Forschung und Lehre verschiedene akademische Leitungsaufgaben, darunter als stellvertretender Leiter des Zentrums für regionale Zusammenarbeit der Universität Ibaraki, als Leiter des Zentrums für regionale Zusammenarbeit in Lehre und Forschung an der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften, als Leiter der Abteilung für Sozialwissenschaften am Zentrum für Grundbildung sowie als Vorsitzender des Ausschusses für internationalen Austausch.

Mit Hamburg und der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg verbindet ihn eine langjährige wissenschaftliche Beziehung. Bereits in den Jahren 2007/2008 und 2017/2018 war er als Gastwissenschaftler an der Universität tätig. Sein aktueller Forschungsaufenthalt knüpft damit an eine über viele Jahre gewachsene wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Hamburg und Japan an.

Besonders prägend für sein Forschungsinteresse war seine Zeit als Promovend in Hamburg in den 1990er Jahren: „Damals hatte ich Gelegenheit, mit Menschen aus linksalternativen Milieus in Kontakt zu kommen. Die Gespräche über Werte und politische Ansichten, die es in dieser Form damals in Japan nicht gab, haben mich tief geprägt. Schon zu dieser Zeit entstand der Entschluss, dieses Phänomen eines Tages historisch zu erforschen und einer japanischen Öffentlichkeit näherzubringen“, erinnert sich Prof. Dr. Jun Nakata.

Im Jahr 2023 veröffentlichte er dazu die Monografie Die Geschichte der Grünen in Deutschland. Linksalternative, Wertkonservatismus und zivilgesellschaftlicher Korporatismus.

Die Wiedervereinigung als langfristiger Transformationsprozess

Mehr als 35 Jahre nach der deutschen Einheit widmet sich Prof. Dr. Jun Nakata einer Frage, die bis heute aktuell ist: Welche langfristigen Folgen haben politische Umbrüche für wirtschaftliche und gesellschaftliche Strukturen?

Antworten sucht der Historiker unter anderem in den ehemaligen DDR-Gebieten. Ein Schwerpunkt seiner aktuellen Forschung sind landwirtschaftliche Betriebe, deren Entwicklung bis heute von historischen Kontinuitäten und den Umbrüchen der Wiedervereinigung geprägt ist.

„Nach meiner Einschätzung weisen die landwirtschaftlichen Betriebe in den ehemaligen DDR-Gebieten drei prägende Merkmale auf: Im Vergleich zu Westdeutschland werden dort häufig sehr große und zugleich hochproduktive Betriebe geführt. Viele von ihnen sind als Genossenschaften organisiert, die aus den ehemaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPGs) hervorgegangen sind. Zudem engagieren sich zahlreiche Agrargenossenschaften in Projekten der erneuerbaren Energien und gelten häufig als Vorreiter in Deutschland. Ich möchte aus historischer Perspektive untersuchen, wie es zu dieser Entwicklung gekommen ist“, erklärt Nakata.

Für ihn bietet die ostdeutsche Transformationsgeschichte ein besonders anschauliches Beispiel dafür, wie politische Systeme, wirtschaftliche Strukturen und gesellschaftliche Entwicklungen über Jahrzehnte hinweg nachwirken können.

Zwei prägende Politiker der deutschen Nachkriegsgeschichte

Die Frage nach den langfristigen Folgen der deutschen Einheit führt zugleich zu den politischen Entwicklungen und Persönlichkeiten, die die Geschichte der Bundesrepublik über Jahrzehnte geprägt haben. Vor diesem Hintergrund richtet Prof. Dr. Jun Nakata während seines Forschungsaufenthalts auch den Blick auf die Biografien von Willy Brandt und Helmut Schmidt.

Beide Politiker genießen auch in Japan große Bekanntheit. Nach Angaben Nakatas existieren bislang jedoch keine umfassenden wissenschaftlichen Darstellungen ihres Lebens auf Japanisch.

Im Mittelpunkt seines Interesses steht dabei der Vergleich ihrer unterschiedlichen politischen Persönlichkeiten und Führungsstile: „Obwohl beide Politiker der SPD angehörten, interessiert mich insbesondere der Kontrast zwischen dem häufig als Idealisten wahrgenommenen Willy Brandt und dem pragmatischen Krisenmanager Helmut Schmidt. Die Helmut-Schmidt-Universität verfügt über äußerst wertvolle historische Quellen, die ich intensiv nutzen möchte. Zudem bieten Hamburg als Schmidts Heimatstadt und Lübeck als Geburtsstadt Brandts ideale Orte für meine Recherchen vor Ort.“

Wissenschaftlicher Austausch zwischen Hamburg und Japan

Neben seinen Forschungen zur deutschen Zeitgeschichte beteiligt sich Prof. Dr. Jun Nakata am CHIOS-Projekt „Uncovering strategic conceptualizations of Northern European geopolitics, security and multilateral cooperation – historically and contemporarily“. Dabei möchte er insbesondere einen Beitrag zur historischen Entwicklung der japanischen Sicherheitspolitik leisten.

„Ich freue mich sehr, erneut an die HSU/UniBw H zurückzukehren und bin Professor Michael Jonas sowie seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die herzliche Aufnahme sehr dankbar. Ich freue mich auf die kommenden Monate und den wissenschaftlichen Austausch“, sagt Nakata.

Zwei Personen gehen über den Campus der HSU/UniBw H und unterhalten sich. Eine Person gestikuliert während des Gesprächs, im Hintergrund ist ein Universitätsgebäude zu sehen.
Prof. Dr. Michael Jonas und Prof. Dr. Jun Nakata im Austausch auf dem Campus der HSU/UniBw H.

Doch auch außerhalb der Wissenschaft ist seine Verbindung zu Hamburg eng. Bereits während seiner Promotionszeit lebte er in der Hansestadt.

Eine besondere Rolle spielt dabei die Musik. Nakata ist leidenschaftlicher Amateur-Posaunist und wirkte bereits bei zahlreichen Konzerten in Hamburg mit, unter anderem bei der St. Stephan Brass Band Hamburg und den Otto Tromboni der Evangelisch-Lutherischen Kreuzkirche Wandsbek. Für Oktober 2026 ist zudem eine Konzerttournee mit einem japanischen Orchester geplant, die ihn unter anderem in die Berliner Philharmonie führen wird.

Die Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg heißt Prof. Dr. Jun Nakata erneut herzlich willkommen und wünscht ihm für seinen Forschungsaufenthalt am CHIOS einen erfolgreichen wissenschaftlichen Austausch sowie viele neue Impulse für seine Forschungsarbeit.

394 Studierende beginnen ihr Studium an der HSU/UniBw H

HSU

5. Oktober 2026

Hamburg. Für 394 Studierende beginnt an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg ein neuer Lebensabschnitt. Die Immatrikulationsfeier am 1. Oktober 2026 markierte den offiziellen Start ins Studium und richtete zugleich den Blick auf die Herausforderungen, die künftige Führungskräfte in einer zunehmend komplexen Welt erwarten. Zudem würdigte die Universität besondere akademische Leistungen und gesellschaftliches Engagement ihrer Studierenden.

Mehrere Reihen von Studierenden in Uniform sitzen um den Roten Platz und verfolgen die Immatrikulationsfeier der HSU/UniBw H. Die Aufnahme zeigt das Publikum von hinten.
Für 394 Studierende begann mit der Immatrikulationsfeier ein neuer Lebensabschnitt an der HSU/UniBw H.

Wissenschaftliche Bildung in einer komplexen Welt

Auf dem Roten Platz hieß Universitätspräsident Prof. Dr. Klaus Beckmann den Jahrgang 2026 als Universitätsbürgerinnen und Universitätsbürger auf dem Campus willkommen. Insgesamt nehmen 394 Personen ihr Studium oder ihre akademische Weiterbildung auf. Dazu gehören 327 militärische Studierende, darunter 14 internationale Studierende, sowie 67 zivile Studierende und Teilnehmende des Bundesfreiwilligendienstes.

Unter den Ehrengästen begrüßte Beckmann die Bundestagsabgeordnete Aydan Özoğuz als Vertreterin der Politik. Für das konsularische Korps hieß er den Generalkonsul der Republik Kroatien, Krisztian Tušek, willkommen. Die Teilnahme internationaler Gäste wertete der Präsident als Zeichen der Freundschaft und Verbundenheit mit der Universität.

In seiner Ansprache machte er deutlich, dass universitäre Bildung über die Vermittlung von Fachwissen hinausgeht. Sie soll dazu befähigen, komplexe Zusammenhänge zu analysieren, Unsicherheit auszuhalten, Risiken abzuwägen und Desinformation zu erkennen.

Mit Blick auf den technologischen Wandel hob er zudem die Bedeutung eines reflektierten Umgangs mit Künstlicher Intelligenz hervor. Entscheidend sei nicht allein die Nutzung neuer Werkzeuge, sondern die Fähigkeit, Aufgaben präzise zu formulieren, Ergebnisse kritisch zu prüfen und einzuordnen.

„Ihr Studium an der HSU/UniBw H ist Ihre Chance dazu. Nutzen Sie sie!“, betont Prof. Dr. Klaus Beckmann.

Lernen, Verantwortung zu übernehmen

Für den Studentischen Konvent hieß Leutnant Leon Bär den neuen Jahrgang willkommen. Er erinnerte daran, dass die kommenden Studienjahre nicht nur fachlich prägen werden. Die Studierenden würden lernen, Probleme zu lösen, Prioritäten zu setzen und mit Herausforderungen umzugehen. Zugleich entstünden Freundschaften und persönliche Verbindungen, die weit über das Studium hinausreichen könnten.

Sein Rat an die neuen Studierenden: Herausforderungen frühzeitig ansprechen.

„Denken Sie daran, nur sprechenden Menschen kann geholfen werden und für jedes Problem gibt es eine Lösung.“

Entwicklung von Offizierberuf und akademischer Ausbildung

Festredner Prof. Dr. Sönke Neitzel ordnete den Studienbeginn historisch ein. Seit 1973 studieren angehende Offiziere an der HSU/UniBw H. Dass Soldatinnen und Soldaten eine akademische Ausbildung benötigen, gilt heute als selbstverständlich. In seinem Vortrag zeigte der Militärhistoriker jedoch, dass sich diese Auffassung erst im Laufe der Zeit durchgesetzt hat. Mit der Entwicklung des Offizierberufs seien auch die Anforderungen an militärische Führung gewachsen. Die Streitkräfte benötigten heute nicht allein hervorragend praktisch ausgebildetes Personal, sondern ebenso Menschen, die komplexe Zusammenhänge analysieren, unterschiedliche Perspektiven einordnen und fundierte Entscheidungen treffen können.

Mit dieser Bildung verbinde sich der Auftrag, Fragen zu stellen, nach neuen Lösungen zu suchen und das eigene Handeln kritisch zu reflektieren. Gerade junge Offiziere hätten Innovationen und Veränderungen immer wieder angestoßen. Universität sei deshalb auch ein Ort des Heranwachsens und der Auseinandersetzung mit der Frage, welche Verantwortung Führungskräfte in ihrer Zeit übernehmen müssen.

Wer den Anforderungen der Gegenwart gerecht werden wolle, müsse lernen, Gewissheiten zu hinterfragen, Entwicklungen kritisch zu begleiten und den Mut haben, neue Wege zu denken.

Auszeichnungen für besondere Leistungen und Engagement

Im Rahmen der Immatrikulationsfeier ehrte die Universität Studierende für fachliche Leistungen, gesellschaftliches Engagement und internationale Perspektiven. Vertreter der preisvergebenden Institutionen würdigten die Leistungen der Ausgezeichneten in ihren Laudationes.

Bestpreis der Clausewitz-Gesellschaft

Den Bestpreis der Clausewitz-Gesellschaft e. V. 2026 erhielten:

  • Leutnant Maxim, Geschichtswissenschaften
  • Leutnant zur See Jesko, Logistik
  • Leutnant Martin, Politikwissenschaft

Die Laudatio hielt Generaloberstabsarzt a.D. Dr. Ulrich Baumgärtner, stellvertretender Präsident der Clausewitz-Gesellschaft e. V.

Die Preisträger des Bestenpreises der Clausewitz-Gesellschaft e. V. mit ihrem Laudator Generaloberstabsarzt a.D. Dr. Ulrich Baumgärtner.

Böttcherpreis 2026

Mit dem Böttcherpreis 2026 wurden zwölf Studierende aus unterschiedlichen Studiengängen ausgezeichnet:

  • Oberleutnant zur See Tabea-Valentina, Psychologie
  • Oberleutnant Boris, Volkswirtschaftslehre
  • Oberleutnant Markus, Elektrotechnik
  • Oberleutnant Jaakko, Geschichtswissenschaft
  • Oberleutnant zur See Lennart, Wirtschaftsingenieurwesen
  • Oberleutnant Marina, Politikwissenschaft
  • Oberleutnant zur See Marc, Logistik
  • Oberleutnant Philip, Maschinenbau
  • Oberleutnant Timo, Betriebswirtschaftslehre
  • Oberleutnant Lydia, Bildungs- und Erziehungswissenschaft
  • Oberleutnant Robin, Engineering Science
  • Christian Wulff, Bauingenieurwesen

Die Böttcher-Stiftung wurde durch ihren Vorstandsvorsitzenden Dr. Joachim Mewing vertreten, der die Leistungen der ausgezeichneten Studierenden würdigte.

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Böttcherpreises 2026.

Preis der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik

Den Preis der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik e. V. (DWT-Preis) erhielt Leutnant Max aus dem Studiengang Digital Governance and Administration.

Die Laudatio hielt Oberst a. D. Horst D. Hübner, stellvertretender Geschäftsführer und Leiter Vereinsmanagement der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik e. V.

Leutnant Max erhält den DWT-Preis für seine herausragende Masterarbeit Studiengang Digital Governance and Administration.

Sozialpreis des Vereins der Freunde und Förderer der HSU/UniBw Hamburg e. V.

Der Sozialpreis des Vereins der Freunde und Förderer der HSU/UniBw Hamburg e. V. 2026 ging an Leutnant zur See Emily aus dem Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen. Die Laudatio hielt die Bundestagsabgeordnete Aydan Özoğuz.

DAAD-Preis erstmals vergeben

Erstmals wurde im Rahmen der Immatrikulationsfeier der Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD-Preis) vergeben. Mit der Auszeichnung werden internationale Studierende gewürdigt, die sich durch besondere akademische Leistungen und gesellschaftliches Engagement auszeichnen. Der Preis ging an Hauptmann Pierre aus dem Studiengang Elektrotechnik. Die Laudatio hielt die Vizepräsidentin für Internationales, Prof. Dr. Christina Schaefer.

Die Hochschulleitung begleitete die erstmalige Verleihung des DAAD-Preises an der HSU/UniBw H.

Die Auszeichnungen stehen für unterschiedliche Facetten des Studiums: wissenschaftliche Leistung, die Auseinandersetzung mit Fragen militärischer Führung, gesellschaftliche Verantwortung und internationale Verständigung.

Für die neu Immatrikulierten beginnt dieser Weg nun. Die kommenden Studienjahre bieten ihnen den Raum, Wissen zu erwerben, eigene Positionen zu entwickeln und zu lernen, Entscheidungen wissenschaftlich begründet und verantwortlich zu treffen.

Die Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg begrüßt den Jahrgang 2026 herzlich auf dem Campus. Die Universität wünscht allen Studierenden ein erfolgreiches Studium, neue Begegnungen, bereichernde Erfahrungen und die Neugier, die Chancen dieser besonderen Studienzeit zu nutzen. Auf Sie warten wissenschaftliche Herausforderungen, persönliche Entwicklung und die Möglichkeit, Verantwortung in einer zunehmend komplexen Welt zu übernehmen.