Hamburg. Wie verändert der Klimawandel gesellschaftliche und politische Konflikte? Welche Rolle spielen Umweltkrisen für Flucht und Migration? Und unter welchen Bedingungen können Umweltfragen auch neue Möglichkeiten für Zusammenarbeit eröffnen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Prof. Dr. Christiane Fröhlich seit mehr als 20 Jahren. Mit ihrer Professur für Politikwissenschaft, insbesondere Transnationale Politik, bringt sie diese Forschung an die Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU/UniBw H) ein.
„Mich interessiert, wie Umweltveränderungen, politische Konflikte und Migration zusammenwirken und welche Folgen diese Wechselwirkungen für Menschen und Gesellschaften haben.“

Forschung zwischen Klimawandel, Migration und Konflikt
Ein großer Teil ihrer Forschung führt Fröhlich in den Mashriq. Dort untersucht sie unter anderem, wie Umweltkrisen politisch instrumentalisiert werden, insbesondere in autokratisch regierten Staaten. Dabei interessiert sie, ob solche Krisen genutzt werden, um politische Kontrolle zu verstärken oder gesellschaftliche Handlungsspielräume einzuschränken, und welche Folgen dies für den politischen Umgang mit Klima- und Umweltfragen hat.
Migration betrachtet Fröhlich nicht allein als Folge politischer und ökologischer Krisen. Sie untersucht auch, wie grenzüberschreitende Migration politische und gesellschaftliche Ordnungen verändert. Im Mittelpunkt steht dabei unter anderem die Frage, welche Rolle Migration bei der Herausbildung von Staaten und nationalen Gemeinschaften spielt, etwa während und nach Bürgerkriegen. Viele dieser Zusammenhänge erforscht sie in Israel/Palästina, Syrien, Libanon und Jordanien. Zugleich richtet sie ihren Blick nach Europa und Deutschland, wo sie sich mit politischen Debatten über Flucht und Migration beschäftigt.
Prof. Dr. Christiane Fröhlich analysiert jedoch nicht nur die Entstehung und Verschärfung von Konflikten. Im Bereich des Environmental Peacebuilding untersucht sie, ob der gemeinsame Umgang mit Umweltproblemen und natürlichen Ressourcen auch Möglichkeiten für Zusammenarbeit und Friedensförderung eröffnen kann.
Damit verbunden sind Fragen der Klima- und Mobilitätsgerechtigkeit: Wer trägt die Folgen von Klimawandel, Umweltkrisen und politischer Gewalt? Wer hat die Möglichkeit, einen gefährdeten Ort zu verlassen, und wer nicht? Und wie können politische Antworten darauf gerechter gestaltet werden?
Feldforschung und Zusammenarbeit mit den Forschungsregionen
Um diese Zusammenhänge zu untersuchen, arbeitet Fröhlich eng mit den Regionen und den Menschen vor Ort zusammen. Ihre langjährige Feldforschung im Mashriq und angrenzenden Staaten verbindet sie mit Vergleichen zwischen unterschiedlichen Ländern und Regionen.
Dabei geht es ihr nicht nur darum, vor Ort Daten zu erheben. In transdisziplinären Forschungsprojekten entwickelt sie Themen und Fragestellungen gemeinsam mit Akteuren aus den jeweiligen Forschungsregionen. So fließen unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und Wissensbestände bereits in die Konzeption der Forschung ein.
„Für meine Forschung ist es wichtig, Fragestellungen gemeinsam mit Menschen und Institutionen aus den jeweiligen Forschungsregionen zu entwickeln. So können unterschiedliche Erfahrungen und Wissensbestände von Anfang an in den Forschungsprozess einfließen.“
Wie diese Form der Zusammenarbeit konkret aussieht, zeigen Fröhlichs aktuelle Forschungsprojekte. Ein Teil davon führt direkt in die Regionen, die ihre wissenschaftliche Arbeit seit vielen Jahren prägen.
SAGE: Globale Veränderungen und gesellschaftliche Anpassung im Nahen Osten
Im DAAD-geförderten Forschungszentrum Sustainable Adaptation to Global Change in the Middle East (SAGE) richtet sich der Blick auf den Nahen Osten: Wie gehen Gesellschaften mit globalen Veränderungen um und welche politischen und ethischen Fragen entstehen dabei?
Fröhlich ist Co-Principal Investigator des Forschungsteams „Governance and Ethics“. Das vom Deutschen Akademischen Austauschdienst und vom Auswärtigen Amt geförderte Zentrum mit Sitz an der An-Najah Universität in Nablus wird von der Universität Tübingen geleitet.
SAGE verbindet die Frage nach gesellschaftlicher Anpassung an globale (Umwelt-)Veränderungen mit Fragen politischer Gestaltung und ethischer Verantwortung. Damit treffen mehrere Linien von Prof. Fröhlichs Forschung aufeinander: die Beschäftigung mit Umweltveränderungen und gesellschaftlichen Transformationsprozessen ebenso wie ihre langjährige wissenschaftliche Arbeit im Mashriq.
PGSB-strong: Deutsch-palästinensische Wissenschaftskooperation stärken
An die langjährige Zusammenarbeit in der Region knüpft auch das Projekt Strengthening Palestinian German Science Bridge (PGSB-strong) an. Während bei SAGE gesellschaftliche Anpassungsprozesse im Mittelpunkt stehen, richtet sich der Blick hier auf die wissenschaftliche Zusammenarbeit selbst. Fröhlich verantwortet das Teilvorhaben „Nachhaltigkeit und Wirksamkeit“.
Das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert und in Kooperation mit dem German Institute for Global and Area Studies sowie dem Forschungszentrum Jülich durchgeführt.
Beide Vorhaben spiegeln damit einen wichtigen Teil ihres Forschungsverständnisses wider: Wissenschaftliche Fragen werden nicht losgelöst von den jeweiligen Regionen bearbeitet, sondern im internationalen Austausch und in langfristigen Kooperationen.
Flucht und Migration im politischen Diskurs in Deutschland
Von den internationalen Forschungskooperationen führt ein weiteres Projekt zurück nach Deutschland. Hier richtet Fröhlich den Blick darauf, wie über Flucht und Migration gesprochen wird und wie sich politische Argumentationsmuster über die Zeit verändern.
Als Principal Investigator des von der Gerda Henkel Stiftung geförderten Projekts Justifications for Anti-Refugee Views in German Political Discourse Over Time: Parallel, Changing, and Expanding Boundaries of the ‘Sayable’ untersucht sie, wie flüchtlingsfeindliche Positionen in der deutschen politischen Debatte begründet werden.
Dabei geht es auch um die Frage, wie sich die Grenzen dessen verändern, was in politischen Debatten über Geflüchtete öffentlich geäußert werden kann. Das Projekt erweitert damit ihre langjährige Forschung zu transnationaler Migration und Flucht um eine gesellschaftliche und politische Perspektive auf Migrationsdiskurse in Deutschland.
Wissenstransfer zwischen Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft
Die unterschiedlichen Forschungsfelder verbindet ein gemeinsames Anliegen: Wissenschaft soll für Fröhlich nicht ausschließlich innerhalb der Forschung stattfinden, sondern auch den Austausch mit Politik und Zivilgesellschaft suchen.
Dafür bringt sie langjährige Erfahrung in internationalen Forschungskooperationen, wissenschaftlicher Lehre und Politikberatung mit. Von 2022 bis 2026 war sie Sprecherin des Deutschen Netzwerks Fluchtforschung e. V.. Darüber hinaus engagiert sie sich in wissenschaftlichen Fachverbänden, internationalen Forschungsnetzwerken und bei der Herausgabe wissenschaftlicher Publikationen, z.B. der Zeitschrift für Flucht- und Flüchtlingsforschung (Z’Flucht).

Für ihre Arbeit an der HSU/UniBw H formuliert sie ein klares Ziel:
„Mit der Professur möchte ich die wissenschaftlich wie gesellschaftspolitisch höchst relevanten Bereiche Klima, Migration und Konflikt als international sichtbare Forschungsschwerpunkte der Helmut-Schmidt-Universität etablieren.“
Die HSU/UniBw H gratuliert Prof. Dr. Christiane Fröhlich herzlich zur Übernahme ihrer Professur.