Welche Muster prägen außenpolitische Entscheidungen heute?

HSU

23. Februar 2026

Außenpolitische Entscheidungen erscheinen in der öffentlichen Wahrnehmung zunehmend schwer kalkulierbar. Öffentliche Provokationen, abrupte Kurswechsel und Entscheidungen ohne erkennbare Abstimmung prägen häufig die Debatte. In der politischen und medialen Diskussion werden solche Entwicklungen oftmals als kurzfristige Ausnahmen, innenpolitisch motivierte Dynamiken oder kommunikative Besonderheiten einzelner Akteure eingeordnet.

Innenansicht eines mehrstöckigen Gebäudes mit offener Architektur, indem zahlreiche internationale Flaggen auf mehreren Ebenen hängen. Darunter die Flagge Deutschlands, der USA, der NATO und den Vereinten Nationen.

Die Studie „When your ally turns narcissistic – A self-help manual for Europe navigating transatlantic relations“ von Sofie Lilli Stoffel, Research Fellow am Global Public Policy Institute (GPPi), und Prof. Dr. Philipp Yorck Herzberg, Lehrstuhlinhaber für Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik an der Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg, schlägt einen analytischen Rahmen vor, um solche außenpolitischen Entscheidungen systematisch zu verstehen.

Der Ansatz der Studie greift Erkenntnisse aus der Narzissmus‑Forschung auf und überträgt sie auf internationale Macht- und Entscheidungsstrukturen. Ziel ist es, wiederkehrende Muster in politischen Entscheidungsprozessen sichtbar zu machen, die auf den ersten Blick widersprüchlich oder unvorhersehbar erscheinen.

Ein zentraler Befund lautet: Entscheidungen, die öffentlich als erratisch oder inkonsistent wahrgenommen werden, können einer klaren inneren Logik folgen. Diese ist häufig durch Faktoren wie Status, Sichtbarkeit und Kontrolle geprägt. Aspekte wie institutionelle Verlässlichkeit, Konsensfindung und partnerschaftliche Abstimmung treten dabei in den Hintergrund.

Vor diesem Hintergrund widmet sich die Studie auch der Frage, wie politische Akteure auf solche Muster reagieren können. Sie benennt verschiedene Kategorien möglicher Reaktionsansätze, die in politischen Kontexten diskutiert werden können. Dazu zählen unter anderem strategische Zurückhaltung statt reflexhafter Reaktionen auf Provokationen, eine stärkere Abstimmung in gemeinsamen internationalen Formaten, eine klare und konsistente Kommunikation eigener Positionen sowie die Stärkung der eigenen strategischen Handlungsfähigkeit.

Die Studie leistet damit einen Beitrag zur aktuellen Debatte über außenpolitische Entscheidungsprozesse und bietet einen analytischen Zugang, um Dynamiken internationaler Beziehungen differenzierter einzuordnen.

Die vollständige Studie finden Sie hier:
https://gppi.net/assets/StoffelHerzberg_2025_When-Your-Ally-Turns-Narcissistic_GPPiStudy.pdf