Forschung

Autostädte stellen einen spezifischen Stadttypus des 20. und des 21. Jahrhunderts dar. Das Projekt zielt auf die Untersuchung von Autostädten, also Städten, die Sitz der Automobilindustrie und häufig monoindustriell geprägt sind. Die Automobilindustrie stellt nach wie vor eine Schlüsselindustrie dar, von der weitere Industriezweige abhängen. Zudem ist das Automobil ein symbolbehaftetes Konsumgut, das – trotz Ressourcen- und Umweltproblematik –für Wohlstand, individuelle Freiheit und Modernität steht. Die Automobilkultur prägte die Städte. Anders als viele westliche Industriestädte, die im 19. Jahrhundert entstanden und heute vor allem Schrumpfungsprozessen ausgesetzt sind, weisen sie eine wechselvolle Geschichte auf, vor allem wenn man sie in globaler Perspektive betrachtet. In China beispielsweise entstehen neue Autostädte, während Detroit zum Inbegriff des „urban decline“ geworden ist. Das Forschungsprojekt nimmt damit einen bislang in der Forschung nicht beachteten Industriestadttyp in den Blick, der sich der stereotypen Erzählung vom Aufstieg und Niedergang westlicher Industriestädte entzieht und liefert somit neue Perspektiven für die Stadtforschung. Dabei wird die enge Verbindung der Automobilindustrie und deren Konjunkturen mit den jeweiligen Städten genauso analysiert wie der städtische Umgang mit Krisen und konjunkturell bedingten Unsicherheiten sowie die Image- und Identitätsbildung von Autostädten.


Zur Zeit erleben wir mit der Computerisierung und Informatisierung erneut einen massiven Technisierungsschub, der die Lebenswelt, aber auch die Menschen selbst verändert. Seit Beginn der Moderne stellt die Frage nach dem Verhältnis von Mensch und Maschine eine zentrale Frage für die Positionierung und die Selbstbestimmung des Menschen dar. Menschliche Tätigkeiten und Handlungen sind technisch vermittelt; Technik verändert mithin Praktiken, Denken, ja die gesamte Daseinsweise des Menschen. Zudem definier(t)en sich Menschen stets in Auseinandersetzung mit und Konkurrenz zur Maschine. Das Forschungsprojekt untersucht den Wandel des Mensch-Maschine-Verhältnisses im 20. Jahrhundert und nimmt dabei einerseits die Verschiebungen von Entscheidungen und Praktiken zwischen Mensch und Maschine in den Blick. Andererseits werden die zentralen Selbstdeutungs- und Abgrenzungsmuster der Menschen im Verhältnis zur Maschine analysiert. Das Projekt fokussiert auf drei empirische Felder: (industrielle) Arbeit, Denken/Gehirn und Verkehr (v.a. Automobilität). Theoretisch setzt sich das Projekt mit Ansätzen aus der Technik-Anthropologie, der Technikphilosophie und -soziolgie auseinander, die versuchen das Mensch-Maschinen-Verhältnis zu fassen (Stichworte: Kulturkritische Ansätze, Cyborg-Theorien, Hybride, Mensch-Technik-Netze, „offene Systeme“).

In diesem Projekt sollen technologische, soziale und kulturelle Umwälzungen in der Druckindustrie der 1970er und 1980er Jahre zum Ausgangspunkt einer Untersuchung der Entstehung und Entwicklung der Krise der Gewerkschaften genommen werden. Die Druckbranche eignet sich besonders für eine solche Studie, da sie von einer hochqualifizierten und in hohem Maße gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft geprägt war, weshalb die IG Druck und Papier eine besonders starke Position innehatte. Der Untersuchungszeitraum reicht von den 1950er Jahren, als die Branche den Wandel vom noch stark handwerklich geprägten Druckgewerbe zur Druckindustrie durchlief, bis in die Mitte der 1980er Jahre. Der Schwerpunkt der Studie liegt in den von der Einführung der Computertechnologie geprägten 1970er und frühen 1980er Jahre; einen vorläufigen Abschluss des Prozesses der Computerisierung markierte die Etablierung des Desktop Publishings ab 1985.

Im Zentrum des Projektes steht die Frage, welche Rolle der technologische Wandel für die Krise der Gewerkschaften spielte. Die Automatisierung der Arbeit, die sich in der Druckindustrie v.a. in der Form der Computerisierung zeigte, stellte eine Herausforderung für die Gewerkschaften in verschiedener Hinsicht dar: Erstens geriet – im diskursiven Bereich – die gewerkschaftliche Überzeugung von der sozialen Gestaltbarkeit technologischen Wandels ins Wanken. Diese traditionelle Fortschrittsgläubigkeit der Arbeiterbewegung wurde im Kontext der forcierten Automatisierung erstmals breiter diskutiert. Zweitens – im Bereich der Technologiepolitik und der gewerkschaftlichen Aktionsformen – wurde die wichtigste Form der gewerkschaftlichen Machtbasis, der Streik, durch die Computerisierung deutlich geschwächt, weil nun eine Auslagerung der Produktion und eine größere Unabhängigkeit von Facharbeitern möglich wurde. Drittens – in der Selbstwahrnehmung der Arbeiter – wurde die über Jahrzehnte vorherrschende Vorstellung, einer „Arbeiteraristokratie“ anzugehören, mit den Umgestaltungen obsolet. Das klare Selbstbild vom Facharbeiter, das eine wichtige Ressource für die Gewerkschaften ausmachte, spaltete sich in eine Vielzahl neuer Qualifikationsprofile und Selbstbilder auf. Es wird zu zeigen sein, inwieweit diese drei Bereiche miteinander verknüpft waren und Veränderungsprozesse in einem Bereich Auswirkungen auf einen anderen Bereich zeitigten.

Die Akteure dieser Prozesse werden auf drei miteinander im Austausch befindlichen Ebenen untersucht: lokal, national und international. Auf lokaler Ebene werden einzelne Ortsvereine und Betriebsräte in den Blick genommen, auf nationaler Ebene die IG Druck und Papier und der Deutsche Gewerkschaftsbund und auf internationaler Ebene das Berufssekretariat Internationale Grafische Föderation und der Europäische Gewerkschaftsbund. Wesentliches Ziel ist es auch, zu untersuchen, inwieweit die möglicherweise technikinduzierte Gewerkschaftskrise zu einer forcierten Europäisierung der Gewerkschaftsbewegung führte.

Dieses Projekt wird von der DFG gefördert.

Industriestädte werden in der Forschung bisher überwiegend als Phänomene des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts wahrgenommen. Doch auch nach dem 2. Weltkrieg entstanden Städte, die sich durch eine relativ hohe Dichte von Industriebetrieben auszeichneten, deren Bevölkerung in hohem Maße im verarbeitenden Gewerbe tätig war, deren kommunale Haushalte von Gewerbesteuern von Industriebetrieben abhingen oder die sich aktiv für eine Industrialisierung der Stadt einsetzten. Zwei besonders bemerkenswerte Fälle, nämlich Wolfsburg als Autostadt und Wilhelmshaven als ‚Newcomer‘, sollen als Industriestädte näher untersucht werden. Im Zentrum steht dabei die Analyse der Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Rezeptionen von und Reaktionen auf Krisen in diesen beiden Städten. Unter Rückgriff auf allgemeinere zeitgenössische Tendenzen sowie generelle historiographische Befunde sollen Einblicke in grundlegende Transformationen und Persistenzen vor Ort gewonnen werden.

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