Abgeschlossene Lehrforschungsprojekte


Angst
von Martina Heßler
Paul Virilio konstatierte im Jahr 2010, die Angst sei „heute zu einer Umgebung (environment), einem Milieu, einer Welt geworden. Sie beschäftigt (occupe) und besorgt (préoccupe) uns“. Früher sei sie dagegen ein Phänomen gewesen, das an lokalisierte Ereignisse gebunden war, identifizierbar und zeitlich begrenzt. [1] Heinz Bude publizierte jüngst, im Jahr 2014, ein, nicht zuletzt in den Medien breit rezipiertes Buch „Gesellschaft der Angst“, indem er gleichfalls die These vertritt, unsere Zeit sei von Angst gekennzeichnet. [2]

Die Gegenwart ist jedoch nicht der einzige Zeitraum, für den eine Allgegenwart und starke Präsenz von Angst diagnostiziert wurde. Jean Delumeau war zu der Einschätzung gekommen, die Frühe Neuzeit sei eine furchterfüllte Epoche gewesen. In seinem Buch „Angst im Abendland“ sprach er von einem „Land der Angst (…), in dessen Inneren eine Kultur sich ‚unbehaglich‘ fühlte“. [3] Inzwischen wurde Delumeaus Beschreibung der angsterfüllten Epoche jedoch vielfach kritisiert und differenziert. [4] Aber beispielsweise war auch Mitte des 20. Jahrhunderts erneut häufig von einem Zeitalter der Angst die Rede. Es scheint, als würden Zeitgenossen wie Historiker/innen immer wieder neue, von Angst erfüllte Zeiten entdecken. Zukünftigen Historiker/innen wird es schließlich überlassen bleiben, die derzeitigen Angstbeschreibungen aktueller Gesellschaften im zeitlichen Abstand neu zu betrachten und einzuschätzen.

Jean Delumeau war – von Vorläufern wie der Annales-Schule abgesehen – einer der ersten, der das Phänomen der Angst zum Thema der Geschichtswissenschaft, genauer einer Mentalitätsgeschichte, machte. Innerhalb der Philosophie spielte Angst dagegen seit dem 19. Jahrhundert eine prominente Rolle. Philosophen wie Søren Kierkegaard, Martin Heidegger oder Jean Paul Sartre entwickelten, gewissermaßen im Sinn einer Zeitdiagnose des 20. Jahrhunderts, die These einer spezifisch modernen Angst.

In jüngster Zeit beschäftigte sich die Geschichtswissenschaft allerdings verstärkt mit dem Phänomen Angst, insbesondere im Kontext der Emotionsgeschichte sowie nicht zuletzt aufgrund des Terroranschlags 9/11 innerhalb der Geschichte Internationaler Beziehungen. Angst als historisches Phänomen zu erforschen, stellt Historiker/innen jedoch zweifellos vor einige Herausforderungen.

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In diesem Kooperationsprojekt des Lehrstuhls mit dem Museum der Arbeit Hamburg geht es um den technologischen Wandel in der Druckindustrie aus der Perspektive der Drucker und Setzer.

Die Publikation hierzu ist über die Bibliothek der Helmut-Schmidt-Universität verfügbar.