Björn Hofmeister

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CV:

Björn Hofmeister studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Soziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, der TU Berlin, der Duke University/USA und der University of Sussex/UK. Er promovierte an der Georgetown University/USA bei Roger Chickering zur Geschichte des Alldeutschen Verbandes und edierte anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin in einem DFG-geförderten Projekt die „Politischen Erinnerungen von Heinrich Claß 1915-1933/36“ (2022), dem 2024 eine Biographie zu dem Vorsitzenden des Alldeutschen Verbandes folgte. Eine zu bearbeitende Edition zu den imperialen und völkischen Kriegszielen des Alldeutschen Verbandes 1914-1918 wird ebenfalls im Verlag De Gruyter erscheinen. Der Abschluss der Studie zur Geologischen Exploration in der SBZ/DDR 1945-1964 resultiert aus einem BMWK-geförderten Verbundprojekt zur Geschichte des Wirtschaftsministeriums und seiner nachgeordneten Behörden.

Buchbeschreibung:

Ressourcenpolitik im Kalten Krieg. Staat und Geologische Exploration in der SBZ/DDR 1945-1964

Die Etablierung der SBZ und der frühen DDR beruhte wesentlich auf der Bereitstellung von Bodenschätzen und Grundstoffen. Der Geologischen Landesanstalt (1945-1949/50) und der nachfolgenden Staatlichen Geologischen Kommission in Berlin (ab 1950) kamen mit ihren zuständigen Außenstellen die Aufgabe zu, den heimischen Rohstoffbedarf für die neu auszurichtende Industrie unter sowjetischen Besatzungsbedingungen mit Reparationen, Autarkiebestrebungen und dem forcierten Ausbau der Schwerindustrie zu decken. 

Der Geologische Dienst der SBZ/DDR in der Invalidenstraße 44 in (Ost-)Berlin war eine Nachfolgeeinrichtungen der Ressortforschung der Preußischen Geologischen Landesanstalt (gegründet 1873) und des für den Zweck der Zentralisierung der geologischen Dienste für die nationalsozialistische Kriegsführung geschaffenen Reichsamtes für Bodenforschung (1939-1941 zunächst als Reichsstelle für Bodenforschung). Die Rechtsnachfolge des RfB sollte jedoch auf das 1945 in der amerikanischen Besatzungszone gegründeten Hessischen Geologischen Landesamt in Darmstadt (1946 Hessisches Landesamt für Bodenforschung) übertragen werden.  

Die massiven Investitionen bei schnellem Ausbau der Zweigstellen kennzeichnen die immense Bedeutung der Geologie für die neue Wirtschaftspolitik der SBZ/DDR. Mit der politischen Teilung Deutschlands 1945 erfolgte auch die territoriale Teilung, die den staatlichen Geologen und der Industrie dafür enge Grenzen setzte. Die Rohstoffarmut erschwerte jedoch die Zielvorgaben für die möglichst autarke Rohstoffbereitstellung beim Aufbau der Schwerindustrie. Die Politisierung der Ressourcenexploration setzte gerade bei der Suche nach den spärlichen Rohstoffen Erdöl und Erdgas Wissenschaftler und Amtsleiter schnell dem Verdacht der Spionage und der Sabotage aus. Eine zunehmend nach marxistischen Grundsätzen ausgerichteten Wissenschaftspolitik der effizienten Explorationsplanung setzte die Geologen zusätzlich unter Erfolgsdruck. Trotz des Verlustes von Wissenschaftlern nach politischen Drangsalierungen gab es auffällige Kontinuitäten im Personalbestand der Geologen bei gleichzeitiger politischer Einbindung in den Ausbau eines nunmehr sozialistischen zentralisierten geologischen Dienstes mit massiven Investitionen, der staatlich gesteuerten Ausbildung wissenschaftlicher „Kader“ und neuen Karrierechancen.

Die Studie geht diesen Spannungen zwischen wirtschaftlichen Zielvorgaben, politischer Ideologisierung und wissenschaftlicher Exploration innerhalb der Geologischen Landesanstalt bzw. der Staatlichen Geologischen Kommission für den Zeitraum 1945 bis 1960/64 nach.

HSU

Letzte Änderung: 3. Juni 2026