Bildungssteuerung und EdTech-Sektor

Viele unserer Projekte beschäftigen sich mit dem Wandel von Bildungssteuerung, was sowohl politische Strukturen als auch neue Akteurskonstellationen umfasst, die mit der wachsenden Datafizierung und Digitalisierung von Bildung und Gesellschaft einhergehen.

Zu unseren Forschungen in diesem Bereich zählen unter anderem:

Wandel föderaler Bildungssteuerung und die Rolle von Dateninfrastrukturen sowie intermediären Akteuren

Im Kontext der Heisenberg-Förderung bearbeiten wir unter anderem die Frage, welche Rolle föderal-dezentrale Strukturen bei der Gestaltung oder auch Begrenzung von Bildungsdigitalisierung spielen. So lässt sich länderübergreifend ein wachsender Einfluss nationaler Bildungsbehörden (z.B. Digitalpakt in Deutschland) sowie zentralisierter Datenbanken erkennen. Hierdurch gerät subnationale Entscheidungsautonomie unter Druck. Zusätzlich werden Prozesse der Standardisierung, Zentralisierung und Infrastrukturalisierung in zunehmendem Maße von intermediären Akteuren vorangetrieben, die zwischen Bildungspolitik, Forschung, Wirtschaft und Schulpraxis und damit oftmals außerhalb der klassischen bildungspolitischen Arenen agieren. Zum Thema Intermediäre haben wir beispielsweise 2024 ein Special Issue mitherausgegeben. Auch haben wir eine Studie zu Estland durchgeführt, welches weltweit als Digitalisierungs-Vorreiter gilt, und hierbei insbesondere das komplexe Zusammenspiel von intermediären Policy-Akteuren und Dateninfrastrukturen untersucht.

Hören Sie zum Thema auch hier den Podcast des Forum Bildung Digitalisierung mit Sigrid Hartong als Gast in einer Folge zum Thema EdTechs.

Die im Rahmen eines Promotionsstipendium der Hans-Böckler-Stiftung entstandene Dissertation von Lucas Joecks „EdTech-Beratung: Akteurskonstellationen und Steuerungslogiken der Beratung zum digitalen Wandel im Schulsystem“ (doi.org/10.24405/22302) bewegte sich ebenfalls in diesem Kontext. Konkret ging es in seiner Arbeit um die Frage, wie EdTech-Consultants als neue Akteursgruppe, die insbesondere im Kontext von Digitalpakt und Corona-Pandemie entstanden sind, konzeptuell gefasst werden können und welche Charakteristika (z.B. Handlungslogiken, Steuerungseinfluss, etc.) sich für diese Gruppe empirisch identifizieren lassen.

Analyse des Ed-Tech Startup Sektors

In einer umfassenden Team-Ethnographie haben wir gemeinsam mit KollegInnen der KU Leuven den EdTech Startup Sektor beforscht. Konkret hatte diese Forschung das Ziel, die vielfältigen und auch widersprüchlichen Logiken des EdTech Startup Sektors zu systematisieren und empirisch besser zu durchdringen. Hierfür analysierte die Forschungsgruppe eine mehrtätige europäische Veranstaltung gezielt für Startups. In der Tat konnte die Studie hochgradig relevante Ergebnisse generieren, die unter anderem hier nachgelesen werden können. Neben den inhaltlichen Ergebnissen haben wir im Kontext der Studie auch die Methode der hybriden Teamethnografie – in unserem Fall die Beforschung der Veranstaltung mit acht Personen und in enger Verzahnung analoger und digitaler Forschungsmodi – ausgearbeitet und aufbereitet (aktuell under review).

Analyse konkreter Lerntechnologien

Mit der wachsenden Digitalisierung reicht Bildungssteuerung über Technologie zunehmend dicht in Bildungsinstitutionen hinein bzw. an SchülerInnen und Lehrkräfte heran (z.B. adaptive Technologien, Vermessung von Körperdaten, Künstliche Intelligenz). Gleichzeitig sind diese Technologien nie neutral, sondern in ihrem Design sind immer bestimmte Vorstellungen und Werte (z.B. was ist „erfolgreiche“ Bildung, was ist „gutes“ Lernen, wie sollen Nutzer*innen bestenfalls die Plattform durchlaufen etc.) eingeschrieben, die dann über die Nutzungsoberflächen an Lehrkräfte und Schüler*innen vermittelt werden. In unterschiedlichen kleineren Studien beforschen wir derartige Technologien auf ihre Einschreibungen und Steuerungswirkungen hin, darunter die Lesesoftware Antolin, die Schulplattform itslearning oder fobizz.

Auch im Rahmen unserer Transferinitiative UNBLACK THE BOX sowie im SMASCH Projekt spielt die kritische Auseinandersetzung mit Lerntools eine zentrale Rolle.

Untersuchung der neuen Rolle von EdTech-Testbeds

Weltweit entstehen aktuell neue Initiativen zum Erproben und zur (Neu-)Gestaltung von Bildungstechnologien, sogenannte „EdTech-Testbeds“, die auf ganzheitlichere Wirkungsanalysen sowie eine stärkere Einbindung von Wissenschaft und Praxis in die Technologieentwicklung abzielen. Häufig von internationalen Netzwerken vorangetrieben, stellen Testbeds ein bedeutsames, bislang jedoch kaum erforschtes Phänomen an der Schnittstelle von EdTech-Governance, -Politik und -Praxis dar. Vor diesem Hintergrund untersucht das DFG/SNF-geförderte Projekt MEET die Entstehung neuer Governance-Strukturen und Akteurskonstellationen rund um EdTech-Testbeds sowie deren Rolle innerhalb der Diskurse und Praktiken um die Wirkung („Impact“) von EdTech. Wir erforschen die Testbed-Kooperationen zwischen (EdTech-)Unternehmen, Bildungspraxis und Wissenschaft und greifen dabei auf ethnographische Methoden zurück und verbinden Netzwerk-, Dokument- und Plattformanalysen sowie Interviews und Beobachtungen in verschiedenen Ländern.

HSU

Letzte Änderung: 7. März 2026