Alhaba

Arbeitszeitdiskrepanzen im Lebensverlauf (ALHabA)

Das Projekt „ALHabA“ ist ein Verbundprojekt des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), der Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg, des Instituts für empirische Sozial- und Wirtschaftsforschung (INES Berlin) und des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI Düsseldorf) und wird ab dem 01.07.2015 von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert.

Das geplante Projekt will empirisch fundierte Hinweise für zukünftige Arbeitszeitpolitiken liefern. Es wird aufgezeigt, welche Personengruppen in welchen Lebensphasen und unter welchen Arbeitsbedingungen ihre Arbeitszeiten verändern möchten. Dabei soll untersucht werden, welche familialen und betrieblichen Faktoren die Arbeitszeitwünsche und deren Realisierung begünstigen oder behindern.

Die Ausgestaltung der Arbeitszeit beeinflusst die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten und ihrer Familienmitglieder in vielfältiger Weise. Arbeitszeitdiskrepanzen reichen in ihren Wirkungen weit über die Individual- bzw. Haushaltskontext- bzw. Familiensphäre hinaus und können auch Betriebe und deren Effizienz betreffen. Aus ökonomischer Sicht kann man von einem suboptimalen Nutzen in den bestehenden Zeit-Geld-Präferenzen großer Teile der Beschäftigten sprechen. Ein Teil der Beschäftigten, vornehmlich teilzeitbeschäftigte Frauen, möchte länger, ein anderer Teil, vornehmlich vollzeitbeschäftigte Männer, möchte kürzer arbeiten (Holst/Seifert 2012). Die nicht-realisierten Wünsche von Teilzeitbeschäftigten, bieten kurzfristig ein nicht unerhebliches zusätzliches Arbeitskräftepotenzial. Dagegen können überlange Arbeitszeiten wegen erhöhter gesundheitlicher Risiken und dadurch verursachter Erwerbsminderungen das Erwerbspersonenpotenzial reduzieren (Grözinger/Matiaske/Tobsch 2010).

Im Rahmen des Projektes soll analysiert werden, welche Personengruppen in welchen Lebensphasen und unter welchen Arbeitsbedingungen ihre Arbeitszeiten verändern möchten. Dabei soll aufgezeigt werden, welche familialen und betrieblichen Faktoren die Arbeitszeitwünsche und deren Realisierung begünstigen oder behindern. Auf der individuellen Ebene stützen wir uns dabei theoretisch auf Überlegungen und Befunde biografisch orientierter Sozial- und Wirtschaftsforschung. Insbesondere interpretieren wir Zeitdiskrepanzen als einen Belastungsfaktor im Sinne des stresstheoretischen effort-reward-imbalance Modells (Siegrist 1996) und klassifizieren dessen Wirkung auf verschiedene Zufriedenheitsdimensionen im Vergleich zu anderen Stresssorgen. Die im Projekt zu konkretisierenden Überlegungen zur betrieblichen Arbeitszeitpolitik orientieren sich am organisationstheoretischen ressource dependence approach (Matiaske/Leblibici/Kabst 2008).

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Projektergebnisse

Auf Basis des sozio-oekonomischen Panels (SOEP) werden Gründe, Lösungen und Folgen von Arbeitszeitdiskrepanzen – die Differenz zwischen gewünschter und vereinbarter bzw. tatsächlicher Arbeitszeit – abhängig Beschäftigter für den Zeitraum von 1993 bis 2014 ermittelt. Analysen der Lebensläufe zeigen, dass sich Arbeitszeitdiskrepanzen in spezifischen Sequenzen häufen. Es lassen sich prägende Variablen wie das Geschlecht, die aktuelle Form der Beschäftigung und Merkmale des Haushalts identifizieren. Es überwiegen Verkürzungs- (bei 46 % der Stichprobe in 2014) gegenüber den insbesondere von Frauen geäußerten Verlängerungswünschen (bei 15 %), wobei letztere im Beobachtungszeitrum zugenommen haben. Verkürzungswünsche, die für die Individuuen mit Stress einhergehen, können innerhalb eines Jahres von rund einem Viertel weitgehend umgesetzt werden. Verlängerungswünsche sind von einem Drittel in Jahresfrist realisierbar. Dabei spielen strukturelle Merkmale wie die Betriebsgröße ebenso eine Rolle wie insbesondere auch die Maßnahmenbündel der Arbeitszeitflexibilisierung, die Frauen- und Männerbranchen typisierend unterscheiden wie Fallstudien und multivariate Analysen von Betriebsdaten belegen.

 

Förderung

Hans-Böckler-Stiftung, Laufzeit 2015-2018

 

Beteiligte Wissenschaftlerinnen

Dr. Axel Czaya; Dr. Doris Holtmann; Prof. Dr. Wenzel Matiaske (Leitung)

 

Projektpartner

Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg (Projektleitung), Institut für Personal und Arbeit (IPA), Prof. Dr. Wenzel Matiaske

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), PD Dr. Elke Holst

Institut für empirische Sozial- und Wirtschaftsforschung (INES Berlin), Dr. Tanja Schmidt & Dr. Verena Tobsch

Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI Düsseldorf), Dr. Hartmut Seifert, Senior Research Fellow am WSI

 

Publikationen

Holst, E.; Bringmann, J. (2017): Arbeitszeitwünsche von Beschäftigten: eine Black Box?. Zu Unschärfen der Ermittlung von Unter- und Überbeschäftigung, DIW Roundup 106, [online] http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.549702.de/diw_roundup_106_de.pdf, zuletzt abgerufen am 13.01.2017, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, 7 Seiten.

Seifert, H.; Tobsch, V. (2016): Arbeitszeiten zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Insbesondere Frauen in Teilzeit würden gerne länger arbeiten. In: frau geht vor, 3/2016, S. 10-12.

Seifert, H.; Holst, E.; Matiaske M.; Tobsch, V. (2016): Arbeitszeitwünsche und ihre Realisierung. In: WSI-Mitteilungen, 69. Jg, H. 4, S. 300-308.

Holst, E.; Bringmann, J. (2016): Arbeitszeitrealitäten und Arbeitszeitwünsche in Deutschland: Methodische Unterschiede ihrer Erfassung im SOEP und Mikrozensus. DIW Discussion Papers, No. 1517.

HSU

Letzte Änderung: 15. Oktober 2018