Habilitationsprojekt
Roger Behrens: ›Kritik der Bildung
Versuch über die Schwierigkeit einer praktischen Subjekttheorie
Bloch · Benjamin · Adorno · Marcuse‹
Die These: Bildung ist Ideologie. Was bedeutet das? Bildung ist notwendig falsches Bewusstsein; so auch: das mit dem über die letzten fast 250 Jahre entwickelte Konzept »Bildung« verbundene Ideal der Bildung selbst. Das heißt: von Anfang an war »Bildung« ein Reduktionismus, und zwar ein Reduktionismus des Selbst-Welt-Verhältnisses – beziehungsweise eine Reduktion der Möglichkeiten des Selbst-Weltverhältnisses auf »Bildung« (oder besser: auf das neuhumanistische Bildungsideal).
Es ist die Reduktion der Möglichkeiten der Menschheit auf die Möglichkeiten des Menschen; und: die Reduktion der Möglichkeiten des Menschen auf ein anthropologisches Ideal (das – gerade weil es sich bei diesem Reduktionismus um Ideologie, i.e. notwendig falsches Bewusstsein handelt – der seiner reduktionistischen Logik nach [»Episteme«, »Wissenschaftskritik«] »konsequent« nur als anthropologische Setzung »kritisiert« werden kann). – Es ist in seiner fortschrittlichsten Gestalt die Reduktion des ›Widerspruchs von Bildung und Herrschaft‹ auf einen (bloßen) »Widerstreit«. Diese Reduktion ist eine formalistische Reduktion (wieder findet sich hier in fortschrittlicher Gestalt: die so genannte transformatorische Bildungsprozesstheorie).
Der Widerspruch von Bildung und Herrschaft ist, cum grano salis, die ›Dialektik der Aufklärung‹: »Bildung« (i.e. Bildung des Menschen wie und als »Bildung der Menschheit« [Herder] im Sinne einer Phänomenologie des Geistes [Hegel]) ist ohne Herrschaft, die immer auch Selbstbeherrschung ist, nicht wirklich. Allerdings ist Bildung mit Herrschaft nicht möglich. Dieser Widerspruch entfaltet sich als Geschichte der Rationalisierung, i.e. Beherrschung der Natur als Befreiung vom Mythos, die auf den Mythos zurückfällt, wo die Befreiung der Natur selbst misslingt (dies prägt die Universalgeschichte als Gewaltzusammenhang, in dem »die Blätter des Glücks unbeschrieben« geblieben sind [Hegel]). Diese Dialektik der Aufklärung bleibt jedoch insofern immanent Vernunftgeschichte, als dass nur durch Vernunft sich Befreiung, durch Befreiung Vernunft verwirklicht: das beschreibt die Dialektik der Aufklärung als Emanzipation.
PDF (Skizze als Arbeitspapier): rb_kdb_skizze
Letzte Änderung: 5. Mai 2026