Studienjahr 2025 / 2026

Lehrveranstaltungen: HT 2025, WT 2026, FT 2026.


HT 2025

Lehrveranstaltungen Prof. Dr. Sanders, Dr. Behrens, Jung, Richter | Herbsttrimester 2024

HT 2025: »Persönlichkeitsbildung« – Erziehung und Emanzipation. Eine Einführung

Dr. Roger Behrens

Wenn heute von Persönlichkeitsbildung die Rede ist (zum Beispiel in der Dienstvorschrift) – was ist damit eigentlich gemeint? Was meint »Bildung« in Bezug auf »Persönlichkeit«, und was soll eigentlich »Persönlichkeit« sein, etwa in Abgrenzung zum Begriff des »Charakters«? Ist der Begriff der Persönlichkeit überhaupt zu retten (wie Adorno fragte)? Wie lassen sich zur »Persönlichkeitsbildung« Erziehung und Emanzipation ins Verhältnis setzen? Mit diesen Fragen wollen wir uns im Seminar einführend in die Erziehungswissenschaft beschäftigen.



WT 2026

Lehrveranstaltungen Prof. Dr. Sanders, Dr. Behrens, Jung, Richter | Herbsttrimester 2024

WT 2026: Wirklichkeit aus zweiter Hand. Spielzeug und Bildung

Dr. Roger Behrens

Der Reduktionismus der Erziehungs- und Bildungswissenschaft besteht auch darin, dass sie ihren Geltungsbereich von vornherein einschränkt und einengt auf die traditionellen pädagogischen Formen (in Bezug auf Institutionen, Situationen, Materialien etc.), und unter dieser (Selbst-) Vorgabe das, was jenseits dieser Formen liegt, gleichwohl aber ebenso von pädagogischer Relevanz ist, (fachlich) abspaltet; so gehören etwa Kino, Film, Fernsehen und Internet zur Medienpädagogik und werden dort unter Gesichtspunkten der ästhetischen Bildung oder Erziehung diskutiert. Derart bildet sich in der Wissenschaft die allgemeine arbeitsteilige Struktur der spätkapitalistischen Gesellschaft ab.
Auch in der Pädagogik wird das Problem gesellschaftlicher Totalität verkannt. Unaufgeklärt bleibt etwa, inwiefern solche Totalität als Totalität oder zumindest als Schein von Totalität in spezifischen gesellschaftlichen Verhältnissen vermittelt ist – und welchen pädagogischen Charakter solche Vermittlung hat.

Hierfür sind Spielzeuge und die durch sie in vielfältiger – eben durchaus auch pädagogischer – Weise hergestellten Welten, Weltbilder, Weltvorstellungen nicht einfach nur Beispiel, sondern im Sinne der gesellschaftlichen Totalität von elementarer Bedeutung.
Zu diskutieren ist insofern, ob es allein zufällig ist, dass die Etablierung der modernen (und postmodernen, metamodernen etc.) Pädagogik – also Erziehung und Bildung – sich im selben Zeitraum vollzieht, in dem sich die Spielwarenindustrie etabliert und für Kinder, aber früh auch schon für Erwachsene ein immer weiter wachsendes Warenangebot bereitstellt (dass ja durchaus seine bildnerischen, pädagogischen Referenzen hat: Kinder spielen mit Puppen oder Plastikfiguren Familie, lernen mit entsprechend aufbereiteten Spielzeugen, manche Erzeugnisse werden als »pädagogisch wertvoll« angeboten etc.).
Es geht also um Spielzeug, aber auch um eine Erziehungs- und Bildungswissenschaft, die sich mit Spielzeug kaum auseinandersetzt (obwohl doch gerne Schillers Briefe »Über die ästhetische Erziehung des Menschen« hochgehalten werden, in denen es bündig heißt: »Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.«).


WT 2026: Widersprüche der Bildungstheorie. Machtanalyse versus Herrschaftskritik

Dr. Roger Behrens

Seit den (späten) sechziger Jahren werden die beiden traditionellen »Richtungen« der Erziehungswissenschaft, nämlich die geisteswissenschaftlich fundierte Pädagogik und die normativ-empirische Erziehungstheorie, durch zwei weitere »Richtungen« ergänzt: nämlich durch die kritische Erziehungswissenschaft sowie durch zahlreiche Ansätze aus poststrukturalistischen, postmodernen Theorien.
Bei allen Überschneidungen und Aktualisierungen, die es hier geben mag, zeigen sich doch Unvereinbarkeiten, die sich auch und gerade in der Erziehungswissenschaft bemerkbar machen: Vor allem geht es hierbei um eine Abwendung von Begriffen, die für eine kritische Wissenschaft einmal im Sinne radikaler Aufklärung verpflichtend waren; mitunter wurden sie sukzessive ersetzt durch einen Eklektizismus, der auch vor Irrationalismus und Reaktion nicht Halt macht. Notwendig bleibt allerdings die Rückfrage, ob eine kritische Erziehungswissenschaft hier mehr zu bieten hat. Und angesichts des gegenwärtigen Verschwindens der Theorie lässt sich vielleicht ja auch fragen: Na und?


HSU

Letzte Änderung: 4. Januar 2026