Projekt Crowdwork

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Crowdwork und Crowdworker vor, während und nach der beruflichen Ausbildung – Kompetenz-/Subjektivierungseffekte, individuelle Beruflichkeit und lernförderliche Plattformgestaltung (CKoBeLeP, dtec.bw, 2021-2024)

Crowdwork ist ein relativ neues Phänomen in der Arbeitswelt, das unbestreitbar an Bedeutung gewinnt. Über Subjektivierungseffekte, die Auswirkungen auf individuelle Beruflichkeit und Lerngelegenheiten bei Crowdwork ist bisher wenig bekannt. Das übergreifende Ziel des Forschungsprojektes besteht deshalb darin, im Sinne beschäftigungs- und persönlichkeitsorientierter Beruflichkeit kompetenz- und lernförderliche Konzepte sowie technische Tools für Crowdwork zu entwickeln, zu erproben und zu transferieren. Auf dieser Website finden sich Informationen zum laufenden Projekt, diese werden regelmäßig aktualisiert.

Projekthintergrund

Crowdwork bzw. plattformbasierte Arbeit ist ein relativ neues Phänomen, das es erst seit rund 15 Jahren gibt. International gewinnt diese Arbeitsform unbestreitbar an Bedeutung – auch in Deutschland steigt die unternehmerische Nutzung, die Anzahl an Plattformbetreibern und damit auch plattformbasierte Erwerbstätigkeit seit einigen Jahren deutlich. Die Corona-Pandemie verstärkt diesen Trend einer quantitativen Zunahme digitalisierter Erwerbstätigkeit.

In der breiteren Öffentlichkeit ist der Begriff Crowdwork noch wenig präsent. Auch dort, wo über Crowdwork diskutiert wird, fehlt eine eindeutige Definition. Worum es bei Crowdwork im Kern geht, ist die Vergabe von Arbeitsaufgaben an eine undefinierte Crowd, aus der heraus Einzelne sich die Aufgaben zur Bearbeitung auswählen – im Deutschen passt am ehesten der Begriff des Schwarms. Die Vergabe der Aufgaben wird zumeist über internetbasierte Apps oder Websites abgewickelt. Wenn es sich um nicht ortsgebundene Tätigkeiten handelt, kann Crowdwork prinzipiell von jedem Ort der Welt aus geleistet werden, wenn der Zugang zum Internet besteht. Indem der Auftraggeber Arbeitspakete definiert, die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erledigt werden, kann Crowdwork zumeist auch zeitlich flexibel gestaltet werden. Zwischen Auftraggeber und Crowdworker:innen besteht zumeist kein Arbeitsvertrag oder nur eine Art Basisvertrag. Die Bearbeitung jedes einzelnen Arbeitspakets erfolgt auf freiwilliger Basis und stellt jeweils für sich eine einzelne Beauftragung dar. Häufig wickeln Crowdworker:innen ihre Arbeit ganz ohne direkten Kontakt zu anderen Personen ab oder sie arbeiten in virtuellen Teams auf Zeit zusammen. Es gibt keine festen Betriebsstrukturen bzw. keine dauerhaften Kolleg:innen. Insgesamt unterscheidet sich die Arbeitssituation von Crowdworker:innen deutlich vom sogenannten Normalarbeitsverhältnis und der Arbeitswelt, wie sie die meisten Arbeitnehmer:innen heute kennen.

Mit Crowdworking- bzw. Crowdsourcing-Plattformen sind Unternehmen entstanden, die das Vermitteln von Arbeitsaufgaben an eine Crowd als Dienstleistung anbieten. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU), aber auch Großunternehmen, nutzen diese spezialisierten Dienstleistungsunternehmen als Unterstützung bzw. lassen das Crowdsourcing komplett von diesen umsetzen. Crowdsourcing bezeichnet die Perspektive eines Unternehmens, das interne Aufgaben an eine externe Crowd vergibt. Dieses Crowdsourcing ist nicht voraussetzungslos, denn es erfordert eine besondere Art des Projektmanagements sowie den Aufbau und die Pflege einer entsprechenden Crowd. 

Die Crowdworking- bzw. Crowdsourcing-Plattformen beeinflussen durch die Gestaltung der Plattform, durch ihr Community Management usw. entscheidend die Arbeitsbedingungen der Crowdworker:innen. Am bekanntesten sind vermutlich Plattformen, die sogenannte Microtasks zur Bearbeitung anbieten. Microtasks können in kürzester Zeit bearbeitet werden, die Vergütung pro Aufgabe beträgt oft nur wenige Cents; bspw. werden Bilder verschiedenen Kategorien zugeordnet, um Trainingsdaten für künstliche Intelligenzen zu erzeugen. Die Einfachheit der Aufgaben und die niedrige Bezahlung im Bereich der Microtasks erklärt, weshalb gegenüber Crowdwork der Vorwurf des Neo-Taylorismus und der Prekarisierung von Arbeit erhoben wird.
Es gibt jedoch neben solchen Mircotasks sehr viel mehr Formen von Crowdwork. Diese reichen über das Erstellen von Texten, Übersetzung, die Vermittlung von Servicekräften bis hin zu hochbezahlten IT-Dienstleistungen. Wenn Crowdwork als eine neue Arbeitsform – also als eine Form der gesellschaftlichen Organisation von Arbeit – begriffen wird, dann gibt es im Prinzip keinen Bereich der Arbeitswelt, der nicht zumindest in Teilen als Crowdwork organisiert werden könnte.

Projektanliegen

Im Mittelpunkt des Projektes steht die Arbeitsform Crowdwork. Das Anliegen des Projektes besteht darin, Crowdwork-Plattformen empirisch zu analysieren und eine an Kriterien der Sozialverträglichkeit und Lernförderlichkeit von Arbeit ausgerichtete Entwicklung plattformbasierter Arbeit zu unterstützen. Es werden Crowdwork-Plattformen betrachtet, die in Deutschland aktiv sind und von Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor, während oder nach der Ausbildung zur Ausübung eines Nebenjobs oder einer Hauptbeschäftigung genutzt werden.

Im Projekt wird aus berufs- und wirtschaftspädagogischer, arbeitssoziologischer, beruflichkeits-, subjektivierungs- und kompetenzorientierter Sicht nach Anknüpfungspunkten für politische, soziale, pädagogische und technologische Entwicklungs- und Gestaltungspotentialen von Crowdwork gefragt. Orientierungspunkt sind dabei Standards guter digitalisierter Arbeit, die einerseits die arbeitsbezogenen Ansprüche der Crowdworker:innen und andererseits Qualitätsansprüche der Auftraggeber berücksichtigen.

Das Gesamtprojekt wird von vier kooperierenden Professuren getragen, die interdisziplinär anhand unterschiedlicher empirisch-methodischer Zugänge folgende Aspekte und Zusammenhänge von Crowdwork analysieren:

  • Verteilung von Aufträgen und Aufgaben über Plattformen,
  • Subjektivierung von Arbeit, Verhältnis von Lebenswelt/Privatsphäre und Erwerbstätigkeit der Crowdworker:innen,
  • individuelle Beruflichkeit von Crowdworker:innen,
  • Analyse von bestehenden Lernangeboten auf Plattformen und Weiterentwicklungspotential,
  • Analyse der Lernhaltigkeit von verschiedenen Formen von Crowdwork,
  • Fortbildungsbedarf und -möglichkeiten von/für Crowdworker:innen,
  • Erfassung und Modellierung von Kompetenzen für Crowdwork,
  • Aufgabenkonstruktion, Entwicklung von technischen Tools und Erprobung gemeinsam mit Praxispartnern,
  • Analyse von Arbeits-, Beschäftigungs- und Reputationssystempolitik mit Bezug auf Crowdwork, 
  • Auswirkungen von Crowdwork auf (regionale) Ausbildungsmärkte,
  • Berufsbildungspolitischer Umgang mit Crowdwork.

Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten werden gemeinsam mit ausgewählten Crowdworking-Plattformen und anderen Stakeholdern als Praxispartner umgesetzt.

dtec geplante Projektbausteine

Das Projekt im Überblick

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Das ganze Projektteam

Projektleitung

Prof. Dr. Karin Büchter und Dr. Marcus Eckelt (HSU/UniBw H)

Kooperierende Professuren

Prof. Dr. Frank Kleemann (Universität Duisburg-Essen)

Prof. Dr. Martin Krzywdzinski  (WZB & HSU/UniBw H)

Prof. Dr. Tobias Schlömer (HSU/UniBw H)

Prof. Dr. Karin Büchter (HSU/UniBw H)

Projektmanagement

Dr. Marcus Eckelt (HSU/UniBw H)

Laufzeit

01.01.2021 – 31.12.2024

Kontakt

projekt-crowdwork@hsu-hh.de


Das Projekt ist im Dachprojekt Organisation-Personal-Arbeit-Leadership (OPAL) der HSU/UniBw H im Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung (dtec.bw) angesiedelt und wird aus Mitteln des Konjunkturprogramms der Bundesregierung zur Überwindung der COVID-19-Krise finanziert.

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Letzte Änderung: 24. August 2021