Exkursion nach Rostock: Einsatzfähigkeit, Netzintegration und Kraftwerksbetrieb im Wandel

Am 4. Juni 2026 führte die Professur für Elektrische Energiesysteme erneut eine Exkursion nach Rostock durch. Studierende der Studiengänge Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen nutzten die Gelegenheit, aktuelle Fragestellungen der Energieversorgung im Spannungsfeld von militärischer Einsatzfähigkeit, Netzintegration und konventioneller Erzeugung aus erster Hand zu beleuchten.

Den Auftakt bildete in diesem Jahr der Besuch der Korvette Oldenburg im 1. Korvettengeschwader. Neben einem Überblick über die Einsatzfähigkeit der Marine lag der Fokus auf technischen Aspekten der Energieversorgung an Bord. Diskutiert wurden insbesondere Anpassungen an die aktuelle Bedrohungslage sowie die Rolle mobiler, leistungsstarker, elektrischer Inselnetze. Die Teilnehmer erhielten so einen praxisnahen Eindruck davon, wie Energieversorgungskonzepte unter einsatzkritischen Randbedingungen ausgelegt und abgesichert werden.

Im zweiten Programmpunkt stand die Besichtigung der HGÜ Kontek sowie eines zugehörigen 380‑kV-Umspannwerks auf dem Plan. Einblicke in die Ventilhalle verdeutlichten die technische Komplexität moderner Übertragungssysteme. Im anschließenden Austausch wurden zentrale Herausforderungen eines Übertragungsnetzbetreibers in der Energiewende diskutiert – insbesondere Fragen der Netzstabilität, Lastflüsse und der Integration volatiler Erzeugung. Die Diskussion zeigte, dass die Transformation der Energieversorgung weniger an einzelnen Technologien als an der Systemintegration hängt.

Gruppenfoto vor Transformator des 380‑kV-Umspannwerks der HGÜ Kontek

Den dritten Programmpunkt bildete – inzwischen traditionell – das Steinkohlekraftwerk Rostock. Anders als im Vorjahr befand sich die Anlage jedoch nicht im Betrieb. Die deutlich ruhigere Umgebung ermöglichte einen differenzierten Blick auf Aufbau und Wartung des Kraftwerks. Wahrnehmbar war vor allem der Lärm der laufenden Vorbereitungen für die etwa zweiwöchige jährliche Revision. Thematisiert wurde die Rolle des Kraftwerks als flexibel einsetzbares Mittellastkraftwerk, das insbesondere durch seine schnelle Regelbarkeit zur Netzstabilität beiträgt.

Generator und Turbine des Kraftwerks
Gruppenfoto auf dem Kesselhaus des Kraftwerks – ohne Kühlwasserfahne

Fazit: Die Exkursion machte erneut deutlich, dass Energieversorgung stets im System gedacht werden muss – vom autarken Inselnetz über Höchstspannungsübertragung bis hin zur konventionellen Erzeugung. Technisches Verständnis bleibt dabei die zentrale Voraussetzung, um bestehende Infrastrukturen anzupassen und zukünftige Herausforderungen belastbar zu bewältigen.

HSU

Letzte Änderung: 5. Juni 2026