Forschungsprojekte

Das Projekt DIMODI – Dimensions of Distance in Remote, Virtual Collaborations ist ein durch die Europäische Union im Rahmen des Programms Erasmus+ gefördertes Kooperationsvorhaben in der Erwachsenenbildung. Vor dem Hintergrund einer nachhaltig veränderten Bildungslandschaft seit der COVID-19-Pandemie adressiert DIMODI die zunehmende Bedeutung virtueller und hybrider Lern- und Arbeitsumgebungen. Dabei geht das Projekt von der zentralen Annahme aus, dass räumliche Distanz in digitalen Kontexten nicht hinreichend ist, um die Herausforderungen virtueller Zusammenarbeit zu erklären. Vielmehr wird „Distanz“ als ein mehrdimensionales Konstrukt verstanden, das kognitive, soziale und pädagogische Aspekte umfasst.
Theoretisch verankert ist das Projekt in etablierten Konzepten wie der Transaktionalen Distanz, der Social Presence Theory sowie Ansätzen zur kognitiven Belastung in virtuellen Teams. Aufbauend auf diesen Grundlagen verfolgt DIMODI das Ziel, die unterschiedlichen Dimensionen von Distanz systematisch zu identifizieren, zu operationalisieren und durch gezielte didaktische Interventionen zu reduzieren. Im Zentrum steht dabei die Entwicklung eines evidenzbasierten Modells, das Lehrenden und Lernenden in der Erwachsenenbildung praxisnahe Werkzeuge zur Gestaltung effektiver virtueller Kollaboration bereitstellt.
Methodisch basiert das Projekt auf einem iterativen Mixed-Methods-Ansatz im Sinne der Aktionsforschung. Über einen Zeitraum von 36 Monaten werden Bedarfsanalysen, ko-kreative Entwicklungsprozesse, Pilotierungen in realen Bildungskontexten sowie evaluative Maßnahmen kombiniert. Ziel ist es, sowohl wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse als auch konkrete, anwendungsorientierte Produkte zu generieren.
Zu den erwarteten Ergebnissen zählen unter anderem ein validiertes konzeptionelles Rahmenmodell zur Beschreibung virtueller Distanz, ein praxisorientiertes Toolkit für Lehrende sowie Instrumente zur Kompetenzmessung in der virtuellen Zusammenarbeit. Darüber hinaus soll das Projekt zur nachhaltigen Verbesserung der Lehr- und Lernqualität in digitalen Settings beitragen, indem es die pädagogische Handlungskompetenz stärkt, die Lernendenbindung erhöht und transnationale Kooperationen im Bereich der Erwachsenenbildung fördert.
DIMODI leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung evidenzbasierter Ansätze in der digitalen Erwachsenenbildung und adressiert zentrale Herausforderungen moderner, technologiegestützter Lernumgebungen.
Weitere Hinweise zum DIMODI-Projekt finden Sie unter folgendem Link:
https://work-live-stay.dk/vores-projekter/dimodi
LegiP – Legitimierung intersektoraler Partnerschaften: Akteursstrategien in der institutionellen Komplexität von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft
Intersektorale Partnerschaften sind kollaborative Arrangements, in denen Akteure aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Sektoren (Staat, Wirtschaft, Zivilgesellschaft) Ressourcen und Informationen teilen, um mit gemeinsamen Zielen an gesellschaftlichen Problemen zu arbeiten. Ein wesentlicher Treiber der Verbreitung dieser Governance-Formen ist die Annahme, dass Partner mit verschiedenen sektoralen Hintergründen über unterschiedliche Ressourcen und Fähigkeiten verfügen und gesellschaftliche Probleme effektiver gelöst werden, wenn diese Komplementaritäten mit dem Ziel der ökonomischen, sozialen und ökologischen Wertschöpfung genutzt werden.
In der bisherigen Forschung überwiegt eine strukturelle Perspektive auf die Entstehungs- und Erfolgsbedingungen, die Ausgestaltung sowie Wirkungen intersektoraler Partnerschaften. Eine interaktionistische Perspektive auf die Mikroebene individueller Akteure, die in den Partnerschaften zusammenarbeiten, ist dagegen noch unterentwickelt. Diese Akteure sind nicht passive Empfänger der unterschiedlichen sektoralen Rahmenbedingungen und Erwartungsstrukturen von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, sondern sie können ihnen zum Zweck der Legitimitätssicherung aktiv und strategisch begegnen. Die Legitimierung intersektoraler Partnerschaften ist insofern untersuchungsbedürftig, als ihr Erfolg nicht allein von ihrer funktionalen Effizienz, sondern auch von ihrer gesellschaftlichen Legitimität abhängt, sie aber aufgrund ihrer institutionellen Mehrdeutigkeit eine diffuse Zuschreibungseinheit von Legitimität sind.
Unser Forschungsvorhaben trägt dazu bei, die individuelle Akteursebene in intersektoralen Partnerschaften theoretisch und empirisch zu erfassen und in Wechselbeziehung zu übergeordneten organisationalen und sektoralen Kontexten zu stellen. Im Vordergrund stehenden die folgenden Forschungsfragen:
- Wie schlagen sich die sektoralen Logiken von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sowie die organisationalen Logiken von öffentlichen, privaten und Nonprofit-Organisationen in Identitätsansprüchen und Interpretationsmustern von Akteuren nieder, die in intersektoralen Partnerschaften zusammenarbeiten?
- Mit welchen Handlungsstrategien begegnen die Akteure den potenziell konfliktären Logiken ihrer Sektoren und Organisationen?
- Wie wirken sich die Handlungsstrategien der Akteure auf die Entstehung und Sicherung interner und externer Legitimität der Partnerschaft aus, und in welchem dynamischen Wechselverhältnis stehen diese interne und externe Legitimität?
Als theoretischer Rahmen dient uns das im soziologischen Institutionalismus entwickelte Konzept der institutionellen Logik. Das Forschungsvorhaben folgt
einem prozessorientierten Fallstudiendesign und untersucht trisektorale Partnerschaften in drei Tiefenfallstudien.
Dauer
07/2018-06/2021
Kooperationspartner
Prof. Dr. Markus Göbel
Prof. Dr. Christiana Weber
Prof. Dr. Rick Vogel
Projektmitarbeiterin
Barbara Herbert M.Sc.
Drittmittelgeber
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Letzte Änderung: 1. April 2026