3. Auswirkungen von Homeoffice auf Zufriedenheit, Engagement und Gesundheit

  • Wie unterscheiden sich Zufriedenheit, Engagement und Gesundheit aus Sicht der befragten Mitarbeitenden und Führungskräfte a) zwischen denen, die teilweise oder überwiegend im Homeoffice (HO) tätig sind und denen, die nicht im HO tätig sind und b) zwischen Beschäftigten mit unterschiedlich hohem HO Anteil?

3.1. Zeigen Beschäftigte mit Homeoffice höheres Commitment, mehr Zufriedenheit und Engagement?

Die Möglichkeit im Homeoffice (HO) zu arbeiten geht mit einem deutlich höheren Commitment einher. Zum Beispiel geben 52,1% der Befragten mit HO an, dass sie ein starkes Gefühl der Zugehörigkeit zu ihrer Organisation empfinden. Bei den Beschäftigten, die nur im Büro arbeiten, liegt der Anteil mit 43,8%, deutlich niedriger. Bei der Passung der individuellen Wertvorstellungen zur Organisation ist der Unterschied noch deutlicher: 53,7% der Befragten mit HO geben an, dass die individuellen Wertvorstellungen zu denen des Unternehmens passen, während es bei den Befragten, die nur im Büro arbeiten, nur 41,2% sind. Beim Zugehörigkeitsgefühl kommt es auch auf die Freiwilligkeit an: Während 61,1% derjenigen Befragten, die freiwillig im HO sind, angaben, sich der Organisation zugehörig zu fühlen, waren es bei denjenigen Befragten, die unfreiwillig im HO sind, nur 42,5%. Interessanterweise ist das Commitment nicht am höchsten (49,8% mit hohem Commitment), wenn ausschließlich im HO gearbeitet wird, sondern wenn der HO-Anteil im mittleren und niedrigen Bereich liegt (57,4% mit hohem Commitment).

Die Möglichkeit im HO zu arbeiten geht außerdem mit einer etwas höheren Arbeitszufriedenheit einher. Zum Beispiel geben 48,9% der Befragten mit HO eine hohe Arbeitszufriedenheit an. Bei den Beschäftigten, die nur im Büro arbeiten, liegt der Anteil mit 44,4% etwas niedriger. Bei der Arbeitszufriedenheit kommt es ebenfalls auf die Freiwilligkeit an: 58,8% derjenigen Befragten, die freiwillig im Homeoffice arbeiten, geben an, mit Ihrer Arbeitssituation zufrieden zu sein. Hingegen sind bei den Befragten, die eher unfreiwillig im HO arbeiten, nur 34,8% mit ihrer Arbeitssituation zufrieden. Anders als beim Commitment ist die Arbeitszufriedenheit mit am höchsten (52,2% mit hoher AZ), wenn der HO-Anteil besonders hoch ist, als wenn nur wenig HO gearbeitet wird (45,9% mit hoher AZ).

Die Möglichkeit im HO zu arbeiten geht weiterhin mit einem etwas höheren Engagement einher. Zum Beispiel geben 37,4% der Befragten mit HO an, dass sie völlig „in ihrer Arbeit aufgehen“. Bei den Beschäftigten, die nicht im HO arbeiten, liegt der Anteil mit 32,9% etwas niedriger. Beim Engagement kommt es ebenfalls auf die Freiwilligkeit an: 45% der Befragten, die freiwillig im HO tätig sind, berichten von einem hohen Engagement gegenüber nur 28,1% bei denjenigen, die sich eher unfreiwillig im HO befinden. Interessanterweise ist das Engagement im Gegensatz zum Commitment und der Arbeitszufriedenheit mit 44,0% am höchsten, wenn der HO Anteil eher geringer ist, als wenn ausschließlich im HO gearbeitet wird (37,7%).

3.2. Führungskräfte und Mitarbeitenden schätzen Leistung im Homeoffice schlechter ein

Die befragten Führungskräfte schätzen die Arbeitsleistung ihrer Mitarbeitenden bei einem direkten Vergleich im HO schlechter ein als im Büro. Im Büro bewerten 54% der Führungskräfte die Arbeitsleistung ihrer Mitarbeitenden als sehr gut bis exzellent und nur 8% als ausreichend bis zufriedenstellend. Im Homeoffice bewerten nur 41% die Arbeitsleistung ihrer Mitarbeitenden als sehr gut bis exzellent aber 15% als nur ausreichend bis zufriedenstellend.

Bei der durch die Mitarbeitenden selbst eingeschätzten Arbeitsleistung zeigt sich ein ähnliches aber etwas abgeschwächtes Bild: die eigene Leistung wird im HO (50 % sehr gut bis exzellent und 15% ausreichend bis zufriedenstellend) schlechter eingeschätzt als im Büro (53% sehr gut bis exzellent und 10% ausreichend bis zufriedenstellend).

3.3. Beschäftigte mit Homeoffice bessere Gesundheit

Beschäftigte mit der Möglichkeit im HO zu arbeiten berichten einen etwas besseren allgemeinen Gesundheitszustand. 65,1% der Befragten mit HO geben einen guten allgemeinen Gesundheitszustand (Werte von 7 und höher auf einer Skala von 0 – 10). Bei den Beschäftigten, die nicht im HO arbeiten, liegt der Anteil mit 60,1% geringfügig niedriger.

Beschäftigte mit HO berichten außerdem etwas weniger psychische Belastungsreaktionen in den letzten vier Wochen. Von ihnen berichten 31,8 % von Kopfschmerzen, Verspannungen und Rückenschmerzen, 29,2% fühlen sich allgemein erschöpft und 18,4% fühlen sich gereizt. Bei den Beschäftigten, die nur im Büro arbeiten, sind die Anteile derjenigen mit psychischen Belastungsreaktionen etwas höher: 35,9% von ihnen berichten von Kopfschmerzen, Verspannungen und Rückenschmerzen, während 33,1% von allgemeiner Erschöpfung und 22,4% von Gereiztheit berichten.

Insgesamt steht das HO im Zusammenhang mit einer höherer Arbeitszufriedenheit und einem höheren Commitment, mit stärkerem Engagement und einer verbesserten Gesundheit.

3.4. Homeoffice wirkt sich über die veränderten Arbeitsbedingungen im Homeoffice auf Zufriedenheit, Engagement, Commitment und Gesundheit aus

Veränderte Arbeitsbedingungen erklären den Zusammenhang zwischen HO und unterschiedlichen Konsequenzen, das heißt, vermehrtes HO führt zu veränderten Arbeitsbedingungen, die sich wiederum auf gesundheitliche und motivationale Konsequenzen auswirken.

Z.B. ist HO mit einer erhöhten Erreichbarkeit verbunden (r = .11), die wiederum mit mehr Stresserleben (r = .19) aber auch mehr Engagement verbunden ist (r = .17).

Ebenso ist HO mit einer erhöhten Isolation verbunden (r = .18), die wiederum mit mehr Stresserleben (r = .19) und weniger Leistung verbunden ist (r = -.18).

HO ist auch mit mehr Handlungsspielraum verbunden (r = .12), der wiederum mit weniger Stresserleben (r = .15), mehr Engagement (r = .34), mehr Commitment (r = .41) und mehr Leistung verbunden ist (r = .23).

3.5. Führungskräfte und Mitarbeitende profitieren unterschiedlich

Wie sich HO auf die Arbeitszufriedenheit, das Commitment und die Gesundheit auswirkt, hängt von der Rolle der Beschäftigten im Unternehmen ab. Interessanterweise zeigen sich systematische Unterschiede zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden: So zeigt sich der positive Zusammenhang von HO und Arbeitszufriedenheit vor allem bei den Beschäftigten, nicht jedoch bei den Führungskräften. Bei der Gruppe der Führungskräfte zeigen sich sogar negative Zusammenhänge. Mehr HO geht bei Führungskräften also sogar mit einem stärkeren Erleben physischer und psychischer Belastungen, sowie einem reduzierten Commitment einher. 

Referenz

Krick, A., Felfe, J., Neidlinger, S.M., Klebe, L., Tautz, D., Schübbe, K., Frontzkowski, Y., & Gubernator, P., Hauff, S., & Renner, K.-H. (2022). Auswirkungen von Homeoffice: Ergebnisse einer bundesweiten Studie mit Führungskräften und Mitarbeitenden. https://www.hsu-hh.de/psyaow/newsblog-aus-unserem-dtec-projekt-digital-leadership-and-health/

HSU

Letzte Änderung: 19. April 2022