Ruth Pope, M.A.

Curriculum Vitae
- Seit 02/2026
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Neuere und Neueste Geschichte, Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg - 11/2021–01/2026
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg - 2019–2021
Guest Scholar, Deutsches Historisches Institut in Washington DC und Archivreise in den USA (Sep-Nov) - 2019–2021
Masterstudium der Geschichte an der Universität Münster und der Universität Oslo - 2015–2019
Bachelorstudium der Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität Münster und Universität Wien
Forschungsinteressen
- Zeitgeschichte der Bundesrepublik
- Gewaltgeschichte
- Frauen- und Geschlechtergeschichte
- Medizingeschichte
Projekte
Sexualisierte Gewalt an Kindern. Umkämpftes Wissen in der Bundesrepublik der 1980er und 1990er Jahre
Das Dissertationsprojekt untersucht den Wandel im Wissen über sexualisierte Gewalt an Kindern in der Bundesrepublik der 1980er und 1990er Jahre. Entscheidenden Einfluss auf diesen Wandel – so eine These des Projekts – hatte die Neue Frauenbewegung. In ihrem Umfeld gründeten Feministinnen und selbst betroffene Frauen seit den 1980er Jahren Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Hier produzierten sie Wissen über das Ausmaß, die Ursachen und Folgen von sexualisierter Gewalt an Kindern und stellten damit bisherige Deutungen aus der Medizin, Psychiatrie oder Sexualwissenschaft in Frage. Die Arbeit spürt diesen Kämpfen um Deutungshoheit nach. Damit kann sie im Sinne einer „Problemgeschichte der Gegenwart“ die seit dem Jahr 2010 anhaltende öffentliche Debatte um sexualisierte Gewalt an Kindern historisieren und zeigen, durch welche historischen Wissensformen und Deutungen sie vorstrukturiert ist. Zudem schließt das Projekt eine Forschungslücke in der Geschichte der Neuen Frauenbewegung und ihrer Wirkungen und stellt darüber hinaus grundsätzliche Überlegungen zum Verhältnis von Bewegungswissen und wissenschaftlichem „Expertenwissen“ in der Bundesrepublik an. Die Arbeit wurde im Juli 2025 an der Universität Hamburg eingereicht und wird zurzeit begutachtet.
Der Umgang der GEW Hamburg mit sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen zwischen den 1970er- und 1990er-Jahren
Marcel Bois (FZH) und Ruth Pope untersuchen im Auftrag des Landesverbandes Hamburg der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), wie dieser zwischen den 1970er- und 1990er-Jahren mit dem Thema der sexualisierten Gewalt an Kindern und Jugendlichen umgegangen ist. Ausgangspunkt für die Untersuchung ist die Studie „Wissenschaftliche Aufarbeitung zum Umgang mit sexualisierter Gewalt in der GEW von 1950 bis heute“, die das Institut für Praxisforschung und Projektberatung, München, gemeinsam mit Dissens – Institut für Bildung und Forschung, Berlin, im Juli 2025 veröffentlicht hat. Diese legt offen, dass im Umfeld des Hamburger Landesverbandes insbesondere in den 1970er-Jahren Positionen vertreten wurden, die sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen verharmlosten und in Teilen legitimierten. In dem Projekt geht es darum, die zentralen Diskurse und Argumente um das Thema zu identifizieren und nach beteiligten Strukturen und Akteur:innen zu fragen. Außerdem sollen die Diskurse innerhalb der GEW in den Kontext der gesellschaftlichen Debatten um eine reformorientiere Sexualpädagogik, um kindliche Sexualität und sexuelle Befreiung in den 1970ern und 1980ern eingeordnet werden.
Das Projekt läuft bis Ende Juni 2026.
Veröffentlichungen
- mit Anna Horstmann (Hg.), Expertise und Aktivismus. Wissensgeschichten sozialer Bewegungen seit den 1970er Jahren, Hamburg 2026 [im Erscheinen].
- Die Anfänge der Körperspende am Anatomischen Institut der Universität Münster, in: Hans-Georg Hofer / Vina Zielonka (Hg.), Die Universitätsmedizin Münster im 20. Jahrhundert. Grundlagen und Entwicklungen, Münster 2025, S. 371–375.
- mit Klaus Große Kracht, Emma gegen Kentler. Eine geplatzte Preisverleihung im Kontext der Deutungskämpfe um sexualisierte Gewalt an Kindern in den 1980er und 1990er Jahren, in: Zeitgeschichte in Hamburg. Jahrbuch der Forschungsstelle für Zeitgeschichte (2023), S. 100–118.
- „Zartbitter“ und die feministische Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt an Kindern in den 1980er und 1990er Jahren, in: Westfälische Forschungen, 72 (2022), S. 347–365.
- „Mein Angebot mache ich nur gegen Höchstgebot“. Die Anfänge des Körperspendewesens am anatomischen Institut der Universität Münster in den 1940er- und 1950er-Jahren, in: Westfälische Zeitschrift, 170 (2020), S. 9–34.
Vorträge (Auswahl)
- „Im Dunkeln waren wir lange genug“ – Öffentlichkeit(en) und feministischer Aktivismus gegen sexualisierte Gewalt an Kindern in den 1980er und 1990er Jahren. 55. Deutscher Historikertag, Universität Bonn, 16.-19.9.2025.
- Sexualisierte Gewalt an Kindern. Umkämpftes Wissen in der Bundesrepublik, 1980-2010. Kolloquium Neuere Forschungen zur Geschichte der Helmut-Schmidt-Universität, 22.1.2025.
- Sexualisierte Gewalt an Kindern. Umkämpftes Wissen in der Bundesrepublik, 1980-2010. Forschungskolloquium Zeitgeschichte der Universität Tübingen, 14.1.2025.
- Sexueller Missbrauch an Kindern. Umkämpftes Wissen in der Bundesrepublik, 1980-2010. Forschungskolloquium zur Neueren und Neuesten Geschichte der Georg August Universität Göttingen, 5.12.2024.
- Feminist Activism Against Child Sexual Abuse Between Self Help, Counselling and Politics in the Federal Republic of Germany, 1980-2000. Vortrag auf der Konferenz „One hundred years since the Geneva Declaration“ – A historical perspective on childhood, children and their rights in the 20th century, Lithuanian Institute of History, Vilnius, 25.-27.9.2024.
- Child Sexual Abuse – Contested Knowledge in the Federal Republic of Germany in the 1980s. Vortrag auf der German History Society Annual Conference, Manchester, 5.-7.9.2024.
- Betroffenheit, Parteilichkeit, Wissenschaftlichkeit – feministisches Wissen über sexualisierte Gewalt an Kindern, 1980-2010. Vortrag im Kolloquium Wissensgeschichte, Universität Konstanz, Anne Kwaschik und Emeline Fourment, 15.6.2023.
- Die Grenzen der Liberalisierung: Die Schutzalterdebatte bei der Sexualstrafrechtsreform und feministischer Widerspruch. Vortrag auf der 4. Jahrestagung des Arbeitskreises Sexualitäten in der Geschichte, Berlin 21.-22.4.2023.
Letzte Änderung: 17. Februar 2026