Sexualisierte Gewalt an Kindern. Umkämpftes Wissen in der Bundesrepublik der 1980er und 1990er Jahre

Ruth Pope, M.A.

Dissertation

Das Dissertationsprojekt untersucht den Wandel im Wissen über sexualisierte Gewalt an Kindern in der Bundesrepublik der 1980er und 1990er Jahre. Entscheidenden Einfluss auf diesen Wandel – so eine These des Projekts – hatte die Neue Frauenbewegung. In ihrem Umfeld gründeten Feministinnen und selbst betroffene Frauen seit den 1980er Jahren Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Hier produzierten sie Wissen über das Ausmaß, die Ursachen und Folgen von sexualisierter Gewalt an Kindern und stellten damit bisherige Deutungen aus der Medizin, Psychiatrie oder Sexualwissenschaft in Frage. Die Arbeit spürt diesen Kämpfen um Deutungshoheit nach. Damit kann sie im Sinne einer „Problemgeschichte der Gegenwart“ die seit dem Jahr 2010 anhaltende öffentliche Debatte um sexualisierte Gewalt an Kindern historisieren und zeigen, durch welche historischen Wissensformen und Deutungen sie vorstrukturiert ist. Zudem schließt das Projekt eine Forschungslücke in der Geschichte der Neuen Frauenbewegung und ihrer Wirkungen und stellt darüber hinaus grundsätzliche Überlegungen zum Verhältnis von Bewegungswissen und wissenschaftlichem „Expertenwissen“ in der Bundesrepublik an. Die Arbeit wurde im Juli 2025 an der Universität Hamburg eingereicht und wird zurzeit begutachtet.

HSU

Letzte Änderung: 20. Februar 2026