In ihrem Dissertationsprojekt hat Katja Bürger sich mit tarifpolitischen Auseinandersetzungen von Pflege- und Sorgearbeiter:innen an deutschen Krankenhäusern beschäftigt. Am Beispiel der Tarifbewegung Entlastung werden Perspektiven von Handlungsmacht in einem feminisierten Arbeitsbereich in den Blick genommen. Das empirische Material, auf dem die Analyse aufbaut, sind narrative Interviews mit Sorgekämpfer:innen und Gewerkschaftssekretär:innen. Die Auswertung basiert auf der emotionstheoretischen Narrationsanalyse nach Jochen Kleres, der den Zusammenhang von Emotionen und Erzählungen akzentuiert. Zentrales Argument der Studie ist, dass gewerkschaftliches Interessenhandeln nicht ausschließlich auf die Allokation von Machtressourcen zurückzuführen ist, sondern aus den Affekten entsteht, die im Arbeitsprozess aufkommen und zirkulieren. Affekte werden machttheoretisch bestimmt. Das heißt, dass sie einerseits zur Stabilisierung bestehender Ordnungen wie u.a. Ökonomisierungsprozessen beitragen, andererseits jedoch über diese hinausweisen und die Grundlage für emanzipatorisches Handeln darstellen. Für die Analyse der selbstermächtigenden Prozesse und der damit verbundenen Kollektivierung von Gefühlen der Beschäftigten wird bezugnehmend auf Debatten des emotional und affective turn das Konzept der affektiven Handlungsmacht entwickelt. Anknüpfend an die queer-feministische Theorien wird herausgearbeitet, dass insbesondere Affekte, die negativ konnotiert sind, ein politisches Potential haben. Die Studie leistet damit einen Beitrag zur Problematisierung des Rationalitätsparadigmas und damit verbundenen geschlechtsspezifischen Zuschreibungen zentraler Ansätze zur Bestimmung gewerkschaftlicher Handlungsmacht. Darüber hinaus liefert die Analyse Erkenntnisse über die Bedeutung von Affekt für kollektives Interessenhandeln im Bereich kommodifizierter Care-Arbeit.
Ausgewählte Beiträge
Chmilewski, K. (2022). Deborah B. Gould: Moving Politics. Emotion and ACT UP’s fight against AIDS. In K. Senge, R. Schützeichel, V. Zink (Hrsg.), Hauptwerke der Emotionssoziologie (S. 231-237). Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-658-37869-1_26
Letzte Änderung: 26. März 2026