Linus Birrel, M.A. [email protected]
Dissertation
Im Rahmen dieser Studie wird die Auseinandersetzung der deutschen Gesellschaft mit militärischer Gewalt im frühen 21. Jahrhundert anhand eines konkreten Falls analysiert. Es handelt sich dabei um jene Kämpfe, welche deutsche Truppen im Rahmen der Einsätze der Bundeswehr in Afghanistan zwischen 2001 und 2021 führten. Die zeitgenössisch von unterschiedlichen Akteuren postulierte Bedeutung dieser Kampfhandlungen für die Streitkräfte und die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland bildet den Ausgangspunkt des Erkenntnisinteresses. Dieses lässt danach fragen, welchen Diskurs die zahlreichen, interagierenden Bedeutungszuschreibungen entwickelten und inwiefern dieser Bundeswehr und Gesellschaft prägte. Die Untersuchung der Bedeutung konstruierenden Aushandlungsprozesse verspricht zeithistorisch Rückschlüsse auf das Verhältnis der deutschen Gesellschaft zu ihrem Militär. Diese Prozesse sollen in Form eines Diskurses sichtbar gemacht und operationalisiert werden. Hierzu werden die Deutungen des Kämpfens in Afghanistan aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Sphären wie Politik, Medien, Wissenschaft und Bundeswehr miteinander ins Verhältnis gesetzt und auf Parallelitäten, Konvergenzen und Wechselwirkungen hin untersucht. Denn ausgehend von den einzelnen Bedeutungszuschreibungen wurde im diskursiven Prozess der Bestimmung von innen und außen, von minimaler und maximaler Differenz, Wirklichkeit geschaffen und somit Bedeutung.
Den Schwerpunkt der Untersuchung bildet folglich nicht das Ereignis, sondern dessen zeitgenössische Deutung. Gleichwohl wird der Diskursanalyse eine strukturelle Untersuchung der Kampfhandlungen in Afghanistan vorgeschaltet, an denen deutsche Soldaten beteiligt waren. Dadurch wird der grundlegende Gegenstand, die Empirie hinter der diskursiven Projektionsfläche, etabliert. Hierfür gilt es zu fragen, in welcher Form, wie oft und mit welcher Intensität die Bundeswehr in Afghanistan kämpfte und wie dies in den Kontext der vorherigen Auslandseinsätze einzuordnen ist. So soll mit der Arbeit sowohl ein Beitrag zur Neuesten Militärgeschichte als auch zur Zeitgeschichtsforschung geleistet werden.
Letzte Änderung: 18. März 2026