Forschung

Aktuelle Projekte

Normenkomplexität und Nuklear(waffen)politik

Laufzeit: 2025–2028

Das Forschungsprojekt untersucht die Ursachen und Folgen internationaler Normenkomplexität in verschiedenen Bereichen der internationalen Nuklear(waffen)politik. Normenkomplexität wird verstanden als eine Konfiguration, in der unterschiedliche internationale Normen bestimmte konstitutive Elemente (Prinzipien, Problembeschreibungen, Verhaltensregeln, verantwortliche Akteure) teilen und sich somit überlappen. Das Projekt geht davon aus, dass Normenkomplexität durch die Diskurse und Praktiken von Akteuren sozial konstruiert wird. Obwohl sie veränderbar und umstritten bleibt, kann sie sowohl stabilisierende als auch destabilisierende Wirkungen auf Normen entfalten und die soziale Machtpositionen unterschiedliche Akteursgruppen stärken. Zu den untersuchten Fallbeispielen gehören Auseinandersetzungen um normative Verknüpfungen zwischen Klimaschutz, Kernenergie und Nuklearwaffen sowie die Herausbildung einer umstrittenen internationalen Norm nuklearer Gerechtigkeit durch Normcluster-Expansion.

Forschende: Prof. Dr. Caroline Fehl

Finanzierung: PRIF, HSU


Von posthegemonialer zu antihegemonialer Kooperation: Die Opposition der USA gegen multilaterale Zusammenarbeit und internationale Reaktionen

Laufzeit: 2026–2029

Die USA spielten seit Gründung der liberalen Nachkriegsordnung die Rolle eines ordnungsstiftenden Hegemons, zogen sich dennoch aber immer wieder auch aus internationalen Institutionen zurück und gefährdeten so Fortbestand und Effektivität multilateraler Kooperation. Diese periodischen Rückzüge haben in der Forschung immer wieder zu Debatten über die Möglichkeit (erfolgreicher) nichthegemonialer oder posthegemonialer Kooperation geführt.  Anknüpfend an diese Debatten sowie an jüngere Entwicklungen während der ersten und zweiten Trump-Administration fokussiert das Forschungsprojekt auf die Herausforderung einer aktiven Unterminierung multilateraler Kooperation durch die USA. Untersucht werden Situationen, in denen sich die USA nicht lediglich aus der internationalen Kooperation zurückziehen, sondern aktiv versuchen, andere an ihrer Fortführung zu hindern. Wie versuchen andere Staaten, aber auch substaatliche und nichtstaatliche Akteure, solchen Blockadestrategien entgegenzuwirken oder sie zu umgehen? Und welche Konfigurationen von Machtverhältnissen, Präferenzen und normativen Vorstellungen begünstigen bestimmte Reaktionen – und deren Erfolg? Zur Beantwortung dieser Fragen untersucht das Projekt vergleichend Blockadestrategien der USA unter verschiedenen US-Regierungen im 21. Jahrhundert und internationale Reaktionen.


Toxische Vergangenheit: Kämpfe um die Aufarbeitung von Nuklearwaffentests in (post)kolonialen Kontexten

Laufzeit: 2027-2030

Seit Beginn des Atomzeitalters führten Atomwaffenstaaten sogenannte „Testexplosionen“ von Nuklearwaffen durch – vorwiegend in Überseekolonien und in politisch marginalisierten Teilen ihres eigenen Staatsgebiets. Diese Explosionen verursachten langanhaltendes menschliches Leid und massive Umweltschäden. Überlebende sowie betroffene Staaten und Communities fordern deshalb seit Langem Anerkennung, Wiedergutmachung und präventive Maßnahmen zur Verhinderung künftigen Leids durch Nuklearwaffen. Das Forschungsprojekt untersucht die Kämpfe dieser Akteure um nukleare Gerechtigkeit (nuclear justice). Es knüpft an Forschung zu nuklearen Testfolgen, zu Transitional Justice sowie zu transnationalen und postkolonialen Reparationsbewegungen an und führt diese Forschungsstränge zusammen. Das Projekt basiert auf qualitativen Fallstudien zu den Atomwaffentests der USA (sowohl auf eigenem Staatsgebiet als auch auf den Marshallinseln), Frankreichs (in Ma’ohi Nui/Französisch-Polynesien), Großbritanniens (in Australien und Kiribati) und der Sowjetunion (in Kasachstan). Es verfolgt zwei zentrale Ziele: Erstens sollen Kämpfe um nukleare Gerechtigkeit aus der gelebten Erfahrung der Betroffenen heraus verstanden werden. Zweitens soll erklärt werden, warum ihre Kämpfe unterschiedlich erfolgreich waren. Auf Basis dieses komparativen Ansatzes sollen verallgemeinerbare Erkenntnisse gewonnen werden, die für andauernde Kämpfe um nukleare Gerechtigkeit wie auch für vergleichbare Auseinandersetzungen in anderen (post-)kolonialen Kontexten relevant sind.

Forschende: Prof. Dr. Caroline Fehl (HSU), Dr. Milla Vaha (University of the South Pacific/Fiji), Dr. Jana Baldus (European Leadership Network)

Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft


HSU

Letzte Änderung: 6. November 2026