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Forschung
Aktuelles Forschungsprojekt
Promotionsprojekt: „Der Neid der Anderen. Experimentelle Reformen der sowjetischen Planwirtschaft (1958-1991)“
In meiner Dissertation analysiere ich verschiedene experimentelle Versuche, die sowjetische Planwirtschaft von unten zu reformieren. Das sowjetische System der Wirtschaftslenkung gilt, nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Zerfalls der Sowjetunion 1991, als wachstumshemmend und ineffizient. Verschiedene Versuche wechselnder sowjetischer Regierungen scheiterten daran, dieses System, das unter dem Diktator Stalin eingeführt wurde, zu reformieren. Während diese zentralen Reformversuche von der historischen Forschung bereits breit untersucht wurden, legt meine Arbeit den Fokus auf lokale Initiativen, denen es gelang, im System der Planwirtschaft eine hohe Arbeitsproduktivität und Effizienz zu erreichen. Dabei arbeite ich anhand von drei Fallbeispielen in der Russischen, Georgischen und Kasachischen Sowjetrepublik heraus, wie es überhaupt zur Durchführung der Experimente kam und wie es gelang, die Effizienzprobleme der Planwirtschaft zu beheben.
Einen besonderen Fokus lege ich in meiner Arbeit auf die Frage, wie Innovationen in der kollektivistisch geprägten Gesellschaft der Sowjetunion entstanden und welche Hindernisse sich bei der praktischen Umsetzung dieser Innovationen ergaben. Dabei kann ich anhand der Fallbeispiele aufzeigen, dass jeder Innovator in der Sowjetunion mit dem Problem des Neides konfrontiert war. Neid führt im wirtschaftlichen Kontext zu Sabotage, die wiederum den Preis für innovatives Verhalten für die Innovatoren in die Höhe treibt. Aus diesem Dilemma fanden die Initiatoren der Wirtschaftsexperimente unterschiedliche Auswege. Insbesondere mussten Wege gefunden werden, wie möglichst viele an den Erfolgen der Innovationen partizipieren konnten, um Gefühle des Neides und die mit ihnen einhergehenden negativen Begleiterscheinungen zu vermeiden. Wenn es den Initiatoren der Experimente gelang, ein Netzwerk der Gefälligkeiten (blat) um die Innovationen aufzubauen, hatten sie Erfolg. Die mikrogeschichtliche Studie zeigt somit auf, dass es auch in der autoritär geführten Sowjetunion mit ihrer schwerfälligen Planwirtschaft möglich war, erfolgreiche Reformen von unten durchzuführen.
Forschungsschwerpunkte
- Wissenschaftsgeschichte der Sowjetunion
- Wirtschaftsgeschichte
- Architekturgeschichte
- Geschichte der Kybernetik
- Formen der Apokalypse
HSU
Letzte Änderung: 20. Februar 2026