{"id":6039,"date":"2022-03-28T14:20:16","date_gmt":"2022-03-28T12:20:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/ztb\/?page_id=6039"},"modified":"2022-04-07T08:29:06","modified_gmt":"2022-04-07T06:29:06","slug":"the-is-need-a-we-to-be-etzioni-1988-das-in-gesellschaft-kultur-und-natur-eingebettete-subjekt-als-ausgangspunkt-und-zielpunkt-beruflicher-bildung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/ztb\/the-is-need-a-we-to-be-etzioni-1988-das-in-gesellschaft-kultur-und-natur-eingebettete-subjekt-als-ausgangspunkt-und-zielpunkt-beruflicher-bildung","title":{"rendered":"\u201eThe I\u2019s need a We to be.\u201d (Etzioni 1988) Das in Gesellschaft, Kultur und Natur eingebettete Subjekt als Ausgangspunkt und Zielpunkt beruflicher Bildung"},"content":{"rendered":"\n<p>In diesem Beitrag soll gezeigt werden, dass ausgehend vom eingebetteten Subjekt ein sozio\u00f6konomischer Zugang zur beruflichen Bildung er\u00f6ffnet werden kann. Der Mensch ist gleichzeitig und untrennbar sowohl soziales als auch individuelles sowie materielles und geistiges Wesen (Klafki 1996, Nell-Breunig 1985, Tafner 2020). Er bildet die kleinste gesellschaftliche und wirtschaftliche Einheit (Thieme 2017) und als solche ist er in Gesellschaft, Kultur und Natur eingebunden. Als geistiges Wesen nimmt der Mensch sich und die Welt wahr. Jede Wahrnehmung beginnt in seinem Bewusstsein und er erkennt sich reflexiv als Subjekt und Objekt. Die Au\u00dfenwelt kann das Subjekt nur vermittelt wahrnehmen und das Bewusstsein ist nur ihm zug\u00e4nglich (Gabriel 2016, Nagel 2016, 2017, Pfister 2013). Empirismus, Rationalismus sowie Transzendentalphilosophie und der sich daraus entwickelte Konstruktivismus gehen trotz ihrer unterschiedlichen Zug\u00e4nge gemeinsam davon aus, dass sich das Subjekt selbst erkennt. Aber nicht nur in der Rezeption und Konstruktion, sondern auch in der Begegnung mit den anderen Menschen erkennt sich der Mensch als Subjekt, das nicht alleine auf dieser Welt existiert (Levinas 2005, Biesta 2017). Seine Freiheit endet bei der Freiheit der anderen. Den Sinn seines Seins konstruiert es in der Auseinandersetzung mit den anderen Menschen und der Umwelt, in der es sich produktiv einbringt, weil es sich diese Welt aneignen m\u00f6chte (Fromm 2020). Es erkennt, dass es ein soziales Wesen ist, das Verantwortung sich selbst, den anderen und der Umwelt gegen\u00fcber tr\u00e4gt. Verantwortung wiederum ben\u00f6tigt einen Grundbestand an sozialen, ethischen und politischen Haltungen (Heidbrink 2017). Die Bedeutung von Institutionen als verbindliche rechtliche und moralische Regeln, die auch zu Selbstverst\u00e4ndlichkeiten werden k\u00f6nnen (Scott 2001), erf\u00e4hrt es in der Auseinandersetzung mit den Anderen (Biesta 2017). So h\u00e4ngt die Mikroebene des Subjekts und sein Handeln mit der Makroebene der Institutionen zusammen (Hasse &amp; Kr\u00fccken 2005). Zusammengefasst: \u201eThe I\u2019s need a We to be.\u201d (Etzioni 1988, S. 9) Als materielles Wesen ben\u00f6tigt das Subjekt zur Lebensf\u00e4higkeit, Selbsterhaltung (Subsistenz) und Selbstverwirklichung Mittel (Nell-Breunig 1985, Thieme 2017), die er zum gr\u00f6\u00dften Anteil von anderen besorgen muss. Die Wahlentscheidung dar\u00fcber, ob und welche Mittel er ben\u00f6tigt, beschreibt den Kern des Wirtschaftens. Wirtschaft als Mittelsystem dient der Versorgung des Menschen (Nell-Breunig 1985, Reardon, Madi &amp; Cato 2018, Tafner 2020). Als beruflich t\u00e4tiger Mensch ist das Subjekt Versorger und Zu-Versorgender. Produktiv wird der Mensch also nicht nur in der Auseinandersetzung mit seiner Welt ganz allgemein, sondern auch im Mittelsystem. Ziel seiner Produktivit\u00e4t ist in beiden F\u00e4llen weniger das geschaffene Artefakt oder geistige Produkt, sondern vielmehr der Mensch selbst (Fromm 2020). Die Doppelfunktion als Versorgender und Zu-Versorgender er\u00f6ffnet unterschiedliche Perspektiven und Beziehungen, aber auch Widerspr\u00fcche und Spannungen, welche das Subjekt ausbalancieren sollte, um nicht in den \u201eSog der Fremdbestimmung\u201c zu geraten (Zabeck 2004, S. 9). Eine Didaktik, welche dieses Ausbalancieren erm\u00f6glichen soll, setzt bei der Doppelbedeutung von Produktivit\u00e4t als \u00f6konomische Rationalit\u00e4t einerseits und als humanistisches Verst\u00e4ndnis andererseits an und setzt diese in Kontext von Verantwortung und Sinnstiftung. Berufliche Bildung wird damit zu einer sozio\u00f6konomischen Bildung, welche neben den intra-\u00f6konomischen Faktoren auch au\u00dfer-\u00f6konomische Faktoren ber\u00fccksichtigt (Etzioni 1988).<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Biesta, G. J. (2017): The rediscovery of teaching. New York: Routledge. Etzioni, A. (1988): The Moral Dimension. Toward a New Economics. New York u.a.: The Free Press. Fromm, E. (2020): Den Menschen verstehen. Psychoanalyse und Ethik M\u00fcnchen: dtv. Gabriel, M. (2016): Die Erkenntnis der Welt. Eine Einf\u00fchrung in die Erkenntnistheorie. 5. Auflage. Freiburg, M\u00fcnchen: Alber. Hantke, H. (2021): Resonanz und Subpolitik als subjektbezogene Zug\u00e4nge zur Kritik der Nachhaltigkeit. In: Fridrich, C., Hagedorn, U., Hedtke, R., Mittnik, Ph. &amp; Tafner, G. (Hrsg.): Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Sozio\u00f6konomische und politische Bildung in Schule und Hochschule, (S. 263-287). Wiesbaden: Springer VS. Hasse, R., Kr\u00fccken, G. (2005): Neo-Institutionalismus. 2. Aufl., Bielefeld: Transcript. Heidbrink, L. (2017): Definitionen und Voraussetzungen der Verantwortung. Heidbrink, L., Langbehn, C. &amp; Loh, J., Handbuch Verantwortung, (S. 3-33). Wiesbaden: Springer. Klafki, W. (1996): Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik. Zeitgem\u00e4\u00dfe Allgemeinbildung und kritisch-konstruktive Didaktik. 5. Aufl., Weinheim: Beltz. Levinas, I. (2005): Humanismus des anderen Menschen. Hamburg: Meiner. Nagel, T. (2016): What is it like to be a Bat? Wie ist es, eine Fledermaus zu sein? Herausgegeben von U. Diehl. Stuttgart: Reclam. Nagel, T. (2017): Was bedeutet das alles? Eine ganz kurze Einf\u00fchrung in die Philosophie. Stuttgart: Reclam. Nell-Breuning, O. v. (1985): Gerechtigkeit und Freiheit. Grundz\u00fcge katholischer Soziallehre. 2. Auflage. M\u00fcnchen: Europa. Pfister, J. (2013): Philosophie. Ein Lehrbuch. Stuttgart: Reclam. Reardon, J., Madi, M. A. und Cato, M. S. (2018): Introducing a New Economics. Pluralist, Sustainable and Progressive. London: Pluto Press. Scott, W. R. (2001): Institutions and Organizations. 2. Auflage. Thousand Oaks, CA: SAGE. Tafner, G. (2020): Economic education is socio-economic education: foundations of a reflexive business and economic education. International Journal Pluralism and Economics Education, 10(4), S. 318\u2013334. Thieme, S. (2017): Menschengerechtes Wirtschaften? Subsistenzethische Perspektiven auf die katholische Sozialethik, feministische \u00d6konomik und Gesellschaftspolitik. Opladen, Berlin, Toronto: Budrich. Zabeck, J. (2004): Berufserziehung im Zeichen der Globalisierung und des Shareholder Values. Detmold: EUSL.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Beitrag soll gezeigt werden, dass ausgehend vom eingebetteten Subjekt ein sozio\u00f6konomischer Zugang zur beruflichen Bildung er\u00f6ffnet werden kann. 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