{"id":6033,"date":"2022-03-28T13:13:41","date_gmt":"2022-03-28T11:13:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/ztb\/?page_id=6033"},"modified":"2022-08-11T13:28:58","modified_gmt":"2022-08-11T11:28:58","slug":"berufsbildung-ohne-subjekt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/ztb\/berufsbildung-ohne-subjekt","title":{"rendered":"&#8222;Berufsbildung ohne Subjekt?&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>In einer von Digitalisierung, Spannungsfeldern und dynamischem Wandel gepr\u00e4gten Arbeitswelt bekommen Arbeit und Beruf zunehmend einen paradoxen Charakter: Einerseits k\u00f6nnen Arbeitsprozesse durch die Ungewissheit, Komplexit\u00e4t und Unvorhersagbarkeit immer weniger objektiviert werden. Das hei\u00dft, dass subjektivierendem situativem Arbeitshandeln und damit dem handelnden Subjekt selbst f\u00fcr den Unternehmenserfolg eine immer gr\u00f6\u00dfere Bedeutung zukommt. Andererseits ist das handelnde Subjekt durch das Effizienzstreben objektivierenden Rationalisierungsma\u00dfnahmen ausgesetzt (<abbr title=\"vergleiche\">vgl.<\/abbr> Zimmer 2010; B\u00f6hle 2003). Die Besch\u00e4ftigten m\u00fcssen ihre Identit\u00e4t permanent zwischen objektiven Bedingungen und subjektiven M\u00f6glichkeiten ausbalancieren (Krappmann 1975). Zimmer (2010) spricht sich daf\u00fcr aus, die dialektische Entwicklung von Subjektivit\u00e4t und Berufsarbeit gezielt zu gestalten und sieht Berufsbildungsinstitutionen hierbei in der Pflicht. Tats\u00e4chlich haben Berufsschulen explizit den Auftrag, junge Menschen zur Bew\u00e4ltigung und Mitgestaltung einer dynamischen, komplexen \u201eArbeitswelt und Gesellschaft in sozialer und \u00f6kologischer Verantwortung\u201c zu bef\u00e4higen (<abbr title=\"vergleiche\">vgl.<\/abbr> KMK 2004\/2016), d. h. sie m\u00fcssen Auszubildende in die Lage versetzen, ihr subjektives Potenzial trotz vielf\u00e4ltiger Objektivierungszw\u00e4nge zu entfalten. Dieser Beitrag zeigt am Beispiel einer Dokumentenanalyse der Ordnungsmittel und qualitativer Fallstudien aus dem ausbildungsstarken und gut erforschten Einzelhandel, dass dies trotz aufgaben- und handlungsorientierter Lernfelddidaktik bisher nur sehr begrenzt gelingt (<abbr title=\"vergleiche\">vgl.<\/abbr> Thole 2021). Ein wesentliches Problem besteht darin, dass sowohl in den Ordnungsmitteln als auch im Unterricht objektivierte Arbeits- und Gesch\u00e4ftsprozesse als Bezugspunkt f\u00fcr subjektive Bildungsprozesse gew\u00e4hlt werden. Mit dem so akzentuierten Fokus auf Kompetenzorientierung hat die Berufsbildung nur eine von vier empirisch nachweisbaren Entwicklungsaufgaben (Kompetenz, Anerkennung, Identifikation, Gestaltung) im Blick. Die exemplarischen Fallstudien zeigen, dass die Auszubildenden bei der Bew\u00e4ltigung individueller Handlungsproblematiken auf sich allein gestellt sind und sowohl expansive als auch defensive Bew\u00e4ltigungsstrategien (<abbr title=\"vergleiche\">vgl.<\/abbr> Holzkamp 1995) w\u00e4hlen. In beiden F\u00e4llen bleiben theoretisch m\u00f6gliche Win-Win-Potenziale zwischen Unternehmen und Besch\u00e4ftigten jedoch ungenutzt. Abschlie\u00dfend werden didaktische Prinzipien zur gezielten F\u00f6rderung der Identit\u00e4tsbalance skizziert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer von Digitalisierung, Spannungsfeldern und dynamischem Wandel gepr\u00e4gten Arbeitswelt bekommen Arbeit und Beruf zunehmend einen paradoxen Charakter: Einerseits k\u00f6nnen Arbeitsprozesse durch die Ungewissheit, Komplexit\u00e4t und Unvorhersagbarkeit immer weniger objektiviert [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":343,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-6033","page","type-page","status-publish","hentry","category-forschung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/ztb\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/6033","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/ztb\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/ztb\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/ztb\/wp-json\/wp\/v2\/users\/343"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/ztb\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6033"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/ztb\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/6033\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6969,"href":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/ztb\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/6033\/revisions\/6969"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/ztb\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6033"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/ztb\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6033"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/ztb\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6033"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}