Der lange Weg zur Kooperation zwischen Männern und Frauen am Arbeitsplatz

„Officer`s wife“ lautet ein über Jahrzehnte von Ehefrauen amerikanischer Offiziere praktiziertes Rollenmodel. Zu diesem Rollenmodel gehörte neben der Fürsorge für Haus und Kinder die Aufgabe, dem Ehemann genügend Rückhalt (Social Backing) zu geben, um dessen Karriere voranzutreiben (etwa durch die Ausrichtung von karrierefördernden Dinnerparties) und den Zusammenhalt der Offiziersfamilien am Standort zu stärken (etwa in Phasen von langen Abwesenheiten der Männer). Auch große deutsche Unternehmen stellten im Management gern verheiratete Mitarbeiter ein, deren Ehefrauen ihnen zuhause den Rücken freihielten. Dieses Rollenmodell, von manchen als traumhaft, von anderen als traumatisch empfunden, scheint endgültig passé zu sein!?
Inzwischen hat die Erwerbstätigkeit von Frauen zugenommen. Hintergründe sind: die Erhöhung der Bildungs- und Ausbildungsabschlüsse seit der Bildungsexpansion; der Funktionsverlust der Ehe als ein den Partnern soziale Sicherheit gewährendes Bündnis; die Abhängigkeit der privaten Haushalte vom Hinzuverdienst der Frauen, um gestiegene Konsumerwartungen zu befriedigen; das Angebot an sozialen Dienstleistungen, um Familien (vor allem Frauen) den „Rücken freizuhalten“. Männer und Frauen begegnen sich nicht mehr nur im Privatleben, sondern vermehrt als Kollegen und Kolleginnen, als Kameraden und Kameradinnen am Arbeitsplatz. Doch in vielen Fällen fehlt es an einer konsequent professionellen und kooperativen Haltung bei beiden Geschlechtern, jenseits von tradierten Rollen und Geschlechterstereotypen. Worin besteht eine solche Haltung?
Organisationen wie die Bundeswehr versuchen die Kooperation von Männern und Frauen im Dienst durch Vorschriften sicherzustellen, freilich ohne Aussicht, dadurch jemals alle kooperationsfeindlichen Formen des Machtmissbrauchs zu beseitigen. Bei vielen Jüngeren aus der Generation Y fehlen Erfahrungen, die im (analogen) interaktiven Kontakt in der Familie und während der Schulzeit erworben wurden und sich positiv auf die alltäglichen, sachlich-kameradschaftlichen Beziehungen auswirken. Wie also gelingt die Kooperation von Männern und Frauen am Arbeitsplatz?

HSU

Letzte Änderung: 3. Juli 2018