4.0: Der Anfang vom Ende der Berufsbildung?

„Wenn wir wollen, dass alles so bliebt wie es ist, dann ist es nötig, dass sich alles verändert“ schrieb der italienische Dichter Giuseppe Tomasi di Lampedusa bereits 1954 in seinem sehr lesenswerten Roman „Der Leopard“. Während Tomasi seine Überlegungen in erster Linie auf die Irrungen und Wirrungen des Lebens und deren Bewältigung bezog, gilt dieser Leitsatz heute unverändert für das Leben im Allgemeinen und im Besonderen mit Blick auf die aktuelle Aus- und Weiterbildungslandschaft bundesweit.

Die Auseinandersetzung mit den technischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen und deren Auswirkungen auf die Arbeit und die Berufsbildung ist heute mehr als je zuvor ein Thema für jede Volkswirtschaft. 2011 wurde auf der Hannover Messe der Begriff „Industrie 4.0“ geprägt. Nach der Mechanisierung, Elektrifizierung und Informatisierung in der Industrie wird mit dem Einzug des Internet der Dinge und der Dienste eine Zeitenwende eingeläutet, die oftmals euphemistisch auch als die 4. Revolution bezeichnet wird. Zukünftig vernetzen die Unternehmen sämtliche Maschinen mit betrieblichen und außerbetrieblichen Daten. Lagersystem und Betriebsmittel als Cyber-Physical Systems (CPS). Die Digitalisierung umfasst alle Geschäftsbereiche und die gesamte Wertschöpfungskette und vernetzt alle relevanten Akteure einschließlich der Endkunden.

Es ist davon auszugehen, dass die Digitalisierung und Vernetzung die Art und Weise wie zukünftig gearbeitet wird verändern wird und das betrifft auch die Art und Weise wie gelernt, gelehrt und miteinander kommuniziert wird.

Welche Auswirkungen mit der zunehmenden Digitalisierung auf die Arbeit und Berufsbildung entstehen und welche Herausforderungen damit verbunden sind, ist Gegenstand einer gemeinsamen Initiative vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) „Berufsbildung 4.0 – Fachkräftequalifikation und Kompetenzen für eine digitalisierte Arbeit von morgen“. Dazu liegen erste Ergebnisse vor.

Der Bundestag widmet sich ebenfalls dieser Frage: Im Juli 2018 wurde im Bundestag von den Fraktionen CDU/CSU, SPD, FDP und Die Linke ein gemeinsamer Antrag vorgelegt eine Enquete Kommission einzurichten mit dem Ziel „die Entwicklungsperspektiven der beruflichen Bildung in der künftigen Arbeitswelt zu untersuchen und die ökonomischen und sozialen Potentiale einer Modernisierung zu prüfen“. Die Digitalisierung, so der Antrag, stellt Deutschland vor neue Herausforderungen in der Aus- und Weiterbildung. Veränderte Qualifikationsanforderungen in der modernen Arbeitswelt machten es nötig, dass Ausbildungsinhalte, Lehr-, Lern- und Prüfungsmethoden regelmäßig fortentwickelt werden. Auch die Qualifizierung des Ausbildungspersonals gehöre dazu. Mit dem digitalen Wandel von Gesellschaft und Arbeitsmarkt erfährt auch das lebensbegleitende Lernen, so die Auffassung der Antragsteller, einen immensen Bedeutungswandel.

HSU

Letzte Änderung: 9. August 2018