Thema 2019

Schaubild

 

„Im Einsatz für die Gesellschaft – (Aus)Bildung für Einsatzkräfte der Zukunft“

Stell Dir vor, es brennt und keiner kommt zum Löschen!

Stell Dir vor, es sind Ferien und keiner fliegt den Flieger!

Stell Dir vor, es ist Abi und keiner nimmt die Prüfung ab!

Stell Dir vor, die Tonne ist voll und keiner fährt das Müllauto!

Welche Erwartungen stellen wir als Bürgerinnen und Bürger an die Funktionalität gesellschaftlicher Institutionen?

Da, wo es weh tut, wenn Leistungen nicht mehr in kürzester Zeit (oder womöglich gar nicht mehr) zuverlässig erbracht werden können, wird prägnant deutlich, wie selbstverständlich wir von Mitmenschen in verschiedenen Berufen – sei es in der Pflege, bei Polizei und Feuerwehr, bei der Müllabfuhr oder bei den Verkehrsbetrieben – nahezu rund um die Uhr Verfügbarkeit fordern.

Aber wer ist heute angesichts gesellschaftlicher Prosperität auf der einen und fortschreitender Individualisierung von Bedürfnislagen, Freizeitoptionen und Lebensmodellen auf der anderen Seite noch bereit, im Schichtdienst zu arbeiten, seine Arbeit (bspw. in Leitstellen der Feuerwehr) vollständig von Video- und Audiomitschnitten überwachen zu lassen, Leib und Leben für seine Mitmenschen aufs Spiel zu setzen oder sich bis in das eigene Privatleben hinein mit den Sorgen, Nöten und Verhaltensproblemen halbwüchsiger Jugendlicher und deren Eltern zu belasten?

Gibt es im Zuge der demografischen Entwicklung hin zu einer immer weiter alternden Gesellschaft überhaupt genügend junge Menschen, die zukünftig in verschiedenen Berufsgruppen Verantwortung für eine funktionierende Gesellschaft übernehmen können?

Diese und weitere Fragen werden zunehmend virulent:

  • In Schleswig-Holstein fielen 2018 über Monate zahlreiche Zugverbindungen aus, weil nicht ausreichend Lokführer*innen verfügbar waren.
  • In einigen Kommunen funktioniert die Müllabfuhr nur noch sporadisch und für die Bürgerinnen und Bürger jedenfalls nicht planbar.
  • Im ländlichen Raum bricht die medizinische Versorgung – auch in Notfallsituationen – zunehmend zusammen.
  • In nahezu allen Bundesländern klagen Eltern, Lehrer*innen und manchmal inzwischen sogar die Schüler*innen über massiven Unterrichtsausfall.

Diese Liste ließe sich fast endlos fortsetzen. Dabei stellt sich auch die Frage, ob unsere subjektiven Wahrnehmungen, dass Leistungsdichte und –qualität in diesen und anderen Bereichen nachlassen, sich auch empirisch belegen lassen?

Wie wir als Gesellschaft, aber vor allem als Verantwortliche für Personalentwicklung, Aus-, Fort- und Weiterbildung mit den sich daraus ergebenden Herausforderungen zukunftsfähig umgehen können, ist Thema beim diesjährigen (Aus)Bildungskongress der Bundeswehr.

Wir sprechen damit ganz bewusst nicht nur Soldat*innen und Uniformträger*innen anderer Einsatzorganisationen an, sondern auch Vertreter*innen anderer Berufsgruppen, die für eine funktionierende Gesellschaft wichtig sind und deren Verfügbarkeit wir alle tagtäglich selbstverständlich erwarten und Wissenschaftler*innen, die sich in Forschung und Lehre mit gesellschaftlichen Entwicklungen, daraus folgenden Herausforderungen und möglichen Lösungsansätzen befassen.

Mit Ihnen möchten wir diskutieren,

  • welche Perspektiven Dienstleistungsberufe mit verbindlicher Verfügbarkeit jungen Menschen heute bieten können,
  • wie wir mit den Herausforderungen der Individualisierung und steigenden Komplexität der gegenseitigen Erwartungshaltungen umgehen und einen gemeinsamen, gangbaren Weg – finden
    können – auch im Hinblick auf spürbare gesellschaftliche Anerkennung für Berufe, die für unser Zusammenleben von zentraler Bedeutung sind, und
  •  was Aus-, Fort- und Weiterbildung über die Berufslebensspanne beitragen können, um Handlungssicherheit zu ermöglichen, Belastungen abzufedern, Zusammenarbeit zu erleichtern und
    konstruktive Lösungen für die Gleichzeitigkeit individueller Erwartungen und gesellschaftlicher Funktionalität in anspruchsvollen Aufgabenfeldern zu generieren.

 

Auch soll es darum gehen,

  • wie wir angesichts einer alternden Gesellschaft die Aufgaben in funktionsrelevanten Berufsfeldern auf immer weniger junge Nachwuchskräfte aufteilen können,
  • inwiefern Globalisierung und Migration hier Lösungswege darstellen,
  • ob womöglich eine weitgehende Automatisierung und Robotisierung ein zukunftsfähiger Ansatz sein könnte und schließlich
  • inwiefern sich unsere subjektiven Wahrnehmungen, dass „alles immer schlimmer“ wird, durch empirische Analysen bestätigen oder wiederlegen lassen.

 

Wir beleuchten dieses Themenspektrum aus wissenschaftlicher Sicht, reflektieren gemeinsam Praxiserfahrungen und erarbeiten Handlungsoptionen und Lösungsmodelle. Dazu brauchen wir auch Ihren Input!

Kommen Sie nach Hamburg, berichten Sie uns aus Ihrer Organisation, Ihrer Forschung und Ihrem Erfahrungsfeld, diskutieren Sie mit Expert*innen aus verschiedenen Bereichen und nehmen Sie neue Impulse, Anregungen und Netzwerkpartner mit.

Hier finden Sie unseren Call for Papers (die Frist haben wir verlängert bis zum 27. März 2019) und eine Formatvorlage zur Einreichung Ihres Abstracts. Wir freuen uns über Ihren Beitrag!

 

 

HSU

Letzte Änderung: 7. März 2019