{"id":1731,"date":"2022-08-05T21:39:28","date_gmt":"2022-08-05T19:39:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/systpaed\/?page_id=1731"},"modified":"2026-02-23T16:11:30","modified_gmt":"2026-02-23T15:11:30","slug":"erziehung-und-interaktion-in-der-kindertagesstaette","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/systpaed\/forschung\/erziehung-und-interaktion-in-der-kindertagesstaette","title":{"rendered":"Erziehung und Interaktion in der Kindertagesst\u00e4tte"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>DFG-Projekt (7\/22-9\/25)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Leitung: <\/strong><a href=\"https:\/\/www.hsu-hh.de\/paehis\/dr-morvarid-dehnavi\/\"><abbr title=\"Doktor\">Dr.<\/abbr> Morvarid Dehnavi<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.hsu-hh.de\/systpaed\/team-2\/nohl\"><abbr title=\"Professor\">Prof.<\/abbr> <abbr title=\"Doktor\">Dr.<\/abbr> Arnd-Michael Nohl<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mitarbeit: <\/strong><a href=\"https:\/\/ekvv.uni-bielefeld.de\/pers_publ\/publ\/PersonDetail.jsp?personId=630129215\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><abbr title=\"Doktor\">Dr.<\/abbr> Sarah Thomsen<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.hsu-hh.de\/systpaed\/team-3\/mazzarisi\">Marco Mazzarisi, <abbr title=\"Master of Arts\">M.A.<\/abbr><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hauptpublikation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.beltz.de\/fachmedien\/paedagogik\/produkte\/details\/57801-erziehung-und-interaktion-in-der-kindertagesstaette.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Nohl, Arnd-Michael\/Dehnavi, Morvarid\/Mazzarisi, Marco\/Thomsen, Sarah (2026): Erziehung und Interaktion in der Kindertagesst\u00e4tte. Weinheim: Beltz Juventa (open access)<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie erziehen p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte Kinder in Kindertagesst\u00e4tten? Dieser Frage ging das DFG-Projekt auf der empirischen Grundlage von Videos aus dem morgendlichen Alltag von vier unterschiedlichen Kitagruppen nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Drei Formen der Erziehung \u2013 verstanden als nachhaltige und sanktionsbewehrte Zumutung von Lebens- und Handlungsorientierungen \u2013 lassen sich unterscheiden: In der <em>proaktiven Erziehung<\/em> richten die Fachkr\u00e4fte Erwartungen an die Kinder, die sich auf zu habituierende Handlungsweisen beziehen. In der <em>reaktiven Erziehung<\/em> werden Handlungsweisen der Kinder als abweichend moniert und alternative Orientierungen eingefordert. In der <em>katalysierenden Erziehung<\/em> wird ein wie auch immer motiviertes Handeln der Kinder von den Fachkr\u00e4ften derart gelobt, dass es nunmehr zum erwarteten Handeln wird, das sich die Kinder dauerhaft zur Gewohnheit machen sollen. Die Erziehung einzelner Kinder erfolgt oftmals exemplarisch f\u00fcr andere Kinder (<em>Erziehung pars pro toto<\/em>), wenn nicht ohnehin der ganzen Gruppe Orientierungen zugemutet werden (<em>Erziehung ad omnibus<\/em>).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Formen und interaktiven Einbindungen geh\u00f6ren zu den sozialisatorischen Grundlagen von Erziehung, da die Kinder und Fachkr\u00e4fte die modi operandi von Erziehung als v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich behandeln und in ihren eigenen Orientierungen verankert haben. W\u00e4hrend Erziehung durch die Zumutung neuer Orientierungen Kontingenz in das interaktive Geschehen einf\u00fchrt und die Kinder dazu veranlasst, sich gegen\u00fcber dem Neuen zu positionieren, reproduziert sich <em>Sozialisation<\/em>, insoweit Interaktionsvollz\u00fcge als alternativlos behandelt und auf diese Weise orientierungswirksam werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Orientierungszumutungen werden <em>nachhaltig<\/em>, wenn sie wiederholt gesetzt werden oder die Aneignung der Orientierungen \u00fcberpr\u00fcft wird. Negative <em>Sanktion(sandrohung)en<\/em> jenseits von Tadel spielen dabei kaum eine Rolle, w\u00e4hrend positive Sanktionen (Gratifikationen und Lob) in Ma\u00dfen eingesetzt werden. Die <em>asymmetrische Rollenbeziehung<\/em> sorgt daf\u00fcr, dass die Kinder den Orientierungszumutungen auch ohne Sanktionsandrohungen Folge leisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo es der Aneignung von Wissen und K\u00f6nnen bedarf, um zugemutete Orientierungen in eine Handlungspraxis zu \u00fcbersetzen, kommt es zu <em>erziehungsunterst\u00fctzender Lehre<\/em>. Erzieherische Gesten k\u00f6nnen den Kindern aber auch in <em>lehrunterst\u00fctzender Erziehung<\/em> die Bedeutung des anzueignenden Wissens und K\u00f6nnens vor Augen f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Indem die Interaktionen zwischen Kindern und Fachkr\u00e4ften mit der Dokumentarischen Methode hinsichtlich der einzelnen Turns, ihrer Abfolge in Interaktionsmodi und in deren sequenzieller Struktur empirisch rekonstruiert und typisiert wurden, lie\u00dfen sich auch weitere Grundprozesse wie <em>Sorge<\/em> und <em>F\u00fchrung<\/em> herausarbeiten, die f\u00fcr die p\u00e4dagogische Interaktion wichtig sind, ohne selbst p\u00e4dagogisch zu sein. All diese interaktiven Handlungsvollz\u00fcge sind sozialisatorisch verankert, und Kinder und Fachkr\u00e4fte vertrauen in ihre Reproduzierbarkeit, sodass sie zum <em>habituierten Interaktionsraum<\/em> der Kitagruppe geh\u00f6ren.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DFG-Projekt (7\/22-9\/25) Leitung: Dr. Morvarid Dehnavi, Prof. Dr. Arnd-Michael Nohl Mitarbeit: Dr. Sarah Thomsen, Marco Mazzarisi, M.A. Hauptpublikation Nohl, Arnd-Michael\/Dehnavi, Morvarid\/Mazzarisi, Marco\/Thomsen, Sarah (2026): Erziehung und Interaktion in der Kindertagesst\u00e4tte. 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