{"id":609,"date":"2021-12-14T19:36:20","date_gmt":"2021-12-14T18:36:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/soziologie\/?page_id=609"},"modified":"2024-07-12T18:06:54","modified_gmt":"2024-07-12T16:06:54","slug":"emergentnorms","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/soziologie\/emergentnorms","title":{"rendered":"Emergent Norms in Corona Protests"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Vorstellungswelten der Anti-Corona-Protestszene. Eine digitale politische Ethnografie<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die seit Anfang M\u00e4rz 2020 zur Eind\u00e4mmung der Covid-19-Pandemie ergriffenen Ma\u00dfnahmen haben zu anhaltenden \u00f6ffentlichen Protesten gef\u00fchrt. Von einzelnen Protestereignissen kam es rasch zu einer breiteren Mobilisierung diverser Personengruppen, deren Zusammenspiel nicht nur die Beteiligten, sondern auch politische und (sozial-)wissenschaftliche Beobachter:innen als Bewegung begriffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese brachte K\u00fcnstler:innen und Intellektuelle, die sich selbst zum linken Spektrum z\u00e4hlen, mit Unternehmer:innen und Selbstst\u00e4ndigen, mit Naturheilkundler:innen und Anh\u00e4ngern verschiedener spiritueller Bewegungen sowie mit bekennenden Rechtsradikalen zusammen. Diese Akteurskonstellation entzieht sich g\u00e4ngigen politischen Einordnungen. Und sie wirft die Frage auf, wie die Beteiligten zusammenfinden und wie sie an einer mehr oder weniger geteilten Auffassung ihrer pers\u00f6nlichen Situation und der gesellschaftlichen Lage \u201earbeiteten\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier setzt das Forschungsprojekt an. Es behandelt die bis heute andauernde Mobilisierung als ein politisches Ph\u00e4nomen, das sich im Anschluss an Charles Tilly als eine soziohistorisch spezifische Form von \u201econtentious politics\u201c rekonstruieren l\u00e4sst. Anstatt nach der Einordnung des Geschehens in bestehende Schemata zu fragen, geht das Vorhaben davon aus, dass hier ein Transformationsprozess zu beobachten ist, wie ihn Ralph H. Turner und Lewis M. Killian unter dem Stichwort \u201eemergent norms\u201cbeschrieben haben. Das Forschungsprojekt geht der Frage nach, wie sich geteilte Vorstellungswelten und Normen im Geschehen formen, reproduzieren, wandeln oder auch (wieder) aufl\u00f6sen. Besonderes Augernmerk liegt darauf, wie die Kritik an den Ma\u00dfnahmen zur Pandemiebek\u00e4mpfung und das Protestengagement in die Lebenswelt der Beteiligten eingebettet ist. Ziel ist es ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr alle beteiligten Bev\u00f6lkerungsgruppen und deren lebensweltlichen Orientierung zu entwickeln. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Geschehen, das dabei von Interesse ist, geht \u00fcber die klassischen Protestrepertoires der sogenannten Neuen Sozialen Bewegungen hinaus, darunter Demonstrationen oder Kampagnen. Es besteht ma\u00dfgeblich auch aus einer vielstimmigen und vielschichtigen Kommunikation via sozialer Medien, die sich nicht auf die \u00c4u\u00dferung von Protest reduzieren l\u00e4sst. Analytischer Ankerpunkt des Projektes ist deshalb eine digitale politische Ethnografie. \u201eDigital\u201c meint dabei nicht, sich bei der Untersuchung auf Social-Media-Formate zu beschr\u00e4nken, sondern nach der Relevanz und Funktionsweise virtueller Kommunikationsmedien f\u00fcr das Bewegungsgeschehen zu fragen. Das Forschungsprojekt ist hier in erster Linie rekonstruierend angelegt, indem es ausgew\u00e4hlte virtuelle und physische Sites untersucht, an denen sich die Beteiligten begegnen. Dazu dient eine zentrale Leitfrage: Wie \u201earbeiten\u201c die Beteiligten mit- und gegeneinander an geteilten Vorstellungswelten und Normen? Diesem Zugang liegt dabei insbesondere die \u00dcberlegung zugrunde, dass die Performativit\u00e4t von inhaltlichen Beitr\u00e4gen einen Schl\u00fcssel f\u00fcr die Untersuchung emergierender Vorstellungswelten darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Projekt ist ein Kooperationsvorhaben der Helmut-Schmidt-Universit\u00e4t, Professur f\u00fcr Soziologie mit dem Schwerpunkt Gesellschaftsanalyse und sozialer Wandel, und des Hamburger Instituts f\u00fcr Sozialforschung (HIS), Forschungsgruppe Makrogewalt, mit Einbindung des HIS-Archivs. Neben den inhaltlichen Erkenntnisinteressen dient das Vorhaben auch der Exploration von Fragen der Archivierung von in hohem Ma\u00dfe digitalisierten sozialen Bewegungen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00f6rdereinrichtung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Volkswagen Stiftung (im Rahmen der F\u00f6rderlinie \u201eCorona Crisis and Beyond\u201c)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00f6rderzeitraum:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Juli 2021 bis Dezember 2022<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mitwirkende:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Leslie Gauditz <em>(<abbr title=\"Helmut Schmidt Universit\u00e4t\">HSU<\/abbr> \u2013 Projektbearbeitung)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Hoebel <em>(HIS \u2013 Ko-Leit<\/em>ung)<\/p>\n\n\n\n<p>Teresa Koloma Beck <em>(<abbr title=\"Helmut Schmidt Universit\u00e4t\">HSU<\/abbr> \u2013 Ko-Leitung)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Svenja Kunze <em>(HIS Archiv)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Projektver\u00f6ffentlichungen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gauditz, L. (2023). &#8222;Sind manche Gruppen schwerer zug\u00e4nglich als andere? Erfahrungen und Reflektionen zu Coronaprotesten und Fluchtaktivismus&#8220; <em>Forschungsjournal Soziale Bewegungen<\/em>, vol. 36, no. 1, 2023, pp. 150-161. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1515\/fjsb-2023-0013\" rel='nofollow'>https:\/\/doi.org\/10.1515\/fjsb-2023-0013 <\/a><a href=\"\" rel='nofollow'><img decoding=\"async\" title=\"Titel anhand dieser DOI in Citavi-Projekt \u00fcbernehmen\" class=\"citavipicker10.1515\/fjsb-2023-0013\" style=\"border: 0px none;width: 16px;height: 16px !important;margin-left: 1px !important;margin-right: 1px !important;vertical-align: bottom !important\" src=\"image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAQCAYAAAAf8\/9hAAAAGXRFWHRTb2Z0d2FyZQBBZG9iZSBJbWFnZVJlYWR5ccllPAAAAUlJREFUeNpiZEADV7XlEoBUPBA7oEkdAOKF2lcfLUAWZETSqACk1gOxgUBACAOvkzsDMy8fWO7v508Mn\/ftZPiwYQ2IewGIA4EGPUC2VQGI398N9vj\/\/frV\/7gASA6kBqQWaiHcgPMgiT+fPsIVv1009\/+DhLD\/zzsa\/v96+hguDlIDNeQ83M9AjGIzSDNIDIZvWOigGA5SC5VLYAIFGMjPHBpacBeB\/IwMQPyPEP+DAUgtSA9IL8gAB1CAIQNeJzd4AMLAj5tX0dSA9TiADMBQDLJB\/fhlBq0rDxmEYpPAYqxSsihqYHqYGAgAZl5+iAHSMljlmbD5GRl82LgabBvIW+jhAjPgACiRYAPPaooZfj99wiDV2ovhTaieA1ijEZZgQNH3fsNqrAkKFo1YE9KnvTv\/P60uQklAOBMSpUmZ4szESGl2BggwAJR\/ZVgK6XqqAAAAAElFTkSuQmCC\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Gauditz, L. \/ Kunze, S. (2023): Research Data as Web Archives \u2013 Web Archives as Research Data. Blog der Digital Ethnography Initiative, 23.11.2023. <a href=\"https:\/\/digitalethnography.at\/research-data-as-web-archives-web-archives-as-research-data\/\" rel='nofollow'>https:\/\/digitalethnography.at\/research-data-as-web-archives-web-archives-as-research-data\/<\/a> Zuletzt gesichtet: 02.07.2024.<\/p>\n\n\n\n<p>Gauditz, L. (2022): Vorstellungswelten der Anti-Corona-Protestszene. KVH Journal 11\/2022. Kassen\u00e4rztliche Vereinigung Hamburg. <a href=\"https:\/\/journal.kvhh.net\/11-2022\/vorstellungswelten-der-anti-corona-protestszene.\" rel='nofollow'>https:\/\/journal.kvhh.net\/11-2022\/vorstellungswelten-der-anti-corona-protestszene. <\/a>Zuletzt gesichtet 26.10.2022.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pr\u00e4sentationen und Vortr\u00e4ge:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kunze, S.; Gauditz, L. 17.10.2022: <em>Research data as web archives &#8211; web archives as research data: Challenges and opportunities at the intersection of social sciences and archiving<\/em>. Panelpr\u00e4sentation auf der WARCnet Closing Conference an der Universit\u00e4t Aarhus.  <\/p>\n\n\n\n<p>Gauditz, L. 16.09.2022: \u201cSind Gruppen wirklich schwer zug\u00e4nglich, und falls nicht warum? Erfahrungen aus Coronaprotesten und Fluchtaktivismus\u201d. ipb annual conference 2022,<br>Methods of social movement research: new developments and recurring questions. Berlin. <\/p>\n\n\n\n<p>Gauditz, L. 10.09.2022: <em>Vorstellungswelten der Anti-Corona-Protestszene<\/em>. Fachvortrag beim Psychotherapeutentag 2022 der Psychotherapeutenkammer Hamburg.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorstellungswelten der Anti-Corona-Protestszene. Eine digitale politische Ethnografie Die seit Anfang M\u00e4rz 2020 zur Eind\u00e4mmung der Covid-19-Pandemie ergriffenen Ma\u00dfnahmen haben zu anhaltenden \u00f6ffentlichen Protesten gef\u00fchrt. 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