{"id":378,"date":"2018-10-11T22:34:57","date_gmt":"2018-10-11T20:34:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/orgasoz\/?p=378"},"modified":"2018-10-11T22:37:19","modified_gmt":"2018-10-11T20:37:19","slug":"cfp-organisierte-moral-fruehjahrstagung-der-sektion-organisationssoziologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/orgasoz\/cfp-organisierte-moral-fruehjahrstagung-der-sektion-organisationssoziologie","title":{"rendered":"CfP &#8222;Organisierte Moral&#8220;, Fr\u00fchjahrstagung der Sektion Organisationssoziologie"},"content":{"rendered":"<p><strong>Call for Papers <\/strong><\/p>\n<p><strong>f\u00fcr die Fr\u00fchjahrstagung der Sektion Organisationssoziologie der DGS<\/strong><\/p>\n<p><strong>&#8222;Organisierte Moral&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><strong>am 4. und 5. April 2019 an der Helmut-Schmidt-Universit\u00e4t, Hamburg<\/strong><\/p>\n<p><strong>Organisiert von<\/strong><\/p>\n<p>Cristina Besio (Helmut-Schmidt-Universit\u00e4t)<\/p>\n<p>Andr\u00e9 Armbruster (Universit\u00e4t Duisburg-Essen)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis zwischen Organisation und Moral ist komplex und alles andere als eindeutig: Einerseits gibt es Unternehmen, die skrupellos Menschenrechte missachten, um ihre Gewinninteressen durchzusetzen, Verwaltungen, die nach eigenen Belangen anstatt nach dem Wohl der B\u00fcrgerinnen agieren, oder auch Mafias und Terrororganisationen, die Personen und ganze L\u00e4nder bedrohen. Entsprechend wird bezweifelt, dass Organisationen \u00fcberhaupt moralisch sein k\u00f6nnen (Luhmann 2008 [1989]; Ortmann 2010; J\u00e4ger\/Coffin 2011). Besonders pr\u00e4gnant beschreibt Zygmunt Bauman (1992) Organisationen als \u201eadiaphoric\u201c, da sie weniger absichtlich b\u00f6se (oder gut) sind, sondern vielmehr jenseits der Moral operieren. Organisationen sind moralisch indifferent und ziehen eher andere, etwa technische, Kriterien anstelle von moralischen \u00dcberlegungen heran, um Entscheidungen zu treffen.<\/p>\n<p>Andererseits und im Gegensatz zu Baumans Diktum bek\u00e4mpfen NGOs jedoch Armut in den L\u00e4ndern des globalen S\u00fcdens und Gewerkschaften streiten f\u00fcr die Rechte von Arbeitnehmerinnen. In der Sozialen Arbeit oder im Umweltschutz binden Organisationen moralische Gesichtspunkte in ihre Zwecksetzung ein. Und es gibt empirische Anzeichen daf\u00fcr, dass durch die Popularisierung von Corporate Social Responsibility (CSR) auch Unternehmen vermehrt nach moralischen Kriterien entscheiden.<\/p>\n<p>Es existiert somit eine Variet\u00e4t in der Analyse der Moral von Organisationen (Besio 2018). Diese m\u00f6chten wir als Ausgangspunkt nehmen und die Fr\u00fchjahrstagung der Sektion Organisationssoziologie der Frage der Ausgestaltung der organisierten Moral widmen. Wir wollen weder f\u00fcr Moral pl\u00e4dieren noch davor warnen. Vielmehr geht es darum, <em>soziologische Erkl\u00e4rungen des normativ Guten und B\u00f6sen<\/em> in und von Organisationen zu diskutieren.<\/p>\n<p>Vortr\u00e4ge k\u00f6nnen sich beispielsweise auf folgende Fragestellungen beziehen:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Warum kommunizieren Organisationen moralisch, obwohl Moral selten komplexe sachliche Probleme l\u00f6sen kann?<\/strong> Moralisch lassen sich Risiken der Technik oder Folgen globaler, \u00f6konomischer Prozesse nicht eind\u00e4mmen. Jedoch nehmen gerade in Krisensituationen viele Organisationen Bezug auf Moral. Die Frage ist dann, welche Wirkungen und Effekte \u2013 bspw. legitimatorische und\/oder verschleiernde \u2013 diese Kommunikation hat.<\/li>\n<li><strong>Inwiefern und mit welchen Folgen l\u00e4sst sich Moral organisationsstrukturell verankern?<\/strong> Organisationen k\u00f6nnen im Sinne des CSR moralische Gesichtspunkte in ihre formalen Strukturen einbauen und darin etwa Verhaltenskodizes oder Sozialberichte verankern. Viele kritisieren, dass solche Strukturen reine Fassade bleiben. Jedoch gibt es Anzeichen, dass diese Instrumente auf organisationales Handeln einwirken. Zu diskutieren sind die Wirkungen verschiedener Strukturen in unterschiedlichen organisationalen Kontexten.<\/li>\n<li><strong>In welchem Verh\u00e4ltnis stehen Moral und Organisationsmitglieder?<\/strong> Fasst man Mitglieder als eine organisationsstrukturelle Komponente auf, ist zu untersuchen, ob Moral\u00a0 Organisationsmitglieder ver\u00e4ndert oder ob das Verhalten der Mitglieder eine m\u00f6gliche Organisationsmoral beeinflusst.<\/li>\n<li><strong>Konfligieren moralische Gebote mit anderen Anforderungen, die an Organisationen herangetragen werden?<\/strong> Gesellschaftliche Logiken werden organisational umgesetzt: \u00d6konomische Transaktionen, politische Entscheidungen, wissenschaftliche Forschung <abbr title=\"und so weiter\">usw.<\/abbr> finden \u00fcberwiegend in Organisationen statt. Zudem wird von Organisationen erwartet, dass sie effizient und effektiv operieren. Moralische Erwartungen verschiedener Gruppen kommen hinzu. Wir m\u00f6chten die Konflikte thematisieren, die dadurch entstehen, weil etwa das, was \u00f6kologisch sinnvoll ist, nicht gleichzeitig gerecht, rentabel oder effizient sein muss.<\/li>\n<li><strong>Wie gehen unterschiedliche Organisationstypen mit Moral um?<\/strong> Moral ist in einigen Bereichen wie dem Non-Profit-Sektor, in Kirchen oder Krankenh\u00e4usern von h\u00f6chster Relevanz. Es gibt auch spezifische Organisationsformen wie etwa Genossenschaften, die moralische Ziele zentral verfolgen. Fraglich ist, inwiefern unterschiedliche Organisationstypen eigene Formen des Umgangs mit Moral oder gar eigene Moralen entwickeln.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Tagung ist offen f\u00fcr Beitr\u00e4ge aus unterschiedlichen theoretischen Str\u00f6mungen sowie f\u00fcr empirische Arbeiten. Bitte reichen Sie Vortragsvorschl\u00e4ge von max. 2 Seiten bis zum 31.12.2018 bei Cristina Besio (cristina.besio@hsu-hh.de) und Andr\u00e9 Armbruster (andre.armbruster@uni-due.de) ein.<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Bauman, Zygmunt (1992): Dialektik der Ordnung: Die Moderne und der Holocaust. Hamburg: Europ\u00e4ische Verlagsanstalt.<\/li>\n<li>Besio, Cristina (2018): Moral und Innovation in Organisationen. Wiesbaden: Springer VS.<\/li>\n<li>J\u00e4ger, Wieland\/Arthur R. Coffin (2011): Die Moral der Organisation. Beobachtungen in der Entscheidungsgesellschaft und Anschluss\u00fcberlegungen zu einer Theorie der Interaktionssysteme. Wiesbaden: VS Verlag.<\/li>\n<li>Luhmann, Niklas (2008 [1989]): Ethik als Reflexionstheorie der Moral. S. 270-347. In: ders., Die Moral der Gesellschaft.<br \/>\nFrankfurt am Main: Suhrkamp.<\/li>\n<li>Ortmann, G\u00fcnther (2010): Organisation und Moral. Die dunkle Seite. Weilerswist: Velbr\u00fcck Verlag<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den offiziellen CfP finden Sie <a href=\"http:\/\/www.organisations-soziologie.de\/ag\/archives\/5003\" rel='nofollow'>hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Call for Papers f\u00fcr die Fr\u00fchjahrstagung der Sektion Organisationssoziologie der DGS &#8222;Organisierte Moral&#8220; am 4. und 5. 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