{"id":2807,"date":"2025-10-09T12:32:16","date_gmt":"2025-10-09T10:32:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/nng\/?page_id=2807"},"modified":"2026-07-27T14:10:08","modified_gmt":"2026-07-27T12:10:08","slug":"fur-den-frieden-gewappnet-zivil-und-katastrophenschutz-in-deutschland-seit-1990","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/nng\/forschung\/fur-den-frieden-gewappnet-zivil-und-katastrophenschutz-in-deutschland-seit-1990","title":{"rendered":"F\u00fcr den Frieden gewappnet? Zivil- und Katastrophenschutz in Deutschland seit 1990"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><abbr title=\"Doktor\">Dr.<\/abbr> Jan Wille<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Francis Fukuyama im Jahr 1989 das \u201eEnde der Geschichte\u201c apostrophierte, gab er einem neuen Zeitgeist seinen Namen. Die \u00dcberzeugung, mit dem Zusammenbruch des \u201eEisernen Vorhangs\u201c habe das Koordinatensystem des Kalten Krieges als Orientierungsgr\u00f6\u00dfe ausgedient und die liberale Demokratie und soziale Marktwirtschaft w\u00fcrden ihren Siegeszug unaufhaltsam fortsetzen, war mit H\u00e4nden zu greifen. Damit schienen auch Konzepte von innerer und \u00e4u\u00dferer Sicherheit quasi \u00fcber Nacht wie die der Ewiggestrigen. Inzwischen werden die sicherheitspolitischen Vers\u00e4umnisse der Vergangenheit harsch kritisiert. Allzu offensichtlich sind die Defizite der Bundeswehr, die man versucht, mit der \u201eZeitenwende\u201c im Rekordtempo zu korrigieren. Im Schatten der inzwischen tagt\u00e4glichen Debatten \u00fcber den Zustand der Truppe verschwindet ein anderer f\u00fcr die innere und \u00e4u\u00dfere Sicherheit unerl\u00e4sslicher Sektor beinahe im Dunkeln. Denn auch der Zivil- und Katastrophenschutz sah sich nach 1990 massiven K\u00fcrzungen ausgesetzt. Unter der Pr\u00e4misse, \u201evon \u201eFreunden umzingelt\u201c zu sein, wurden mit einem heute kaum nachvollziehbaren Leichtmut Sirenen abgebaut, Bunker geschlossen, Material verschenkt und \u00c4mter zusammengelegt. Doch trifft diese einfache Erz\u00e4hlung von der blau\u00e4ugigen Verteilung der \u201eFriedensdividende\u201c in den 1990er Jahren?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das zu Forschungsvorhaben zielt genau in diese Problemlage. Es geht davon aus, dass es an der historischen Wahrheit vorbeigeht, die Entwicklungen seit der Epochenwende 1989\/90 ausschlie\u00dflich mit einer sicherheitspolitischen Naivit\u00e4t der Zeitgenossen zu erkl\u00e4ren. Vielmehr begreift es die Prozesse im Feld des Zivil- und Katastrophenschutzes in Deutschland als eine neoliberale Transformation von Sicherheits- und Pr\u00e4ventionsvorstellungen, die eine neue \u201eKultur der Vorsorge\u201c etablierte. Zentraler analytischer Bezugspunkt des Forschungsvorhabens ist die Annahme einer \u201eVermarktlichung\u201c von Sicherheit und das damit verbundene Konzept des \u201eSicherheitsmarktes\u201c. Sicherheit wird damit zu einem von Staaten, Organisationen und Individuen abstrakt wie konkret handelbarem Gut. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, sowohl die Historizit\u00e4t von Sicherheitsvorstellungen als auch den Wandel in der Wahrnehmung von Gefahren seit dem Ende des Kalten Krieges aufzudecken. Den heute vielfach erz\u00e4hlten Anekdoten vom Ausverkauf deutscher Sicherheit nach 1990 soll damit eine substantiierte Analyse und Darstellung der historischen Geschehnisse entgegengestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a id=\"_msocom_1\" rel='nofollow'><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Jan Wille Als Francis Fukuyama im Jahr 1989 das \u201eEnde der Geschichte\u201c apostrophierte, gab er einem neuen Zeitgeist seinen Namen. 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