{"id":311,"date":"2017-11-08T11:29:25","date_gmt":"2017-11-08T10:29:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/isk\/?p=311"},"modified":"2021-07-29T10:17:26","modified_gmt":"2021-07-29T08:17:26","slug":"dsf-projekt-screening-transitional-justice-in-serbia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/isk\/dsf-projekt-screening-transitional-justice-in-serbia","title":{"rendered":"DSF-Projekt &#8222;&#8218;Screening&#8216; Transitional Justice in Serbia&#8220;"},"content":{"rendered":"<h2>&#8222;Screening&#8220; Transitional Justice in Serbia. ICTY Representations and the Memory of War Crimes in Serb Television\u201c<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/bundesstiftung-friedensforschung.de\/blog\/forschung-dsf-no-45\/\" rel='nofollow'>Vollst\u00e4ndiger DSF Reasearch Report hier verf\u00fcgbar<\/a><\/p>\n<p>F\u00f6rderer: <a href=\"https:\/\/bundesstiftung-friedensforschung.de\/\" rel='nofollow'>Deutsche Stiftung Friedensforschung (DSF)<\/a><\/p>\n<p>Projektleiterin: Prof. <abbr title=\"Doktor\">Dr.<\/abbr> Anna Geis, Institut f\u00fcr Internationale Politik, Helmut-Schmidt-Universit\u00e4t Hamburg<\/p>\n<p>Projektbearbeiterin: <abbr title=\"Doktor\">Dr.<\/abbr> Katarina Risti\u0107, in Kooperation mit <abbr title=\"Doktor\">Dr.<\/abbr> Vladmir Petrovi\u0107 (Institute for Contemporary History in Belgrade)<\/p>\n<p>F\u00f6rderzeitraum: 13 Monate (Februar 2015 bis M\u00e4rz 2016)<\/p>\n<p>F\u00f6rdersumme: 93 Tsd. Euro<\/p>\n<h3>Zusammenfassung<\/h3>\n<p><strong>Problemstellung und forschungsleitende Fragen<\/strong><\/p>\n<p>Der 1993 eingerichtete Internationale Strafgerichtshof f\u00fcr das ehemalige Jugoslawien (International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia; ICTY) ist ein ebenso zentrales wie umstrittenes Element in den Transitional-Justice-Prozessen der betroffenen Staaten. Insbesondere in Serbien wird die Legitimit\u00e4t des Strafgerichtshofs erheblich in Frage gestellt.\u00a0 Das Projekt untersucht die \u00f6ffentliche Darstellung des ICTY in serbischen TV-Nachrichten und -Berichterstattung. Anhand von viel diskutierten Strafprozessen werden <abbr title=\"unter anderem\">u.a.<\/abbr> folgende Aspekte beleuchtet: Wie werden die unterschiedlichen, im Strafgerichtshof agierenden Personen in der Berichterstattung dargestellt? Werden Angeklagte als Akteure beschrieben, die im Namen ihrer Nation gehandelt haben oder als individuelle T\u00e4ter, die au\u00dferhalb der jeweiligen Gemeinschaft stehen? Inwiefern stellen die Medienformate den ICTY als eine illegitime Institution dar oder als verl\u00e4ssliche, glaubw\u00fcrdige Quelle juristischer Beweisf\u00fchrung und historischer \u201eWahrheiten\u201c?<\/p>\n<p><strong>Relevanz f\u00fcr die Friedens- und Konfliktforschung sowie Originalit\u00e4t des Vorhabens<\/strong><\/p>\n<p>Es ist eine wichtige Aufgabe von Friedens- und Konfliktforschung, die Auswirkungen und die in den \u201eZielgesellschaften\u201c wahrgenommene Legitimit\u00e4t von Transitional-Justice-Mechanismen zu untersuchen. Medieninhalte, die den ICTY als eine illegitime oder anti-serbische Institution darstellen, unterminieren die Autorit\u00e4t und die F\u00e4higkeit des Tribunals, die Aufarbeitung der Vergangenheit voranzutreiben und historische \u201eWahrheiten\u201d \u00fcber die Kriege der 1990er Jahre zu etablieren. Bislang liegt keine systematische Forschung \u00fcber die Rezeption des Tribunals in audio-visuellen Medienformaten in Ex-Jugoslawien vor. Generell wird visuelles Material in der Friedens- und Konfliktforschung sehr selten analysiert. Dies ist schwer nachzuvollziehen angesichts der prominenten Debatte \u00fcber die \u201eMacht der Bilder\u201d in einem digitalen Zeitalter.<\/p>\n<p><strong>Theoretisch-methodische Grundlegung des Projekts<\/strong><\/p>\n<p>Das Projekt verortet sich in der Transitional Justice-Forschung. Die akademischen Debatten \u00fcber den ICTY beziehen sich h\u00e4ufig auf die Wirkungen des Tribunals und wie man diese konzeptualisieren kann. F\u00fcr das vorliegende Projekt ist vor allem die \u00f6ffentliche \u2018aufkl\u00e4rende\u2019 Rolle des Tribunals von Interesse, da der Gerichtshof die betroffenen Gesellschaften zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit anregen soll. Die theoretische Rahmung kn\u00fcpft daher auch an Studien an, die sich mit der diskursiven Konstruktion kollektiver Erinnerung an Gewaltereignisse befassen.<\/p>\n<p>Das Forschungsteam wendet Ans\u00e4tze der multimodalen Diskursanalyse an, um das textbasierte und audio-visuelle Material zu untersuchen. Da solche Ans\u00e4tze in der Friedens- und Konfliktforschung wenig etabliert sind, ist eine angemessene Methodik f\u00fcr den Fall des Tribunals und der diskursiven Konstruktion seiner (Il-)Legitimit\u00e4t im Laufe des Projekts weiter zu entwickeln. Analysiert werden Nachrichten und weitere Berichterstattung \u00fcber Strafprozesse des ICTY in den drei meist gesehenen serbischen TV-Stationen Radio-Televizija Serbia (RTS), RTV Pink und B92.<\/p>\n<p><strong>Geplante Umsetzungsschritte<\/strong><\/p>\n<p>Das Datenmaterial ist sehr umfangreich, sodass der erste Schritt der Untersuchung in der Sammlung, Auswahl und Reduzierung des Materials liegt. Die Daten werden erfasst und transkribiert, um schlie\u00dflich eine computergest\u00fctzte Diskursanalyse durchzuf\u00fchren. Eine detailliertere qualitative Analyse ausgew\u00e4hlter audio-visueller Materialien und ein Vergleich von Daten folgt diesen Schritten. Zur Erg\u00e4nzung und Validierung der Ergebnisse der Diskursanalyse werden semi-strukturierte Experteninterviews mit Vertretern des ICTY, der serbischen Medien und zivilgesellschaftlicher Organisationen durchgef\u00fchrt. Fokusgruppeninterviews mit Studierenden in Serbien sollen schlie\u00dflich probeweise Aufschluss geben \u00fcber die subjektiven Wahrnehmungen von Medienkonsumenten.<\/p>\n<p><strong>Erwartete Ergebnisse und Praxisrelevanz<\/strong><\/p>\n<p>Das Projekt soll insgesamt<\/p>\n<ul>\n<li>die wahrgenommene Legitimit\u00e4t des ICTY in ausgew\u00e4hlten serbischen Massenmedien beurteilen;<\/li>\n<li>diskursive (fortbestehende oder sich wandelnde) Muster der Repr\u00e4sentation der Vergangenheit in serbischen Medien untersuchen;<\/li>\n<li>die Analyse visueller Medien in der Friedens- und Konfliktforschung bef\u00f6rdern;<\/li>\n<li>Kooperationsbeziehungen mit Menschenrechtsaktivisten und Journalisten in Serbien etablieren und durch die Forschungsergebnisse zur Unterst\u00fctzung der Aktivisten im Feld beitragen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong><br \/>Liste projektbezogener Publikationen <\/strong><\/p>\n<p>Anna Geis\/Katarina Risti\u0107 2020: Umstrittene Legitimit\u00e4t. Das Internationale Straftribunal f\u00fcr Ex-Jugoslawien (ICTY) als \u201eStimme der Menschheit\u201c und als \u201epolitisches Gericht\u201c, in: Gabi Schlag\/Axel Heck (Hg.): Visualit\u00e4t und Weltpolitik. Praktiken des Zeigens und Sehens in den Internationalen Beziehungen, Wiesbaden: Springer VS, S. 89-120.<\/p>\n<p>Katarina Risti\u0107 2019: Accused War Criminals qua Perpetrators: Visual Signification of Criminal Guilt, in: Journal of Perpetrator Research, 2:2, 156-179.<\/p>\n<p>Vladimir Petrovi\u0107: The ICTY Library: War Criminals as Authors, Their Works as Sources, <em>International Criminal Justice Review<\/em>, 28:4, 2018, 333\u2013348.<\/p>\n<p>Vladimir Petrovi\u0107: Power(lessness) of Atrocity Images: Bijeljina Photos between Perpetration and Prosecution of War Crimes in the Former Yugoslavia, <em>International Journal of Transitional Justice<\/em>, 9:3, 2015, 367\u2013385.<\/p>\n<p>Katarina Risti\u0107: Re-Enacting the Past in TV News on War Crime Trials: A Method for Analysis of Visual Narratives in Archival Footage, <em>Media, War &amp; Conflict<\/em>, 2019, 1-20 (online first).<\/p>\n<p>Katarina Risti\u0107: Freed by the Court: The Role of Images Between Remembrance and Oblivion of War Crimes, <em>P\u00f3lemos<\/em>, 13:1, 2019, 91-108.<\/p>\n<p>Katarina Risti\u0107: The Media Negotiations of War Criminals and Their Memoirs: The Emergence of the \u201cICTY Celebrity\u201d\u2019, <em>International Criminal Justice Review<\/em>, 28:4, 2018, 391\u2013405.<\/p>\n<p>Katarina Risti\u0107\/Anna Geis\/Vladimir Petrovi\u0107: Caught between The Hague and Brussels: Millennials in Serbia on ICTY War Crimes Trials, in: <em>Zeitgeschichte<\/em>, 44:14, 2017, 49\u201365.<\/p>\n<p>Katarina Risti\u0107: Our Court, Our Justice &#8211; Domestic War Crime Trials in Serbia, in: Heike Karge, Ulf Brunnbauer, Claudia Weber (eds.): <em>Erfahrungs- und Handlungsr\u00e4ume. \u00a0Gesellschaftlicher Wandel in S\u00fcdosteuropa seit dem 19. Jahrhundert zwischen dem Lokalen und dem Globalen<\/em>, Oldenburg: De Gruyter, 2017, 165-185.<\/p>\n<p><strong>Konferenzpapiere und Vortr\u00e4ge<br \/><\/strong><\/p>\n<p>Vladimir Petrovi\u0107, \u201cICTY and the Balkans\u201d, presented at the Association for Studies of Nationalism (ASN) Annual Convention, organized at Columbia University in April 2015.<\/p>\n<p>Vladimir Petrovi\u0107, \u201cPowerlessness of Atrocity Images\u201d, presented at the Digital Testimonies on War and Trauma, organized by Erasmus University Rotterdam in June 2015.<\/p>\n<p>Katarina Risti\u0107 and Anna Geis, \u201cGeneration Y\u2019s perception of ICTY trials in Serb media\u201d, presented at the workshop \u201cGeneration On The Move &#8211; Children Of The 1990s in Bosnia-Herzegovina, Croatia, Kosovo and Serbia\u201d, in Rijeka, 9-10 October 2015.<\/p>\n<p>Katarina Risti\u0107, \u201cTrials Stories vs. Media Stories in the Balkans\u201d, presented at the Annual Convention of the Association for Slavic, East European and Eurasian Studies, Philadelphia, 19-22 November 2015.<\/p>\n<p>Anna Geis, \u201cK\u00f6nnen internationale Strafgerichtsh\u00f6fe zur Vers\u00f6hnung beitragen? Das Beispiel des Strafgerichtshofs zu Ex-Jugoslawien\u201c, presented at the Colloquium of the Department of Political Science, University of Leipzig, 5 January 2016.<\/p>\n<p>Vladimir Petrovi\u0107, \u201cBalkan Rashomon: The Yugoslav Conflict in International and National Prosecution\u201d, presented at the colloquium \u201cMass Violence and Human Rights: The Global Politics of Truth and Justice\u201d at the University of Massachusetts, Armherst, 5 February 2016.<\/p>\n<p>Katarina Risti\u0107, \u201cWar Crime Trials and Nationalism in the Balkans\u201d, presented at the conference \u201cPrime Time Nationalism: The Role of Television Broadcast\/Archives in the Aftermath of the Yugoslav Wars\u201d, Open Society Archives, Budapest, 13-14 May 2016.<\/p>\n<p>Katarina Risti\u0107, \u201cAlleged War Criminals in TV &#8211; Visuals and Emotions\u201d, presented at the conference &#8222;Representing Perpetrators of Mass Violence&#8220;, Utrecht, 31 August \u2013 3 September 2016.<\/p>\n<p>Katarina Risti\u0107, \u201cLegal ambiguity: Perpetrators in national and international war crime trials\u201d, presented at the conference \u201cOn Collective Violence. Actions, Roles, Perceptions&#8220;, Centre for Conflict Studies of the Philipps University Marburg, 20-22 October 2016.<\/p>\n<p>Vladimir Petrovi\u0107, \u201cHubris of Themis: ICTY and the Balkans two decades after\u201d, presented at the Central European University, Budapest, November 2016.<\/p>\n<p>Katarina Risti\u0107, \u201cNarrating the self in (post-)ICTY diary writing &#8211; between nationalism, Yugoslavism and war crimes\u201d and Vladimir Petrovi\u0107 \u201cICTY Library: War Criminals as Authors, their Writings as Sources\u201d, both papers presented at the Sixth Annual Conference of the Historical Dialogues, Justice and Memory Network in Amsterdam (NIOD Institute for War, Holocaust, and Genocide Studies, 1-3 December 2016).<\/p>\n<p>Anna Geis\/Katarina Risti\u0107, \u201cK\u00f6nnen internationale Strafgerichtsh\u00f6fe zur Vers\u00f6hnung beitragen? Das Beispiel des Strafgerichtshofs zu Ex-Jugoslawien\u201c, presented at the Colloquium of the Institute for Theology and Peace (ITHF), Hamburg, 27 April 2017.<\/p>\n<p>Katarina Risti\u0107, &#8222;Introduction to Multimodality &#8211; Social Semiotics. Copernican Turn in Semiotics under the Global Condition, presentet at the Workshop of the DFG Network &#8222;Visuality and Global Politics&#8220;, University of Kiel, 17-19 Mai 2017.<\/p>\n<p>Katarina Risti\u0107 \u201cRe-enacting the Past in the News\u00a0 &#8211; A Method for Analysing Archive Footage on Television\u201d, presented at the 11th Pan-European Conference on International Relations, EISA, Barcelona, 12-15 September 2017.<\/p>\n<p>Anna Geis \u201cDer ICTY ein illegitimes Tribunal? Die Aufarbeitung der Vergangenheit in Serbien aus Sicht der jungen Generation\u201c, presented at the Fifth Open Section Conference of the Section \u201dInternational Relations\u201d of the German Political Science Association (DVPW), University of Bremen, 4-6 October 2017.<\/p>\n<p>Vladimir Petrovi\u0107, \u201cDual Nature of Wartime Visuals\u201d, presented at Salem State University Center for Holocaust and Genocide Studies conference held in October 2017.<\/p>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Screening&#8220; Transitional Justice in Serbia. 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