Die Habermas-Luhmann-Debatte in Wissenschaft und Gesellschaft der Bun-desrepublik der 1970er Jahre

Eva Bürger, M.A. [email protected]

Dissertation

Die Studie untersucht die zwischen dem Sozialphilosophen Jürgen Habermas und dem Soziologen Niklas Luhmann an der Wende zu den 1970er Jahren geführte Debatte um die Möglichkeiten einer angemessenen Gesellschaftstheorie als einen Konflikt um die Deutungsmacht in den mit Gesellschaftstheorie befassten Fächern, also zunächst der Soziologie, aber auch der Philosophie, wie in der westdeutschen Öffentlichkeit. Als pointierter Schnittpunkt unterschiedlicher wissenschaftlicher und politischer Debatten lassen sich an dieser Kontroverse wesentliche Kennzeichen der in intellektueller Hinsicht so fruchtbaren und aufgeladenen „langen 1970er Jahre“ aufzeigen. Zugleich wird für diesen Zeitraum die Genealogie der Denkwege der beiden Ausnahme-Wissenschaftler erhellt, so dass auch die früheren und späteren Entwicklungen ihrer Ideen, Thesen und Deutungsschemata besser eingeordnet und gedeutet werden können. Das Projekt erschließt zudem, inwiefern und inwieweit die Auseinandersetzung zwischen Habermas und Luhmann Selbstverständigungsprozesse über die Wissenschaft hinaus auch in einer breiteren Öffentlichkeit widerspiegelte, befeuerte oder anstieß. Die Grenze zwischen Wissenschaft, weltanschaulicher Positionierung und öffentlicher Diskussion ist hierbei nicht leicht zu ziehen und wurde zeitgenössisch von Habermas und Luhmann immer mitverhandelt.

Fest steht, dass Habermas wie Luhmann in scharfer Konkurrenz zueinander neue Theorien der modernen Gesellschaft entwarfen, in ihren Fächern – Luhmann in der Soziologie und Habermas in der Soziologie und verstärkt in der Philosophie – neue Wege beschritten sowie auch in der Öffentlichkeit für Polarisierung sorgten. Sie begründeten im Wettbewerb zueinanderstehende Denkströmungen, trafen bis heute wirkende Entscheidungen in Bezug auf den Charakter ihrer Disziplinen und beeinflussten teils auch über deren Grenzen hinaus den Standort von Sozial- und Geisteswissenschaften.

In dieser kultur- und wissenschaftsgeschichtlich angelegten Studie werden verschiedene Aspekte des Schlagabtauschs der Kontrahenten zu klären sein: Wo lagen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihres Blicks auf Gegenwart und Zukunft? Wie lassen sich die Argumente und das Wirken dieser Exponenten konträrer Gesellschafts- und Moderne-Konzeptionen in der Geschichte der Bundesrepublik verorten und was sagt die Resonanz auf ihr wissenschaftliches und intellektuelles Werk über Selbstsicht und Selbstverständigung der westdeutschen Gesellschaft in den 1970er Jahren aus?

HSU

Letzte Änderung: 2. Juni 2021