{"id":1050,"date":"2022-11-30T09:24:02","date_gmt":"2022-11-30T08:24:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/histec\/?page_id=1050"},"modified":"2024-03-12T22:28:29","modified_gmt":"2024-03-12T21:28:29","slug":"statistik-und-landwirtschaft","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/histec\/statistik-und-landwirtschaft","title":{"rendered":"Eine \u201eblonde Revolution\u201c? Umweltgeschichte von Hybridmaisanbau in Deutschland und Frankreich (1945\u20131992)"},"content":{"rendered":"\n<div style=\"height:45px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\" style=\"grid-template-columns:33% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.hsu-hh.de\/histec\/wp-content\/uploads\/sites\/734\/2022\/11\/mohit-kumar-M9HwWUwq-9s-unsplash-e1669808597827.jpg\" data-credit=\"Unsplash License, Foto von Mohit Kumar\" alt=\"Unsplash License, Foto von Mohit Kumar\" class=\"wp-image-1018 size-full\" srcset=\"https:\/\/www.hsu-hh.de\/histec\/wp-content\/uploads\/sites\/734\/2022\/11\/mohit-kumar-M9HwWUwq-9s-unsplash-e1669808597827.jpg 300w, https:\/\/www.hsu-hh.de\/histec\/wp-content\/uploads\/sites\/734\/2022\/11\/mohit-kumar-M9HwWUwq-9s-unsplash-e1669808597827-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.hsu-hh.de\/histec\/wp-content\/uploads\/sites\/734\/2022\/11\/mohit-kumar-M9HwWUwq-9s-unsplash-e1669808597827-100x100.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Margot Lyautey<\/h2>\n\n\n\n<div style=\"height:5px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Wenn man an Mais denkt, stellt man sich in der Regel die kleinen gelben K\u00f6rner vor, die auf Salat kommen, oder das Popcorn im Kino. Aber die menschliche Ern\u00e4hrung ist nur ein kleiner Teil der Verwendung von Mais. Heutzutage wird Mais in Europa zu \u00fcber 80% als Tierfutter angebaut. In dieser Hinsicht ist <strong>Mais der Grundpfeiler unserer modernen westlichen Ern\u00e4hrung<\/strong>, in der Tierprodukte eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen als je zuvor. Da Mais eine Kulturpflanze mit hohen Hektarertr\u00e4gen ist, die auf verschiedenen Bodentypen w\u00e4chst und einen hohen Energiegehalt aufweist, war er der Schl\u00fcssel f\u00fcr den Wandel der europ\u00e4ischen Ern\u00e4hrung in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts. In diesem Schl\u00fcssel kristallisieren sich die <strong>Umweltprobleme der modernen intensiven Landwirtschaft<\/strong> in vollem Umfang heraus, ob man nun an Konflikte um die Wassernutzung, die Umweltverschmutzung durch Pestizide, die Einfuhr von Soja und Raps aus abgeholzten W\u00e4ldern zur Erg\u00e4nzung der Maisrationen oder an Hyperspezialisierung der Nutztiere denkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mais ist keine in Europa heimische Pflanze, sondern stammt aus Mittelamerika. Zwar wurde er in der fr\u00fchen Neuzeit allm\u00e4hlich von Amerika nach Europa akklimatisiert, doch blieb der Maisanbau bis ins 20. Jahrhundert auf den S\u00fcden des Kontinents beschr\u00e4nkt: Portugal, Spanien, S\u00fcdfrankreich, Italien, die Balkanl\u00e4nder, Rum\u00e4nien, Bulgarien und bis in die T\u00fcrkei. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es in der europ\u00e4ischen Landwirtschaft (und insbesondere im Norden des Kontinents) zu einer regelrechten \u201eblonden Revolution\u201c: so nennt man in Frankreich die massive und schnelle Einf\u00fchrung von Mais als Futtermittel in den 1960er und 1970er Jahren. In nur wenigen Jahrzehnten hat Mais einen sehr wichtigen Platz auf den l\u00e4ndlichen B\u00f6den Europas eingenommen und macht heute in Deutschland und den Niederlanden mehr als 20 % der Ackerfl\u00e4chen aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein beeindruckender \u00dcbergang, der nicht zuletzt auf au\u00dfereurop\u00e4ische Einfl\u00fcsse und Projekte zur\u00fcckzuf\u00fchren ist (US-amerikanische im Rahmen des Marshall-Plans und sp\u00e4ter der \u201eGr\u00fcnen Revolution\u201c oder sowjetische mit Chruschtschows \u201eKreuzzug f\u00fcr den Mais\u201c). <strong>Es ist diese bedeutende Entwicklung der europ\u00e4ischen Agrarproduktion die ich in diesem Forschungsprojekt untersuchen m\u00f6chte, in ihren \u00f6kologischen, wirtschaftlichen, sozialen und geopolitischen Dimensionen.<\/strong><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Rahmen der Untersuchung<\/h2>\n\n\n\n<p>Der untersuchte Zeitraum l\u00e4uft von <strong>Mitte der 1940er Jahre bis Anfang der 1990er Jahre<\/strong>. Diese Jahre entsprechen einem Quantensprung in Bezug auf die Maisanbaufl\u00e4chen in Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik. Dieser Zeitraum f\u00e4llt de facto mit den chronologischen Grenzsteinen des <strong>Kalten Krieges<\/strong> zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Europa erscheint im betrachteten Zeitraum zwischen zwei Einflusssph\u00e4ren gefangen. Einerseits die USA, die historisch gesehen immer f\u00fchrend im Anbau von Hybridmais waren: Der Marshallplan lieferte Tonnen von Hybridmais f\u00fcr die Nahrungsmittelhilfe in Deutschland, US-Saatgut wurde nach Europa geschickt, um angepasste Sorten zu entwickeln. Andererseits f\u00fchrte ein zweiter Weg nach Europa \u00fcber die Sowjetunion, wo Nikita Chruschtschow ab 1954 seinen \u201eKreuzzug f\u00fcr den Mais\u201c startete. Die Untersuchung der <strong>Zirkulationen innerhalb Europas <\/strong>wird also weitgehend offen bleiben f\u00fcr den Austausch mit den <strong>USA<\/strong> und der <strong>Sowjetunion<\/strong>. W\u00e4hrend Verbindungen innerhalb der beiden Bl\u00f6cke erwartet werden, hat das Projekt insbesondere zum Ziel, den <strong>undurchl\u00e4ssigen Charakter des sogenannten \u201eEisernen Vorhangs\u201c neu zu \u00fcberdenken<\/strong>, indem es den Anbau von Hybridmais als Fokus nimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist die Landwirtschaft eine produktive T\u00e4tigkeit mit eminent lokalen Dimensionen. Um die \u00f6kologischen, technischen, sozio\u00f6konomischen und geopolitischen Dimensionen des Themas gemeinsam zu erfassen, m\u00f6chte ich <strong>verschiedene Analysenebene kombinieren und miteinander verkn\u00fcpfen<\/strong>: vom kontinentalen bis zum ganz lokalen. Die Idee ist, einen <strong>transnationalen Fokus <\/strong>auf Nordwesteuropa (Frankreich, BRD und DDR) zu legen, gekoppelt mit <strong>regionalen Fallstudien<\/strong>, die in spezifischen sozio-\u00f6kologischen Rahmenbedingungen verankert sind: B\u00e9arn, zwei Viehzuchtgebiete im Westen Frankreichs in der Bretagne und der Normandie, die Region um Bremen, ein noch zu bestimmendes landwirtschaftliches Gebiet in der ehemaligen DDR.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Projekt beruht auf der Analyse von <strong>Archivquellen und gedruckten Quellen<\/strong> (\u00f6ffentliche Quellen und Archive von Unternehmen der Agrarindustrie), die durch <strong>Interviews<\/strong> (insbesondere mit ehemaligen Maisbauern und -b\u00e4uerinnen) erg\u00e4nzt werden. Diese Vielfalt an Quellen erm\u00f6glicht den Zugang zu den <strong>unterschiedlichen R\u00e4umen der Wissensproduktion \u00fcber Mais<\/strong>. Ich denke hier an akademisches Wissen, wissenschaftliches Wissen, das von agroindustriellen Firmen produziert wird, Wissen, das durch die landwirtschaftliche Praxis auf den Bauernh\u00f6fen produziert wird, und administratives Wissen. Ein wiederkehrendes Problem der l\u00e4ndlichen Geschichte ist die Schwierigkeit, Zugang zu den Ver\u00e4nderungen auf den H\u00f6fen zu erhalten, und die Interviews k\u00f6nnen in gewissem Ma\u00dfe eine Aporie der \u00f6ffentlichen Archive l\u00f6sen, in denen die Landwirte und Landwirtinnen oft abwesend sind.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Forschungsschwerpunkte<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Forschungsprojekt ist an der Schnittstelle von <strong>Umweltgeschichte<\/strong>, <strong>Wissensgeschichte <\/strong>und zeitgen\u00f6ssischer europ\u00e4ischer <strong>Politik- und Wirtschaftsgeschichte<\/strong> angesiedelt und ist um drei Forschungsschwerpunkten gegliedert. Im ersten Schwerpunkt \u201e<strong>Wissenszirkulation im Bereich der Viehf\u00fctterung<\/strong>\u201c m\u00f6chte ich eine transnationale Geschichte der Silagetechniken \u00a0(Konservierung durch Fermentation) und der rationellen F\u00fctterung \u00a0vorschlagen, die auf die neue Rolle des Mais im betrachteten Zeitraum achtet, aber auch auf die Zirkulation von Wissen zwischen verschiedenen geografischen R\u00e4umen und innerhalb der landwirtschaftlichen Wertsch\u00f6pfungskette (Bauernhof, Fabrik, Universit\u00e4ten, Verwaltung&#8230;). Der zweite Schwerpunkt, \u201e<strong>Hybridmais als Grundpfeiler der Intensivierung der Landwirtschaft Europas w\u00e4hrend des Kalten Krieges<\/strong>\u201c, schl\u00e4gt vor, die Geschichte Europas im Kalten Krieg durch die Linse des Maises neu zu lesen, indem einerseits die verschiedenen nationalen Strategien\u00a0 bei der Sortenauswahl von Hybridmais analysiert werden (zwischen Kooperation und Konkurrenz), andererseits die europ\u00e4ischen Verhandlungen um die GAP erneut untersucht werden sowie die politische Semantik, die der Mais auf beiden Seiten des Kontinents mit sich bringt, hinterfragt wird. Der letzte Schwerpunkt \u201e<strong>Auswirkungen auf l\u00e4ndliche \u00d6kosystemen und landwirtschaftliche Praktiken<\/strong>\u201c hinterfragt die Umweltauswirkungen vom neuen Maisanbau in den Bauernh\u00f6fen rund um die Verschmutzung (Pestizide, D\u00fcngemittel, potenzielle St\u00f6rung der Wasserkreisl\u00e4ufe), die Ver\u00e4nderungen der Landschaften sowie die Entwicklungen der t\u00e4glichen Arbeit auf den H\u00f6fen und der Architektur von dieser.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rahmen der Untersuchung Der untersuchte Zeitraum l\u00e4uft von Mitte der 1940er Jahre bis Anfang der 1990er Jahre. Diese Jahre entsprechen einem Quantensprung in Bezug auf die Maisanbaufl\u00e4chen in Frankreich, der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2503,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-1050","page","type-page","status-publish","hentry","category-forschung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/histec\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1050","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/histec\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/histec\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/histec\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2503"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/histec\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1050"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/histec\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1050\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1556,"href":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/histec\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1050\/revisions\/1556"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/histec\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1050"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/histec\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1050"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/histec\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1050"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}