PD Dr. Christopher Neumaier

 

PD Dr. Christopher Neumaier

 

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Helmut-Schmidt-Universität
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Postanschrift
Helmut-Schmidt-Universität
Fakultät für Geistes- und
Sozialwissenschaften
Neuere Sozial-, Wirtschafts-
und Technikgeschichte
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22008 Hamburg

 

Seit Februar 2019
Vertretung der Professur für Neuere Sozial-, Wirtschafts- und Technikgeschichte

Mai 2018
Abschluss des Habilitationsverfahren an der Philosophischen Fakultät der Universität Potsdam

Wintersemester 2017/18
Komm. Leitung Abt. II „Geschichte des Wirtschaftens“ am ZZF Potsdam

April 2017 – September 2017
Vertretung der Professur für Technikgeschichte an der TU München

Juni 2013 – September 2014
Leiter der Abteilung II (kommissarisch) „Wirtschaftliche und soziale Umbrüche im 20. Jahrhundert“ am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam

seit 2012
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam

2008 – 2012
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Projekt „Historische Wertewandelsforschung“ am Historischen Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

2004 – 2007
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Geschichte der Technik an der Technischen Universität München

2008
Promotion an der Technischen Universität München

1999 – 2004
Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und European Studies an der University of Cambridge

1978
Geboren in Aichach

Auszeichnungen

2011 – ICOHTEC Prize for Young Scholars
2007 – Doctoral Fellow am Deutschen Historischen Institut, Washington, D. C

MONOGRAFIEN

Christopher Neumaier, Familie im 20. Jahrhundert. Konflikte um Ideale, Politiken und Praktiken (=Wertewandel im 20. Jahrhundert. Bd. 6.), Berlin 2019.

Christopher Neumaier, Dieselautos in Deutschland und den USA: Zum Verhältnis von Technologie, Konsum und Politik, 1949-2005 (=Transatlantische Historische Studien. Bd. 43), Stuttgart 2010.

HERAUSGEBERSCHAFT

Christopher Neumaier / Helmuth Trischler / Christopher Kopper (Hg.), Themenheft „Mobilität und Umwelt“ der Zeithistorischen Forschungen 14.3 (2017).

Bernhard Dietz / Christopher Neumaier / Andreas Rödder (Hg.), Gab es den Wertewandel? Neue Forschungen zum gesellschaftlich-kulturellen Wandel seit den 1960er Jahren, München 2014.

SCHRIFT ZUR HOCHSCHULDIDAKTIK

Christopher Neumaier / Tobias Seidl, Planung einer geschichtswissenschaftlichen Lehrveranstaltung, Schwalbach/Ts. 2017.

AUFSÄTZE

Christopher Neumaier, Die ökonomische Erklärung familialen Verhaltens. Gary Beckers Ansatz der New Home Economics und seine Kritiker, in: Rüdiger Graf (Hg.), Ökonomisierung. Debatten und Praktiken in der Zeitgeschichte (Göttingen 2019), S. 337–359.

Christopher Neumaier, „Haus“, christlich-bürgerliche Kernfamilie, Lebensform: Konflikte um Familienformen in der Moderne, in: Carolin Küppers/Eva Harasta (Hg.), Familie von morgen. Neue Werte für die Familie(npolitik) (Opladen, Berlin 2019), S. 23–34.

(zusammen mit Andreas Ludwig) The Individualization of Everyday Life: Consumption, Domestic Culture, and Family Structures, in: Frank Bösch (Hg.), A History Shared and Divided. East and West Germany since the 1970s (New York, Oxford 2018), S. 293–347.

Christopher Neumaier / Helmuth Trischler / Christopher Kopper, Visionen – Räume – Konflikte. Mobilität und Umwelt im 20. und 21. Jahrhundert, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History 14.3 (2017), S. 403–419.

Christopher, Neumaier, Vom Gefühl zum Kalkül? Autowerbung in Westdeutschland und den USA während der 1970er-Jahre, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History 14.3 (2017), S. 541–559.

Christopher Neumaier, Hohe Wertschätzung, geringe Verbreitung. Der ‚neue Vater‘ in Westdeutschland während der 1970er und 1980er Jahre, in: Ariadne 70 (2016), S. 44–51.

Christopher Neumaier, Der Niedergang der christlichen Familien? Das Wechselspiel zwischen zeitgenössischen Wahrnehmungen und Praktiken der Lebensführung, in: Claudia Lepp/Harry Oelke/Detlef Pollack (Hg.), Religion und Lebensführung im Umbruch der langen 1960er Jahre (Göttingen 2016), S. 213–236.

Christopher Neumaier / Andreas Ludwig, Individualisierung der Lebenswelten. Konsum, Wohnkultur und Familienstrukturen in Ost- und Westdeutschland, in: Frank Bösch (Hg.), Geteilte Geschichte. Ost- und Westdeutschland 1970–2000, Göttingen 2015, S. 239–282.

Christopher Neumaier, Eco-Friendly vs. Cancer-Causing: Perceptions of Diesel Cars in West Germany and the United States, 1970–1990, in: Technology & Culture 55 (2014), S. 429–460.

Christopher Neumaier, Ringen um Familienwerte. Die Reform des Ehescheidungsrechts in den 1960er/70er Jahren, in: Bernhard Dietz / Christopher Neumaier / Andreas Rödder (Hg.), Gab es den Wertewandel? Neue Forschungen zum gesellschaftlich-kulturellen Wandel seit den 1960er Jahren, München 2014, S. 201–225.

Christopher Neumaier, Von der bürgerlichen Kernfamilie zur Pluralität familialer Lebensformen? Zum Wandel der Familienwerte in Westdeutschland in den 1960er und 1970er Jahren, in: Frank Bösch / Martin Sabrow (Hg.), ZeitRäume. Potsdamer Almanach des Zentrums für Zeithistorische Forschung 2012/2013, Göttingen 2013, S. 133–144.

Christopher Neumaier, Die Einführung des „umweltfreundlichen“ Autos in den 1980er Jahren im Spannungsverhältnis von Wirtschaft, Politik und Konsum, in: Themenportal Europäische Geschichte, http://www.europa.clio-online.de/ 2012/Article=564.

Bernhard Dietz / Christopher Neumaier, Vom Nutzen der Sozialwissenschaften für die Zeitgeschichte. Werte und Wertewandel als Gegenstand historischer Forschung, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 60 (2012), S. 293–304.

Christopher Neumaier, Design Parallels, Differences and … a Disaster. American and German Diesel Cars in Comparison, 1968 – 1985, in: ICON – The Journal of the International Committee for the History of Technology 16 (2010), S. 123–142.

Christopher Neumaier, Das „Feinstaubgespenst“ 2005. Reelle Gefahr oder soziale Konstruktion eines Risikos?, in: Christine Pieper / Frank Uekötter (Hg.), Vom Nutzen der Wissenschaft. Beiträge zu einer prekären Beziehung, Stuttgart 2010, S. 255–266.

Christopher Neumaier, Von kulturellen Präferenzen und technologischen Fehlschlägen. Der Diesel-Pkw im transatlantischen Vergleich Deutschland – USA, 1976-1985, in: Technikgeschichte 77 (2010), S. 19–48.

Christopher Neumaier, The Escalation of German Reprisal Policy in Occupied France 1941/42, in: Journal of Contemporary History, 41 (2006), S. 113–131.

LEXIKONARTIKEL

Christopher Neumaier / Thomas Gensicke, Art. „Wert/Wertewandel“, in:  Günter Endruweit, Gisela Trommsdorff, Nicole Burzan (Hg.), Wörterbuch der Soziologie, Konstanz 2014, S. 610–616.

Christopher Neumaier / Sabine Geissler / Christoph Scherrer, Art. „Automobile“, in: Christof Mauch, Rüdiger G. Wersich (Hg.), USA-Lexikon. Schlüsselbegriffe zu Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Geschichte und zu den deutsch-amerikanischen Beziehungen, Berlin 2013, S. 155–161.

Christopher Neumaier, Art. „Energy“, in: Christof Mauch, Rüdiger G. Wersich (Hg.), USA-Lexikon. Schlüsselbegriffe zu Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Geschichte und zu den deutsch-amerikanischen Beziehungen, Berlin 2013, S. 355–359.

Christopher Neumaier / Christoph Scherrer, Art. „Trucking“, in: Christof Mauch, Rüdiger G. Wersich (Hg.), USA-Lexikon. Schlüsselbegriffe zu Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Geschichte und zu den deutsch-amerikanischen Beziehungen, Berlin 2013, S. 1081–1082.

Leistungsfähigkeit und Belastungsgrenzen: (digitales) Produktdesign und sich wandelnde Arbeitsanforderungen in der Hightech-Industrie seit den 1970er-Jahren

In den 1970er Jahren nahmen zeitgenössische Beobachterinnen und Beobachter einen grundsätzlichen Wandel der Arbeitsanforderungen wahr: Nicht mehr Industriearbeit, sondern „Wissen“ determiniere die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, lautete eine damalige Deutung. Damit kam es zu einer Aufwertung von geistiger Arbeit. Körperliches Arbeiten – in Form von sich wandelnden motorischen Anforderungen, die zudem stets mit den kognitiven Fähigkeiten verknüpft sind – prägte gleichwohl weiterhin den Arbeitsalltag in Industrie- und Angestelltenberufen.

Ausgehend von diesem Zusammenhang diskutiert das Projekt, wie sich in der Bundesrepublik seit den 1970er Jahren die Arbeitsanforderungen beim Design von Produkten in den Hightech-Industrien der Automobilfertigung, der Pharmazie sowie der Informations- und Kommunikationstechnik verschoben und welche Folgen dies für die Leistungsfähigkeit, aber auch die Belastungsgrenzen der Beschäftigten hatte. Dabei geht es einerseits um die Wahrnehmung und Bewertung des Wandels durch Experten. Zunächst wird daher untersucht, wie Wissenschaftler und Industrievertreter die Veränderungen bei der Entwicklung und des Designs von Produkten – gerade im Hinblick auf die einsetzende Digitalisierung – beschrieben und konzipierten. Zudem wird gefragt, mit welchen Methoden beide Akteursgruppen die Leistungsfähigkeit bei körperlicher und geistiger Arbeit maßen und bewerteten. In welchen Bereichen sahen sie Rationalisierungspotenziale, aber auch Belastungsgrenzen? Zweitens soll das Projekt diesen Zugriff mit der Sozialgeschichte von arbeitenden Menschen verknüpfen, indem die Veränderungen in der Arbeitswelt in den Blick genommen werden: Welche Maßnahmen zur Regulierung und Steuerung der arbeitenden Subjekte wurden auf dieser Basis in Betrieben implementiert? Wie sollten so Belastungsgrenzen überwunden und die Leistungsmöglichkeiten gesteigert werden? Darauf aufbauend wird analysiert, wie sich die Debatten und Maßnahmen auf das Verhalten der betroffenen Arbeiter und Angestellten auswirkten und öffentlich verhandelt wurden.

Der inhaltliche Fokus des Projekts liegt auf drei unterschiedlichen Unternehmensbereichen und Berufsgruppen: 1) den Ingenieuren, Wissenschaftlern und IT-Experten in Forschung und Entwicklung; 2) den Angestellten im Marketing und Controlling; 3) den Arbeitern in ausgewählten Zweigen der Fertigung. Um die Spezifika der Entwicklungen in Deutschland erfassen zu können, soll die Arbeit als asymmetrischer Vergleich angelegt werden, der immer wieder Bezug nimmt auf die DDR sowie die USA und Frankreich.

Das Forschungsprojekt untersucht, wie zwischen dem 19. und dem späten 20. Jahrhundert um das Verständnis von „der“ Familie gerungen wurde, in welche rechtlichen und politischen Rahmen die Debatten eingebettet waren und wie sich die familialen Praktiken hierzu verhielten. Es werden sowohl die langen Linien der Veränderungen als auch der Einfluss bestimmter historischer Konstellationen ermittelt.

Die Aushandlungsprozesse behandelten die Funktionen der Institution Familie für die Gesellschaft wie auch die Bedeutung einer Familiengemeinschaft auf dem individuellen Lebensweg. Damit verknüpft war die Vorstellung, dass „die“ Familie eine Ordnungsfunktion übernehme und als Schutzraum firmiere, der Sicherheit und Stabilität spende. Die Familie integriere so die Individuen in die jeweilige Gesellschaftsordnung, lautete ein Diktum. Allerdings divergierten die Ansichten darüber, was eine Familie sei, wie die Aufgabenverteilung in der Familie geregelt werden müsse und welche Funktionen eine Familie übernehme. Die Ansichten hierzu veränderten sich nicht radikal und plötzlich, wie in einer stillen Revolution. Vielmehr verlief der Wandel graduell und war eingebettet in langfristige konfliktbehaftete Aushandlungsprozesse, weshalb er sich wie eine laute Evolution vollzog.

Es wird argumentiert, dass sich die Sozialstruktur der Familie in den 1970er Jahren weitaus weniger stark wandelte, als die zeitgenössische Debatte auf den ersten Blick vermuten lässt. Stattdessen müssen die Veränderungen beim Reden über „Familie“ und den rechtlichen Rahmenbedingungen verortet werden. Zudem wird gezeigt, wie die Austauschbeziehung zwischen sozialen Praktiken und Idealen entscheidend vom politischen System abhing. So veränderten sich in den demokratischen Gesellschaften der Weimarer Republik und der Bundesrepublik als Erstes die sozialen Praktiken in gesellschaftlichen Teilgruppen sowie partiell auch die gesamtgesellschaftlich geführten und öffentlich verhandelten Diskurse um die Familienideale. In autoritären Regimen, wie dem Dritten Reich und der DDR, wandelten sich demgegenüber zunächst die politisch gesetzten Diskurse über Familienideale und im Anschluss wurden die institutionellen Rahmenbedingungen durch Gesetzesreformen an die neuen Leitlinien angepasst. Gleichwohl erfolgte auch in Demokratien eine Wertsetzung über Gesetzesreformen, wie exemplarisch anhand der Debatten um die Reform des Familien- und Scheidungsrechts in den 1970er Jahren gezeigt wird.

Aus dem Projekt resultierte die Habilitationsschrift „Familie im 20. Jahrhundert. Konflikte um Ideale, Politiken und Praktiken“  Link zum Buch

Sie erschien im September 2019 bei De Gruyter Oldenbourg.

HSU

Letzte Änderung: 5. November 2019