{"id":372,"date":"2020-10-02T10:54:37","date_gmt":"2020-10-02T08:54:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/hisost\/?page_id=372"},"modified":"2024-01-05T12:08:07","modified_gmt":"2024-01-05T11:08:07","slug":"aktuelle-forschungsprojekte-von-prof-dr-joern-happel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/hisost\/forschung\/aktuelle-forschungsprojekte-von-prof-dr-joern-happel\/","title":{"rendered":"Aktuelle Forschungsprojekte von Prof. Dr. J\u00f6rn Happel"},"content":{"rendered":"<br \/>\n<h3>Der Aralsee<\/h3>\n<p>Die Vermessung des Imperiums. Der Aralsee, seine Erforschung und das Russl\u00e4ndische Reich im 19. Jahrhundert<\/p>\n<p>Mit der Erstbesegelung des Aralsees 1848\/49 untersucht das Forschungsprojekt die Geschichte Russlands unter transnationaler Perspektive. Gefragt wird nach den Wissenschaftsbeziehungen \u2013 in erster Linie den deutsch-russischen. Im Zentrum stehen \u00a0weiterhin die technische Erschlie\u00dfung der zentralasiatischen Peripherie und die Verortung Russlands in einer neu verstandenen europ\u00e4ischen Kolonialgeschichte, indem auf die Wechselwirkungen zwischen Kolonisierern und Kolonisierten fokussiert wird. Besonders aufschlussreich sind hierbei \u00a0die zahlreichen Zeichnungen des Expeditionsmalers. Sie wurden bislang nicht auf ihre Aussagekraft f\u00fcr eine russisch-europ\u00e4ische Kolonial- und Technikgeschichte befragt. \u00dcber die Zeichnungen gelingt ein innovativer Zugang zur Geschichte der Vermessung des Russl\u00e4ndischen Imperiums.<\/p>\n<p>Mit diesem Forschungsprojekt wurde J\u00f6rn Happel in das <a href=\"https:\/\/www.dfg.de\/foerderung\/programme\/einzelfoerderung\/heisenberg\/index.html\" rel='nofollow'>Heisenberg-Programm<\/a> der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aufgenommen.<\/p>\n<h3>Die Oxus-Frage<\/h3>\n<p>Ein Fluss, m\u00e4chtig und breit, schl\u00e4ngelt sich durch die W\u00fcste. Nach \u00fcber 1000 Kilometern wird er zunehmend kleiner: bis auf eine Flussrinne zusammenschrumpfend. Daneben ein Flussbett, eingenommen von sandigen Transversald\u00fcnen. Immer enger wird die Rinne, immer breiter werden die Sandfl\u00e4chen um sie herum. Letztlich verschwindet das B\u00e4chlein, einen letzten unter der Sonnenhitze austrocknenden Sumpf bildend.<\/p>\n<p>Sucht man heute die M\u00fcndung des Amudarja auf, braucht es keine Gummistiefel. Wo genau der Fluss seinen letzten Tropfen in der Karakum-W\u00fcste versiegen l\u00e4sst, wei\u00df niemand so genau. Die Fragen \u00fcber den Flussverlauf des Amudarja, \u00fcber seine M\u00fcndung und seine Kan\u00e4le sind deshalb heute ebenso weitgehend unbeantwortbar wie vor \u00fcber 100 Jahren, als die Oxus-Frage europ\u00e4ische Wissenschaftler als Problem der Erdkunde besch\u00e4ftigte, und wie vor \u00fcber 200 Jahren, als sich Peter der Gro\u00dfe des Flusses anzunehmen gedachte. Der Oxus sollte umgeleitet werden und in das Kaspische Meer flie\u00dfen.<\/p>\n<p>Im Zentrum des Forschungsprojekts steht der Amudarja, der antike Oxus, der auf Arabisch \u011eayh\u016bn genannte Fluss. Es geht darum, ihn im Zusammenspiel der Wissenschaften zu entdecken und einzufangen. Ich konzentriere mich dabei auf die europ\u00e4ischen geographischen Forschungen des 19. Jahrhunderts und begebe mich mit den Quellen fr\u00fcherer Jahrhunderte zur\u00fcck auf eine Suche nach einem Fluss, der sich einst nicht b\u00e4ndigen lie\u00df.<\/p>\n<p>Gesichertes Wissen \u00fcber den Oxus sollte wissenschaftliche Erkenntnisse mehren, milit\u00e4rische \u00dcberlegungen in Karten umsetzen helfen und \u00f6konomisches Potential in Aussicht stellen. Gesprochen mit einem der bedeutendsten Orientalisten des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts, dem Petersburger Wilhelm Bartold (Vasilij V. Bartol\u2019d), spiegelte sich im Streit um den Lauf des Oxus wie bei keinem anderen Problem des 19. Jahrhunderts \u201edie Zukunft der wissenschaftlichen Erdkunde\u201c (1910). F\u00fcr zahlreiche Wissenschaftler und Publizisten besa\u00df die Beantwortung der Oxus-Frage mithilfe der Umleitung des Flusses in das Kaspische Meer zudem politische Sprengkraft. Der New York Herald glaubte im Jahre 1879:<\/p>\n<p>\u201eIt is highly probable that when the future historian of the nineteenth century, viewing its great events with the dispassionateness and calmness of the twentieth century, shall sum up its most radical political changes he will assign the first place in importance to the reopening of Central Asia to the civilization of the West.\u201c<\/p>\n<h3>Europas Urangst vor dem Osten<\/h3>\n<p>Asiatische Reiter \u2013 Bolschewistische Monstren. Europas Urangst vor dem Osten<\/p>\n<p>Die Zerst\u00f6rung durch unberechenbare Reiter stellt Europas Urangst vor dem \u201eOsten\u201c dar. Dies kann anhand einer europ\u00e4ischen Bild- und Quellensprache seit dem Fr\u00fchmittelalter belegt werden. Immer wieder hatten Reiterv\u00f6lker f\u00fcr Angst und Schrecken in Europa gesorgt. In ihnen wurde der Untergang der Christenheit gesehen: Die Reiter galten als Abk\u00f6mmlinge der Gog und Magog \u2013 jener alttestamentarischen V\u00f6lker, die im Neuen Testament im Gefolge des Antichristen erscheinen. Schlie\u00dflich wurde im 13. Jahrhundert mit dem Mongolensturm Europas Urangst mit einem konkreten Volk verbunden. Im Ausdruck Mongolensturm schwebt bis heute die Angst vor dem Untergang durch anst\u00fcrmende Barbaren mit. Mit diesem Projekt wird das Ziel verfolgt, einen neuen Zugang zur Darstellungsgeschichte Osteuropas als gef\u00e4hrlichen asiatischen Gegenraum des Westens zu erproben. Grenzen und Jahrhunderte \u00fcberschreitend werden Bilddiskurse offengelegt, die die historische Auseinandersetzung zwischen sesshaften und nicht sesshaften Kulturen thematisieren.<\/p>\n<h3> Besatzungsverwaltung in Polen 1915-1918<\/h3>\n<p>&#8222;Kr\u00f3lestwo Polskie w oczach austro-w\u0119gierskiej administracji okupacyjnej w latach 1915-1918&#8220; (&#8222;Das K\u00f6nigreich Polen in den Augen der \u00f6sterreichisch-ungarischen Besatzungsverwaltung in den Jahren 1915-1918&#8220;)<\/p>\n<p>Seit Januar 2024 ist eine internationale Arbeitsgruppe an der UMCS Lublin und der <abbr title=\"Helmut Schmidt Universit\u00e4t\">HSU<\/abbr> damit besch\u00e4ftigt, die k&amp;k-Besatzungszeit w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs in Polen systematisch zu erschlie\u00dfen. Das auf 60 Monate angelegte Projekt wird vom polnischen Bildungsministerium unterst\u00fctzt. Geplant sind eine Website, mehrere eigenst\u00e4ndige Monografien sowie Workshops und Konferenzen.<\/p>\n<p><em>&#8230;weitere Informationen folgen&#8230;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Aralsee Die Vermessung des Imperiums. Der Aralsee, seine Erforschung und das Russl\u00e4ndische Reich im 19. 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