{"id":2686,"date":"2025-01-01T22:23:58","date_gmt":"2025-01-01T21:23:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/hisost\/?page_id=2686"},"modified":"2025-01-02T11:59:32","modified_gmt":"2025-01-02T10:59:32","slug":"historische-zeitbilder-prof-dr-joern-happel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/hisost\/mitarbeiter\/prof-dr-joern-happel\/historische-zeitbilder-prof-dr-joern-happel\/","title":{"rendered":"Historische Zeitbilder"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Russlands Rote Revolution. Ein Oktober mit vielen Gesichtern<\/strong><br>Eine (fiktive) Ausstellung an der Christian-Albrechts-Universit\u00e4t zu Kiel, sechs Werbefilme, phantasiereiche Begleittexte eines klassischen Proseminars sowie viele offene Fragen \u2013 ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr mehr k\u00fcnstlerische Freiheiten im universit\u00e4ren Geschichtsunterricht<br>Seminarleitung: <abbr title=\"Privatdozent\">PD<\/abbr> <abbr title=\"Doktor\">Dr.<\/abbr> J\u00f6rn Happel &#8212; Kiel, im Sommer 2019<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Am Anfang war die Revolution. Oder doch Marx?<\/strong><br>Zwei Lehrveranstaltungen widmeten sich im Sommersemester 2019 an der Christian-Albrechts-Universit\u00e4t zu Kiel den Geschehnissen rund um die Russische Oktoberrevolution von 1917. Das Proseminar zur Einf\u00fchrung in die Geschichtswissenschaften nahm sich der textuellen und fotografischen Quellen an und analysierte die Ereignisse aus der Perspektive der sie erlebenden Menschen. Die \u00dcbung zur Au\u00dferschulischen Didaktik stand vor der Herausforderung, eine Ausstellung \u00fcber die Revolution zu konzipieren \u2013 und f\u00fcr diese Werbung zu machen. So weit die Aufgaben. Die Ergebnisse werden hier vorgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Proseminararbeiteten die Studierenden begleitend zu den Seminarsitzungen an historischen Essays. Alles war erlaubt: das Verfassen eigener Tagebucheintr\u00e4ge fiktiver oder realer Personen zur Zeit der Revolution, wissenschaftliche Betrachtungen oder die Arbeit an einem Poetry-Slam. Wichtig war stets die R\u00fcckbindung an die Quelle. Das Vetorecht der Quellen wurde beschworen, hier mal freier, hier mal enger ausgelegt. Entstanden ist ein Potpourri an phantasiereichen Einblicken in das Russland der Revolution. Dabei blieb eine Frage bis zuletzt offen: Am Anfang war die Revolution. Oder doch Marx? <a href=\"https:\/\/dg.philhist.unibas.ch\/fileadmin\/user_upload\/dg\/Russlands_Rote_Revolution--Essays.pdf\" rel='nofollow'>Lesen Sie selbst\u2026<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Zwar sollte in der \u00dcbung eine Ausstellung konzipiert werden, doch im Mittelpunkt stand nicht die Ausstellung an sich, sondern wie man eine solche am besten bewerben k\u00f6nnte. Die Studierenden erarbeiteten ein Konzept, das diesem Zeitbild seinen Namen verlieh: \u201eRusslands Rote Revolution. Ein Oktober mit vielen Gesichtern\u201c. Waren diese sechs Gesichter endlich nach langen Diskussionen und vielf\u00e4ltiger Lekt\u00fcre gefunden, wurde ein Werbemittel gesucht. Wie Lenin und Trotzki schrieben wir dem Film die h\u00f6chste agitatorische Kraft zu. Lenin hatte einst formuliert: \u201eVon allen K\u00fcnsten ist f\u00fcr Russland meiner Meinung nach die wichtigste \u2013 das Kino.\u201c Wir drehten sodann Filmchen von maximal 1:50 Minute L\u00e4nge \u2013 Teaser, die potentiell Interessierte in eine Ausstellung gelockt h\u00e4tten. Die Spannbreite der Themen ist weit: die fr\u00fche Revolution\u00e4rin Vera Figner, der orthodoxe Patriarch Tichon, ein fiktiver Bauer auf der Suche nach seinem Platz im neuen Russland, die Revolution\u00e4rin par excellence Larissa Reissner, der Gegenrevolution\u00e4r Lavr Kornilov und zwei Quadrate auf ihrem Weg zur Erde (ein Animationsfilm nach El Lissitzky). Schauen Sie, staunen Sie selbst: <a href=\"https:\/\/dg.philhist.unibas.ch\/fileadmin\/user_upload\/dg\/Kornilov_Trailer.zip\" rel='nofollow'>Lavr Kornilov<\/a> \/ <a href=\"https:\/\/dg.philhist.unibas.ch\/fileadmin\/user_upload\/dg\/larissa_reissner.zip\" rel='nofollow'>Larissa Reissner<\/a> \/ <a href=\"https:\/\/dg.philhist.unibas.ch\/fileadmin\/user_upload\/dg\/Figner.zip\" rel='nofollow'>Vera Figner<\/a> \/ ein Bauer \/ <a href=\"https:\/\/dg.philhist.unibas.ch\/fileadmin\/user_upload\/dg\/Lissitzky__2_.zip\" rel='nofollow'>El Lissitzky<\/a> \/ <a href=\"https:\/\/dg.philhist.unibas.ch\/fileadmin\/user_upload\/dg\/Tichon2.zip\" rel='nofollow'>Patriarch Tichon<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Studierenden des Proseminars: Jonas Burmeister, Henri Giebeler, Felix Grage, Isabelle Heilmann, Merle zu Hoene, K\u00fcbra Koyun, Lennart Nagels, Anabel Pospiech, Broder S\u00f6hl, Paulina Hermine Stahr, Max Stolte, Roko Strize, Bennet Suttkus, Lena Tetzlaff, Neela Welge sowie Yella Susanne Nicklaus als studentische Tutorin.<br>Die Studierenden der \u00dcbung Jasmin Drogat, Ana Carolina Feij\u00f3, Jakob Goebel, Olesya Lemke, Fabian Schmuck und Leonard Lill als unser technisch-k\u00fcnstlerischer Berater.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Revolutionen! Petrograd 1917, Kiel 1918, Kron\u0161tadt 1921<\/strong><br>Revolutionen sind die Lokomotiven der Geschichte \u2013 schrieb Karl Marx im Jahre 1850. Wie sehr Revolutionen die geschichtliche Entwicklung umwarfen, wie sie in der Zeit interpretiert und sp\u00e4terhin umgedeutet wurden, diesen Fragen n\u00e4herten wir uns im Hauptseminar an der Universit\u00e4t Konstanz im Sommersemester 2018. Im Mittelpunkt standen drei strukturell, kulturell, \u00f6konomisch und national unterschiedliche Revolutionen in Petrograd, Kiel und Kron\u0161tadt. Doch als die Zentralmacht wankte, schlug in allen drei Untersuchungsorten die Stunde der Matrosen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was passierte auf den Stra\u00dfen, in den Werften, auf den Schiffen, in den Parlamenten w\u00e4hrend der Tage des Umbruchs? Hautnah wollten wir an den Ereignissen dran sein. Auf Grundlage dichter und intensiver Quellenarbeit verfassten die Studierenden deshalb Zeitungsreportagen. Sie versetzten sich als Journalistinnen und Journalisten zur\u00fcck nach Kiel, Petrograd und in die belagerte Festung Kron\u0161tadt, sie sprachen mit den Akteuren, berichteten ihren zeitgen\u00f6ssischen Lesern von den unglaublichen Ereignissen, vom Aufbegehren der Matrosen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben mithilfe der Reportagen eine fiktive Geschichte der Revolutionen verfasst. Dabei nahmen wir verschiedene Blickwinkel ein, so wie auch die damaligen Zeitungen politisch unterschiedliche Sichtweisen vertraten: Von der national-konservativen bis zur kommunistischen Zeitung ist bei uns jede politische Denkrichtung vertreten. Dadurch sind wir ebenfalls Teil einer Mediengeschichte, die sich kritisch mit der Rolle und den Einflussm\u00f6glichkeiten der Zeitungen befasst. Lesen Sie selbst: <a href=\"https:\/\/dg.philhist.unibas.ch\/fileadmin\/user_upload\/dg\/Revolutionen--Reportagen_aus_Petrograd_Kiel_und_Kronstadt--2018.pdf\" rel='nofollow'>So k\u00f6nnte es gewesen sein\u2026<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Konstanz, im August 2018, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Sch\u00f6nheit des Meeres. Die Erstbeschreibung des Aralsees 1848\/49 und das Russl\u00e4ndische Imperium<\/strong><br><strong>Universit\u00e4t Konstanz, WS 2017\/18<br><\/strong>Kapit\u00e4n Butakov und der Dichter und Maler \u0160ev\u010denko \u2013 zwei ungleiche M\u00e4nner mit der gleichen Vision: Die Erstbesegelung und -beschreibung des 1848\/49 noch fast unbekannten Aralsees, der im Russischen und Kasachischen aufgrund seiner gewaltigen Wasserfl\u00e4che als Meer bezeichnet wird. Beiden erschloss sich vor Ort, vor allem jedoch in den Zeichnungen des Ukrainers, die Sch\u00f6nheit des Meeres, die heute nach dem Austrocknen nicht einmal mehr zu erahnen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgehend von Butakovs Reisetagebuch hatte unser Oberseminar im Wintersemester 2017\/18 an der Universit\u00e4t Konstanz eine begleitende Reiselekt\u00fcre verfasst. Als Schreibwerkstatt konzipiert, entstanden in langen Lese- und Redaktionssitzungen sorgf\u00e4ltig bearbeitete und ausgew\u00e4hlte Texte. Der Stil mag unterschiedlich sein. Die Begeisterung f\u00fcr das Thema erfasste uns jedoch alle. Die Textarbeit war \u00e4u\u00dferst intensiv, viel musste gelesen, viel verworfen, viel umgeschrieben werden. <a href=\"https:\/\/dg.philhist.unibas.ch\/fileadmin\/user_upload\/dg\/Verwuestete_Schoenheit--final.pdf\" rel='nofollow'>Doch nur so gelang eine Reise zur\u00fcck in das Jahr 1848\/49, in das russische Asien, an die Ufer des Meeres, auf das Deck des Schoners \u201eKonstantin\u201c, neben die Staffelei \u0160ev\u010denkos\u2026 (pdf)<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Konstanz, im Februar 2018, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Teilungen Polens als transnationales Medienereignis<\/strong><br>\u201eNoch ist Polen nicht verloren\u201c, heisst es in der polnischen Nationalhymne von 1797. Doch zwei Jahre zuvor besiegelte die dritte Teilung Polens das Ende der staatlichen Eigenst\u00e4ndigkeit jenes Reichs, das seit dem Mittelalter immer wieder die europ\u00e4ische Geschichte mitbestimmt hatte. Doch Polen war mehr als nur ein Staat \u2013 der Glaube an Polen und an die Wiedererlangung seiner Staatlichkeit ging auch nach 1795 und nach dem Wiener Kongress 1814\/15 nicht verloren, wenngleich dieses Ziel erst nach dem Ersten Weltkrieg erreicht wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Beobachtet von der \u201eWeltpresse\u201c waren die Teilungen transnationale Medienereignisse. Im Proseminar haben wir zeitgen\u00f6ssische Quellen vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis zum Ende des Wiener Kongresses 1814\/15 analysiert. Stets schauten wir auf die internationale Berichterstattung in Zeitungen, Flugschriften oder auf Karikaturen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten in die Zeit zur\u00fcckreisen und aus den Quellen heraus journalistische Beitr\u00e4ge verfassen. Investigativ gingen die Studentinnen und Studenten vor: Sie berichten auf den folgenden Seiten \u00fcber einen Spaziergang mit Tadeusz&nbsp;Ko\u015bciuszkodurch Solothurn, \u00fcber die Nacht der ersten Teilung Polens aus der Sicht eines Juristen, \u00fcber das Gem\u00e4lde eines gescheiterten K\u00f6nigs, \u00fcber die Bauern an der weissrussischen Grenze, \u00fcber die Teilungen Polens als Sportereignis\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zentrum aller Artikel stand die Rekonstruktion vergangener Lebenswelten. Erstellt wurden Zeitbilder, die auf Quellen fussend eine lebensweltliche Beschreibung und Analyse des von Aussen nach Polen getragenen Untergangs der alten Adelsrepublik erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schauen Sie selbst: <a href=\"https:\/\/dg.philhist.unibas.ch\/fileadmin\/user_upload\/dg\/Die_Teilungen_Polens--Basel_HS_2016.pdf\" rel='nofollow'>So k\u00f6nnte es gewesen sein \u2013&nbsp;die Teilungen Polens als transnationales Medienereignis\u2026&nbsp;(pdf)<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Basel, im Dezember 2016, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Proseminars.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Diplomaten-Netzwerke im Moskau der 1920er\/30er Jahre<\/strong><br>Im Proseminar zu den Diplomaten-Netzwerken wurden wieder Zeitbilder von den Studentinnen und Studenten erstellt, die einen beredten Einblick geben in das Alltagsleben von Menschen in der russischen Hauptstadt w\u00e4hrend der Neuen \u00d6konomischen Politik und des beginnenden Stalinismus. Im Zentrum stehen die Lebenswelten von Diplomatinnen und Diplomaten. Schauen Sie selbst: So k\u00f6nnte es gewesen sein&#8230; (pdf).<\/p>\n\n\n\n<p>Viel Spass beim Lesen w\u00fcnschen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie der Dozent.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Rus&#8216;. Osteuropa im 9. und 10. Jahrhundert<\/strong><br>Wer waren die Rus&#8216;? Wo und wie lebten sie im 9. und 10. Jahrhundert? Wer schrieb \u00fcber sie? Mit wem hatten sie Kontakt? Was arbeiteten, assen und tranken sie? Und wie bestatteten sie ihre Toten?<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zentrum meines Proseminars &#8222;Die Rus`. Osteuropa im 9. und 10. Jahrhundert&#8220; (Herbstsemester 2011) stand die Rekonstruktion vergangener Lebenswelten und das Erstellen von Zeitbildern. Hierbei orientierten wir uns an den Arbeiten von Carsten Goehrke (Russischer Alltag, 3. Bde., Z\u00fcrich 2003-2005). Wir untersuchten ein Semester lang Quellen von und \u00fcber die Rus&#8216;, wodurch &#8212; auf historischen Arbeiten fussend &#8212; eine Beschreibung des Alltags in der Rus&#8216; sowie der Gefahren und Herausforderungen, denen die Menschen im osteurop\u00e4ischen Mittelalter ausgesetzt waren, entstand. Kurz:&nbsp;<a href=\"https:\/\/dg.philhist.unibas.ch\/fileadmin\/user_upload\/dg\/Zeitbilder-PS-Rus-HS-2011-jh.pdf\" rel='nofollow'>So k\u00f6nnte es gewesen sein&#8230;&nbsp;(pdf)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Russlands Rote Revolution. 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