{"id":1023,"date":"2021-05-12T16:16:34","date_gmt":"2021-05-12T14:16:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/hisost\/?page_id=1023"},"modified":"2023-02-28T17:16:25","modified_gmt":"2023-02-28T16:16:25","slug":"call-for-paperstourismus-und-aussoehnung-in-europa","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hsu-hh.de\/hisost\/call-for-paperstourismus-und-aussoehnung-in-europa\/","title":{"rendered":"Workshop: Tourismus und Auss\u00f6hnung in Europa"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.hsu-hh.de\/hisost\/wp-content\/uploads\/sites\/832\/2021\/05\/Biarritz-Plage-de-la-Cote-des-Basques-Sauveteurs-byRundvald-1024x768.jpg\" data-credit=\"wikicommens\" alt=\"Strand\" class=\"wp-image-1018\" srcset=\"https:\/\/www.hsu-hh.de\/hisost\/wp-content\/uploads\/sites\/832\/2021\/05\/Biarritz-Plage-de-la-Cote-des-Basques-Sauveteurs-byRundvald-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.hsu-hh.de\/hisost\/wp-content\/uploads\/sites\/832\/2021\/05\/Biarritz-Plage-de-la-Cote-des-Basques-Sauveteurs-byRundvald-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.hsu-hh.de\/hisost\/wp-content\/uploads\/sites\/832\/2021\/05\/Biarritz-Plage-de-la-Cote-des-Basques-Sauveteurs-byRundvald-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.hsu-hh.de\/hisost\/wp-content\/uploads\/sites\/832\/2021\/05\/Biarritz-Plage-de-la-Cote-des-Basques-Sauveteurs-byRundvald-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.hsu-hh.de\/hisost\/wp-content\/uploads\/sites\/832\/2021\/05\/Biarritz-Plage-de-la-Cote-des-Basques-Sauveteurs-byRundvald-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.hsu-hh.de\/hisost\/wp-content\/uploads\/sites\/832\/2021\/05\/Biarritz-Plage-de-la-Cote-des-Basques-Sauveteurs-byRundvald-1100x825.jpg 1100w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Im 20. Jahrhundert standen sich Europ\u00e4er*innen in zwei Weltkriegen in t\u00f6dlicher Feindschaft gegen\u00fcber, die von der Idee eines Gegensatzes nationaler Gemeinschaften inspiriert war. Die Nachwirkungen dieser Feindschaft lassen sich nicht allein an der Zahl der Toten und Versehrten bemessen, auch die Obdachlosen, die Traumatisierten, diejenigen, die den Verlust geliebter Menschen hinnehmen mussten und jene, deren Lebensplanung abrupt umgest\u00fcrzt wurde, hatten starke individuelle Motive, den Kriegsgegner*innen weiterhin feindlich gegen\u00fcberzustehen. Die kollektive Erinnerungs- und Identit\u00e4tsbildung verallgemeinerte diese Feindbilder in nationalen Narrativen von gro\u00dfer Persistenz.<\/p>\n<p>Andererseits gab es beispielsweise im deutsch-franz\u00f6sischen Verh\u00e4ltnis auf individuellen Initiativen beruhende Auss\u00f6hnungsans\u00e4tze, die sich untern anderem in zahlreichen St\u00e4dtepartnerschaften niederschlugen. Und die Verschlechterung der Beziehungen zur Sowjetunion sorgte daf\u00fcr, dass auch auf einer staatlichen Ebene nach neuen B\u00fcndnissen gesucht wurde. Angesicht des neuen gemeinsamen Feindes in Osteuropa betrieben die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und vieler westeurop\u00e4ischer Staaten, die dem nationalsozialistischen Angriffskrieg zum Opfer gefallen waren, bald eine Auss\u00f6hnungspolitik, die sich in Vertr\u00e4gen und Vers\u00f6hnungsgesten niederschlug. Gleichzeitig gab es aber auch Bem\u00fchungen der Bundesrepublik Deutschland, sich mit den Staaten jenseits des \u201eEisernen Vorhanges&#8220;, die am schlimmsten unter der nationalsozialistischen Besatzungspolitik zu leiden gehabt hatten, wieder auszus\u00f6hnen. Doch Feindbilder im kollektiven Ged\u00e4chtnis sind z\u00e4h und an direkten Begegnungen im Rahmen von Freundschaftsinitiativen nahm nur ein verschwindend geringer Prozentsatz der Bev\u00f6lkerungen teil.<\/p>\n<p>Wie konnte also Auss\u00f6hnung unterhalb der offiziellen Ebene von Staatsakten gelingen, wie kamen die Menschen ehemals verfeindeter Staaten in einen friedlichen, wohlwollenden Kontakt miteinander? Die wohl wichtigste Ebene bildet hierbei der internationale Tourismus, der ab den 1950er Jahren durch die Mobilit\u00e4tsrevolution, steigenden Lebensstandard und die Kodifizierung von Anspr\u00fcchen auf Erholungsurlaub einen Durchbruch erlebte. Millionen von Menschen bereisten zun\u00e4chst \u00fcberwiegend mit dem Automobil die europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4nder und ab den 1970er Jahren per Flugzeug auch weiter entfernte Staaten.<\/p>\n<p>Der westdeutsche Auslandtourismus richtete sich, so eine Hypothese, nicht zuf\u00e4llig zun\u00e4chst verst\u00e4rkt nach \u00d6sterreich, dann nach Italien und schlie\u00dflich auch ins franquistische Spanien. Alle drei waren nicht von der Wehrmacht \u00fcberfallen worden, sondern zun\u00e4chst faschistische Verb\u00fcndete &#8211; im Gegensatz zu Frankreich, den Beneluxl\u00e4ndern und D\u00e4nemark, wo deutsche Tourist*innen noch lange mit Ablehnung rechnen mussten. Das Ausw\u00e4rtige Amt sah sich gen\u00f6tigt, deutsche Urlauber*innen zu warnen, bei Frankreichbesuchen keine Erinnerungsfotos an ehemaligen Stationierungsorten zu schie\u00dfen und sich mit Kriegserinnerungen nicht \u00f6ffentlich zu \u00e4u\u00dfern. Andersherum mieden d\u00e4nische Tourist*innen zun\u00e4chst ihr ehemals beliebtestes Auslandsziel und beherbergten auch im eigenen Land lieber norwegische und schwedische Ferieng\u00e4ste als deutsche.<\/p>\n<p>In Osteuropa trafen Tourist*innen meist im Rahmen von Konzepten \u201everordneter Freundschaft\u201c auf B\u00fcrger*innen der \u201eBruderstaaten\u201c. Der antifaschistische Grundkonsens der regierenden Kommunistischen Parteien sollte die realen Konfliktlinien des Zweiten Weltkrieges einebnen. Nicht nur die erst wenige Jahre zur\u00fcckliegende Beteiligung von sp\u00e4teren B\u00fcrger*innen der DDR am rassistischen Vernichtungskrieg in ganz Osteuropa, auch die blutigen Konflikte zwischen Ukrainer*innen und Pol*innen, die Besetzung der unabh\u00e4ngigen Staaten Litauen, Lettland und Estland durch die Sowjetunion, Umsiedlungen und Grenzverschiebungen sollten dadurch verdeckt werden. Lie\u00dfen sich ehemalige Feindbilder und individuelle Erinnerungen tats\u00e4chlich so einfach durch kollektive Identit\u00e4tsentw\u00fcrfe von oben \u00fcberschreiben?<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund soll im Rahmen des Workshops nach einer alltagsgeschichtlichen Perspektive europ\u00e4ischer Auss\u00f6hnung gefragt werden. Inwiefern trugen durch Tourismus entstandene pers\u00f6nliche Kontakte zum Abbau von Feindbildern bei und inwiefern wurden touristische Kontakte vom Fortbestehenden eben dieser Feindbilder erschwert? Welchen Beitrag leistete der internationale Tourismus zur Auss\u00f6hnung und wo stand die fr\u00fchere Kriegsgegnerschaft dem Tourismus im Wege? Willkommen sind Beitr\u00e4ge zu allen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern und Regionen, von qualitativen Fallstudien bis zu quantitativen Analysen der Tourismuskontakte, die diesen Fragenkomplex ber\u00fchren. \u00dcber die klassischen Tourismusformen wie Pauschalreise, Individualreise, Camping <abbr title=\"et cetera\">etc.<\/abbr> sind viele weitere Themenfelder denkbar:<\/p>\n<p>&#8211; Sch\u00fcleraustausch und Klassenfahrten<br \/>&#8211; St\u00e4dtepartnerschaften<br \/>&#8211; Ausl\u00e4ndische Fans bei internationalen Sportereignisse<br \/>&#8211; Internationaler Amateursport<br \/>&#8211; \u201eHeimwehtourismus\u201c \/ <em>heritage tourim<\/em><br \/>&#8211; Kreuzfahrten<br \/>&#8211; Pilgerorte<br \/>&#8211; <em>Battlefield tourism<\/em><br \/>&#8211; \u201eKleiner Grenzverkehr\u201c<br \/>&#8211; Musikfestivals<br \/>&#8211; Tourismusabkommen<br \/>&#8211; Etc.<\/p>\n<p>Der Workshop findet vom 01.09.2022 \u2013 02.09.2022 in L\u00fcneburg als Kooperation des Lehrstuhls f\u00fcr Osteurop\u00e4ische Geschichte an der Helmut-Schmidt-Universit\u00e4t Hamburg mit dem Institut f\u00fcr Kultur und Geschichte der Deutschen in Nord-Ost Europa e.V. statt. Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch. <\/p>\n<p>Bei R\u00fcckfragen wenden Sie sich gerne an Jan-Hinnerk Antons (antonsj@hsu-hh.de).<\/p>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Im 20. Jahrhundert standen sich Europ\u00e4er*innen in zwei Weltkriegen in t\u00f6dlicher Feindschaft gegen\u00fcber, die von der Idee eines Gegensatzes nationaler Gemeinschaften inspiriert war. 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